Pilot-Konditionierungsanlage Gorleben

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Pilot-Konditionierungsanlage Gorleben, Januar 2018

Die Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) in Gorleben ist eine Mehrzweckanlage, die in erster Linie zur Konditionierung abgebrannter Brennelemente im Hinblick auf deren Endlagerung dient. In der PKA sollen die Verpackungsverfahren für Brennelemente und radioaktive Abfälle entwickelt und optimiert werden. Sie ist damit ein wesentlicher Baustein des Entsorgungsweges der direkten Endlagerung. Dieser Entsorgungsweg, bei dem keine Wiederaufarbeitung der Brennelemente stattfindet, sollte ab 2005 laut Atomgesetz der einzige zulässige Weg sein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Errichtung der Anlage geht auf politische Entscheidungen Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre zurück, bei der die direkte Endlagerung von abgebrannten Brennelementen ohne Wiederaufarbeitung auf ihre Realisierbarkeit und sicherheitstechnische Bewertung untersucht werden sollte. Man rechnete mit ersten konkreten Aussagen zur Realisierbarkeit der technischen Umsetzung Mitte der 1980er Jahre, die Fabrikationsanlagen sowie die Anlagen des Bundes zur Sicherstellung und Endlagerung der radioaktiven Abfälle sollten spätestens zum Ende der 1990er Jahre betriebsbereit sein.

1985 bestätigte die Bundesregierung den Vorrang der Wiederaufarbeitung vor der direkten Endlagerung, hielt es aber für zweckmäßig, dass auch die direkte Endlagerung von Brennelementen weiterentwickelt wird.

1994 wurde die direkte Endlagerung als gleichwertiger Entsorgungsweg anerkannt.

Mit der Novellierung des Atomgesetzes 2002 wurde die Abgabe von Kernbrennstoffen zur Wiederaufarbeitung im Ausland ab Juli 2005 unzulässig.

Genehmigungsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 wurde der Antrag zum Bau und Betrieb einer Pilot-Konditionierungsanlage für radioaktive Reststoffe am Standort Gorleben gestellt.

Die erste atomrechtliche Teilgenehmigung wurde im Januar 1990 erteilt. Sie beinhaltete im Wesentlichen den Rohbau des Konditionierungsgebäudes und den anlagenumgebenden Zaun und Erdwall sowie das vorläufige positive Gesamturteil über das Anlagenkonzept.[1] Begleitet wurde der Bau von Aktionen von Atomkraftgegnern, u. a. durch Bauplatzbesetzung, Errichtung eines Hüttendorfes sowie einer Großdemonstration im Februar.[2]

Mit der 2. Teilgenehmigung wurden am 21. Juli 1994 die maschinen-, verfahrens-, elektro- und leittechnischen Einrichtungen und deren vorbetriebliche Erprobung genehmigt.

Mit der 3. Teilgenehmigung, die die Betriebsgenehmigung beinhaltet, wurde im Dezember 2000 die Konditionierung von LWR–Brennelementen mit einem maximalen Durchsatz von jährlich 35 Tonnen Schwermetall genehmigt, obwohl technisch eine wesentlich größere Menge möglich ist.

Bis zur Benennung eines Endlagerstandortes durch den Bund ist der Betrieb auf die Reparatur schadhafter Transport- und Lagerbehälter beschränkt, für den Fall, dass an einem der im Transportbehälterlager Gorleben aufbewahrten Transport- und Lagerbehälter Reparaturen notwendig sein sollten.[1]

Alle drei Teilgenehmigungen sind bestandskräftig, derzeit werden jedoch nur die Systeme betrieben, die für die Reparatur eines Behälters (Wiederherstellung des Primärdeckeldichtsystems von Transport- und Lagerbehältern für bestrahlte Brennelemente und hochradioaktive verglaste Abfälle aus der Wiederaufarbeitung) sowie den Erhalt der Anlage einschließlich Wiederkehrender Prüfungen sowie der Fachkunde des Personals erforderlich sind.

Die reinen Baukosten betrugen 400 Mio. Euro[3], die jährlichen Unterhaltungskosten liegen laut Betreiberfirma bei etwa fünf Millionen Euro (Wartung, atomrechtliche Prüfungen und Gutachter).[4]


Teile der Pilot-Konditionierungsanlage (rechts) sowie der Atommüll-Zwischenlagerhalle Gorleben (links)

Aufgaben der PKA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgaben der PKA sind:

  • die Konditionierung von Brennelementen
  • das Umladen von Brennelementen und Abfallgebinden
  • die Konditionierung von radioaktiven Abfällen
  • die Durchführung von Servicearbeiten an Transport- und Lagerbehältern und Abfallgebinden.

Unter der Konditionierung von Brennelementen ist hier das Verpacken in endlagerfähige Behälter zu verstehen. Zwei Varianten werden dabei in Betracht gezogen:

  1. Konditionierung von Brennelementen in POLLUX-Behälter (Referenzkonzept)
  2. Konditionierung von Brennelementen in Brennstabkokillen (Option)

Bei beiden Varianten werden zunächst die Kopf- und Fußstücke der Brennelemente abgetrennt und die Brennstäbe aus den Brennelementen gezogen.

Konzept POLLUX-Behälter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim POLLUX-Konzept werden die gezogenen Brennstäbe anschließend in Büchsen eingebracht. Der POLLUX-Behälter kann die Brennstäbe von bis zu 10 DWR- oder bis zu 30 SWR-Brennelementen aufnehmen. Er besteht aus einem Innenbehälter, der die Büchsen mit den Brennstäben aufnimmt und mit einem verschraubten Primär- und einem verschweißten Sekundärdeckel verschlossen ist. Ein äußerer Abschirmbehälter aus Gusseisen bewirkt eine zusätzliche Reduzierung der Gamma- und der Neutronendosisleistung.

Konzept Brennstabkokille[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept der Brennstabkokille ist eine neuere Entwicklung als Alternative zum POLLUX-Behälter. Eine Brennstabkokille kann die Brennstäbe von bis zu 3 DWR- oder bis zu 9 SWR-Brennelementen aufnehmen. Die Brennstabkokillen haben denselben Außendurchmesser wie die HAW-Glaskokillen. Dies erleichtert die Handhabungs- und Lagertechniken im Endlager. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Kokillen mit unterschiedlichen Wärmeleistungen in einem Endlagerbohrloch gemischt werden können, so dass die Wärmeverteilung entsprechend gesteuert werden kann.

Status der Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die PKA besteht zur Zeit aus Konditionierungsgebäude, Stromversorgungsgebäude, Versorgungsgebäude für die Versorgung mit Medien sowie zugehörigen Infrastruktureinrichtungen. Aufgrund der Verzögerungen bei der Endlagererkundung soll der eigentliche Betrieb der genehmigten und noch nicht funktionsbereiten Konditionierungsanlage erst dann getestet werden, wenn sich der für die Endlagerung verantwortliche Bund für einen definitiven Endlagerstandort entschieden hat. Daher ist die Nutzung der Anlage vorerst auf die Reparatur schadhafter Behälter beschränkt. „Die Gesamtanlage der PKA wird durch ein Instandhaltungsmanagement (Alterungsmanagement) auf dem Stand von Wissenschaft und Technik gehalten. Es sind nur die Systeme vollständig betriebsbereit, die zur Annahme eines schadhaften Behälters benötigt werden. Die anderen Systeme sind für den aktiven Betrieb abgemeldet.“[5]

Nach einem Wechsel des Betreibers ist seit dem 1. August 2017 die BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH neue Betreiberin der Anlage.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 53° 2′ 3″ N, 11° 20′ 20″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statusbericht zur Kernenergienutzung in der Bundesrepublik Deutschland 2016. Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit, Salzgitter, August 2017, abgerufen am 14. Juli 2019.
  2. Zur Sache: Die PKA (6). In: Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. Abgerufen am 7. Dezember 2018 (deutsch).
  3. PKA Gorleben. Abgerufen am 7. Dezember 2018.
  4. Pilot-Konditionierungsanlage (PKA). In: Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. Abgerufen am 7. Dezember 2018 (deutsch).
  5. Reaktorsicherheitskommission / Entsorgungskommission: ESK-Stresstest für Anlagen und Einrichtungen der Ver- und Entsorgung in Deutschland. Hrsg.: Bundesamt für Strahlenschutz. Teil 1: Anlagen der Brennstoffversorgung, Zwischenlager für bestrahlte Brennelemente und Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle, Anlagen zur Behandlung bestrahlter Brennelemente, 14. März 2013 (entsorgungskommission.de [PDF]).