Pirelli

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Dieser Artikel befasst sich mit dem italienischen Unternehmen. Für weitere Bedeutungen siehe Pirelli (Begriffsklärung).
Pirelli & C. S.p.A.
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Rechtsform Società per Azioni
Gründung 1872
Sitz Mailand, Italien

Leitung

Mitarbeiter 36.753 (2015)
Umsatz 6,310 Mrd. EUR (2015)
Branche Reifenindustrie
Website www.pirelli.com

Die Pirelli & C. S.p.A. ist ein italienischer Reifenhersteller mit Sitz in Mailand. Das Unternehmen ist seit 2015 eine Tochtergesellschaft der ChemChina.

Pirelli Konzern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hervorgegangen ist der Pirelli-Konzern aus einer 1872 von Giovanni Battista Pirelli gegründeten Gummiwarenfabrik. Mit einer kleinen Belegschaft wurden telegraphische Leitungen, Unterseekabel und Fahrradreifen produziert. Im Jahre 1901 begann die Produktion von Autoreifen.

Reifen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1981 erzielte Pirelli weltweit einen Umsatz von 1,95 Milliarden US-Dollar und hatte einen Weltmarktanteil von 6,5 Prozent. 1985 ordnete der Pirelli-Konzern seine Produktionsaktivitäten neu. Das 1872 gegründete und damals noch am Stadtrand Mailands befindliche Stammwerk „Bicocca“ lag mittlerweile im Zentrum der stark gewachsenen italienischen Metropole. Die Produktion wurde deshalb ausgelagert und Bicocca zum neuen Technologie- und Grundlagen-Forschungszentrum umgestaltet. In diesem Zusammenhang wurde auch der deutsche Pirelli-Standort in Breuberg im Odenwald von einer reinen Produktionsanlage für alle Reifentypen zum Haupt-Produktions- und Entwicklungszentrum für PKW-Breit- und Ultra-High-Performance-Bereifungen umgewandelt.

Im Jahr 1986 übernahm Pirelli die Reifenaktivitäten von Metzeler und konzentrierte die Marke auf den Bereich Motorradreifen. 1988 übernahm man den US-amerikanischen Reifenhersteller Armstrong und weitete seine Aktivitäten damit auch auf den nordamerikanischen Markt aus. 1991 wurde die Sparte Landwirtschaftsreifen in ein Joint Venture mit dem schwedischen Konzern Trelleborg AB eingebracht, der den Bereich 2001 vollständig übernahm und auch heute noch die Lizenzrechte für die Marke Pirelli Landwirtschaftsreifen innehat.

Von 1990 bis 1993 versuchte Pirelli die deutsche Continental AG zu übernehmen. Dementsprechend gab es ein großes Medienecho. Die Continental AG versuchte die feindliche Übernahme zu verhindern. Dies gelang, da eine Abwehrfront unter Federführung der Deutschen Bank eine Sperrminorität erwarb und Pirelli nach langem Kampf die Liquidität ausging.

Pirelli Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pirelli Deutschland GmbH produziert als Tochtergesellschaft des weltweit tätigen Pirelli-Konzerns PKW- und Motorradreifen für den High- und Ultra-High-Performance-Bereich. Die Produktion für PKW-Reifen in Deutschland findet am Standort Breuberg statt. Die dort produzierten Reifen werden in erster Linie an die Automobilhersteller für die Erstausrüstung geliefert. Zusätzlich wird ein großer Teil der Reifen für den Ersatzmarkt hergestellt.

Die Wurzeln der heutigen Pirelli Deutschland GmbH liegen im Jahre 1903, als sich der Erfinder des Laufstreifenprofils für Fahrradreifen, Friedrich Veith (1860–1908), selbständig machte und die Veith & Co. in Sandbach im Odenwald gründete. Im Jahr 1906 wurde hieraus die Veithwerke Aktiengesellschaft. Mit der Produktion von Reifen und Schläuchen für Fahrräder, Motorräder und Automobilen konnte die Anzahl der Mitarbeiter bis 1939 auf 1000 gesteigert werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging 1946 die Produktion der Veith Gummiwerke GmbH wieder weiter. 1963 erwarb der Konzern Pirelli durch Aktienkäufe die Mehrheitsbeteiligung an der Veith-Gummiwerke GmbH mit der gleichzeitigen Umwandlung in die Veith-Pirelli GmbH. 1986 wurden schließlich bei einer Neuorganisation der Pirelli-Tochterfirmen in Deutschland die Pirelli Reifenwerke (PRW) gegründet, die zusammen mit den anderen in Deutschland tätigen Pirelli-Firmen unter dem Dach der Pirelli Deutschland GmbH verwaltet werden.

Kabel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Übernahme der Kabelproduktion von Siemens in Neustadt bei Coburg und weiteren Produktionsstätten in Großbritannien war Pirelli eine Zeit lang der größte europäische Hersteller von Energie- und Telekommunikationskabeln.

Nach vergeblicher Suche nach einem Interessenten für die Kabelsparte, der die Zustimmung der Kartellbehörden erlangen könnte, wurde die Kabelproduktion Mitte 2005 vollständig an die neu gegründete Firma Prysmian verkauft, um weitere bedeutende Investitionen im Reifensektor zu finanzieren.

Breitband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 2000 betätigt sich Pirelli auch im Bereich der schnellen Datenverbindungen.

Wohnungsbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prelios (ehemals Pirelli & C. Real Estate SpA) ist eine Wohnungsbaugesellschaft, und war eine ehemalige Tochtergesellschaft der Pirelli & C. SpA. Seit Oktober 2010 ist sie als eigenständige Gesellschaft an der Börse gelistet.

Einstieg von Rosneft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. März 2014 gab Pirelli den Einstieg des russischen Ölkonzerns Rosneft bekannt. Rosneft erwarb für 500 Mio. Euro 13 % der Anteile und übernahm zudem Schulden in Höhe von 250 Mio. Euro. Gesellschafter der Holding Cam Finanziaria (Camfin), der 26,2 % der Anteile an Pirelli gehören, sind zur Hälfte Rosneft, die italienischen Banken Intesa Sanpaolo und Unicredit sowie eine Investmentfirma des Pirelli-Verwaltungsratsvorsitzenden Marco Tronchetti Provera.[1]

Kauf durch China National Chemical Corporation (ChemChina)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. März 2015 wurde bekannt, dass das chinesische Staatsunternehmen ChemChina eine vollständige Übernahme von Pirelli plant. Die Reifensparte der Chinesen erwarb zunächst den Anteil von 26,2 %, der bisher von der Investmentgesellschaft Camfin gehalten wurde. Danach wurde über ein öffentliches Übernahmeangebot von 15 Euro je Aktie der Konzern vollständig übernommen. Der Kaufpreis beträgt insgesamt 7,1 Mrd. Euro.[2] Das Delisting der Pirelli-Aktien von der Mailänder Börse erfolgte am 6. November 2015.[3]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pirelli ist seit 1995 Hauptsponsor des italienischen Fußballklubs Inter Mailand und liefert darüber hinaus die Einheitsreifen für die FIM Superbike-Weltmeisterschaft und die FIA Rallye-Weltmeisterschaft. Zudem beliefert Pirelli seit 2011 die Formel 1 und die GP2-Serie mit Einheitsreifen.[4] Die Schweizer Niederlassung Pirelli Tyre (Suisse) SA ist Sponsor des Schweizer Fußballklubs FC Basel sowie des schweizerischen Ski-Verbandes Swiss-Ski.

Kalender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1964 gibt das Unternehmen den jährlich in einer begrenzten Auflage erscheinenden Pirelli-Kalender in Auftrag, der nicht käuflich zu erwerben ist, sondern nur an ausgesuchte Kunden und Partner des Unternehmens ausgegeben wird.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pirelli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/russischer-oel-riese-rosneft-kauft-sich-bei-pirelli-ein/9629882.html
  2. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/peking-greift-nach-pirelli-a-1025019.html
  3. http://www.pirelli.com/mediaObject/corporate/documents/common/cs/Cs_Pirelli_convocazione_assemblea_fusione_23NOV_ENGLISH/original.pdf
  4. FIA-Weltrat: Pirelli erhält den Zuschlag (Motorsport-Total.com am 23. Juni 2010)