Pläsier

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Filmdaten
Deutscher TitelPläsier[1]
OriginaltitelLe Plaisir
ProduktionslandFrankreich
OriginalspracheFranzösisch
Erscheinungsjahr1952
Länge100 Minuten
AltersfreigabeFSK 18[1]
FSK 6[2](Neuprüfung 2011)
Stab
RegieMax Ophüls
DrehbuchJacques Natanson,
Max Ophüls
ProduktionMax Ophüls
MusikJoe Hajos, Maurice Yvain, Motive von Jacques Offenbach
KameraChristian Matras, Philippe Agostini
SchnittLéonide Azar
Besetzung

Pläsier ist eine französische Filmanthologie bzw. ein Episodenfilm nach drei Novellen von Guy de Maupassant, bei dem Max Ophüls 1952 Regie führte. Der Schwarzweißfilm besticht als eines der weniger bekannten Werke von Ophüls durch prächtige Ausstattung, vor allem aber durch eine für ihn typische, überaus bewegliche, kunstfertige Kameraführung.[3][4][5]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach langen, gleichwohl kurzweiligen Minuten der schwarzen Leinwand mit den einstimmenden Erläuterungen des Schriftstellers eröffnet etwa 1890[3]:

„Die Maske“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Cabaret Glysse-Montmartre bricht in einem turbulenten Ball ein etwas eigenartig ausschauender Monsieur auf der Tanzfläche inmitten junger Damen ohnmächtig zusammen. Ein Arzt findet unter einer Maske einen Greis nahe dem Herzinfarkt. Er stützt ihn auf dem Weg zu seinem Zuhause ins Armenviertel, und seine Frau teilt dem Doktor ihre Sorgen mit über seine Vorliebe für rauschende Feste und seinen Jugendwahn, während dieser nur wenige Meter entfernt völlig verausgabt im Bett liegt und die Zimmerdecke anschnauft.

„Das Haus Tellier“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Madame Tellier, Besitzerin und Betreiberin eines gefragten Freudenhauses in Le Havre, ist mit ihren bildhübschen zusammengeschnürten Mädchen zur Erstkommunion einer Nichte auf dem Lande eingeladen. An diesem Tag des Betriebsausflugs bleiben folglich die Türen der Gastwirtschaft geschlossen. Eine Gruppe von anständigen, ehrbaren Herren der Stadt muss sich mit der ungewohnten Situation arrangieren und der Tross nutzt die Zeit für einen Spaziergang zum nebligen Hafen, um sich dort schließlich auf einer Bank niederzulassen und dem Spiel der Wellen zuzuschauen. Bald bricht Zank zwischen den Herren aus, um Nichtigkeiten, die kaum der Rede wert sind. Die ausgelassene Belegschaft des Etablissements fährt mit dem Zug aufs Land und wird am Bahnhof von Monsieur Rivet, dem Cousin von Madame Tellier, abgeholt. Das Dorf oder zumindest dessen Junggesellen stehen verständlicherweise beinahe Kopf. Doch in der Nacht können die Damen nicht schlafen, weil es auf dem Land so still ist. Während der Messe am folgenden Morgen brechen die Frauen in Tränen aus, weil die durch die feierliche Zeremonie geweckten Erinnerungen an ihre Zeit als unschuldige Mädchen und ihre eigene Kommunion sie überwältigen. Schließlich ist die gesamte in der Kirche versammelte Gemeinde zutiefst ergriffen, ohne recht zu wissen warum. Danach bringt Monsieur Rivet die Frauen wieder zum Bahnhof. Mittlerweile hat er sich ein wenig in Mademoiselle Rosa verliebt. Vor der Abfahrt des Zuges sagt Rivet zu Rosa, er werde das Haus Tellier besuchen. Er geht neben dem Zug her, bis dieser Fahrt aufgenommen hat, winkt noch einmal und Rosa winkt aus dem Fenster ihres Abteils zurück. Rivet geht durch die sonnenbeschienene und idyllische Landschaft nach Hause, mit einer Blume am Sonntagshut.

„Das Modell“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem jungen Maler Jean fehlt seit geraumer Zeit die Inspiration – und das Geld. Als er die schöne Josephine kennen- und lieben lernt, stoßen seine Bilder wieder auf reißenden Absatz. Die Schwärmereien gehen bald vorbei und die Realität holt das Paar ein. Seine Muse erweist sich als Xanthippe, häusliche Gewalt beherrscht von da an das Atelier und die Stube. Nach der endgültigen Trennung glaubt Josephine für sich keinen anderen Ausweg zu sehen, als sich aus dem Fenster zu stürzen, doch sie überlebt. Jahre später sehen wir am wolkenverhangenen Strand Jean und die gelähmte Josephine im Rollstuhl, als Ehepaar. Die beiden scheinen alles andere als glücklich.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „mit Delikatesse und höchster Präzision verfilmt. Eine unterhaltsame Studie über den Begriff des ‚Pläsiers‘ bei dem französischen Dichter, umgesetzt in eine feinziselierte Sprache der Gesten, der Bewegungen, der Andeutungen und der genauen Dialoge; fabelhaft gespielt, perfekt inszeniert.“ (Lexikon des internationalen Films, 2002[1])
  • „‚[…] der Film [ist] nur für geistig und charakterlich gefestigte Erwachsene ein ungefährlicher Genuß‘, schrieb damals der muffig-verklemmte Evangelische Filmbeobachter.“ (Jens Golombek: Das große Film-Lexikon. Alle Top-Filme von A–Z, 1995[6])
  • „klingt besser, als es ist; die Geschichten ermöglichen Ophüls seine Virtuosität zu präsentieren, aber zwei von den dreien stellen sich als zu dünn und abgedroschen heraus.“ (Pauline Kael[7])
  • „ganz schön brutal […] ‚Dem Besitz geht immer der Abscheu der Gewöhnung nach‘ – hätte Peter Coyote in Polanskis Bitter Moon sagen können, ist hier aber Jean Servais.“ (Fernando F. Croce: Slant[8])
  • „Ophüls hat vier Filme in den frühen 1950ern erstellt, und alle vier – ‚La Ronde‘, ‚Le Plaisir‘ (1952), ‚Madame de …‘, und ‚Lola Montès‘ (1955) – sind Errungenschaften der Genialität geworden.“ (Anthony Lane: Master of Ceremonies – The films of Max Ophuls in The New Yorker[9])

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oscarverleihung 1955

  • Nominierung für Max Ophüls in der Kategorie ,Best Art Direction-Set Decoration, Black-and-White‘

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Welturaufführung fand am 14. Februar 1952 statt. Tag der Erstaufführung in der Bundesrepublik Deutschland war der 4. November 1952.[1] Im Englischen war Sir Peter Ustinov der Erzähler, im Original Jean Servais.[4] Die mittlere Episode erstreckt sich über etwa 70[10] der 100 Minuten.

Beim ersten Erscheinen in den Vereinigten Staaten waren Episode zwei und drei zugunsten einer konventionelleren Struktur vertauscht.[11]

Insbesondere die Eröffnungssequenz von „Die Maske“ hat in der Fachwelt für die technische Durchführung weitreichende Anerkennung gefunden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Pläsier. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 17. April 2017.
  2. Freigabebescheinigung für Pläsier. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Dezember 2011 (PDF; Prüf­nummer: 43 05V V).
  3. a b Bosley Crowther: Le Plaisir (1952). In: The New York Times. 20. Mai 1954, abgerufen am 4. Juni 2008 (englisch).
  4. a b Croce, siehe Weblinks.
  5. Lutz Bacher: Max Ophuls’s Adaptation to and Subversion of Classical Hollywood Cinema and Their Effect on his European Filmmaking. In: Undercurrent #3 (11.2006). FIPRESCI, November 2006, archiviert vom Original am 29. Mai 2014; abgerufen am 13. Oktober 2018 (englisch).
  6. Jens Golombek in: Dirk Manthey, Jörg Altendorf, Willy Loderhose (Hrsg.): Das große Film-Lexikon. Alle Top-Filme von A–Z. Zweite Auflage, überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. Verlagsgruppe Milchstraße, Hamburg 1995, ISBN 3-89324-126-4, S. 2190.
  7. Pauline Kael: Le Plaisir. Abgerufen am 4. Juni 2008 (englisch): „sounds better than it is; the stories allow Ophüls to display his virtuoso technique, but two of the three turn out too thin and hokey.“
  8. Croce, siehe Weblinks: „nothing short of brutal […] „Possession is always followed by the disgust of familiarity“ – it could be Peter Coyote talking in Polanski’s Bitter Moon, only it’s Jean Servais“.
  9. Anthony Lane: Master of Ceremonies – The films of Max Ophuls. In: The New Yorker. 8. Juli 2002, abgerufen am 5. Juni 2008 (englisch): „[…] Ophuls did make four films in the early nineteen-fifties, and all four – ‚La Ronde,‘ ‚Le Plaisir‘ (1952), ‚Madame de …,‘ and ‚Lola Montès‘ (1955) – happen to be accomplishments of genius.“
  10. Jeffrey M. Anderson: Le Plaisir (1952). In: Combustible Celluloid. 24. Oktober 1999, abgerufen am 5. Juni 2008 (englisch).
  11. Kehr, siehe Weblinks.