Pius IX.

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Pius IX. nach einem Porträt von George Peter Alexander Healy, 1871

Pius IX. (* 13. Mai 1792 in Senigallia (Kirchenstaat) als Sohn aus gräflicher Familie Giovanni Maria Mastai-Ferretti; † 7. Februar 1878 in Rom) war Papst von 1846 bis 1878. In sein Pontifikat − mit 31 Jahren und 8 Monaten das längste nachweisbare − fallen die Verkündung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis Mariens, das Erste Vatikanische Konzil mit der Propagierung des päpstlichen Jurisdiktionsprimats und der päpstlichen Unfehlbarkeit sowie der Verlust des Kirchenstaates an das Königreich Italien. Im Jahr 2000 wurde Pius IX. von Johannes Paul II. seliggesprochen.

Unterschrift Pius IX.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Jugend durch Epilepsie beeinträchtigt, die aber völlig ausheilte, spürte er nach einem Besuch in Rom 1816 die Berufung zum Priester und schrieb sich am Collegio Romano ein. Im Jahr 1819 empfing Mastai-Ferretti in der Kirche Santa Maria in Cappella die Priesterweihe. Anschließend widmete er sich einem römischen Waisenhaus, S. Michele, nach dem Gründer Tata Giovanni genannt. Im Jahr 1823 vertraute ihm der Papst die Teilnahme an einer diplomatischen Mission nach Chile an. Die Reise war ebenso risikoreich wie erfolglos, sodass er 1825 nach Rom zurückkehrte. Er wurde 1827 Erzbischof von Spoleto, 1832 Bischof von Imola und 1840 Kardinal mit der Titelkirche Santi Pietro e Marcellino. In Imola, das damals von zahlreichen Konflikten geprägt war, genoss der spätere Papst auch bei liberalen Kräften Sympathien.

Pontifikat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen Pius’ IX.
Pius IX. am Beginn seines Pontifikats

Am 16. Juni 1846 wurde Kardinal Mastai-Ferretti nach nur zweitägigem Konklave als Nachfolger Gregors XVI. im vierten Wahlgang zum Papst gewählt. Überrascht von dieser unerwarteten Entscheidung nahm er die Wahl an, wählte sich den Papstnamen Pius IX. und wurde am 21. Juni 1846 mit der Tiara gekrönt. Er war der letzte Papa Rè (Papst-König), der zugleich mit dem Petrusamt eine weltliche Herrschaft über den traditionellen Kirchenstaat ausübte.

Er begann seine Herrschaft mit einigen liberalen Reformen, zu der unter anderem eine vorsichtige Ausweitung der Pressefreiheit 1847 gehörte, wandte sich aber gegen den Republikanismus und die italienische Einigungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Während der europaweiten und auch im Kirchenstaat stattfindenden revolutionären Erhebungen von 1848 floh er, nachdem sein Ministerpräsident Pellegrino Rossi ermordet worden war, am 24. November mit den Kardinälen nach Gaeta an der Küste Neapel-Siziliens. Nach der Wahl zur verfassunggebenden Versammlung wurde am 9. Februar 1849 die kurzlebige Römische Republik ausgerufen, die durch ein Triumvirat unter Mitwirkung des radikaldemokratischen Revolutionärs Giuseppe Mazzini geleitet wurde. Bereits am 3. Juli 1849 wurde die Republik von französischen und spanischen Interventionstruppen militärisch niedergeschlagen. Pius IX. kehrte erst im Frühjahr 1850 nach Rom zurück und verlegte seine römische Residenz vom Quirinalspalast in den Vatikan, der seit damals der Sitz der Päpste ist.[1]

Er verfolgte nun eine konservativ ausgelegte Politik, die besonders durch seinen bis 1876 amtierenden Kardinalstaatssekretär Giacomo Antonelli geprägt wurde. Er wandte sich zunächst auch gegen den österreichischen Kaiser Franz Joseph I., der in den ersten Jahren seiner Regierungszeit eine liberale Politik verfolgte.

Als 1870 nach dem Beginn des Deutsch-Französischen Krieges die französischen Schutztruppen aus Rom abgezogen worden waren, lösten italienische Truppen den Kirchenstaat nach der Einnahme Roms auf. Der Papst zog sich in den Vatikanpalast zurück. Der Vatikan sowie der Lateran und die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo blieben weiterhin unter der (bis 1929 vom italienischen Staat nur faktisch geduldeten) Oberhoheit des Papsttums, das seit 1929 die staatliche Souveränität innehat. Das Garantiegesetz, das Pius IX. 1871 von der italienischen Regierung geboten wurde, lehnte er ebenso ab wie den neuen Nationalstaat Italien, sein Protest gipfelte in der Enzyklika Ubi nos vom 15. Mai 1871 (vgl. auch Römische Frage, Lateranverträge). Er betrachtete sich selbst als Gefangener im Vatikan.

Lehramt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pius IX. um 1860

Papst Pius IX. veröffentlichte zahlreiche theologische Schriften und Erklärungen, u. a. wurde mit der Enzyklika Ubi primum die Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis vorbereitet, es folgte dann 1854 die Definition des Dogmas mit der päpstlichen Bulle Ineffabilis Deus sowie 1864 die Enzyklika Quanta Cura mit dem Anhang Syllabus errorum. Mit der Enzyklika Cum sancta mater ecclesia rief er im Jahr 1859 zum öffentlichen Gebet für den Frieden auf.

Der Syllabus errorum ist eine Liste von 80 Aussagen, die von der Kirche als falsch verurteilt wurden. Diese Zusammenstellung wurde zugleich mit der Enzyklika Quanta cura am 8. Dezember 1864 veröffentlicht. Der Syllabus errorum ist im Wesentlichen ein Exzerpt aus vorangegangenen Enzykliken, Ansprachen, Briefen und apostolischen Schreiben. In der päpstlichen Bulle Non expedit vom 10. September 1874 verbot Pius IX. Katholiken unter Androhung des Entzugs kirchlicher Privilegien sowohl die aktive als auch passive Teilnahme an den Wahlen in Italien.

Den Höhepunkt seiner Amtszeit bildete das Erste Vatikanische Konzil von 1869 bis 1870, auf dem die Unfehlbarkeit des Papstes beschlossen wurde, wenn er ex cathedra eine Glaubens- oder Sittenfrage als endgültig entschieden verkündet. Dies führte zur Abspaltung der Altkatholiken in Deutschland und in Kombination mit innenpolitischen Konflikten unter Bismarck zum Kulturkampf im Deutschen Reich.

Pius IX. starb am 7. Februar 1878 in der Vatikanstadt. Zunächst wurde er in St. Peter beigesetzt. Am 13. Juli 1881 wurde der Leichnam nach Sankt Laurentius vor den Mauern überführt,[2] wo sich seine Reliquien nun befinden. Auf die Beisetzung in der Kathedrale hatte er testamentarisch verzichtet.[3] „Der von Pius IX. gewählte Ort für seine Grablege besitzt bei aller Unscheinbarkeit große und vielfältige Signifikanz: zuallererst war er durch die Sitte des frühen Christentums legitimiert und durch die Überlieferung der Grabstätten dreier Päpste des 5. Jahrhunderts geheiligt; dabei bot vor allem Sixtus III. eine ganze Reihe von Identifikationsmöglichkeiten.“[4] Jedoch, wenn man das Grab in seiner Ganzheit betrachte, ziele es doch darauf ab, eine Pilgerstätte zu werden, was keineswegs die Bescheiden- und Zurückgezogenheit ausdrücke, „sondern vielmehr Konsequenz der politischen Strategie Pius IX., der wegen des totalen Verlustes weltlicher Macht damit ein letztes Mal vollständig auf massenpsychologische Wirkung setzt“[5], ist.

Seine Pontifikatsdauer von fast 32 Jahren ist bis heute die längste historisch nachgewiesene Amtszeit in der Geschichte des Papsttums. Deshalb wurde ihm oberhalb der Petrusfigur am nordöstlichen Vierungspfeiler im Petersdom eine Gedenktafel errichtet. Seit seiner Seligsprechung im Jahre 2000 durch Papst Johannes Paul II. befindet sich dort ein gläserner Reliquienschrein.

Deckengemälde in der Stadtpfarrkirche St. Josef, Reinhausen: Papst Pius IX. (der den hl. Josef zum Schutzpatron der katholischen Kirche erklärte) mit Fahnen der Regensburger Studenten- und anderer kirchlicher Vereine, dem „Arbeiterbischof“ Wilhelm Emmanuel von Ketteler von Mainz und dem Vorsitzenden der Zentrumspartei Ludwig Windthorst

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Heiligsprechungsprozess wurde bereits 1907 eingeleitet, aber erst am 3. September 2000 erfolgte die Seligsprechung, trotz zahlreicher Proteste der Evangelischen, Orthodoxen, Juden[6] sowie katholischer Kirchenhistoriker.[7][8] So wurde denn – auch wegen des inzwischen zwangsläufig geringeren Bekanntheitsgrades Pius’ IX. – seine Seligsprechung von den Gläubigen auf dem Petersplatz nicht so stark bejubelt wie die gleichzeitige Seligsprechung von Johannes XXIII. (Papst von 1958–1963). Papst Johannes Paul II. hatte jedoch entschieden, die Konzilpäpste des I. Vatikanums und des II. Vatikanums zugleich zur Ehre der Altäre zu erheben, um die Kontinuität des Katholizismus zu betonen.

Pius IX. unterstützte Don Bosco bei der Gründung seiner Salesianer, weshalb man Pius IX. auch „Don Boscos Papst“ nennt.[9] Ebenso unterstützte Pius IX. die Gründung der Ordensgemeinschaft der Oblaten des hl. Franz von Sales durch den französischen Priester Louis Brisson, die er 1875 anerkannte.

Da Pius IX. den hl. Josef zum Schutzpatron der katholischen Kirche erklärte, wird er in vielen dem hl. Josef geweihten Kirchengebäuden dargestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Im Schatten der Albanerberge. – (illustriert) In: Die Gartenlaube. 1867, Heft 45, S. 714–718.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pius IX. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Josef Schmidlin: Papstgeschichte. Kösel-Pusztet, München, S. 45.
  2. Vgl. Michael Grobelowski: San Lorenzo fuori le mura und Pius IX., in: Titus Heydenreich: Pius IX. und der Kirchenstaat 1860–1870, Erlangen 1995, S.95–135, S. 96, Anm. 5.
  3. Vgl. Michael Grobelowski: San Lorenzo fuori le mura und Pius IX., in: Titus Heydenreich: Pius IX. und der Kirchenstaat 1860–1870, Erlangen 1995, S. 95–135, S. 100.
  4. Michael Grobelowski: San Lorenzo fuori le mura und Pius IX., in: Titus Heydenreich: Pius IX. und der Kirchenstaat 1860–1870, Erlangen 1995, S. 95–135, S. 114.
  5. Michael Grobelowski: San Lorenzo fuori le mura und Pius IX., in: Titus Heydenreich: Pius IX. und der Kirchenstaat 1860–1870, Erlangen 1995, S. 95–135, S. 117.
  6. Ansgar Koschel: Katholische Kirche und Judentum im 20. Jahrhundert (= Religion – Geschichte – Gesellschaft. Bd. 26). LIT, Münster 2002, ISBN 3-8258-5507-4, S. 154.
  7. Historiker gegen die Seligsprechung Pius IX. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 146 vom 27. Juni 2000.
  8. Papst eckt an: Proteste gegen Seligsprechung, Der Spiegel, 3. September 2000
  9. Piusz IX.: Don Bosco pápája. In: Don Bosco Kalendárium 2011. Szalézi Szent Ferenc Társasága, Budapest 2010, S. 8.
Vorgänger Amt Nachfolger
Gregor XVI. C o a Pio IX.svg Papst
1846–1878
Leo XIII.
Mario Ancaiani Erzbischof von Spoleto
1827–1832
Ignazio Giovanni Cadolini