Pjotr Andrejewitsch Pawlenski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pjotr Pawlenski (2013)
Kyrillisch (Russisch)
Пётр Андреевич Павленский
Transl.: Pëtr Andreevič Pavlenskij
Transkr.: Pjotr Andrejewitsch Pawlenski

Pjotr Andrejewitsch Pawlenski (* 8. März 1984 in Leningrad, heute Sankt Petersburg) ist ein russischer Konzeptkünstler und politischer Aktivist.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pawlenski studierte Wandmalerei in seiner Heimatstadt.[1] Er ist mit Oksana Wiktorowna Schalygina liiert.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pawlenskis Performances sorgten wiederholt für weltweite Schlagzeilen.

Aus Protest gegen die Inhaftierung von Mitgliedern der Band Pussy Riot nähte sich Pawlenski den Mund zu, später protestierte er nackt in Stacheldraht gewickelt vor einem Regierungsgebäude in St. Petersburg. Ende 2013 nagelte Pawlenski seinen Hodensack an den Roten Platz in Moskau, um gegen Gleichgültigkeit und korrupte Polizisten in Russland zu protestieren.[2][3] Daraufhin wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Hooliganismus gegen ihn eingeleitet.[4]

Im Oktober 2014 schnitt er sich auf dem Dach des Moskauer Serbski-Instituts nackt sitzend ein Ohrläppchen ab. Pawlenskis Mitarbeiterin Oksana Schalygina begründete die Aktion wie folgt: „Das Messer trennt das Ohrläppchen vom Körper. Die Betonwand der Psychiatrie trennt die Gesellschaft der Vernünftigen von den unvernünftig Kranken.“[5][6][7]

Im November 2015 setzte Pawlenski die Tür der Zentrale des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Brand, um gegen staatlichen Terror zu protestieren.[8] Daraufhin erfolgte seine Verhaftung durch Beamte des russischen Geheimdienstes FSB.[9]

Im Januar 2016 wurde er von den russischen Behörden aus dem Gefängnis zur Untersuchung in eine Psychiatrie überstellt.[10] Human Rights Watch kritisierte, dass Pawlenskis Anwältin außerstande sei, mit ihrem Mandanten Kontakt aufzunehmen und stellte die Zwangseinweisung in den historischen Kontext des politischen Missbrauchs der Psychiatrie in der Sowjetunion.[11]

Im Mai 2016 verlieh die Human Rights Foundation Pawlenski den Václav Havel Prize for Creative Dissent. Da Pawlenski die Protestbewegung Fernöstliche Partisanen in Wladiwostok unterstützt, deren Mitglieder wegen besonders grausamer Polizistenmorde verurteilt wurden, zog die Human Rights Foundation im Juli 2016 die Preisvergabe wieder zurück.[12]

Pawlenki floh im Dezember 2016 zunächst in die Ukraine und später nach Paris, da ihm sexuelle Übergriffe an einer Schauspielerin vorgeworfen werden, die er gemeinsam mit seiner Frau begangen haben soll. Im Januar 2017 bat er in Frankreich um Asyl.[13][14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pjotr Andrejewitsch Pawlenski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wiktor Martinowitsch: «Акция Pussy Riot куда легче и безобидней поступков Христа». In: BelGaseta. 13. August 2012
  2. Protestaktion in Moskau: Künstler nagelt sich Hoden am Roten Platz fest. In: Spiegel Online. 10. November 2013
  3. Shaun Walker: Artist nails his scrotum to the ground in Red Square. In: The Guardian. 11. November 2013
  4. Leonid Ragozin: Artist who nailed scrotum to Red Square is charged with hooliganism. In: The Guardian. 15. November 2013
  5. Oxana Schalygina: Акция Петра Павленского "Отделение" институт им. Сербского Москва 19 октября. Eintrag auf Facebook. 19. Oktober 2014
  6. Alec Luhn: Russian artist cuts off earlobe in protest at use of forced psychiatry on dissidents. In: The Guardian. 20. Oktober 2014
  7. Blutige Performance: Russischer Aktionskünstler trennt sich Ohrläppchen ab. In: Spiegel Online. 20. Oktober 2014
  8. Protest in Moskau: Künstler zündelt beim russischen Inlandsgeheimdienst. In: Spiegel Online. 9. November 2015
  9. Moskau-Menetekel in FAZ vom 10. November 2015, Seite 9
  10. Russischer Regimekritiker: Performance-Künstler Pjotr Pawlenski in Psychiatrie eingewiesen. In: Spiegel Online. 28. Januar 2016
  11. https://www.hrw.org/news/2016/02/12/russia-end-artists-forced-psychiatric-confinement
  12. Nicht preiswürdig, Bericht, in: FAZ, 9. Juli 2016, S. 11
  13. Pjotr Pawlenski bittet um Asyl in Frankreich. In: Zeit Online. 16. Januar 2017, abgerufen am 20. Januar 2017.
  14. Kerstin Holm: Aktionskünstler beantragt Asyl: Pawlenski nach Paris geflohen. In: FAZ. 16. Januar 2017, abgerufen am 20. Januar 2017.