Plattform-Unternehmen

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Ein Plattform-Unternehmen bietet eine digitale Basis für Leistungen verschiedener Individuen oder Organisationen auf Basis eines einheitlichen Standards um einen zentralen Kern im Gegensatz zu einer Wertschöpfungskette eines konventionellen Unternehmens.[1] Wichtige Merkmale eines Plattform-Unternehmens sind Netzwerkeffekte und eine hohe Digitalisierung für die Nutzung von Daten zur Erhöhung der Produktivität gegenüber konventionellen Unternehmen. Eine schnelle Skalierung um einen Kern herum ist Teil des Geschäftsmodells.[2]

Im Jahr 2016 existierten nach einer Untersuchung des Center for Global Enterprise 176 Plattform-Unternehmen mit einem Marktwert von über einer Milliarde US-Dollar.[3] Sie bilden einen neuen Typus des Kapitalismus, man spricht vom Digitalen Kapitalismus oder Plattformkapitalismus.

Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plattform-Unternehmen können in drei Arten unterschieden werden. Erstens in Transaktions-Plattformen, die einen Leistungsaustausch zwischen Individuen und Organisationen ermöglichen (auch bekannt unter dem Begriff "multi-sided market"), zweitens in Innovations-Plattformen, die auf der Basis einer Organisation verschiedene Individuen oder Organisationen Leistungen anbieten können und in Integrations-Plattformen, die beides kombinieren.[4]

Unternehmen der "sharing economy", die die gemeinsame Nutzung von Gegenständen ermöglichen, werden als eine Unterart der Transaktionsplattformen angesehen.

Liste von Plattform-Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plattformarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 2021 veröffentlichten Dritte Gleichstellungsbericht der Bundesregierung wird festgestellt, dass eine beruflich selbständige Tätigkeit auf einer Plattform häufig in Kombination mit einer geringfügigen Beschäftigung ausgeübt wird. Das treffe vor allem auf Frauen zu. Es komme so zu Lücken in der Sozialversicherung, etwa bezogen auf die gesetzliche Rente und den Mutterschutz.[6]

Der Bericht zitiert eine Studie von Fairwork Deutschland von 2020, der zufolge ein Drittel der auf Plattformen Beschäftigten Migrationserfahrung oder -geschichte haben. Diese Art der Arbeit werde durch Migranten, die keinen Zugang zum regulären Arbeitsmarkt haben, als Alternative wahrgenommen.[6]

Im Gleichstellungsbericht plädiert die Sachverständigenkommission dafür, die Plattformarbeit „besser abzusichern und in die sozialen Sicherungssysteme einzubeziehen“. Nötig seien „Regelungen, die eine eigenständige und existenzsichernde soziale Absicherung unabhängig vom Status der Plattformarbeitenden gewährleisten“.[6]

Die Sachverständigenkommission konstatierte außerdem fehlende Mitbestimmungsstrukturen[7] und einen fehlenden Schutz vor algorithmischer Diskriminierung.[8]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plattform-Unternehmen und die von ihnen angestrebten Monopole werden teilweise gelobt, z. B. von Peter Thiel: „Competition Is for Losers. If you want to create and capture lasting value, look to build a Monopoly[9]

Vielfach werden sie auch kritisiert. Professor Lutz Becker spricht von einer Marktfiktion, die die digitalen Plattformen erzeugen. Die Plattformen der Internet-Giganten seien in der Lage, durch Internalisierung bestimmter ökonomischer und gesellschaftlicher Übereinkünfte, Regeln und Prozeduren, sowie deren Unterwerfung unter die eigenen Geschäftsmodelle („take-over“), die Spielregeln von Angebot und Nachfrage, von Märkten und Branchen, von Kultur und Gesellschaft, von Arbeit und Kapital, substanziell und radikal zu verändern und damit den Markt und in der Folge Gesellschaften digital zu kolonialisieren, nämlich spätestens dann, wenn die Plattformen faktische Voraussetzung zur Teilnahme an Markt oder Gesellschaft würden.[10]

Regulatorische Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund des zentralen Leistungsversprechens von Plattform-Unternehmen, Leistungen auf eine dynamische Art produktiver anzubieten, greifen diese disruptiv in vielen Ländern etablierte Geschäftsmodelle an. Hierdurch entstehen in der Öffentlichkeit Diskussionen über die gesetzliche Rechtmäßigkeit der Leistungen von Plattform-Unternehmen, sowie Änderungen an der Regulierung (wie in den Fällen Uber[11] und Airbnb[12] in Berlin) oder Verbote (Uber in Hamburg).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pierre Daniel Bertholdt: Neue Geschäftsmodelle für den Schienenpersonenfernverkehr auf Basis des Plattform-Konzepts. Hrsg.: Freie Universität Berlin. Berlin Juli 2018.
  2. Nick Srnicek: Plattform-Kapitalismus. Hamburger Edition, 2018, ISBN 978-3-86854-321-6.
  3. Peter C. Evans, Annabelle Gawer: The Rise of the Platform Enterprise - a Global Survey. (PDF) The Center for Global Enterprise, Januar 2016, abgerufen am 22. Januar 2019 (englisch).
  4. Geoffrey P. Parker, Marshall W. van Alstyne, Sangeet Paul Choudary: Platform Revolution: How Networked Markets Are Transforming and How to Make Them Work for You. Norton & Company, 2019, ISBN 978-0-393-35435-5.
  5. Bitkom: Deutsche Unternehmen ignorieren Plattform-Ökonomie. In: www.bitkom.org. 9. Februar 2017, abgerufen am 1. Februar 2019.
  6. a b c Dritter Gleichstellungsbericht: Digitalisierung geschlechtergerecht gestalten. (PDF) BMFSFJ, Juli 2021, abgerufen am 17. September 2021. S. 132–133.
  7. Dritter Gleichstellungsbericht: Digitalisierung geschlechtergerecht gestalten. (PDF) BMFSFJ, Juli 2021, abgerufen am 17. September 2021. S. 133–135, S. 139.
  8. Dritter Gleichstellungsbericht: Digitalisierung geschlechtergerecht gestalten. (PDF) BMFSFJ, Juli 2021, abgerufen am 17. September 2021. S. 137–138.
  9. Peter Thiel: Competition Is for Losers. In: The Wall Street Journal. 12. September 2014, abgerufen am 1. Februar 2019 (englisch).
  10. Lutz Becker: Schöpferische Zerstörung und der Wandel des Unternehmertums: Zur Aktualität von Joseph Schumpeter. Hrsg.: Hans Frambach, Norbert Koubek, Heinz D. Kurz, Reinhard Pfriem. 1. Auflage. Metropolis Verlag, 2018, ISBN 978-3-7316-1358-9, S. 500.
  11. Theresa Dräbing: Uber gegen Taxi Straßenkampf in Berlin. In: Berliner Zeitung. 20. Januar 2019, abgerufen am 22. Januar 2019.
  12. Sonja Stössel: Wie Airbnb in Berlin zum Bittsteller wurde. In: Welt Online. 8. August 2018, abgerufen am 22. Januar 2019.