Planetfall

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Planetfall ist ein Science-Fiction-Textadventure von Steve Meretzky und wurde 1983 vom US-amerikanischen Entwicklungsstudio und Publisher Infocom veröffentlicht. Als Meretzkys erstes Spiel wurde es zu einem seiner beliebtesten Spiele überhaupt und ein Bestseller für Infocom, so dass einige Jahre später eine (weniger erfolgreiche) Fortsetzung mit dem Namen Stationfall entwickelt wurde. Planetfall wurde von Infocom in der internen Schwierigkeitsbewertung als "Standard" eingestuft und ist ein Kofferwort aus Planet und Landfall. Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Planetfall und Space Quest von 1986; in beiden Spielen ist der Protagonist eine Art "Weltraum-Hausmeister", sein Raumschiff wird zerstört beziehungsweise untüchtig gemacht, worauf er auf einem fremden Planeten landet, von dem er flüchten muss.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Spiel nimmt man die Rolle eines bescheidenen Fähnrichs siebter Klasse auf dem Raumschiff S.P.S. Feinstein ein, der von seinem Vorgesetzten zum Deckschrubben eingeteilt wurde. Nach einer unvermittelten Explosionsserie an Bord verwendet er eine Fluchtkapsel und landet auf einem nahegelegenen Planeten. Es gibt Zeichen von Zivilisation, aber keine Anzeichen von Lebewesen. Zusammen mit einem hilfreichen Roboter namens Floyd muss der Spieler nun die Rätsel des Planeten aufklären und einen Weg finden, nach Hause zurückzukehren.

Spielprinzip und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planetfall ist ein Textadventure, das heißt, Umgebung und Geschehnisse werden als Bildschirmtext ausgegeben und die Visualisierung obliegt der Fantasie des Spielers. Die Steuerung des Spiels erfolgt durch die Eingabe von Befehlen an die Spielfigur über die Tastatur. Die Befehle werden zugweise von einem Parser abgearbeitet und die Auswirkungen des Spielzugs auf die Spielwelt berechnet.

Produktionsnotizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie die meisten Infocom-Spiele wurde Planetfall für zahlreiche verschiedene Hardware-Plattformen gleichzeitig auf den Markt gebracht. Es gab Versionen für PC sowie diverse zeitgenössische Heimcomputer wie Amiga, Apple II, Atari Heimcomputer, Atari ST, C64, C128, Macintosh, Schneider CPC, TI-99/4A und TRS-80. Douglas Adams war von Planetfall so beeindruckt, dass er Meretzky als Programmierer für The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy verpflichtete.

Planetfall arbeitete wie viele Spiele von Infocom mit sogenannten roten Heringen (red herrings): Es enthält eine Reihe unnützer Gegenstände, nicht erreichbarer Schauplätze und irreleitende Anhaltspunkte.

Im absoluten Gegensatz zu den damals erhältlichen Textadventures war es unnötig, ja sogar unmöglich, an eine Lampe zu kommen, um die in dieser Zeit üblichen "dunklen Bereiche" (siehe Zork) betreten zu können. Es liegt zwar in einem Labor eine Lampe bereit, der Spieler stirbt aber bei jedem Versuch, diese aufzunehmen. Es gab die Möglichkeit, den Programmcode so zu bearbeiten, dass der Spieler die Lampe in Besitz nehmen konnte. Wenn man nun die "dunklen Bereiche" aufsuchte, reagierte das Spiel mit der Nachricht "You should not be here."

Seit 1982 legte Infocom seinen Spielverpackungen diverse Extras bei, im Falle von Planetfall waren dies:

  • Ein Stellar Patrol "Special Assignment Task Force" Ausweis in der Form einer Kreditkarte
  • 3 Postkarten
  • Ein Handbuch der Stellar Patrol mit dem Titel "Boldly Going Where Angels Fear to Tread"

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ludohistoriker Jimmy Maher stellt in seiner Universitäts-Abschlussarbeit heraus, dass Planetfall eines der ersten Textadventures mit schlüssiger, komplexer Geschichte sei. Unüblich für die damalige Zeit sei die Ausstattung des Spiels mit einer sich nach und nach präsentierenden fremden Kultur sowie der Einsatz eines Sidekicks, der eine hohe emotionale Bindung an das Spiel erzeuge. Insgesamt spiele sich Planetfall „eher wie Literatur denn als Textadventure“.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jimmy Maher: Let's Tell a Story Together. A History of Interactive Fiction. University of Texas, Dallas 2006 (filfre.net).