Pilo-Klasse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Pilo-Klasse war eine Klasse von acht verhältnismäßig kleinen Torpedobootszerstörern der italienischen Regia Marina, die erste von vier in den Jahren von 1913 bis 1919 gebauten Klassen von Booten nahezu gleicher Größe, die sich nur hinsichtlich ihrer Bewaffnung unterschieden. Auf die Pilo-Klasse von 1913 mit acht Booten folgten die Sirtori-Klasse von 1916 mit vier Booten, die La-Masa-Klasse von 1916 mit acht Booten und schließlich die Cantore- oder auch Generali-Klasse von 1919 mit sechs Booten. Sie alle verdrängten zwischen 615 und 709 Tonnen (standard), waren 73–73,5 m lang und 7,3 m breit und hatten drei Schornsteine. Alle wurden am 1. Oktober 1929 zu Torpedobooten umklassifiziert.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pilo-Klasse war eine Weiterentwicklung der Indomito-Klasse. Ihre Hauptartillerie war erheblich verstärkt und von einheitlichem Kaliber, und die Reichweite war durch größere Bunkerkapazität erhöht. Sieben Boote der Klasse wurden 1913 auf Kiel gelegt, das achte im Januar 1914. Sechs Boote wurden bei Cantieri Odero in Sestri Ponente gebaut, die beiden anderen bei Cantieri Pattison in Neapel. Die Indienststellung erfolgte in den Monaten Mai 1915 bis Januar 1916.

Die Boote waren 73,0 m lang (72,5 m in der Wasserlinie) und 7,3 m breit und hatten maximal 2,7 m Tiefgang. Ihre Wasserverdrängung betrug 770 t (standard) und 912 t (maximal). Die Maschinenanlage bestand aus vier ölbefeuerten Thornycroft-Kesseln und zwei Tosi-Dampfturbinen, die 16.000 PS lieferten; bei der Antonio Mosto und der Francesco Nullo, die bei der Cantiere Pattison in Neapel gebaut worden waren, waren es lediglich 14.800 PS. Die Schiffe hatten zwei Wellen. Die Höchstgeschwindigkeit bei Indienststellung war 30 Knoten (bei der Antonio Mosto und der Francesco Nullo waren es 29 Knoten), war jedoch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs auf nur noch 25 Knoten gesunken. Die Bunkerkapazität betrug 150 Tonnen Öl, die Reichweite 1200 Seemeilen bei einer Marschgeschwindigkeit von 14 Knoten. Die Besatzung zählte 69 bis 79 Mann.

Sie waren ursprünglich mit fünf 10,2-cm-Kanonen Schneider-Armstrong L/35,[1] zwei 4-cm-Kanonen L/40 von Vickers-Terni, zwei 6,5-mm-MG L/80 und vier 45-cm-Torpedorohren in Einzelsätzen bewaffnet. Bis zu zehn Minen konnten mitgeführt werden. 1941/42 wurde die Bewaffnung der seit 1929 als Torpedoboote klassifizierten fünf noch verbliebenen Boote modifiziert, indem die Anzahl der 10,2-cm-Geschütze und Torpedorohre zugunsten verstärkter Flak-Bewaffnung reduziert wurde. Sie bestand nunmehr aus drei 10,2-cm-Kanonen, zwei 40-mm-Flak und sechs 20-mm-Flak L/65 von Breda sowie zwei 45-cm-Torpedorohren und zwei Wasserbombenwerfern.

Verbleib der Boote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Boot, die Ippolito Nievo, wurde bereits 1938 ausgemustert und abgewrackt. Die übrigen, obwohl inzwischen überaltert, versahen im Zweiten Weltkrieg Sicherungs- und Geleitdienste.

Zwei Boote, die Fratelli Cairoli und die Simone Schiaffino, gingen nach Minentreffern im Dezember 1940 bzw. April 1941 verloren. Die Giuseppe Dezza wurde nach der italienischen Kapitulation im September 1943 von ihrer Besatzung in Fiume selbstversenkt, von der deutschen Kriegsmarine am 16. September 1943 wieder gehoben und nach Reparatur am 9. Juni 1944 als TA 35 in Dienst gestellt. Sie lief am 17. August 1944 zwischen Brijuni und Rovinj im Kanal von Fasana nördlich von Pola auf eine deutsche Mine, brach in zwei Teile und sank sofort; es gab 71 Tote. Die Giuseppe Missori wurde am 10. September 1943 in Durazzo von der Kriegsmarine beschlagnahmt und als TA 22 in Dienst gestellt, am 25. Juni 1944 bei einem Fliegerangriff von Tuskegee Airmen südöstlich von Triest schwer beschädigt, nicht mehr repariert, am 11. August 1944 außer Dienst gestellt und am 2. Mai 1945 in Muggia bei Triest gesprengt. Das Wrack wurde 1949 verschrottet.

Drei Boote überstanden den Krieg. Die Rosolino Pilo wurde 1954 ausgemustert und abgewrackt. Die Giuseppe Cesare Abba und die Antonio Mosto wurden 1953 als Schnelle Minensucher umklassifiziert und entsprechend umgerüstet. Sie waren danach mit nur noch einem 10,2-cm-Geschütz, zwei (später vier) 20-mm-Flak L/65 und zwei Torpedorohren bewaffnet, besaßen nun aber auch Radar und Minenräumgeschirr. Die Giuseppe Cesare Abba wurde im September 1958, die Antonio Mosto im Dezember des gleichen Jahres ausgemustert.

Einheiten der Klasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name & Kennung Bauwerft Kiellegung Stapellauf Indienststellung Verbleib
Rosolino Pilo (PL) Cantieri Odero, Sestri Ponente August 1913 24. März 1915 Mai 1915 1954 ausgemustert
Giuseppe Cesare Abba (AB) Cantieri Odero, Sestri Ponente August 1913 25. Mai 1915 Juli 1915 1953 zum Minensucher umgerüstet, im September 1958 ausgemustert
Pilade Bronzetti (BR)
1921: Giuseppe Dezza (DZ)
Cantieri Odero, Sestri Ponente September 1913 26. Oktober 1915 Januar 1916 Im September 1943 in Fiume selbstversenkt; von der Kriegsmarine
geborgen und am 9. Juni 1944 als TA 35 in Dienst gestellt;
am 17. August 1944 nach Minentreffer im Kanal von Fasana
bei Pola gesunken
Giuseppe Missori (MS) Cantieri Odero, Sestri Ponente Januar 1914 20. Dezember 1915 März 1916 Am 10. September 1943 in Durazzo von der Kriegsmarine in Besitz
genommen und als TA 22 in Dienst gestellt;
am 25. Juni 1944 bei britischen Fliegerangriff südöstlich von
Triest schwer beschädigt; am 2. Mai 1945 in Triest gesprengt
Antonio Mosto (MO, MT) Cantieri Pattison, Neapel Oktober 1913 20. Mai 1915 Juli 1915 1953 zum Minensucher umgerüstet; im Dezember 1958 ausgemustert
Ippolito Nievo (NV) Cantieri Odero, Sestri Ponente August 1913 24. Juli 1915 Oktober 1915 Im April 1938 ausgemustert
Francesco Nullo
Jan. 1921: Fratelli Cairoli (CL)
Cantieri Pattison, Neapel September 1913 12. November 1914 Mai 1915 Am 23. Dezember 1940 vor Misrata auf von dem britischen
U-Boot Rorqual gelegte Mine gelaufen und gesunken
Simone Schiaffino (SF, SH) Cantieri Odero, Sestri Ponente September 1913 11. September 1915 November 1915 Am 24. April 1941 vor der Küste Tunesiens auf italienische
Mine gelaufen und gesunken

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.navweaps.com/Weapons/WNIT_4-35_m1914.htm

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. J. Whitley: Destroyers of World War Two: An International Encyclopedia. Naval Institute Press, Annapolis, 2000, ISBN 0-87021-326-1)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]