Plastiktüte

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Plastikmüllsack in Paris

Eine Plastiktüte (auch Plastiktragetasche oder Kunststofftüte; in Österreich: Sackerl, Plastiksackerl oder Nylonsackerl,[1] in der Schweiz (Plastik-)Säckli, in Ostdeutschland häufig Plastetüte oder Plastebeutel, in Süddeutschland Plastikgug) ist eine Tüte oder ein Beutel aus Kunststofffolie, meist aus Polyethylen oder Polypropylen. Plastiktüten werden vor allem zum Transport von Einkäufen und zur Aufbewahrung sowie zum Transport von Müll verwendet. Bedruckte Einkaufstüten aus Plastik dienen dem Handel und der Konsumgüterindustrie auch als Werbeträger; in Europa kamen laut EU-Kommission im Jahr 2010 rund 95 Milliarden Plastik-Tragetaschen in Umlauf.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Tragetasche der Lebensmittel-Einzelhandelskette „Latscha“ aus den 1970er-Jahren mit einfacher Griffstanzung
Immer noch in Gebrauch: die Hemdchentüte (Zustand gefaltet und in Benutzung)

1833 stellte der Papierfabrikant Gumpert Bodenheim in Bad Sooden-Allendorf die erste industriell gefertigte Papiertüte her.[3] 1961 gab das Kaufhaus Horten in Neuss die ersten Plastiktüten aus. Sie wurden Hemdchentüten genannt, weil die Träger wie die eines Unterhemds aussahen.[4] 1965 folgte schließlich die Reiterbandtragetasche, welche basierend auf den Erfahrungen der papierverarbeitenden Industrie entwickelt wurde und als erste richtige Plastiktragetasche gilt.[5][6][7]

Vorteile und Nutzen[Bearbeiten]

Kunststofftüten zeichnen sich durch hohe Festigkeit und niedrige Herstellungskosten aus und sind wasser- und chemikalienbeständig. Sie lassen sich schweißen und sind entsprechend leicht zu verarbeiten. Für die Herstellung werden nur wenige Chemikalien benötigt, die Produktion ist wenig energieintensiv und emissionsarm. Kunststofftüten sind leicht und halten großen Belastungen stand. Allerdings können sie bei Überbeanspruchung reißen, insbesondere an den Henkeln. Bei Kunststofftüten handelt es sich zudem nicht immer um Einwegware. Die Tüten werden oft mehrfach verwendet und können anschließend recycelt werden.

Verwendung finden Kunststofftüten hauptsächlich bei der Verpackung und beim Transport von Einkäufen sowie bei der Entsorgung von Hausmüll, als Müllsäcke und Gelbe Säcke für recycelbare Kunststoffverpackungen (Duales System).

Kunststofftüten werden häufig als Werbeträger genutzt. In Deutschland sind sie meist mit farbigen Aufdrucken versehen, meistens den Firmenlogos der entsprechenden Händler oder Produzenten. Als Symbole der Konsumgesellschaft werden Kunststofftüten gelegentlich auch bewusst als Accessoires verwendet.

Gefahren für die Umwelt[Bearbeiten]

Plastikmüll verschandelt in wilden Müllkippen die Landschaft
Plastiktüte in einem Storchennest

Eine Kunststofftüte wird im Durchschnitt 25 Minuten lang benutzt.[8] Im Vergleich zu anderem Plastikabfall gelangen Plastiktüten und andere dünne Plastikfolien besonders leicht durch Verwehung unbeabsichtigt in die Umwelt und machen auf dem Festland wahrscheinlich den Hauptanteil des Plastikabfalls in der Umwelt aus.[9]

In Ländern, in denen es keine Verwertungssysteme für Abfall und Wertstoffe gibt, gelangen die Plastiktüten nach ihrem Gebrauch unkontrolliert in die Umwelt. Der Zersetzungsprozess dauert je nach Kunststoffsorte und Ort Schätzungen zufolge hunderte bis tausende Jahre, in arktischen Gewässern und der Tiefsee wahrscheinlich noch weit länger.[9][10]

Ein etwa drei Millionen Tonnen schwerer Müllstrudel hat sich zwischen Kalifornien und Hawaii gebildet. Angetrieben durch Wind und Strömungen dreht sich diese schwimmende Müllhalde in einem riesigen Wirbel auf dem Ozean. Dieser Wirbel ist etwa so groß wie Mitteleuropa. Auf ein Kilogramm Plankton kommen hier sechs Kilogramm Plastik. In mehreren weiteren Wirbeln im Südpazifik, im Atlantischen und im Indischen Ozean gibt es weitere Plastikteppiche dieser Art, wenn auch mit geringeren Mengen.[11][12] Selbst im Roten Meer sind viele Regionen von Plastikmüll übersät.

Meeresschildkröten verwechseln die Kunststofftüten oft mit Quallen und fressen sie. Vögel verschlucken unverdauliche Plastikteile oder füttern ihre Jungen damit.[13] Jedes Jahr sterben zehntausende Wale, Robben und Haie.[10] Abgesunkene Kunststofftüten verfangen sich an Korallen, nehmen ihnen das Licht, den Zugang zur Nahrung und töten sie dadurch ab.[14]

Auch für Tiere auf dem Festland stellen Plastiktüten eine Gefahr dar. Fetzen von Plastiktüten in Vogelnestern können zu Einschnürungen und Verstümmelungen an Beinen führen.[15] Störche bauen in ihre Nester Plastiktüten ein, so dass gelegentlich Regenwasser nicht abfließt und Jungstörche ertrinken.[16] Wildtiere auf Futtersuche können in Plastiktüten und anderen Abfällen ersticken.[17]

Siehe auch Plastikmüll in den Ozeanen, Mikroplastik

Umweltbilanz gegenüber Papiertüten[Bearbeiten]

Papiertüten sind leichter zu entsorgen als Plastiktüten, vor allem, weil Papiertüten leichter verrotten. Außerdem kann das Papierrecycling auf eine ausgereifte Infrastruktur zurückgreifen. Allerdings belastet die Herstellung einer Papiertüte die Umwelt stärker als die Produktion einer Plastiktüte, denn diese verbraucht weniger Wasser, weniger Rohstoffe und erzeugt weniger Kohlendioxid. Man müsste eine Papiertüte daher dreimal so oft verwenden wie eine aus Plastik, um diesen Nachteil auszugleichen.[18]

Alternativen[Bearbeiten]

Müllbeutel aus Biokunststoffen
Einkaufsnetz

Alternativen zu Kunststofftüten sind Einkaufsnetze, Bioplastiktüten, Papiertüten, Stofftaschen oder Einkaufskörbe. Der Ersatz von Kunststofftüten durch diese Alternativen wurde von der Umweltbewegung propagiert, die die Kunststofftüte zu einem Symbol der Wegwerfgesellschaft machte – bekannt geworden ist insbesondere der Slogan Jute statt Plastik!“.[19]

Seit einigen Jahren gibt es qualitativ gleichwertige Tüten aus nachwachsenden Rohstoffen, in der Regel Mais- oder Kartoffelstärke oder Polymilchsäuren. Bei gleichen Gebrauchseigenschaften haben sie den Vorteil gegenüber Kunststofftüten, dass sie nach Gebrauch der Tüte rückstandsfrei biologisch abgebaut werden können. Bislang sind vor allem Abfallbeutel für Bioabfall auf dem Markt. Jedoch haben auch diese eine Reihe von Nachteilen (Energieaufwand bei der Herstellung, Verdrängung von Lebensmittelanbauflächen zur Gewinnung der benötigten Rohstoffe[20]). Entsprechend ist die Verwendung von langlebigen (Stoff-)Taschen zurzeit die sinnvollste Alternative.

Verkauf statt kostenloser Zugabe[Bearbeiten]

Pro Jahr und Kopf werden in Deutschland statistisch 65 Einkaufstüten erzeugt und verwendet.

In deutschen Lebensmittel-Supermärkten war es früher üblich, dass jedem Käufer ohne Nachfrage eine oder mehrere Tüten zum Einkauf beigegeben wurden. Inzwischen sind die Kunststofftüten oft kostenpflichtig, und der Verbrauch ist stark zurückgegangen. Dennoch ist es u. a. in Frankreich, Spanien und Polen immer noch üblich, zu einem Lebensmittelkauf kostenlos Kunststofftüten zu bekommen. In den USA sind vielerorts henkellose Papiertüten im Gebrauch.

Maschine zum Eintüten in einem Kaufhaus

Kunststofftüten in verschiedenen Staaten[Bearbeiten]

Australien[Bearbeiten]

Kunststofftüten sind im Bundesstaat South Australia und in den Bundesterritorien Australian Capital Territory und Northern Territory verboten.[21] Australien will die Kunststofftüten mit einem Totalverbot abschaffen. Derzeit werden in Australien jährlich etwa 4 Milliarden Kunststofftüten verteilt.[22]

Bangladesch[Bearbeiten]

Kunststofftüten sind seit dem Jahr 2000 in Bangladesch komplett verboten. Sie verstopften während der Monsun-Zeit die Abwasserkanäle und erhöhten das Überschwemmungsrisiko.

Bhutan[Bearbeiten]

In Bhutan sind Kunststofftüten verboten.

Chile[Bearbeiten]

In Chile ist es nach wie vor üblich, zum Einkauf in kleinen Läden und Supermärkten Plastiktüten kostenlos zum Kauf dazugereicht zu bekommen. Diese Tüten sind nicht immer ausreichend stabil, was dazu führt, dass auch für einen normal großen Einkauf viele Tüten verwendet werden. Ferner ist es verbreitet, ebendiese kostenlosen Tüten daheim als Mülltüten zu verwenden. So gehen sie mit dem Mischmüll zur Entsorgung.

Volksrepublik China[Bearbeiten]

Ab dem 1. Juni 2008 ist es chinesischen Supermärkten, Kaufhäusern und Großhandelsmärkten verboten, Plastiktüten kostenlos abzugeben. Sehr dünne Tüten wurden vollständig verboten. Mit dieser Anordnung sollen der Plastikmüll und die daraus resultierende Verschmutzung reduziert werden. Bei Verstößen droht eine Strafe von bis zu 10 000 Yuan.[23] Statistiken zufolge werden in China täglich drei Milliarden Kunststofftüten verbraucht. Die Verbraucher wurden aufgefordert, wieder Stofftaschen und Körbe zu verwenden. Plastiktüten sollen nach dem Gebrauch gesammelt und recycelt werden.

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland gibt es zu Zeit keinerlei gesetzliche Beschränkungen. Trotzdem liegt der durchschnittliche Verbrauch mit 76 Tüten pro Einwohner und Jahr deutlich unter dem EU-weiten Durchschnitt von 198 Plastiktüten. Bereits jetzt kosten in Lebensmittelgeschäften Kunststofftragetaschen zwischen 0,10 und 0,30 Euro. In Bekleidungsgeschäften wird die Ware an der Kasse häufig im Plastiktüten mit Werbeaufdruck verpackt. Plastiktüten werden im Lebensmitteleinzelhandel beim Verkauf von unverpacktem Obst und Gemüse als „Hemdchenbeutel“ sowie zur Verpackung lose verkaufter Backwaren (dort zunehmend durch Papiertüten ersetzt) zur Verfügung gestellt.

Bei der Dialogveranstaltung „Einweg-Tragetaschen“ vom 24. Februar 2014 mit Herstellern, Behörden sowie Umwelt- und Verbraucherverbänden bekräftigte das Umweltbundesamt seine Empfehlungen den Verbrauch von Einweg-Tragetaschen weiter zu verringern und die im Lebensmitteleinzelhandel bestehende Bezahlpflicht für Kunststofftragetaschen auszuweiten.[24]

Frankreich[Bearbeiten]

In Paris trat 2007 ein Verbot von Kunststofftüten in Kraft. Ein landesweites Verbot nicht kompostierbarer Plastiktüten gibt es seit dem 1. Januar 2010.[25]

Indien[Bearbeiten]

In Indiens Hauptstadt Neu-Delhi wurden Plastiktüten verboten. Verstöße werden mit bis zu 1500 Euro bestraft.[26] In manchen Bundesstaaten, z.B. Kerala, sind dünne Plastiktüten ebenfalls verboten.[27]

Irland[Bearbeiten]

Am 4. März 2002 hat die Republik Irland eine Umweltsteuer auf jede Plastiktüte von 0,15 Euro eingeführt. Dies führte zu einer neunzigprozentigen Verringerung der Verwendung von Plastiktüten und verstärkte den Einsatz von wiederverwendbaren Taschen. Der Erlös dieser Steuer wurde für Umweltprojekte verwendet. Viele Einzelhändler in Irland gaben ihren Kunden Papiertüten oder verzichteten einfach ganz auf Verpackung. Die meisten Supermärkte verwendeten weiterhin Plastiktüten. Nachdem die Steuer am 1. Juli 2007 auf 0,22 Euro erhöht wurde, stiegen viele Supermärkte auf wiederverwendbare Stofftüten oder wiederverwendbare, haltbare Plastiktüten um. Sie verkaufen diese Tüten für ca. einen Euro.[28][29]

Der Anteil von Plastiktüten an den in der Umwelt aufgefundenen Müllobjekten ging bis 2004 von 5 % auf 0,22 % auf ein Zwanzigstel des Ausgangswertes zurück. Die administrativen Kosten der Steuer lagen bei ca. 3 % des Aufkommens und waren damit sehr niedrig. Die Reaktion sowohl von Händlern als auch Kunden auf die Steuer war positiv, sie genießt in Irland hohe Akzeptanz.[30]

Italien[Bearbeiten]

Seit dem 1. Januar 2011 ist die Vermarktung herkömmlicher Plastiktüten in Italien verboten. Als Ersatz sollen Papiertüten, Stoffbeutel und andere leicht abbaubare Tüten, z.B. aus Maisstärke, dienen.[31]

Kenia und Uganda[Bearbeiten]

In Kenia und Uganda gilt für die dünnsten Tüten ein Verbot und für die übrigen eine erhöhte Besteuerung.[32]

Neuseeland[Bearbeiten]

In Neuseeland werden Kunststofftüten sowohl im Supermarkt als auch in Endverbrauchergeschäften, wie Mode-, Elektronik- und Sportgeschäften, kostenlos zum Einkauf hinzugegeben. Selbst in sog. Convenience Stores, die für den schnellen Einkauf zwischendurch gedacht sind, erhält man beim Einkauf mehrerer Artikel in der Regel eine kostenlose Kunststofftüte. Während in Supermärkten und Convenience Stores die Tüten meist sehr dünn und weiß sind, benutzen Modegeschäfte usw. oft dickere Tüten mit dem jeweiligen Logo des Geschäfts. In Liquor Stores werden alkoholische Getränke meist in schwarzen Tüten verpackt. Eine Ausnahme zur allgemeinen Tütenverbreitung bildet der Outdoorausstatter „Kathmandu“, der selbst keine Kunststoff- sondern nur noch (Einmal-)Kartontüten benutzt. Will der Kunde eine Tüte haben, muss er sie zur Zeit käuflich erwerben.

Österreich[Bearbeiten]

In Mode- und Sportgeschäften werden vor allem Textilien an der Kasse routinemäßig in Plastiktaschen gegeben. Wer sie nicht haben will, muss an der Kasse darauf hinweisen. Ähnliches ist in Läden für Unterhaltungselektronik üblich. Verschiedentlich stellen auch Lieferanten Taschen mit Markenwerbung zur Verfügung. Textilien aus der chemischen Reinigung werden meist mit bis zu mantelgroßen transparenten sehr dünnen Schlauchhüllen aus PE übergeben.

In großen Läden für Lebensmittel und Allgemeinbedarf und bei Diskontern wird für große Plastiktüten mit Werbeaufdruck ein Preis von 20 bis 25 Cent verrechnet. Manchmal wird der Strichcode an der Kassa durchgestrichen, um ein Wiedermitbringen zu vereinfachen. Sprachlich stereotyp ist der Begriff „BILLA-Sackerl“, in natura plakativ gelb-rot, legendär für Marcel Prawys Musikdokumentensammlung.[33][34] In den 70er-Jahren waren auch die abwertende Begriffe Jugokoffer und Tschuschenkoffer weit verbreitet, eine Anspielung auf das bevorzugte Reiseutensil in jugoslawischen Gastarbeiterautos.[35] Alle SPAR-Markttypen bieten eine Reihe von Alternativen: Tragtaschen aus Papier, Baumwolle, auch zum Einhängen in den Einkaufswagen und seit (Interspar schon Juni 2007 um damals 0,29 Euro[36][37]) 2009 leicht gelbliche und schnell verrottende Plastiksäcke aus Kartoffelstärke-Kunststofffolie für 0,35 Euro.[38]

Daneben sind zum Selbsteinpacken von Gemüse und Obst kleinere, ganz dünne, trüb-durchsichtige aus LD-PE kostenlos meist von einer Rolle abzureißen. Türkische Geschäfte etwa verwenden größere dieser Art von Sackerln auch leicht gefärbt. Auch einfachere weiße Plastiksackerl sind meist kostenfrei.

Mistkübel bei Privaten, in Firmen, bei Diskontern, SB-Restaurants und im öffentlichen Raum werden mit bis zu sehr großen, oft schwarzen Müllsäcken aus PE ausgekleidet. Mancherorts erfolgt die Leichtfraktion-Müllsammlung in „gelben Säcken“, die gekauft und gefüllt zugebunden vor die Haustür gestellt werden.

Papua-Neuguinea[Bearbeiten]

Plastiktüten sind im Inselstaat Papua-Neuguinea seit 2003 offiziell verboten. Die Gründe dafür liegen in der zunehmenden Verschmutzung der Umwelt durch weggeworfene Plastiktüten und andere Kunststoffe.[39]

Ruanda und Tansania[Bearbeiten]

In den ostafrikanischen Staaten Ruanda (seit 2006) und Tansania (2005) sind Kunststofftüten verboten.[40] Bis zu sechs Monate Haft oder eine Geldstrafe von 2000 Dollar drohen Umweltsündern beim Gebrauch von Kunststofftüten auf der tansanischen Insel Sansibar.[41] Es gibt aber keine Kontrollen oder Ähnliches bei der Einreise auf Sansibar. Auch die einheimischen Händler und Verkäufer verteilen Plastiktüten für die Einkäufe, deswegen ist mit Strafen nicht zu rechnen.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz werden von sämtlichen Detailhändlern wie Coop, Migros, Aldi und Lidl kostenfrei Plastiktüten zum Einpacken des Eingekauften angeboten. Ein Verbot wurde am 13. Dezember 2012 vom Parlament verabschiedet.[42]

Südafrika[Bearbeiten]

In Südafrika dürfen Kunststofftüten von Einzelhändlern nicht mehr umsonst verteilt werden. Seit dem Jahr 2003 droht ihnen eine Geld- oder Gefängnisstrafe, wenn sie dagegen verstoßen.

Türkei[Bearbeiten]

Plastikeinkaufstaschen sind in der gesamten Türkei ein großes Umweltproblem. Derzeit verwendet jeder Türke im Durchschnitt 1,2 Beutel pro Tag, von denen viele nicht ordnungsgemäß entsorgt werden.

Uganda[Bearbeiten]

In Uganda sind dicke Kunststofftaschen verboten.[43]

Vereinigte Staaten von Amerika[Bearbeiten]

In den USA regeln einzelne Bundesstaaten und Kommunen den Gebrauch von Plastiktüten.

Hawaii ist der erste US-Bundesstaat, in dem flächendeckend ein Plastiktütenverbot existiert.[44]

2003 wurde im Staat Kalifornien ein Gesetzesentwurf diskutiert, der vorsah, auf jede Plastiktüte eine Steuer von drei Cent zu erheben. Nach Protesten von Handel und Plastikherstellern wurde dieser jedoch nicht umgesetzt.[45] Doch im September 2014 verabschiedete der US-Bundesstaat Kalifornien als zweiter US-Bundesstaat ein flächendeckendes Plastiktütenverbot.[46] Diesem Verbot gingen eine Reihe kommunaler Maßnahmen voraus. In San Francisco als erster Stadt der USA wurden 2007 Kunststofftüten per Stadtratsbeschluss verboten. Im Jahr 2006 waren dort noch 180 Millionen Kunststofftüten verteilt worden.[47] In Los Angeles beschloss Juli 2008 der Stadtrat ein Plastiktütenverbot, das ab 1. Juli 2010 gilt. Papiersäcke können für 0,25 USD gekauft werden.[48] Seit 2012 gibt es in San Jose ein Plastiktütenverbot. In einer anschließenden Untersuchung fanden sich im Regenentwässerungssystem 89 % weniger Plastiktüten, 60 % weniger in Flüssen und 59 % weniger auf Straßen und in Wohngebieten.[49]

Mit Wirkung vom 1. Januar 2010 wurde in Washington, D.C. eine Regelung eingeführt, die eine Gebühr von 0,05 USD auf Plastiktüten erhebt. Diese Regelung gilt ausschließlich für die Abgabe von Plastiktüten in Lebensmittelläden und hat einige Verwirrung im Handel hervorgerufen. Ein Buchhändler, der für gewöhnlich eine Packung Pfefferminzdrops dem Kunden in die Tüte als Freebie mitgab, hat von dieser Praxis Abstand genommen. Der Händler war sich nicht sicher, ob er in diesem Fall gegen die Regelung, die für Lebensmittelläden gilt, verstößt.[50]

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten]

In England gibt es derzeit keine gesetzlichen Beschränkungen. Plastiktüten werden in der Regel kostenlos in Geschäften und Supermärkten in beliebiger Menge ausgegeben. Allerdings gibt es regionale Regelungen in einzelnen Orten. So verpflichteten sich 2007 die Händler im Dartmoor-Dorf Modbury, Devon, zu einem freiwilligen Verzicht auf Plastiktüten.[51] In Wales gibt es seit 2011 eine Abgabe in Höhe von 5 Pence, der Verbrauch ging innerhalb eines Jahres um 22 % zurück, in Nordirland gibt es eine Abgabe in dieser Höhe seit April 2013. Schottland erhebt ab 2014 eine Abgabe in Höhe von ebenfalls 5 Pence.[52]

DDR[Bearbeiten]

In der DDR waren westliche Kunststofftüten von offizieller Seite nicht immer gerne gesehen. Schüler wurden manchmal aufgefordert, die Tüte zu wenden, d. h. die Werbeaufschrift nach innen zu tragen.

Europäische Union[Bearbeiten]

Die Europäische Kommission plant eine zusätzliche Besteuerung oder ein Verbot von Plastiktüten.[53][54] Die Bürger der EU waren in einer englischsprachigen Online-Umfrage (Konsultation) aufgefordert, ihre Meinung zu dem Thema kundzutun. Die Umfrage wurde vom 17. Mai 2011 bis zum 9. August 2011 durchgeführt.[55]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plastiktüten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nylonsackerl im Wörterbuch auf www.ostarrichi.org
  2. Badische Zeitung, 17. September 2013, Michael Donhauser (dpa): badische-zeitung.de: Tüte gefällig? Englands Umweltschützer kämpfen gegen Plastikflut (12. Dezember 2013)
  3. Sine Maier-Bode: Tütensammler Heinz Schmidt-Bachem. In: www.planet-wissen.de. 1. Oktober 2009, abgerufen am 19. Mai 2011.
  4. Frank Wichert: Plastiktüten praktisch aber umweltbelastend, in: rset.org, 2013, online: [1], abgerufen 6. Mai 2015
  5. Schöne Plastiktüten sind in Deutschland undenkbar, StadtRevue, Ausgabe Oktober 2003, abgerufen am 10. Mai 2015
  6. Beiträge zur Industriegeschichte der Papier-, Pappe- und Folien-Verarbeitung in Deutschland, S. 350, Publikation der Universität Tübingen, abgerufen am 7. Mai 2015
  7. Heinz Schmidt-Bachem: Aus Papier: Eine Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Papier verarbeitenden Industrie in Deutschland, 1. Auflage (2011), S. 752 u. 960
  8. CHEMIE/238: Schöne bunte Plastikwelt – Plastiktüte, Problem mit Tragweite (ROBIN WOOD-Magazin). Robin Wood. Abgerufen am 18. Juli 2010.
  9. a b  David K. A. Barnes, Francois Galgani, Richard C. Thompson und Morton Barlaz: Accumulation and fragmentation of plastic debris in global environments. In: Phil. Trans. R. Soc. B. 364, Nr. 1526, 27. Juli 2009, S. 1985-1998, doi:10.1098/rstb.2008.0205.
  10. a b  The Scottish Government (Hrsg.): Marine Litter Issues, Impacts and Actions. 18. September 2012, ISBN 978-1-78256-082-1 (HTML).
  11. Samiha Shafy: Umwelt: Das Müll-Karussell. In: Spiegel Online. 2. Februar 2008, abgerufen am 30. Dezember 2014.
  12. Gigantischer Müllteppich dreht sich im Kreis. In: orf.at. 8. Februar 2008, abgerufen am 30. Dezember 2014.
  13.  José G.B. Derraik: The pollution of the marine environment by plastic debris. A review. In: Marine Pollution Bulletin. 2002, doi:10.1016/S0025-326X(02)00220-5.
  14. Hazards to Coral Reefs. In: CORIS – Coral Reef Information System. NOAA, abgerufen am 27. Juli 2013.
  15. Gesundheit der Wildvögel. Erkrankungen der Beine und Füße. In: Wildvogelhilfe. Abgerufen am 27. Juli 2013.
  16.  Claus-Dieter Steyer: Dauerregen und Kälte in Brandenburg. Schlechte Wetterlage bedroht den Weißstorch. In: Tagesspiegel. 27. Juli 2013 (HTML).
  17. Der Joghurtbecher als tödliche Falle. In der Natur liegen gelassener Müll stellt eine große Gefahr für Wildtiere dar. In: Jagdnetz. Deutscher Jagdverband, 7. August 2008, abgerufen am 27. Juli 2013.
  18. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatChristoph Drösser: Umweltschutz: Sind Papiertragetaschen besser für die Umwelt als Plastiktüten? In: zeit.de. 8. November 2014, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  19. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJörg Burger: Einkaufen: Plastik statt Jute. In: zeit.de. 8. Juni 2006, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  20. DailyGreen.de: “Bio”-Plastiktüten bringen keine Öko-Vorteile
  21. Andrew Darby: Ban on plastic bags spreads to Tasmania, The Sydney Morning Herald, November 12, 2010 (englisch)
  22. Australien macht Ernst – Plastiktüten-Verbot
  23. Verbot von Plastiktüten – Vom Müll gebeutelt
  24. enveya.com: UBA fordert Ausweitung der Bezahlpflicht für Plastiktüten Artikel vom 26. Februar 2014, abgerufen am 26. Februar 2014
  25. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAFP: Frankreich: Plastiktüten verboten. In: welt.de. 13. Oktober 2005, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  26. Johannes Boie: Verbot von Plastiktüten – Vom Müll gebeutelt. In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  27. Kerala bans thin plastic bags. In: Infochange India / Hindustan Times. 2. September 2007, abgerufen am 30. Dezember 2013.
  28. cafebabel.com: Kampf dem “wilden Müll“ in Irland (Offline)
  29. Plastikbeutel unter Beschuss (Memento vom 21. Oktober 2007 im Internet Archive)
  30.  Frank Convery, Simon McDonnell, Susana Ferreira: The most popular tax in Europe? Lessons from the Irish plastic bags levy. In: Environmental and Resource Economics. Nr. 38, 2007, S. 1–11, doi:10.1007/s10640-006-9059-2.
  31. sueddeutsche.de: Italien – Stoff statt Plastik – Wirtschaft – sueddeutsche.de, Zugriff am 4. Januar 2011.
  32. BBC News: East African ban on plastics bags
  33. ostarrichi.org: Österreichisch – Deutsch : Bagage – Lumpenpack
  34. Ich mache nur, was ich liebe - Eine Hommage an Marcel Prawy im Haus der Musik. In: oe-journal.at. 14. Dezember 2006, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  35. Tschuschenkoffer in Ostarrichi.org
  36. http://www.pro-tech.info/tps/index.php?id=52
  37. PDF bei www.pro-tech.info
  38. SPAR Pressekontakt
  39. Papua Neuguinea verbietet Plastiksäcke. In: pressetext.at. 11. Februar 2015, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  40. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPlastiktüten in Ostafrika verboten. In: tagesspiegel.de. 17. Juni 2007, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  41. Sansibar will Plastiktüten verbannen. In: pressetext.com. 11. Februar 2015, abgerufen am 26. Dezember 2014.
  42. „10.3850 – Motion“: Stopp der Verschmutzung durch Wegwerf-Plastiksäcke in der Geschäftsdatenbank des Schweizer Parlaments.
  43. Deutschlandfunk, Freistil, 27. Oktober 2013, Dieter Jandt, Ulrich Land: deutschlandfunk.de: Hängen am Beutel - Das lange Sterben der Plastiktüte, 12. Dezember 2013.
  44. Miguel Llanos: Hawaii first state to ban plastic bags at checkout. NBC News, 16. Mai 2012, abgerufen am 14. Dezember 2013.
  45. Plastic Left Holding the Bag as Environmental Plague. In: Seattle Post-Intelligencer. 21. Juli 2004, veröffentlicht auf www.commondreams.org. Besucht am 28. Januar 2010.
  46. faz.net:Kalifornien will als erster amerikanischer Bundesstaat Plastiktüten verbieten
  47. San Francisco verbietet Plastiktüten. In: Badische Zeitung. 29. März 2007.
  48. Los Angeles: Alles außer Plastik. auf: tagesschau.de, 23. Juli 2008@1 @2 Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  49.  Kerrie Romanow, City of San Jose (Hrsg.): Memorandum to Transportation and Environment Committee, Subject: Bring your own Bag Ordinance Implementation Results and Actions to Reduce EPS Foram Food Ware. 20. November 2012, S. 5 (PDF, 123 KB).
  50. In Washington, a Lesson In Bureaucracy Comes in Every Bag. In: The Wall Street Journal. 25. Januar 2010.
  51. Artikel im Tagesspiegel: Modbury als Vorbild für Bremen, abgerufen am 8.Dezember 2013
  52.  Sarah Butler: Scotland introduces 5p charge on carrier bags. Shoppers face fees for plastic bags, following examples of Wales and Northern Ireland in past two year. In: The Guardian. 28. Juni 2013 (Scotland introduces 5p charge on carrier bags).
  53. ec.europa.eu: Weg mit dem Müll: Konsultation zu Plastiktüten
  54. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatUmweltschutz: EU erwägt Verbot von Plastiktüten. In: Focus Online. 18. Mai 2011, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  55. ec.europa.eu: Consultation on options to reduce the use of plastic carrier bags and options to improve the requirements of biodegradability in the Directive 94/62/EC on packaging and packaging waste and the visibility of biodegradable packaging products to consumers