Pirelli-Hochhaus

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Pirelli-Hochhaus
Pirelli-Hochhaus
Pirelli-Hochhaus, 2017
Basisdaten
Ort: Mailand, Italien
Bauzeit: 1958–1960
Status: Erbaut
Baustil: Moderne
Architekt: Giò Ponti, Pier Luigi Nervi
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Bürogebäude
Eigentümer: Region Lombardei und Stadt Mailand
Technische Daten
Höhe bis zur Spitze: 127.1 m
Höhe bis zum Dach: 124.1 m
Etagen: 31
Nutzfläche: 24.000 m²
Baustoff: Tragwerk: Stahlbeton
Höhenvergleich
Mailand: 4. (Liste)
Anschrift
Anschrift: Piazza Duca D’Aosta,
Via Fabio Filzi 22[1]
Stadt: Mailand
Land: Italien
Das Pirelli-Hochhaus im städtebaulichen Umfeld, im Hintergrund der Bahnhof Milano Centrale, Foto von Paolo Monti, 1965

Das Pirelli-Hochhaus (ital.: Grattacielo Pirelli oder Palazzo Pirelli) war lange Zeit das höchste Gebäude der italienischen Metropole Mailand und eines ihrer Wahrzeichen. Es befindet sich im zentral gelegenen Geschäftsviertel nahe dem Hauptbahnhof Milano Centrale.

Baudaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Büro-Gebäude wurde von 1958 bis 1960 als Zentrale des Reifenherstellers Pirelli erbaut, daher stammt die volkstümliche Bezeichnung Pirellone (ital. „der große Pirelli“). Seit 1978 ist er Sitz des Parlaments und der Regierung der Region Lombardei, letztere zog 2011 in den neuerrichteten Palazzo Lombardia um.

Das Pirelli-Hochhaus war bei seiner Fertigstellung mit 127,10 Metern das zweithöchste Gebäude Europas. Die Architekten waren Gio Ponti und Pier Luigi Nervi.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude ist mit seinen 32 oberirdischen Geschossen 124,0 m hoch, in der Gebäudemitte 18 m tief und 74 m breit. Das Flugdach auf 127,10 m scheint über dem Gebäude zu schweben. Die durchgehende Vorhangfassade wird durch eine Isolierverglasung gebildet, welche von Aluminiumrahmen getragen wird. Der Grundriss verjüngt sich von der Mitte in einem ersten Schritt nur leicht und dann sehr deutlich zu den geschlossenen und mit Keramikfliesen verkleideten Schmalseiten, an denen die Treppenhäuser liegen; sie werden durch einen Spalt in der Mitte der Seitenfassade belichtet.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tragwerk besteht aus zwei dreieckigen Elementen an den Schmalseiten, einem Aufzugskern in der Mitte des Gebäudes, sowie innen liegenden Pfeilern. Das vertikale Betonskelett folgt dem Kräfteverlauf, was daran ersichtlich wird, dass sich die Pfeiler in den unteren Geschossen von 2 m Dicke auf 50 cm Dicke in den oberen Stockwerken verjüngen. Die innen liegende Tragstruktur erlaubt einen weitestgehend stützenfreien Bürobereich und ermöglicht eine große Flexibilität in der Unterteilung der Grundrissgestaltung und innerhalb der einzelnen Großraumbüros.

Bodenbelag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Pirelli auch Kautschuk-Beläge herstellte, wurde von Gio Ponti ein spezieller Bodenbelag entworfen. Er setzte sich mit den Produktionsabläufen der Kautschukbeläge intensiv auseinander und experimentierte mit verschiedenen Farben und Designs. Die schließlich verwendeten Farben Gelb, Schwarz und Weiß gelten als die Farben der Firma Pirelli. Ponti schuf einen besonders ausdrucksstarken, grob durchmischten Kautschukbelag, den er „giallo fantastico“ (phantastisches Gelb) nannte.[2]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das zeitgleich errichtete Telefunken-Hochhaus in Berlin (1958–60) ist in Konstruktion und Grundriss sehr ähnlich angelegt, verzichtet jedoch auf die Vorhangfassade und betont stattdessen die konstruktiven Details, die sich verjüngenden Stützen sind klar an der Fassade ablesbar. Von 1960 bis 1962 wurde in Basel mit dem Lonza-Hochhaus ein Gebäude errichtet, das große Ähnlichkeiten mit dem Pirelli-Hochhaus aufweist.

Am 18. April 2002 stürzte der Schweizer Pilot Luigi Fasulo mit seinem Kleinflugzeug der Marke Rockwell Commander A112TC mit der Kennung HB-NCX in das Pirelli-Hochhaus (drei Tote und 70 Verletzte).[3]

Ab 2003 wurde das Gebäude umfassend renoviert. Der 26. Stock ist in einen „Ort der Erinnerung“ (luogo della memoria) umgewandelt worden. Im März 2009 wurde das neugestaltete Belvedere eröffnet, in dem die Struktur der Konstruktion sichtbar wird.

Das Gebäude in Filmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Eingangssequenz des italienischen Films La Notte von Michelangelo Antonioni aus dem Jahr 1961 zeigt das Pirelli-Hochhaus kurz nach Fertigstellung. Der anschließende Vorspann beginnt auf dem Dach des Gebäudes. Ein außen liegender Lift fährt vom 31. Stockwerk abwärts. Die Stadt spiegelt sich dabei in der Glasfassade.[4]
  • In Maurizio Lucidis Spielfilm Der Todesengel (1971) betreibt Tomás Milián eine Werbeagentur in dem Gebäude.
  • Im Spielfilm The International (2009) diente das Gebäude als Kulisse für ein politisches Attentat auf der davor liegenden Piazza Duca d'Aosta.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BauNetz Wissen: Das Pirelli-Hochhaus in Mailand
  • Francesco DalCo, Sergio Polano, Antonio Martinelli: Milano. The 20th Century Architecture and Urbanism, Tokyo 1991.
  • Sandra Hofmeister: Grattacielo Pirelli in Mailand, in: Baumeister, 2006, Heft 2, S. 74–82.
  • Roman Hollenstein: Verletztes Wahrzeichen. Das Pirelli-Hochhaus von Gio Ponti in Mailand, in: Neue Zürcher Zeitung, 20. April 2002.
  • Jürgen Joedicke: Entwurf für das Verwaltungsgebäude der Pirelli-Werke in Mailand, in: Baukunst und Werkform, 1957, Heft 4, S. 204–205.
  • Terry Kirk: The Architecture of Modern Italy. Volume 2: Visions of Utopia, 1900-present, New York 2005, S. 166–170.
  • Pier L. Nervi: Neue Strukturen, Stuttgart 1963.
  • Rudolf Pfister: Entwurf der Hauptverwaltung der Gesellschaft Pirelli Mailand, in: Baumeister, 1956, Heft 2, S. 106–109.
  • Lisa L. Ponti: Gio Ponti. The Complete Work 1923-1978, Cambridge, MA 1990.
  • Deyan Sudjic (Hg.): Design Cities. 1851-2008. Eight moments that changed the world, Ausst. Kat. London 2008.
  • Claudia J. Ziegler: Out of Ashes and Rubble. The Pirelli Tower, in: Places, 2009, Heft 21/1, S. 14–17, online verfügbar auf escholarship.org.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pirelli-Hochhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pirelli Tower. Skyscraperpage.com (abgerufen am 17. August 2016).
  2. Baunetz Wissen: Das Pirelli-Hochhaus in Mailand
  3. Pilot rast mit seiner Aero Commander 112 TC in Pirelli-Hochhaus. Atropedia-Wiki, 27. Januar 2009.
  4. Der Vorspann kann auch im Internet angeschaut werden. Siehe: La Notte. Opening Titles

Koordinaten: 45° 29′ 4,7″ N, 9° 12′ 5,2″ O