Gemeine Pimpernuss

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Pimpernuss)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gemeine Pimpernuss
Gemeine Pimpernuss (Staphylea pinnata), Illustration

Gemeine Pimpernuss (Staphylea pinnata), Illustration

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Crossosomatales
Familie: Pimpernussgewächse (Staphyleaceae)
Gattung: Pimpernüsse (Staphylea)
Art: Gemeine Pimpernuss
Wissenschaftlicher Name
Staphylea pinnata
L.

Die Gemeine Pimpernuss (Staphylea pinnata), auch Klappernuss genannt, ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Pimpernussgewächse (Staphyleaceae) gehört.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeine Pimpernuss wächst als sommergrüner Strauch mit Wuchshöhen von meist 1 bis 3 Meter oder seltener als kleiner Baum (dann 4 bis 5 Meter). Ihre gegenständigen Laubblätter sind unpaarig gefiedert mit fünf bis sieben Fiederblättchen. Die elliptischen bis breit lanzettlichen Fiederblättchen besitzen einen gesägten Blattrand.

Die Blüten sind in hängenden, rispigen Blütenständen zusammengefasst. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig. Die fünf gelblich-weißen Kronblätter neigen sich glockenförmig zusammen.

Ihren Namen hat sie wohl von ihren Früchten. Es handelt sich um eine grünliche, häutige, aufgeblasene Kapselfrucht, in der eine „Nuss“ (ein Same) klappert (oder eben „pimpert“), wenn sie reif ist.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 26.[1]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser ostsubmediterrane, subozeanische Nanophanerophyt kommt im südöstlichen Mitteleuropa vor. Die Gemeine Pimpernuss gedeiht an Hängen und Waldrändern, in krautreichen Buchen-, Ahorn- oder Eichenwäldern. In Deutschland gehört sie zu den einheimischen Wildgehölzen.

Standorte und Verbreitung in Mitteleuropa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeine Pimpernuss braucht kalk- und nährstoffreichen, lockeren, steinigen und sickerfeuchten Lehm- oder Lössboden mit guter Mullauflage in Lagen mit mildem Klima und ziemlich hoher Luftfeuchtigkeit.

Sie besiedelt Schluchtwälder und lichte Laubwälder.

In Mitteleuropa ist sie ursprünglich vorhanden wohl nur am Übergang vom Oberrhein zum Hochrhein, im Bodenseegebiet und an der Donau von Ulm bis nach Niederösterreich, am Vierwaldstätter- und am Walensee und am Alpenrhein. Ihr Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich von Südosteuropa bis nach Kleinasien. Zum Ostteil ihres Verbreitungsgebiets gehören der Karpatenbogen, die niederschlagsreichen Sudeten und die schlesische Tiefebene. Sie findet sich auch in Naturschutzgebieten in den Niederen Beskiden rund um Dukla, in den Karpaten im Nationalpark Magura und in der Region Jura bei Złoty Potok.

Weit nördlich ihres natürlichen Vorkommens in Mitteleuropa[2] werden zwei Wuchsorte am Spitzhut bei Hildesheim beschrieben[3]. Diese Vorkommen gehen auf Anpflanzungen "florenfremder Baum- und Straucharten" zurück, die schon im Zuge der Aufforstungen der nördlichen Mittelgebirge in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts der "Verschönerung" der Wälder dienten.[4]

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeine Pimpernuss ist selten geworden und steht auf der Roten Liste. In Baumschulen wird sie zur Begrünung von Straßenrändern mit autochthonen Gehölzen nachgezogen. Für die Keimung ist Frost nötig (Frostkeimer), der in der Baumschule durch Tiefkühlanlagen simuliert wird.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Zierpflanze wurde häufig eine Hybride mit der Kolchischen Pimpernuss Staphylea colchica Stev. (oder diese Art selbst) angepflanzt.

Die langen Blütentrauben können zu einer Süßigkeit kandiert werden. In den imposanten Blasenfrüchten sitzen kleine Nüsschen, die wie Haselnüsse aussehen und ähnlich wie Pistazien schmecken. Bekannt ist der daraus gewonnene Pimpernusslikör, der im Bayerischen Wald hergestellt wird. Der Pimpernuss wird eine aphrodisierende Wirkung zugesprochen. In Georgischen Küche wird aus dem, in Salzwasser eingelegten, Blütenstand der Salat "Jonjoli" (ჯონჯოლი) hergestellt. In der Geschmacksrichtung ähnelt es einer Kombination aus Oliven und Kapern.

Getrocknete Samen der Pflanze, die auch gefärbt werden können, benutzte man früher zur Herstellung von Schmuck, vor allem von Ketten, zum Teil auch von Rosenkränzen[5].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in Mitteleuropa heimische Pflanze wurde bereits in der Antike von Plinius (XVI, 69) als Staphylodendron erwähnt. Diese vorlinneische Benennung leitet sich aus den griechischen Worten staphyle für Weintraube und déndron für Holzgewächs, Baum her. [5] [6]

Im 16.–17. Jahrhundert beschrieben europäische Botaniker die Pflanze und Frucht als

  1. Pimpernuss, Staphylodendron (Bock)[7]
  2. Staphylodendron, Nux Vesicaria, Arbor vitis, Pistacium Germanicum, Pimpernusz, Pimpernoten, Sint Anthuenis nootkens, Noissette de S. Antoine (Dodoens)
  3. Staphylodendron Plinii und Nux vesicaria (Clusius)
  4. Pistacia sylvestris (Bauhin)

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 650.
  2. Verbreitungskarte für Deutschland. In: Floraweb.
  3. Werner Müller. Flora und Florenwandel im Stadtgebiet Hildesheim. In: Naturhistorica – Berichte der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover. Band 156 (2014)
  4. Nicole Janinghoff. Waldvegetation im Innerstebergland in Abhängigkeit von Standortparametern und historischer Waldnutzung. Diplomarbeit (Landschaftsökologie). Universität Oldenburg. 2008: "Zur Steigerung der Attraktivität der jungen Waldanpflanzungen wurden von der Forstleitung 1894 - 1905 ... zahlreiche florenfremde Baum- und Straucharten eingebracht. Dieses wurde 1895 während der Tagung des Nordwestdeutschen Forstvereins Anlass zum Lob eines Teilnehmers, dass die Forsten auf dem Galgenberg ... das Schönste seien, was in dieser Beziehung nicht nur in der Provinz Hannover zu finden sei..."
  5. a b A.G. Heiss (2010) Von alten Amuletten und abgeschnittenen Nasen — die Pimpernuss in Archäologie und Geschichte. In G. Schramayr and K. Wanninger (Hrsg.) Die Pimpernuss (Staphylea pinnata L.) Monografien der Regionalen Gehölzvermehrung RGV 4. Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Landentwicklung: St. Pölten, pp. 19-22, (PDF; 2,2 MB)
  6. H. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Nikol-Verlag, Hamburg 1996 ISBN 978-3-937872-16-2, S. 608.
  7. Dericks-Tan, Vollbrecht: Auf den Spuren der Wildfrüchte in Europa, Abadi-Verlag 2009, ISBN 978-3-00-021129-4, S. 230–231.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pimpernuss (Staphylea pinnata) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien