Pjotr Andrejewitsch Pawlenski

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Pjotr Pawlenski (2013)
Kyrillisch (Russisch)
Пётр Андреевич Павленский
Transl.: Pëtr Andreevič Pavlenskij
Transkr.: Pjotr Andrejewitsch Pawlenski

Pjotr Andrejewitsch Pawlenski (* 8. März 1984 in Leningrad, heute Sankt Petersburg) ist ein russischer Konzeptkünstler und politischer Aktivist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pawlenski studierte Wandmalerei in seiner Heimatstadt.[1] Er ist mit Oksana Wiktorowna Schalygina liiert.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pawlenskis Performances sorgten wiederholt für weltweite Schlagzeilen.

Aus Protest gegen die Inhaftierung von Mitgliedern der Band Pussy Riot nähte sich Pawlenski den Mund zu, später protestierte er nackt in Stacheldraht gewickelt vor einem Regierungsgebäude in St. Petersburg. Ende 2013 nagelte Pawlenski seinen Hodensack an den Roten Platz in Moskau, um gegen Gleichgültigkeit und korrupte Polizisten in Russland zu protestieren.[2][3] Daraufhin wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Hooliganismus gegen ihn eingeleitet.[4]

Mit brennenden Autoreifen, Metallstangen und Ukrainischen Fahnen stellte er 2014 in St.Petersburg die Revolution auf dem Maidan dar. Die Behörden drohten ihm mit einer Zwangseinweisung in die Psychiatrie, worauf er sich im Oktober 2014 auf dem Dach des Moskauer Serbski-Instituts nackt sitzend ein Ohrläppchen abschnitt. Pawlenskis Mitarbeiterin Oksana Schalygina begründete die Aktion wie folgt: „Das Messer trennt das Ohrläppchen vom Körper. Die Betonwand der Psychiatrie trennt die Gesellschaft der Vernünftigen von den unvernünftig Kranken.“[5][6][7]

Im November 2015 setzte Pawlenski eine Türe der Zentrale des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Brand, um gegen staatlichen Terror zu protestieren.[8] Daraufhin erfolgte seine Verhaftung durch Beamte des russischen Geheimdienstes FSB.[9]

Im Januar 2016 wurde er von den russischen Behörden aus dem Gefängnis zur Untersuchung in eine Psychiatrie überstellt.[10] Human Rights Watch kritisierte, dass Pawlenskis Anwältin außerstande sei, mit ihrem Mandanten Kontakt aufzunehmen und stellte die Zwangseinweisung in den historischen Kontext des politischen Missbrauchs der Psychiatrie in der Sowjetunion.[11]

Am 8. Juni verurteilte ihn ein Gericht zu einer Buße von zirka 13.500 Euro. Damit kam der provozierte Terrorismus-Prozess nicht zustande, den er selber im Gerichtssaal mehrmals gefordert hatte. Das Gericht solle nicht "heuchlerischen Humanismus" walten lassen, sagte er mit Anspielung auf die Terrorismus-Verurteilungen von Oleh Senzow und Oleksandr Koltschenko. Die Behörden und deren Reaktion sind Bestandteil seiner Kunstaktionen, um die staatlich dirigierte Justiz zu entlarven.[12]

Pawlenski floh im Dezember 2016 zunächst in die Ukraine und später nach Paris, da ihm sexuelle Übergriffe an einer Schauspielerin vorgeworfen werden, die er gemeinsam mit seiner Frau begangen haben soll. Im Januar 2017 bat er in Frankreich um Asyl.[13][14]

In einem Interview mit der Deutschen Welle erzählte er, dass er in Paris in einem besetzten Haus lebt und sich durch Ladendiebstahl ernährt.[15]

Im Oktober 2017 wurde Pawlenski von der französischen Polizei verhaftet, nachdem er eine Filiale von Banque de France am Place de la Bastille in Brand gesetzt hatte.[16] Damit wollte er, seiner Aussage nach, "ein neues Feuer der Revolution" entfachen, da die Bankiers heute den Platz der früheren Monarchen eingenommen hätten. Die französischen Behörden lieferten ihn in eine Psychiatrie ein.[17]

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2016 verlieh die Human Rights Foundation Pawlenski den Václav Havel Prize for Creative Dissent. Da Pawlenski die Protestbewegung Fernöstliche Partisanen in Wladiwostok unterstützt, deren Mitglieder wegen besonders grausamer Polizistenmorde verurteilt wurden, zog die Human Rights Foundation im Juli 2016 die Preisvergabe wieder zurück.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pjotr Andrejewitsch Pawlenski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wiktor Martinowitsch: «Акция Pussy Riot куда легче и безобидней поступков Христа». In: BelGaseta. 13. August 2012
  2. Protestaktion in Moskau: Künstler nagelt sich Hoden am Roten Platz fest. In: Spiegel Online. 10. November 2013
  3. Shaun Walker: Artist nails his scrotum to the ground in Red Square. In: The Guardian. 11. November 2013
  4. Leonid Ragozin: Artist who nailed scrotum to Red Square is charged with hooliganism. In: The Guardian. 15. November 2013
  5. Oxana Schalygina: Акция Петра Павленского "Отделение" институт им. Сербского Москва 19 октября. Eintrag auf Facebook. 19. Oktober 2014
  6. Alec Luhn: Russian artist cuts off earlobe in protest at use of forced psychiatry on dissidents. In: The Guardian. 20. Oktober 2014
  7. Blutige Performance: Russischer Aktionskünstler trennt sich Ohrläppchen ab. In: Spiegel Online. 20. Oktober 2014
  8. Protest in Moskau: Künstler zündelt beim russischen Inlandsgeheimdienst. In: Spiegel Online. 9. November 2015
  9. Moskau-Menetekel in FAZ vom 10. November 2015, Seite 9
  10. Russischer Regimekritiker: Performance-Künstler Pjotr Pawlenski in Psychiatrie eingewiesen. In: Spiegel Online. 28. Januar 2016
  11. https://www.hrw.org/news/2016/02/12/russia-end-artists-forced-psychiatric-confinement
  12. Der Kreml übt kalkulierte Milde, NZZ, 9. Juni 2016
  13. Pjotr Pawlenski bittet um Asyl in Frankreich. In: Zeit Online. 16. Januar 2017, abgerufen am 20. Januar 2017.
  14. Kerstin Holm: Aktionskünstler beantragt Asyl: Pawlenski nach Paris geflohen. In: FAZ. 16. Januar 2017, abgerufen am 20. Januar 2017.
  15. Павленский в "Немцова.Интервью": Россия – царство-бутафория, Deutsche Welle, 13. September 2017
  16. L’artiste russe Pavlenski arrêté à Paris pour avoir mis le feu à la Banque de France, Le Monde, 16. Oktober 2017
  17. Après la Banque de France, la psychiatrie pour l'artiste russe Pavlenski, 18. Oktober 2017
  18. Nicht preiswürdig, Bericht, in: FAZ, 9. Juli 2016, S. 11