Pissoir

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Pissoir als Abteilung einer Männertoilette
Zeitgenössische Lithographie zur ersten Berliner Litfaßsäule, links mit integriertem Pissoir

Ein Pissoir ist ein fürs Stehpinkeln von Männern vorgesehener Ort. Ein Pissoir kann sowohl ein eigenständiges Gebäude als auch eine Abteilung einer Männertoilette sein. Gelegentlich wird fälschlicherweise auch das Urinal als Pissoir bezeichnet.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort ist französischen Ursprungs und setzt sich zusammen aus dem Verb pisser („pissen“) und dem Suffix -oir (von lateinisch -orium – der Ort, wo etwas geschieht). Im Französischen selbst werden diese Orte allerdings vespasienne genannt (nach dem römischen Kaiser Vespasian).

Als 1834 der Präfekt Claude-Philibert de Rambuteau in Paris die ersten öffentlichen Pissoirs errichten ließ, wurden sie von der Opposition spöttisch colonne Rambuteau (Säule des Rambuteau) genannt. Rambuteau lancierte daraufhin die offizielle Bezeichnung colonne vespasienne (vespasianische Säule). Daneben existieren die Bezeichnungen urinoir und – etwas weniger gepflegt – pissetière. Das Wort épissoir gibt es im Französischen zwar auch, es bezeichnet aber etwas anderes (Marlspieker).[1]

Besonderes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Als Café Achteck werden in Berlin euphemisch jene mit Dach versehenen Blechkioske mit einer Pissrinne am Boden oder in halber Höhe wegen der acht Sichtwände benannt. Eine Seite bildet durch übergreifende Wände den Eingang. Ähnliche Kioske mit Pissoirs - teilweise in runder Form - finden sich gleichfalls in anderen Städten.
  • In Dresden-Pieschen (Leipziger Straße) befand sich bis in die 1980er Jahre ein rechteckiges Pissoirhäuschen am Pieschener Hafen, von dessen Pissrinne in halber Höhe der Abfluss durch ein Rohr direkt in die Elbe erfolgte.
  • In Wien wurden in der Jugendstilzeit Pissoire als Teil einer Anlage mit Klosetts I. und II. Klasse auch als Pissort bezeichnet.[2]
  • In den Niederlanden sind teilweise offene Pissoiranlagen, aber auch schneckenförmig eingedrehte Blechkonstruktionen vorhanden.[3]
  • In der Schweiz wird seit dem Jahr 2000 bei Musikfestivals mit „Peeasy“ ein Frauen-Pissoir eingesetzt, wo Frauen stehpinkeln können.[4] „Die leidige Unsitte des wilden Urinierens in dunkle Ecken des öffentlichen Raums und in Grünanlagen, insbesondere nach feucht-fröhlichen Gelagen, wird in Basel in zunehmendem Masse zu einem Problem, wie das Tiefbauamt Basel-Stadt mitteilt. Klagen von Anwohnern, Hausbesitzern und Restaurants über das Wildurinieren würden sich in der Stadt häufen.“[5]
  • Um unerlaubtes Wildpinkeln an bestimmten Plätzen zu verhindern wurden in Basel an ausgewählten Standorten mobile Plastehäuschen aufgestellt. Diese aufgrund zahlreicher Reklamationen ergriffene Massnahme des Basler Baudepartements gegen das Wildpinkeln sollte zunächst mit mobilen Anlagen geprüft werden, wie und ob dies genutzt wird. Die Akzeptanz kann bei diesen mobilen Pissoirs am erreichten Tankinhalt kontrolliert werden.[6] „Die leidige Unsitte des wilden Urinierens in dunkle Ecken des öffentlichen Raums und in Grünanlagen, insbesondere nach feucht-fröhlichen Gelagen, wird in Basel in zunehmendem Masse zu einem Problem, wie das Tiefbauamt Basel-Stadt mitteilt. Klagen von Anwohnern, Hausbesitzern und Restaurants über das Wildurinieren würden sich in der Stadt häufen.“[7] Die Pissoirhäuschen aus Plastik seien von rund 70'000 Personen genutzt worden, laut einer Schätzung nach der gesammelten Urinmenge von 35'000 Litern. Die Anlagen waren von den Nutzern akzeptiert worden, doch sei das „Wildpinkeln“ verringert, aber nicht verhindert worden. Kritik gab es aus dem nächsten Umfeld der Standorte. Ein saisonales Angebot werde gegenüber fixen Installationen eher toleriert.[8]
  • „Explizite sexuelle Handlungen in öffentlichen Anlagen haben schon eine lange Tradition. Im letzten Jahrhundert erhielten Pissoirhäuschen und Parkanlagen eine neue Bedeutung. Sie wurden in der Nacht zum Treffpunkt von Menschen, die Sex suchten und austauschten. In den letzten 30 Jahren wurden diese Orte von der homosexuellen Gemeinschaft beinahe schon institutionalisiert, so dass sie in den internationalen Reiseführern eine eigene Rubrik erhalten.“[9]
  • Oft werden nicht mehr genutzte Pissoirhäuschen einem anderen Nutzungszweck zugeführt. So wurde ein ehemaliges Pissoir in Prenzlauer Berg mit der Sanierung des Platzes (Erich-Weinert-/ Gudvanger Straße) zum Müllhaus umgebaut.(dazu Bild in der Galerie) In Nürnberg bestand 2009 ein zum Künstlerautomaten umfunktionierte, denkmalgeschütztes Pissoir-Häuschen.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Urinals – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Pissoir – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Le grand Robert, 2001
  2. http://wien.orf.at/news/stories/2691162/ WC-Streit: Jugendstiltoilette wird renoviert, ORF.at 25. Januar 2015 (Bild 6 von 8)
  3. So erleichtert sich die Welt – unterschiedliche Toiletten-Modelle. Stichwort Niederlande, mit Bild
  4. Frauen-Pissoir: Kein leichtes Unterfangen, Berner Zeitung, 18. Juli 2011
  5. Basel startet Versuch mit mobilen Pissoirhäuschen. In: Baublatt, 12. Juli 2012
  6. Pissoirhäuschen sollen Wildpinkler bremsen. In: Basler Zeitung, 12. Juli 2012
  7. Basel startet Versuch mit mobilen Pissoirhäuschen. In: Baublatt, 12. Juli 2012
  8. Bau- und Verkehrsdepartement (BVD): Mobile Pissoirs werden in Basel gut genutzt. In: Tageswoche, 19. November 2012
  9. Jorge Jeffersson präsentiert. Bericht zur Ausstellung Dark Room, 5.– 7.Februar 1999 in Zürich
  10. Vermerk auf nuernberg.bayern-online.de/magazin, Künstlerautomat Willstraße 50/Ecke Roonstraße.