Plattenepithelkarzinom

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Plattenepithelkarzinome (Epithelioma spinocellulare), auch als spinozelluläres Karzinom, Spinaliom, Stachelzellkrebs, Epithelioma spinocellulare oder verhornender Plattenepithelkrebs bezeichnet, sind von den Epithelien der Haut und der Schleimhäute ausgehende bösartige (maligne) Tumoren aus der Gruppe der Karzinome. Sie können auch von anderen Geweben ausgehen, die selbst kein Plattenepithel besitzen, aber Epithelien mit der Fähigkeit zur Plattenzellmetaplasie haben. Das Plattenepithelkarzinom ist der zweithäufigste bösartige Hauttumor. Nach dem Stand von 2013 erkranken nach Aufzeichnungen der Deutschen Krebshilfe etwa 70.000 Menschen pro Jahr neu an einem Plattenepithelkarzinom. [1]

Ursache[Bearbeiten]

Plattenepithelkarzinome entwickeln sich in erster Linie auf dem Boden schwer lichtgeschädigter Haut bei bereits vorhandenen aktinischen Keratosen. In selteneren Fällen entstehen sie aus chronischen Wunden, Verbrennungsnarben oder anderen Hauterkrankungen. Der Sari-Hautkrebs bei indischen Frauen wird zum Beispiel durch ständige Reizung der Haut durch die traditionelle Kleidung ausgelöst.[2] Das Plattenepithelkarzinom der Haut ist das Paradebeispiel für einen durch Sonnenlicht ausgelösten Tumor. Hierbei spielt offensichtlich die kumulative Sonnenexposition („UV-Lebenszeitkonto“) eine entscheidende Rolle. Besonders gefährdet sind Personen, bei denen das Immunsystem etwa infolge einer medikamentösen Therapie nach Organtransplantationen geschwächt ist.

Neuere Forschung deuten auf einen Zusammenhang von Infektion mit Humanen Papillomviren aus der Gattung Betapapillomavirus und dem Auftreten von Plattenepithelkarzinomen der Haut [cutaneous squamous cell carcinoma (SCC) ].[3][4]

Pathologie[Bearbeiten]

Hochdifferenziertes Plattenepithelkarzinom

Plattenepithelkarzinome wachsen warzenartig (verrukös) und bisweilen ulzerierend und ahmen das verhornende Plattenepithel in unterschiedlichem Umfang nach. Typisch für sie ist ein Zytoskelett aus Zytokeratin. Hochdifferenzierte Karzinome dieser Entität verhornen und bilden, da die Hornschuppen im Tumorinneren liegen und nicht abgeschilfert werden können, zwiebelschalenartig geschichtete Hornkugeln, die mikroskopisch meist eindeutig diagnostizierbar sind. Gering differenzierte Karzinome verlieren die Fähigkeit zur Hornbildung. Sie bilden sehr polymorphe (vielformige), solide Tumoren. Sehr stark entdifferenzierte (anaplastische) Plattenepithelkarzinome können in der spindelzelligen (fusiformen) Variante wie Sarkome aussehen.

Therapie[Bearbeiten]

Standardtherapie ist die vollständige operative Entfernung des Tumors. Bei Karzinomen mit einem sehr hohen Risiko der Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) kann eine vorbeugende Operation der angrenzenden Lymphknoten notwendig sein. Ist eine Operation etwa aus medizinischen Gründen nicht möglich oder liegen sehr ausgedehnte Frühformen des Karzinoms vor, gibt es eine Vielzahl von Therapiealternativen. Hierzu zählen in erster Linie oberflächlich zerstörende Maßnahmen wie Kürettage, Elektrodesikkation, Kryotherapie (Vereisung), photodynamische Therapie, eine lokale Chemotherapie (5-Fluorouracil-Creme), eine lokale Immuntherapie (Imiquimod-Creme) und Strahlentherapie.

Tumoren im fortgeschrittenen Stadium (Lymphknotenbefall und/oder Metastasen in anderen Organen) können neben der Operation mit systemischer, also im ganzen Körper wirkender Chemotherapie sowie Immuntherapie (Interferon-alpha) behandelt werden.

Plattenepithelkarzinome der Haut sprechen in der Regel zunächst gut auf eine Chemotherapie an, neigen allerdings sehr häufig zu Rückfällen, so dass eine Heilung zumeist nicht möglich ist.

Krankheitsverlauf[Bearbeiten]

Je früher Plattenepithelkarzinome der Haut erkannt und behandelt werden, desto besser ist ihre Prognose. Tumoren mit einer Größe unter 2 cm metastasieren selten und haben die besten Heilungschancen. Die meisten Plattenepithelkarzinome werden in diesem Stadium erkannt und können daher gut behandelt werden. Wenn sich Tochtergeschwülste ausgebildet haben, ist die Prognose deutlich ungünstiger.

Nachsorgeuntersuchungen finden je nach Metastasen- oder Rückfallrisiko alle drei bis sechs Monate statt. Obwohl die meisten Rückfälle und Metastasen innerhalb der ersten zwei Jahre auftreten, sollte die Nachsorge grundsätzlich über fünf Jahre hinweg durchgeführt werden. Die Patienten sollten darüber hinaus den Risikofaktor UV-Licht meiden und ihre Haut regelmäßig selbst kontrollieren. Bei unklaren Hautveränderungen sollte immer ein Hautarzt aufgesucht werden.

Lokalisation und Häufigkeit[Bearbeiten]

Plattenepithelkarzinome gibt es außer an der Haut auch an den Schleimhäuten im Genitalbereich (Vulvakarzinom) und - deutlich seltener - in der Harnblase. Beim Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und beim Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) handelt es sich in jeweils 90 % der Fälle um Plattenepithelkarzinome. Etwa 20 % der Bronchialkarzinome sind Plattenepithelkarzinome, sie sind somit nach den Adenokarzinomen die zweithäufigste Tumorform der Lunge. [5]

Die Zahl der Hautkrebsfälle in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren auf 234.000 Menschen jährlich verdoppelt. Dazu gehört auch das Plattenepithelkarzinom mit 70.000 Neuerkrankungen im Jahr. An erster Stelle steht der Weiße Hautkrebs (Basalzellenkrebs) mit 137.000 Fällen. An schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) erkranken jährlich ca. 28.000. Internationale Experten machen insbesondere UV-bedingte Hautschäden, die in der Kindheit und Jugend erworben wurden, für diesen Trend verantwortlich. [6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ursus-Nikolaus Riede, Hans-Eckart Schaefer: Allgemeine und spezielle Pathologie. Thieme, Stuttgart 1999, ISBN 3-13-683304-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer Deutsche Krebshilfe, 13. Mai 2013
  2.  S. Lal, Jayanta Bain, A. K.Singh, P. K. Shukla: Saree Cancer: The Malignant Changes in Chronic Irritation. In: Journal of Clinical and Diagonostic Research. 6, Nr. 4 (PDF).
  3. Jan Nico Bouwes Bavinck et al. : β-Papillomavirus Infection and Skin Cancer Journal of Investigative Dermatology, 2008, Nr. S. 128, 1355–1358, doi:10.1038/jid.2008.123
  4. Maryam M. Asgari et al. : Detection of Human Papillomavirus DNA in Cutaneous Squamous Cell Carcinoma among Immunocompetent Individuals. Journal of Investigative Dermatology, 2008, Nfr. 128, S. 1409–1417, doi:10.1038/sj.jid.5701227
  5. http://www.bronchialkarzinom-aktuell.de/index.php?id=66 Internetplattform Bronchialkarzinom der Asklepios Klinik Wandsbek
  6. Aktuelle Statistik, Deutsche Krebshilfe Bonn, Mai 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plattenepithelkarzinom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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