Pine Gap

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Pine Gap

Koordinaten: 23° 47′ 52″ S, 133° 44′ 12″ O

Karte: Australien
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Pine Gap
Warnhinweis an einer Straße nach Pine Gap

Pine Gap (Codename: Merino) ist eine gemeinsame Militärbasis der USA und Australiens etwa 19 Kilometer südwestlich der Stadt Alice Springs, mitten im australischen Outback.

1967 baute der US-Geheimdienst CIA während des Kalten Krieges an dem Ort eine Überwachungs- und Abhöranlage, die von der US-Agentur Advanced Research Projects Agency (ARPA; heute DARPA) des US-Verteidigungsministeriums betrieben wurde. Die Basis mit über 800 Mitarbeitern wird komplett von den USA finanziert und heute als Joint Defense Facility Pine Gap bezeichnet. Sie besteht aus mehreren Antennenanlagen u. a. unter acht großen Radomen sowie einem Lage- und Auswertungszentrum. Diese Kommunikations- und Abhöreinrichtung arbeitet oder arbeitete auch als Teil des Spionagenetzwerks ECHELON.

Die Anlage spielte eine Rolle im Irak- und im Afghanistankrieg.[1][2]

Laut Desmond Ball, der im Report des Australischen Parlaments zitiert wird, ist die Pine Gap Anlage das Mission Control Center und Verarbeitungszentrum für eine Reihe von geostationären Satelliten über dem Äquator, deren Aufgabe es ist, im Rahmen des Signals Intelligence Informationen zu sammeln.[3]

Der Sydney Morning Herald benannte Pine Gap als eine von vier Überwachungseinrichtungen in Australien neben HMAS Harman, Shoal Bay und Geraldton/Kojarena, welche die Software XKeyscore benutzen, um Daten für die NSA zu sammeln.[4]

Tim Marshall bezeichnet Pine Gap als "eine der weltweit wichtigsten Überwachungs- und Abhöranlagen der USA". Sie beobachte "Raketenstarts, unterstützt die amerikanischen und japanischen Raketenabwehrsysteme und spielt auch eine wachsende Rolle für das neue geschaffene US-Space Command." Zur strategischen Bedeutung schreibt Marshall: "Bei der Frage, wie stark sich die USA bei der Verteidigung Australiens engagieren, ist Pine Gap für Canberra ein wichtiges Faustpfand."[5]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im sechsteiligen australischen TV-Politthriller "Pine Gap" (2018; zu sehen auf Netflix) wird die Abhörstation zum Schauplatz einer Jagd nach einem Verräter. Wegen der Darstellung einer chinesischen Demarkationslinie im Südchinesischen Meer löste die Serie diplomatische Verwicklungen aus und wurde aus dem vietnamesischen Angebot des Streamingdienstes entfernt.[6] Auch die Philippinen beschwerten sich.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ball, Desmond: Pine Gap: Australia and the US geostationary signals intelligence satellite program, Allen & Unwin, Sydney, 1988, ISBN 0-04-303002-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joint Australian-US intelligence facility - Pine Gap: Shoal Bay Receiving Station (Memento vom 8. Januar 2009 im Internet Archive) (Webcitation Archiv vom 25. Juli 2013 (Memento vom 8. Januar 2009 im Internet Archive))
  2. Bibliography - Joint Defence Facility, Pine Gap (Memento vom 6. März 2011 im Internet Archive) (Webcitation Archiv vom 25. Juli 2013 (Memento vom 6. März 2011 im Internet Archive))
  3. The Parliament of the Commonwealth of Australia: Report 26: An Agreement to extend the period of operation of the Joint Defence Facility at Pine Gap: Joint Standing Committee on Treaties vom Oktober 1999 (Memento vom 9. August 2008 im Internet Archive) ( PDF; 155 kB) (Webcitation Archiv vom 25. Juli 2013 (Memento vom 9. August 2008 im Internet Archive))
  4. Philip Dorling: Edward Snowden reveals Australia's Links To Secret US Spy Program (englisch) In: The Sunday Morning Herald. 8. Juli 2013. Archiviert vom Original am 2. August 2013. Abgerufen am 2. August 2013.
  5. Tim Marshall: Die Macht der Geographie im 21. Jahrhundert. 3. Auflage. dtv, München 2021, ISBN 978-3-423-28301-4, S. 52.
  6. Vietnam orders Netflix to remove Australian spy show Pine Gap over South China Sea map. Abgerufen am 28. Dezember 2021 (englisch).
  7. Christia Marie Ramos: Netflix ordered to remove ‘Pine Gap’ episodes on China’s nine-dash line – DFA. 1. November 2021, abgerufen am 28. Dezember 2021 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]