Piuro

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Piuro
Kein Wappen vorhanden.
Piuro (Italien)
Piuro
Staat: Italien
Region: Lombardei
Provinz: Sondrio (SO)
Koordinaten: 46° 20′ N, 9° 25′ OKoordinaten: 46° 20′ 0″ N, 9° 25′ 0″ O
Höhe: 382 m s.l.m.
Fläche: 85 km²
Einwohner: 1.929 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 23 Einw./km²
Postleitzahl: 23020
Vorwahl: 0343
ISTAT-Nummer: 014050
Schutzpatron: Martin von Tours (11. November)
Website: Piuro
Piuro 1.JPG

Piuro (dt. Plurs, rätoromanisch Audio-Datei / Hörbeispiel Plür?/i) ist ein Dorf in der Provinz Sondrio in der Lombardei, Italien. Piuro hat 1929 Einwohner (Stand 31. Dezember 2015) auf 48 km². Piuro liegt nahe der Grenze zum Kanton Graubünden, Schweiz, und gehört geografisch zum Bergell. Das Dorf liegt an der Mündung des Valle Drana in die Mera und setzt sich aus einer Vielzahl von Weilern zusammen. Die wichtigsten sind Prosto, Borgonovo und Santa Croce. Die kleineren heißen Sant’Abbondio, Aurogo, Scilano und Cranna. Hoch oben am Berg und mit dem Auto nicht erreichbar liegen Savogno und Dasile.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matthäus Merian: Plurs vor und nach dem Bergsturz. Abbildung aus Martin Zeiller, Topographia Helvetiae, 1642/1654
Palazzo Vertemate

1021 wurde Plurium erstmals erwähnt und gehörte noch zum größeren Chiavenna. Im 15. Jahrhundert erlangte Plurs die Unabhängigkeit. Durch Specksteinabbau und Verarbeitung zu Hausgeschirr und Kochtöpfen, Export von Lavezgestein und Seidenverarbeitung gelangte das Städtchen zu Reichtum und Wohlstand. Ein Zeitzeuge schrieb im 17. Jahrhundert von Häusern, „die man eher große Paläste nennen konnte. […] Ja es schien, als habe hier Krösus den Reichtum angesammelt und Kleopatra ihre kostbaren Juwelen getragen.“[2] Es erwarb sich auf der Alpennordseite im Valle di Lei eine Basis für die Viehwirtschaft.

Plurs blieb 1487 vom Bündnerfeldzug verschont, weil der verwandte Berthold Fontana aus Riom im bündnerischen Oberhalbstein intervenierte und eine Brandschatzungssumme entrichtete. Als 1512 die Bündner das Veltlin eroberten, wurde Plurs Amtssitz eines Podestaten. Um 1550 kamen vom Bergell her in Plurs und Ponteggia evangelische Gemeinden auf. Führende Vertreter der Kaufmannsfamilien Lumaga und Camulio, die in Italien der Inquisition ausgesetzt waren, förderten hier die Reformation und wirkten im reformierten Kirchenrat mit. 1597 führten namhafte reformierte und katholische Theologen in der Kirche San Giovanni eine öffentliche Disputation über den Stellenwert der Messe durch.

Der unkontrollierte Lavezsteinabbau hatte den Berg Conto unterhöhlt und führte am 25. Augustjul./ 4. September 1618greg. zu einem schweren Bergsturz: vom Berg Conto lösten sich infolge der Unterhöhlungen große Felsmassen, die Plurs und Teile des benachbarten Dorfes Chilano unter Gesteinstrümmern begruben und den Fluss Mera für kurze Zeit zu einem See stauten. Gemäß unterschiedlicher Quellen wurden dabei zwischen 1.000 und über 2.000 Menschen getötet.[3] Die Drei Bünde veranlassten gleich nach der Katastrophe erste Ausgrabungen. Letzte Sondierungen erfolgten noch 1963–1966 durch die italienische-schweizerische Vereinigung für die Ausgrabung von Piuro.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche San Martino di Tours (11. Jahrhundert)[5] mit mittelalterlichen Fresken des Malers Maestro dell’Apocalisse di Civate
  • Palazzo Vertemate Franchi (vor 1618)[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Von dem plötzlichen vndergang / deß wol bekandten Flecken Plurs im Bergel – Quellen und Volltexte
 Commons: Piuro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Presser, S. 17.
  3. Hauer 2010 (2), S. 275.
  4. Martin Bundi: Plurs im Historischen Lexikon der Schweiz
  5. Pfarrkirche San Martino di Tours (Foto)
  6. Palazzo Vertemate Franchi (Foto)