Pinot gris

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Pinot gris
Synonyme Grauburgunder, Pinot grigio, Ruländer – für weitere siehe Abschnitt Synonyme
Pinot gris
Art Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera)
Beerenfarbe rötlich, grau
Verwendung
Herkunft Frankreich
bekannt seit 1375
VIVC-Nr. 9275
Abstammung

Mutation von
Spätburgunder

Liste von Rebsorten
Grauburgunder

Pinot gris (frz.) ist eine Weißwein-Rebsorte. Ruländer ist der Name, unter dem die Rebsorte in Deutschland klassifiziert ist, Grauer Burgunder und Grauburgunder sind die für deutsche Weine dieser Sorte zulässigen Synonyme. Pinot gris ist als Bezeichnung in Deutschland nicht zugelassen.[1] Obwohl die Beerenhaut rötlich bis rot und grau gefärbt ist, wird sie den Weißweinsorten zugeordnet.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sorte ist vermutlich aus dem Burgund oder aus der Champagne nach Deutschland gebracht worden. Karl IV. brachte die Sorte 1375 nach Ungarn (Plattensee). 1568 wurde sie von Lazerus von Schwendi vom Plattensee ins Elsaß und den Kaiserstuhl gebracht. Davon unabhängig fand 1711 Johann Seeger Ruland sie in einem verwilderten Weingarten des Assessors Seuffert in der Streifergasse in Speyer und verbreitete sie.[2]Viele Winzer wie Jakob Weidle erkannten ihre Vorzüge und kultivierten die Reben weiter, was zu einer raschen Ausbreitung der Sorte führte.

Nach Österreich wurde die Rebe von Zisterziensermönchen aus dem Burgund im 13. oder 14. Jahrhundert gebracht. Daher kommt auch das Synonym Grauer Mönch. Die größte Verbreitung in Österreich hat die Sorte im nördlichen Burgenland.

Abstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pinot gris ist eine Mutation des Pinot noirs aus der Familie der Burgunder in Frankreich.

Ampelographische Sortenmerkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Triebspitze ist offen. Sie ist stark weißlich hellgrün behaart. Die Jungblätter sind anfangs spinnwebig behaart, um danach fast unbehaart zu sein.
  • Die mittelgroßen dunkelgrünen Blätter sind rundlich, meist ganz oder schwach dreilappig, selten jedoch schwach angedeutet fünflappig. Die Stielbucht ist V-förmig offen. Das Blatt ist stumpf gezähnt. Die Zähne sind im Vergleich der Rebsorten mittelgroß. Die Blattoberfläche ist blasig derb.
  • Die walzenförmige Traube ist selten geschultert, mittelgroß und dichtbeerig. Die rundlichen bis ovalen Beeren sind mittelgroß und von rötlich bis roter Farbe, vollreife Trauben wirken häufig grau. Die Schale der Beere ist dünnhäutig bis mittelstark.

Reife: Der Grauburgunder treibt mittelfrüh aus und ist somit empfindlich gegen eventuelle späte Frühjahrsfröste. Ihn zeichnet jedoch bei guter Holzreife eine gute Winterfrosthärte aus.

Wein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Flasche ‘Ruländer’ (Dessert­wein) aus Rumänien

Der ‘Grauburgunder’ liefert säurearme, aber körper- und extraktreiche Weißweine mit einem in der Regel eher hohen Alkoholgehalt.

Die aus dem Pinot gris gekelterten Weine besitzen meistens eine kräftige goldgelbe Farbe, bei sehr guten Qualitäten kann man manchmal auch leichte Brauntöne wahrnehmen. Der Pinot gris weist einen leichten Apfelton auf und hat eine schöne Frische. Man kann ihn als Aperitif oder zu Fischgerichten trinken.

In Baden und der Pfalz haben sich zwei Stile für den Ausbau dieser Rebsorte etabliert. Der traditionelle Ausbau aus sehr reifen und zum Teil edelfaulen Trauben (durch den Pilz Botrytis cinerea) führt zum ‘Ruländer’, einem schweren süßen Wein mit Botrytis-Ton. Seit Mitte der 1990er Jahre begann ein für diese Anbaugebiete neuer Stil den traditionellen Ruländer zu verdrängen. Hierbei werden die Trauben früher gelesen und nur gesunde Trauben verwendet. Es entsteht ein Wein mit mehr Säure und weniger Süße von elegantem Geschmack, der sich gut als Essensbegleiter eignet. Dieser neue Stil wird heute in Deutschland allgemein als ‘Grauburgunder’ bezeichnet.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anbaufläche in Deutschland (Stand: 2014): 5.627 ha
  • Anbaufläche in Australien (Stand 2008): 2.836 ha[3]
  • Anbaufläche in Frankreich (Stand 2007): 2.582 ha[4][5]
  • Anbaufläche in Neuseeland (Stand 2007): Im Jahr 2008 lag die bestockte Rebfläche bei noch steigender Tendenz bei 1.383 Hektar.[6] Im Jahr 2007 lag die Rebfläche noch bei 1.146 Hektar.[7]
  • Anbaufläche in Österreich: 214 ha (0,72 % der Rebfläche, 2009).
  • Anbaufläche in der Schweiz: ca. 214 ha (Stand 2007, Quelle: Office fédéral de l'agriculture OFAG)[8]

Die weltweit bestockte Fläche liegt bei 43.687 ha.[9]

Die Rebflächen in Deutschland verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Anbaugebiete 2015:[10]

Anbaugebiet Fläche [ha]
Deutschland 5.627
Rheinland-Pfalz 3.276
Rheinhessen
1.495
Pfalz
1.375
Nahe
277
Mosel
109
Mittelrhein
15
Ahr
4
Baden-Württemberg 2.095
Baden
1.940
Württemberg
155
Hessen
Hessische Bergstrasse
45
Rheingau
24
Bayern
Franken
66
Neue Bundesländer
Sachsen
47
Saale-Unstrut
45

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um eine weinbaulich eher schwierige Rebsorte. Die dünnhäutigen Beeren verlangen eine sehr feinfühlige Bearbeitung, da durch Verletzungen der Schale ihr Saft zu früh freigesetzt wird. Außerdem reagieren sie stark auf Klimaschwankungen (Hitze/Kälte). In kühlen Weinbaugegenden sollten nur Winzer, die über gute südseitige Hanglagen mit fruchtbaren, warmen und genügend kalkhaltigen Böden verfügen, an die Anpflanzung dieser Sorte denken. Sie ist anfällig gegen den Echten Mehltau und den Falschen Mehltau. Des Weiteren neigt sie zu Chlorose, Rohfäule und Virusbefall.

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Grauburgunder wird er in Deutschland und Österreich bezeichnet, als Pinot gris ist er in Frankreich, Australien und in Luxemburg weitverbreitet, in Italien als Pinot grigio, im Wallis als ‘Malvoisie’, im Elsass früher als Tokay. Seit einer Klage der Winzer des ungarischen Weinbaugebiets Tokaj-Hegyalja darf der Synonym-Name Tokay oder Tokay d'Alsace nach geltendem EU-Recht nicht mehr verwendet werden. Im Champagner ist Grauburgunder als traditionelle Traube, dort meist Fromenteau genannt, noch zugelassen, aber sehr selten. So produziert das Champagnerhaus Aubry in Jouy-les-Reims noch eine Cuvée „Le Nombre d’Or“ aus 6 Rebsorten, u.a. Pinot Gris vrai. Laherte erzeugt mit „Les 7“ eine Cuvée aus allen 7 zugelassenen Champagnersorten.[11] Das Champagnerhaus Drappier in Urville hat Fromenteau wieder gepflanzt.

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Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grauer Burgunder: Der Ruländer hat ein neues Format erreicht. Deutsches Weininstitut, abgerufen am 3. Juni 2015.
  2. Hans Ambrosi, Bernd H. E. Hill, Erika Maul, Erst H. Rühl, Joachim Schmid, Fritz Schuhmann: Farbatlas Rebsorten. 3. Auflage. Eugen Ulmer, 2011, ISBN 978-3-8001-5957-4.
  3. Areas of vines and grape production by variety – 2007–08. In: Annual Report 2008–2009. Australian Wine and Brandy Corporation, 2009, S. 89, abgerufen am 25. November 2014 (englisch).
  4. LES CEPAGES NOIRS DANS LE VIGNOBLE (PDF) (Memento vom 20. Januar 2007 im Internet Archive), Statistik zu roten Rebsorten je Großregion, Teil 1, Veröffentlichung des OFFICE NATIONAL INTERPROFESSIONNEL DES FRUITS, DES LEGUMES, DES VINS ET DE L’HORTICULTURE – kurz ONIVINS, Stand 2008
  5. LES CEPAGES NOIRS DANS LE VIGNOBLE (PDF) (Memento vom 1. März 2012 im Internet Archive), Statistik zu roten Rebsorten je Großregion, Teil 2, Veröffentlichung des OFFICE NATIONAL INTERPROFESSIONNEL DES FRUITS, DES LEGUMES, DES VINS ET DE L’HORTICULTURE – kurz ONIVINS, Stand 2008
  6. New Zealand Winegrowers Statistical annual 2008 (Memento vom 15. Mai 2010 im Internet Archive) (PDF; 3,12 MB; englisch)
  7. New Zealand Winegrowers Statistical annual 2007 (Memento vom 18. Oktober 2008 im Internet Archive) (PDF; 375 kB; englisch)
  8. Das Weinjahr 2008 (PDF), Herausgeber Office fédéral de l'agriculture OFAG
  9. K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, 2000 and 2010, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, December 2013 (first revision April 2014) (second revision May 2014) (third revision July 2014).
  10. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2014): Statistische Berichte - Bestockte Rebflächen 2014. Bad Ems, C I - j/14, Kennziffer: C1073 201400, ISSN 1430-5070.
  11. Vgl. Neumann, N.(2013): Die vergessenen Rebsorten der Champagne – Verkostung auf dem VinoCamp 2013. (Noblewine) S. 1ff. Zu Duval-Leroy besonders S. 5. (Ort: Hochschule Geisenheim, 29.–30. Juni 2013; PDF; 614 kB) oder zusammenfassend budis foodblog (M. Budai)(2013): Die vergessenen Rebsorten der Champagne – Vinocamp 2013.
  12. -23. November 2015 Pinot gris in der Datenbank Vitis International Variety Catalogue des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof (englisch)