Pinkatalbahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Friedberg–Szombathely
Verlauf Pinkatalbahn
Verlauf Pinkatalbahn
Streckenlänge: 68 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: C3
Maximale Neigung: 18 
Minimaler Radius: 188 m
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Strecke – geradeaus
Wechselbahn
Bahnhof, Station
0,0 Friedberg 551 m ü. A.
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Thermenbahn
Tunnel
Hochstraßtunnel (524 m)
   
4,466 Pinggau Freizeitzentrum (bis 31. Juli 2011) 508 m ü. A.
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
5,000 AB
Straßenbrücke
6,980 A2
Bahnhof ohne Personenverkehr
7,426 Schäffernsteg 474 m ü. A.
   
10,181 Sinnersdorf (bis 31. Juli 2011) 422 m ü. A.
   
10,700 Landesgrenze Steiermark / Burgenland
Bahnhof ohne Personenverkehr
13,536 Pinkafeld (bis 31. Juli 2011) 391 m ü. A.
   
14,182 Pinkafeld Schule (bis 31. Juli 2011) 383 m ü. A.
Brücke über Wasserlauf (groß)
Pinka
Bahnhof ohne Personenverkehr
15,583
52,433
Altpinkafeld (bis 31. Juli 2011) 381 m ü. A.
   
49,968 Riedlingsdorf (bis 31. Juli 2011) 370 m ü. A.
BSicon BS2+l.svgBSicon BS2c4.svg
BSicon STR.svgBSicon exKBHFa.svg
8,2 Oberschützen 392 m ü. A.
BSicon STR.svgBSicon exBHF.svg
6,3 Bad Tatzmannsdorf
BSicon STR.svgBSicon exHST.svg
4,0 Unterschützen
BSicon eABZrf.svgBSicon exSTR.svg
AB Molkerei (aufgelassen)
BSicon BS2l.svgBSicon exBS2r.svg
Bahnhof ohne Personenverkehr
0,0
42,614
Oberwart 320 m ü. A.
   
40,2 Oberwart Einkaufszentrum 310 m ü. A.
   
Gleisanschluss Fa. Unger Stahlbau GmbH
   
39,400 Grenze ÖBB/SRB
   
37,340 Rotenturm an der Pinka 294 m ü. A.
   
31,890 Großpetersdorf 309 m ü. A.
   
32,045 AB Landw. Genossenschaft
   
30,165 Welgersdorf
   
27,132 H.u.Lst. Hannersdorf 268 m ü. A.
   
24,871 Burg-Eisenberg (Pinkaóvár-Csejke) 253 m ü. A.
   
21,772 Schandorf (Csém) 250 m ü. A.
   
19,573 H.u.Lst. Schachendorf (Csajta) 260 m ü. A.
   
Gleisanschluss Betonfertigteilwerk Fa. Kölbl-Bau GmbH.
   
17,065 Rechnitz (Rohonc) 300 m ü. A.
   
16,796 Erhaltungsgrenze (dahinter Gleis abgetragen)
   
13,478 Staatsgrenze OsterreichÖsterreich / UngarnUngarn
   
Bucsu (Butsching)
   
Torony (Dienling)
   
(Scheibing)
   
Olad
   
0,0 Szombathely (Steinamanger)
Strecke – geradeaus
Anschluss ans Ungarische Bahnnetz


Als Pinkatalbahn (ungarisch Szombathely–Pinkafő-vasútvonal) wird eine Eisenbahnstrecke bezeichnet, die in ihrer größten Ausdehnung die ungarische Stadt Szombathely (Steinamanger) mit Friedberg an der Wechselbahn verbunden hat. Eine Zweigstrecke führt von Oberwart nach Oberschützen. Der Name leitet sich vom Pinkatal ab, in dem ein Großteil der Strecke gebaut wurde. Bis 1921 war die Pinkatalbahn eine ungarische Strecke und der Verkehr war nach Szombathely ausgerichtet. Derzeit wird nur der Abschnitt von Friedberg bis Oberwart für den Güterverkehr genutzt. Der Betrieb der Güterzüge erfolgt seit 2013 durch die Steiermärkischen Landesbahnen. Der reguläre Personenverkehr ist seit 2011 eingestellt.

Geschichte[Bearbeiten]

Streckenteile der heutigen Pinkatalbahn wurden unter der Oberhoheit des Königreichs Ungarn erbaut, da das Burgenland bis 1921 ungarisches Staatsgebiet war. Die Entwicklung der Bahn ging somit von Szombathely (Steinamanger) aus, das heute noch ein wichtiger Eisenbahnknoten im westlichen Ungarn ist. Nach erfolgreicher polizeilich-technischer Überprüfung am 15. Dezember 1888 konnte am folgenden Tag die Steinamanger-Pinkafelder Lokalbahn AG die feierliche Eröffnung der Steinamanger-Pinkafelder Vicinalbahn vornehmen und am 17. Dezember 1888 den Betrieb von Szombathely über Rechnitz und Oberwart bis Alt Pinkafeld dem allgemeinen Verkehr übergeben.[1] Eine Zweigbahn, die Lokalbahn Felsőőr-Felsőlövő von Oberwart über Bad Tatzmannsdorf nach dem Bergbauort Oberschützen, folgte am 25. März 1903. Im benachbarten Tauchental befand sich ein Bergwerk, dessen Braunkohle mit einer Seilbahn nach Oberschützen transportiert wurde. Der Weitertransport erfolgte von dort mit der Eisenbahn. Eine Weiterführung dieser Bahn nach Kirchschlag in der Buckligen Welt war geplant, konnte aber aufgrund zu geringer Kapitaldeckung nicht umgesetzt werden. Nach dem Ersten Weltkrieg kam dieser Teil Ungarns durch den Vertrag von Saint-Germain 1921 zur Republik Österreich bzw. zu deren Staatsbahn; Rechnitz und Bucsu wurden Grenzbahnhöfe. Am 15. November 1925[2] erfolgte mit der Strecke Alt PinkafeldFriedberg an der Wechselbahn die Verbindung zum restlichen österreichischen Schienennetz. An dieses Ereignis erinnern Gedenktafeln an den Bahnhöfen in Pinkafeld und Friedberg (siehe Foto). Am 12. Oktober 1944 griffen um etwa 14:30 Uhr aus Norden kommende, leichte englische Kampfflugzeuge im Tiefflug in Rohrbach an der Lafnitz den aus Rechnitz kommenden Personenzug 1548 an; der Lokführer Alfred Brenner wurde getötet, fünf Männer und zwei Frauen verletzt. Um 16.00 Uhr wurde der Bahnhof Friedberg von vier Jagdflugzeugen mit Bordwaffen beschossen, dabei wurden circa 20 Personen verletzt. Am 28. Februar 1953 wurde der gesamte Verkehr zur ungarischen Staatsbahn östlich von Rechnitz unterbrochen und am 1. März 1953 der Grenzübergang geschlossen. Auf ungarischer Seite sind die Gleisanlagen mittlerweile weitgehend demontiert. Die Schließung des Braunkohlebergbaus am 8. August 1968 bedeutete einen großen Verlust an Güterverkehrsvolumen für den Streckenabschnitt nach Oberschützen. Der Personenverkehr wurde nach und nach aufgegeben:

  • 18. Oktober 1982: Großpetersdorf–Rechnitz
  • 2. Juni 1984: Oberwart–Großpetersdorf
  • 30. Juni 1987: Oberwart–Oberschützen
  • 1. August 2011: Friedberg-Oberwart

Der fahrplanmäßige Personenverkehr von Friedberg nach Oberwart, beinhaltete zuletzt Direktverbindungen für Pendler bis Wien und Regionalverkehre bis Friedberg. Im Regionalverkehr waren Triebfahrzeuge der Baureihe 5022 in Verwendung, die mit Anfang Juni 2008 die Triebwagen 5047 ablösten. Im lokbespannten Personenverkehr (Eilzüge bis Wien) wurde vor allem die Baureihe 2016 mit City-Shuttle-Garnituren eingesetzt.

Noch im März 2010 wurde die immer wieder verschobene Verlängerung des Personenverkehrs bis Großpetersdorf für 2011 als sicher angenommen,[3] im April 2011 jedoch wurde bekannt gegeben, dass (unter anderem infolge eines jährlichen Abgangs von 500.000 Euro[4]) der schienengebundene Personenverkehr per 1. August 2011 eingestellt und durch einen Busverkehr ersetzt wird. [5]

Von 16. August 1989 bis Sommer 1997 führte die Südburgenländische Regionalbahn GmbH den Betrieb mit Dampfzügen und gelegentlichen Güterzügen zwischen Oberwart und Oberschützen weiter. Danach verfiel die Strecke und wurde unbefahrbar.

Aktuelle Entwicklung[Bearbeiten]

Friedberg–Altpinkafeld–Oberwart[Bearbeiten]

Die Strecke wird durch die ÖBB, seit 1. August 2011 nur noch im Güterverkehr betrieben. In einer Presseaussendung vom 31. Mai 2012 erklärte die Umweltsprecherin der Grünen Partei, Christiane Brunner, dass die ÖBB die komplette Stilllegung der Strecke beantragt hätte.[6] Laut dem SPÖ-Verkehrssprecher, Anton Heinzl, soll dieser Behauptung jede sachliche Grundlage fehlen.[7] Anfang Oktober 2012 wurde bekannt, dass die ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria (RCA) den Güterverkehr auf der Strecke mit 31. Dezember 2012 beenden will.[8] Nachdem ursprünglich die gänzliche Auflassung des Güterverkehrs geplant war, wurde dieser Anfang April 2013 von den Steiermärkischen Landesbahnen übernommen.[9]

Per 1. Dezember 2013 droht auch dem Güterverkehr zwischen Friedberg und Oberwart das endgültige Aus. Wie aus einem Schreiben der ÖBB hervorgeht, wurde der Infrastrukturvertrag mit den Anschlussbahnbesitzern per 30. November 2013 aufgekündigt. Damit müssten die Anschlussweichen abgebaut werden, so dass eine Bedienung nicht mehr möglich wäre. Davon betroffen wären das Holzwerk Kern, die Kelag, die Firma Austrotherm, das Ziegelwerk, die Lagerhäuser und Unger Steel, die ihre Transporte hinkünftig auf der Straße abwickeln müssten. Die Steiermärkischen Landesbahnen, die nunmehr den Güterverkehr für die ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria vertraglich übernommen haben, könnten somit dieser Tätigkeit nicht mehr nachkommen. Der Landesverkehrskoordinator des Burgenlandes, Peter Zinggl, schließt jedoch aus, dass es so weit kommen wird, und betont: „Wir haben die Lösung quasi am Tisch. Die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt, ist hoch.“[10]

Oberwart–Rechnitz[Bearbeiten]

Nach der Einstellung des Bahnbetriebs durch die ÖBB übernahm 1989 die Südburgenländische Regionalbahn GmbH (SRB) die Strecke und führte sie bis 2011 im Güterverkehr und als Märchennostalgiebahn im Personenverkehr. Wegen des schlechten Zustands der Strecke wurde der Betrieb Mitte November 2011 eingestellt..[11][12] Im Frühjahr 2013 wurde dieser Streckenabschnitt stillgelegt und die Straßenverkehrszeichen abgebaut.

Rechnitz–Szombathely[Bearbeiten]

Die veränderte Situation nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Beitritt Ungarns zur Europäischen Union führten zu Bestrebungen, die Bahnverbindung Oberwart-Szombathely für den Güter- und Personenverkehr zu reaktivieren. Dafür wäre ein Neubau der Strecke zwischen dem Bahnhof Rechnitz und Szombathely, sowie die Sanierung der Strecke von Großpetersdorf bis Rechnitz erforderlich. Im Mai 2012 erklärte der burgenländische Gesamtverkehrskoordinator Peter Zinggl: "Die Tür ist aber nicht zu, es gibt Überlegungen, wie man die Zukunft der Bahn in Oberwart gestalten kann. Wir sind in Gesprächen über die Strecke Szombathely-Oberwart."[13]

Zweigstrecke Oberwart–Oberschützen[Bearbeiten]

Seit 2003 wird die Strecke vom Verein FrOWOS reaktiviert. Seit 2008 fanden im Sommer Nostalgiefahrten mit Motordraisinen statt..[14]

Mit 31. Dezember 2009 lief der seit 2004 zugunsten von FrOWOS bestehende Streckenpachtvertrag aus. Da die Liegenschaftseigentümerin (Südburgenländische Regionalbahn GmbH bzw. Firma Schuch) die Trasse zu verkaufen beabsichtigte und die Finanzmittel von FrOWOS für einen Streckenerwerb nicht gereicht hätten,[15] stand die Museumsbahn Oberwart–Oberschützen im Dezember 2009 vor dem Aus.[16]

Im Frühjahr 2010 kaufte das Land die Linie Oberwart–Oberschützen von der Südburgenländischen Regionalbahn GmbH um 300.000 Euro mit dem Ziel, ab Mai den Weiterbetrieb von Museumszügen sicherzustellen.[17] Verwaltet wird die Museumsbahn nunmehr von der Kurbad Tatzmannsdorf Aktiengesellschaft.[18] betrieben wird sie nach wie vor vom Verein Freunde der Bahnlinie Oberwart-Oberschützen (FrOWOS).[19]

Per 30. April 2012 wurde der Betrieb auf behördliche Anordnung eingestellt. Es ist unklar, ob und wann der Museumsverkehr auf dieser Strecke wieder möglich sein wird.[20]

Literatur[Bearbeiten]

  • Entstehung der Bahnlinie Steinamanger – Oberwart – Pinkafeld. In: Hans Hahnenkamp: Die Eisenbahnen im Burgenland zur Zeit der Habsburgermonarchie. 2. Auflage. Eigenverlag, Eisenstadt 1994, OBV.[21]

Galerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Economist. (…) Pinkafeld, 15. December. (…). In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 8733/1888, 16. Dezember 1888, S. 9, oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  2. Burgenlands neue Verbindung mit den alten Ländern der Republik Österreich. Eröffnung der Bahn Pinkafeld–Friedberg. In: Burgenländische Freiheit. V. Jahrgang, Nr. 47/1925, ZDB-ID 2588385-9, S. 1. – Volltext online.
  3. Verkehr. (…) Züge bis Großpetersdorf: Ab 2011. In: burgenland.orf.at. 9. März 2010, abgerufen am 27. April 2011.
  4. Verkehr. (…) Jährlicher Abgang von 500.000 Euro. In: burgenland.orf.at. 21. April 2011, abgerufen am 27. April 2011.
  5. Verkehr. (…) Aus für Bahnstrecke Oberwart–Friedberg. In: burgenland.orf.at. 21. April 2011, abgerufen am 27. April 2011.
  6. Brunner: Bures muss weitere ÖBB-Kahlschlagpläne in Ostregion verhindern : Wieder Strecken in Burgenland und NÖ auf der Kippe. auf: ots.at, 31. Mai 2012.
  7. ÖBB - Heinzl: Grüne Kritik ohne sachliche Grundlage. auf: ots.at, 31. Mai 2012.
  8. "Bahn-Aus als Silvester-Kracher" Kurier vom 6. Oktober 2012.
  9. Newsmeldung auf der Web-Seite der Steiermärkischen Landesbahn vom 3. April 2013
  10. Burgenländische Volkszeitung vom 17. Juni 2013: Güterverkehr vor Aus? Land sagt „Nein“ (abgerufen am 22. August 2013)
  11. Märchenbahn in Großpetersdorf. In: maerchenbahn.at. abgerufen am 8. Juni 2012.
  12. Eintrag Südburgenlaendische Regionalbahn Gmbh auf www.firmenabc.at abgerufen am 16. Juni 2012
  13. kurier.at, 21. Mai 2012 - Das Verkehrskonzept kommt in die "Rundablage"
  14. Fahrplan Betriebssaison 2011 sowie Folder Fahrplan 2010 (PDF), abgerufen am 27. April 2011.
  15. Verkehr. Letzte Hoffnung für Museumsbahn (…). In: burgenland.orf.at. 25. Jänner 2010, abgerufen am 27. April 2011.
  16. Verkehr. Museumsbahn im Landessüden wird eingestellt (…). In: burgenland.orf.at. 20. Dezember 2009, abgerufen am 27. April 2011.
  17. Verkehr. (…) Land kaufte Linie Oberwart–Oberschützen. In: burgenland.orf.at. 9. März 2010, abgerufen am 27. April 2011.
  18. Firmen A–Z. In: wko.at. 2011, abgerufen am 27. April 2011.
  19. Verkehr. (…) Museumsbahn fährt ab Mai wieder. In: burgenland.orf.at. 9. März 2010, abgerufen am 27. April 2011.
  20. Information auf www.frowos.at vom 16. Juni 2012
  21. Text in Teilen online (englisch), abgerufen am 15. Mai 2014.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Am 10. April 1922 war Baubeginn nächst Pinkafeld. – Siehe: Von Pinkafeld nach Friedberg. In: Burgenländische Freiheit. II. Jahrgang, Nr. 7/1922, ZDB-ID 2588385-9, S. 4, unten rechts. – (Volltext online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pinkatalbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien