Plattenburg

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Plattenburg; zur dortigen Burg siehe Plattenburg (Burg).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Plattenburg
Plattenburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Plattenburg hervorgehoben
Koordinaten: 52° 58′ N, 12° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Prignitz
Höhe: 32 m ü. NHN
Fläche: 202,02 km²
Einwohner: 3415 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 17 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19339
Vorwahlen: 038796 (Viesecke), 033982 (Hoppenrade), 038787 (Glöwen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: PR
Gemeindeschlüssel: 12 0 70 302
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
19339 Plattenburg
Webpräsenz: www.plattenburg.de
Bürgermeisterin: Anja Kramer
Lage der Gemeinde Plattenburg im Landkreis Prignitz
Lenzerwische Lenzen (Elbe) Lanz Cumlosen Groß Pankow (Prignitz) Pritzwalk Gumtow Plattenburg Legde/Quitzöbel Rühstädt Bad Wilsnack Breese Weisen Wittenberge Perleberg Karstädt Gülitz-Reetz Pirow Berge Putlitz Kümmernitztal Gerdshagen Halenbeck-Rohlsdorf Meyenburg Marienfließ Triglitz Landkreis Ostprignitz-Ruppin Putlitz Mecklenburg-Vorpommern Sachsen-Anhalt Sachsen-AnhaltKarte
Über dieses Bild
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Gutshaus Hoppenrade, um 1860

Plattenburg ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Prignitz (Brandenburg). Die Gemeinde Plattenburg entstand 2001 durch den freiwilligen Zusammenschluss von acht Gemeinden, die vorher dem von 1992 bis 2001 existierenden Amt Plattenburg angehörten. Namengebend für das Amt und die Gemeinde war die im Gemeindegebiet liegende Wasserburg Plattenburg.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Plattenburg grenzt im Norden an die Stadt Perleberg und die Gemeinde Groß Pankow (Prignitz), im Osten an die Gemeinde Gumtow, im Südosten an die Städte Kyritz und Neustadt (Dosse), im Süden an das Land Sachsen-Anhalt und im Westen an das Amt Bad Wilsnack/Weisen.

Gliederung der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Plattenburg gliedert sich laut Hauptsatzung in acht Ortsteile mit 14 Gemeindeteilen[2] sowie acht Wohnplätzen:[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Plattenburg entstand erst zum 31. Dezember 2001 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Bendelin, Glöwen, Hoppenrade, Kleinow, Kletzke, Krampfer, Netzow und Viesecke. Diese Gemeinden waren vorher unter der Verwaltung des Amtes Plattenburg. Die Geschichte der Gemeinde ist bis 2001 die Geschichte der acht heutigen Ortsteile.

Amt Plattenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Minister des Innern des Landes Brandenburg gab am 31. Juli 1992 seine Zustimmung zur Bildung des Amtes Plattenburg. Zum Zeitpunkt des Zustandekommens des Amtes wurde der 10. August 1992 festgelegt.[4] Das Amt hatte seinen Sitz in Kletzke und bestand aus den Gemeinden Bendelin, Glöwen, Kleinow, Kletzke, Krampfer, Netzow, Viesecke und Hoppenrade, die damals zu den Kreisen Perleberg und Pritzwalk gehörten. Amtsdirektorin wurde Gudrun Hoffmann, die nach der Auflösung des Amtes Bürgermeisterin der Gemeinde Plattenburg wurde. Mit dem freiwilligen Zusammenschluss der amtsangehörigen Gemeinden zur neuen Gemeinde Plattenburg zum 31. Dezember 2001 wurde das Amt Plattenburg aufgelöst.[5]

Bevölkerungsentwicklung von 2002 bis 2014[6][7]
Jahr 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Einwohner 4134 4092 4041 3977 3954 3867 3815 3750 3712 3542 3471 3449 3415

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtverordnetenversammlung hat außer der hauptamtlichen Bürgermeisterin 16 Mitglieder. Diese teilen sich nach der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 wie folgt auf die Parteien und Gruppierungen auf:[8]

Partei / Gruppierung Sitze Stimmenanteil
Freiwillige Feuerwehr und Dorfverein Plattenburg 3 20,1 %
CDU 3 17,8 %
Wählergruppe Kleinow/Uenze 3 15,4 %
Freie Wähler Pro Prignitz 2 11,0 %
LINKE 2 09,9 %
Bündnis 90/Die Grünen 1 07,5 %
Wählergruppe Krampfer/Groß Gottschow 1 07,4 %
Bauernverband Kletzke 1 07,3 %

Bürgermeisterin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anja Kramer (parteilos) wurde in der Bürgermeisterwahl am 23. September 2012 mit 65,2 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt.[9]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindewappen wurde am 28. Januar 2002 genehmigt.

Blasonierung: „In Silber ein gemauerter roter Stufengiebel mit einem Kreuz bekrönt und von drei (1:2) offenen gotischen Fenstern durchbrochen.“[10]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kletzker Kirche ist eine der ältesten und bedeutendsten Kirchen der Region.

In der Liste der Baudenkmale in Plattenburg stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bahnhofstraße des Ortsteils Glöwen steht ein Denkmal von 1947, das an 800 jüdische Frauen und Männer erinnert, die von August 1944 bis April 1945 in einem Außenlager des KZ Sachsenhausen in der Rüstungsproduktion der Dynamit AG (DAG) unter härstesten Bedingungen arbeiten mussten. Nach jüngsten Recherchen starben fünf bis sieben Häftlinge.

Vor dem „Knappenhaus“ auf der Burg Plattenburg erinnert ein 1995 vom BdV, Kreisverband Perleberg, errichteter Gedenkstein an die Opfer von Flucht und Vertreibung 1945 aus den deutschen Ostgebieten. Das Gelände der Plattenburg war 1945 (und auch noch folgende Jahre) eine der zentralen Sammelstellen des Kreises Westprignitz für Flüchtlinge und Vertriebene aus Ost- und Westpreußen, Ostbrandenburg, Pommern, dem Warthegau, dem Netzedistrikt und Schlesien.

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1319 erstmals erwähnte Plattenburg, Station auf dem Pilgerweg von Berlin nach Wilsnack, beherbergt heute unter anderem ein Museum, dient als Standesamt und bietet Räume für Seminare und Ausstellungen. Sie gilt als älteste Wasserburg Norddeutschlands.

Auf dem Gelände des 1803 vom Bistum Havelberg an privat verkauften, aus dem Jahr 1729 stammenden Vorwerks Hoppenrade entstand 1830 das klassizistische Guts- und Herrenhaus Hoppenrade und um 1847 ein dazugehörender Park. Ab 1900 als „Perle der Prignitz“ bekannt, wurde die Anlage in den 1920er Jahren umgestaltet und erweitert. Sie gehört seit 1995 der Gemeinde Plattenburg; der Landschaftspark wird seit dieser Zeit durch einen Förderverein betreut, um das 1998 als Gartendenkmal geschützte Gelände als Kulturgut und Erholungsraum für die Öffentlichkeit zu erhalten.

Die Plattenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Plattenburg (Burg)

Die in einem Waldgebiet an der Karthane von den brandenburgischen Markgrafen wohl schon vor 1200 angelegte Wasserburg wurde 1319 an den Havelberger Bischof verkauft. Infolge der Reformation und der Säkularisation kirchlicher Güter gelangte sie 1548 wieder in den Besitz des Landesherrn, der sie aber 1560 an die Familie von Saldern als erbliches Lehen vergab; die Familie v. Saldern blieb im Besitz der Plattenburg bis 1945.

Um zwei getrennt liegende Höfe gruppieren sich die mächtigen backsteinernen Gebäude der Ober- und Unterburg. Südlich davon schließt sich das weiträumige Gelände der Vorburg an, die von einem weiteren, dem äußeren Burggraben umgeben ist. Die Gebäude der Unterburg lehnen sich an die den unteren Burghof umgebende starke Wehrmauer an, die ursprünglich als freistehende Ringmauer mit Wehrgang und gotischem Torbogen errichtet wurde. Zusätzlichen Schutz boten doppelte Wassergräben und Wälle. Der in mehreren Jahrhunderten entstandene Gebäudekomplex umfasste Stallungen, Torhaus, Wirtschaftsgebäude und Zugbrücke auf der Vorburg, Back- und Brauhaus, Speicher- und Stallgebäude, Verlies, Torhaus, Archiv, Knappenhaus (auch Wasch- und Rollhaus) und Zugbrücke auf der Unterburg sowie Palas, Bergfried und Gesinde- und Küchenhaus auf der Oberburg. Mehrere eingreifende Um- und Neubauten vom 16. bis zum 19. Jahrhundert gaben der Burg ihr heutiges architektonisches Gesicht.

Burchard von Saldern (1568–1635) ließ die Burg um 1600 im Stil der Spätrenaissance erneuern und vor allem die Wohn- und Festräume im Palas umgestalten. Diese großzügigen Veränderungen im Bischofsflügel gehören zu den schönsten und bedeutendsten handwerklichen Leistungen der Innendekoration der Renaissance in der Prignitz. Vor allem verleihen die meisterhaften und außerordentlich qualitätsvollen Tischlerarbeiten dem Wohnsitz höfische Eleganz. Ebenso beachtlich sind auch die formenreichen Steinmetz- und Stuckateurarbeiten, die wohl als Werke der Magdeburger Bildhauergenerationen um Sebastian Ertle und Christoph Dehne gelten dürfen.

Der Rittersaal besitzt vier aufwändig stuckierte Kreuzgratgewölbe über einer Sandstein-Mittelsäule und enthält als hervorragenden Schmuck einen prachtvollen Kamin mit wappengeschmücktem Aufsatz in besten Renaissanceformen. Eine Sandsteintreppe mit sechs Löwenfiguren, die die Handläufe tragen, führt zu der reichgeschnitzten Renaissancetür von 1609.

Unter Adolf Friedrich von Saldern (1802–1862) kam es schließlich von 1861 bis 1865 nach Plänen Friedrich August Stülers zu Umbauten an den Gebäuden der Oberburg, die die Burg bis heute prägen. Im Mittelpunkt der Arbeiten standen die Neugestaltung des Rittersaales und einiger angrenzender Räume, die Erneuerung des Wohnflügels sowie die Erbauung eines neuen Turmes. Dieser war ein Stockwerk tiefer als der jetzige und ist erst 1883 nach einem Brand von Baurat Wilhelm Martens durch einen Aufbau zur heutigen Form erhöht worden.

Vom Ende der 1950er Jahre bis 1991 wurde die Oberburg als Kinderferienheim genutzt, die Gebäude der Unterburg gerieten in Verfall, Teile der Vorburg wurden unmittelbar nach 1945 abgerissen. Erst 1991 setzen unter der Regie eines Fördervereins umfangreiche Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten ein, die bis heute (Stand 2012) anhalten. Auch der Burggarten konnte wieder rekonstruiert werden. Heute stellt die Burg als privat betriebene Herberge als Tagungs- und Veranstaltungsort und als Museum und Restaurant einen wichtigen kulturtouristischen Schwerpunkt in der Prignitz dar.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet Plattenburg verlaufen in West-Ost-Richtung die Bundesstraße 5 HamburgBerlin und in Nord-Süd-Richtung die Bundesstraße 107 PritzwalkGenthin. Plattenburg liegt im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Am Bahnhof Glöwen an der Berlin-Hamburger Bahn hält stündlich der Regionalexpress (Wismar–)WittenbergeBerlinLudwigsfelde der DB Regio AG. Außerdem ist Glöwen an den öffentlichen Personennahverkehr des benachbarten Landkreises Stendal in Sachsen-Anhalt angebunden. Es verkehren von den Haltestellen Glöwen/Bahnhof und Glöwen/Schule Linienbusse und Rufbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lieselott Enders (Bearb.), Klaus Neitmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil I, Prignitz. 1123 S., Potsdam, Verlag in Potsdam, 2012 (Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs) ISBN 978-3-941919-91-4 (im Folgenden abgekürzt Enders & Neitmann, Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Prignitz mit entsprechender Seitenzahl)
  • Torsten Foelsch: Adel, Schlösser und Herrenhäuser in der Prignitz. Ein Beitrag zur Kunst- und Kulturgeschichte einer märkischen Landschaft, Leipzig, Perleberg 1997
  • Torsten Foelsch: Die von Saldern’sche Bildersammlung auf der Plattenburg – Geschichte und Schicksal einer Kunstsammlung in der Prignitz. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz, Bd. 10, Perleberg 2010
  • Torsten Foelsch: Die Plattenburg in der Prignitz. In: Die Mark Brandenburg. Zeitschrift für die Mark und Brandenburg, Heft 84, Berlin 2012, S. 18–25.
  • Torsten Foelsch: Plattenburg. In: Schlösser und Gärten der Mark, hrsg. von Sibylle Badstübner-Gröger, Berlin 1993 (1. Aufl.), 2012 (4. überarb. und erg. Aufl.)
  • Theodor Goecke/ Paul Eichholz / Friedrich Solger / Willy Spatz: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, Teil I, Bd. 1, Die Kunstdenkmäler des Kreises Westprignitz, Berlin 1909
  • Otto Grotefend: Urkunden der Familie von Saldern, 2 Bände, Hildesheim 1932 und 1938
  • Jan Peters: Märkische Lebenswelten. Gesellschaftsgeschichte der Herrschaft Plattenburg-Wilsnack, Prignitz 1550–1800. In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Bd. 53, Berlin 2007
  • Richard Rudloff: Plattenburg und die Familie von Saldern. In: Prignitzer Volksbücher, Nr. 64/65, Pritzwalk 1926

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2014 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Plattenburg vom 27. Oktober 2008 PDF
  3. Gemeinde Plattenburg auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung
  4. Bildung des Amtes Plattenburg. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 31. Juli 1992. Amtsblatt für Brandenburg - Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 3. Jahrgang, Nr. 62, 25. August 1992, S. 1054/5
  5. Bildung einer neuen Gemeinde Plattenburg. Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 14. Dezember 2001. Amtsblatt für Brandenburg - Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 12. Jahrgang, Nr. 52, 27. Dezember 2001, S. 901 PDF
  6. Enders & Neitmann, Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Prignitz
  7. Beitrag zur Statistik Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. 19.12 Landkreis Prignitz PDF
  8. Landeswahlleiter des Landes Brandenburg, Wahlergebnis Plattenburg
  9. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 23. September 2012
  10. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Plattenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien