Plinius der Ältere

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Plinius der Ältere, Naturalis historia in der Handschrift Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, Plut. 82.4, fol. 3r (15. Jahrhundert)

Gaius Plinius Secundus Maior, auch Plinius der Ältere (* 23 oder 24 n. Chr. in Novum Comum, heute Como; † 25. August 79 in Stabiae am Golf von Neapel), war ein römischer Gelehrter, Offizier und Verwaltungsbeamter, der vor allem durch die Naturalis historia, ein enzyklopädisches Werk zur Naturkunde Bedeutung erlangt hat. Er starb während des großen Vesuvausbruchs im Alter von 55 Jahren.

Plinius der Ältere ist nicht zu verwechseln mit seinem Neffen Plinius dem Jüngeren (Gaius Plinius Caecilius Secundus Minor).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein für Plinius den Älteren, heute am Dom zu Como angebracht

Plinius’ Leben ist fast nur durch einige Anspielungen in seinem eigenen Werk Naturalis historia, durch zwei Briefe Plinius’ des Jüngeren sowie die Vita Plinii aus dem Catalogus virorum illustrium Tranquilli bezeugt. Nach letzterer ist sein Geburtsort Novum Comum in der Provinz Gallia cisalpina. Das Geburtsdatum kann eingegrenzt werden, da sein Neffe berichtet, dass Plinius in seinem 56. Lebensjahr stand, als er starb.[1]

Plinius muss eine Ausbildung erhalten haben, die ihn befähigte, einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit zu werden. Belegt ist, dass Plinius in Rom im Hause des Publius Pomponius Secundus unterrichtet und erzogen wurde.[2] Details sind jedoch nicht bekannt. Er selbst gibt lediglich einige kurze Selbstzeugnisse.[3]

Als Offizier war Plinius in verschiedenen römischen Provinzen eingesetzt. Im Jahr 47 n. Chr. kam er nach Niedergermanien und gelangte unter Domitius Corbulo in das Gebiet der Chauken.[4] Später erreichte er Gebiete nördlich des Mittel- und Oberrheins. Spätestens 59 n. Chr. war er zurück in Italien, übte jedoch unter Nero keine militärische oder zivile Funktion im Staat aus und konzentrierte sich auf seine wissenschaftlichen und literarischen Tätigkeiten.[5] Nach dem Prinzipat Neros diente Plinius in mehreren römischen Provinzen als Finanzverwalter (Procurator), unter anderem in Hispania Tarraconensis.[6] Um 79 n. Chr. leitete er als Präfekt die in Misenum unweit des Vesuvs stationierte römische Flotte.

Plinius blieb zeitlebens unverheiratet und kinderlos.[7] Nach dem Tod seines Schwagers wohnte er zusammen mit seiner Schwester und deren Sohn, Plinius dem Jüngeren, den er in seinem Testament als seinen Adoptivsohn bestimmte.

Der Tod des Plinius ist durch einen Brief Plinius’ des Jüngeren an den römischen Historiker Tacitus detailliert überliefert.[8] Als eine große schwarze Wolke beobachtet worden war, habe Plinius zunächst aus Forschungsinteresse an das Ufer unterhalb des Vesuvs segeln wollen, um das Phänomen zu beobachten. Auf den Hilferuf einer gewissen Rectina hin habe er sich entschlossen, die dort ansässigen Menschen zu retten, aufgrund des Ascheregens habe man das Ufer jedoch nicht erreichen können. Stattdessen sei er nach Stabiae gesteuert und auf dem Gut eines Pomponianus abgestiegen. Nach einer unruhigen Nacht habe man am Morgen die Gebäude wegen starker Erdbeben verlassen müssen. Plinius sei an der Küste tot zusammengebrochen. Die Todesursache gilt heute als unklar. Als mögliche Ursachen werden in der Forschung Tod durch Ersticken, Vergiftung, Asthma, Herzinfarkt oder Schlaganfall diskutiert.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charles Plumier benannte Plinius zu Ehren die Gattung Plinia[9] der Pflanzenfamilie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Carl von Linné übernahm später diesen Namen.[10]

In dem Roman Pompeji von Robert Harris ist Plinius' Wirken am Ende seines Lebens in Misenum dargestellt.

Der Mondkrater Plinius wurde nach ihm benannt.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plinius der Jüngere überliefert nicht nur biografische Informationen, sondern auch Angaben über die schriftstellerische Tätigkeit seines Onkels. In einem Brief an Baebius Macer zählt er dessen Schriften in chronologischer Reihenfolge auf. Daneben habe Plinius der Ältere noch 160 doppelseitig eng beschriebene Hefte mit Notizen und Auszügen aus früheren Schriftstellern hinterlassen.[11] Die Datierungsversuche sind nachträglich angestellt worden:

  • De iaculatione equestri liber unus (Speerwerfen vom Pferd aus, ein Buch): ca. Ende der 40er Jahre
  • De vita Pomponi Secundi duo (Leben des Pomponius Secundus, zwei Bücher): ca. 50er Jahre
  • Bellorum Germaniae libri XX (20 Bücher über die Kriege in Germanien): etwa in den 40er Jahren vollendet, jedoch erst in den 50er Jahren veröffentlicht
  • Studiosi libri tres (Der Student, drei Bücher): ca. Ende der 50er Jahre
  • Dubii sermonis libri octo (Undeutliche Ausdrucksweise, acht Bücher): in der für Literaten gefährlichen Zeit unter Nero, ca. 65–68 n. Chr.
  • A fine Aufidii Bassi libri triginta unus (Fortsetzung des Aufidius Bassus, 31 Bücher): unter Vespasian, zwischen 69 und 79 n. Chr.
  • Naturae historiarum libri triginta septem (Naturgeschichte, 37 Bücher): ca. 77 n. Chr.

Die Bella Germaniae und A fine Aufidii Bassi gehören zu den historischen Schriften, die übrigen behandeln überwiegend rhetorisch-literaturgeschichtliche Fragen. Die meisten dieser Werke sind heute allerdings höchstens fragmentarisch oder gar nicht überliefert.

Geschichtswerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bella Germaniae sind schon in der Spätantike nur schwer zugänglich gewesen, wie aus einem Brief des Quintus Aurelius Symmachus aus dem Jahr 396 hervorgeht.[12] Mit den Historien (die sein Neffe unter A fine Aufidii Bassi listete) schloss Plinius an Aufidius Bassus an. Daher wird vermutet, es ist aber nicht sicher belegt, dass die Darstellung wohl im Jahr 47 einsetzte.

Sowohl die Historien, die bis in die Regierungszeit Vespasians reichten, wie auch die Germanenkriege wurden ausgiebig von Tacitus als Quelle benutzt, der Plinius’ Schriften schon bald verdrängte.[13] Sueton hat die Geschichtswerke des Plinius ebenfalls herangezogen.

Die Fragmente sind gesammelt in The Fragments of the Roman Historians (Nr. 80).

Naturalis historia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Naturalis historia
Der Anfang des vierten Buches der Naturalis historia in der Handschrift Leiden, Bibliothek der Rijksuniversiteit, Voss. Lat. F. 4, fol. 20v (erste Hälfte des 8. Jahrhunderts)

Eine Sonderstellung nimmt die Naturalis historia ein. Alle 37 Bände der umfangreichen Enzyklopädie sind komplett erhalten, da sie ununterbrochen rezipiert und vervielfältigt wurde.[14] In ihr wurde das naturkundliche Wissen um 50 n. Chr. zusammengetragen. Damit ist das Werk heute eine wichtige Quelle für die Beurteilung und Rezeption antiken Wissens.

Plinius arrangierte darin traditionelles naturwissenschaftliches Wissen griechischer Autoren wie Aristoteles, Theophrastos und Hippokrates von Kos unmittelbar aus Handschriften und setzte dieses mit neuen geografischen Kenntnissen Catos, Varros, Mucianus’ und anderer in Beziehung.[15] Das Werk zeichnet sich im Besonderen durch den Aufbau aus: Es besteht aus 37 Bänden, die unabhängig voneinander verwendet werden können.[16] Ein Band der Naturalis historia konnte somit als Handbuch für ein Fachgebiet fungieren.

Die Enzyklopädie befasste sich mit den Themenbereichen Kosmographie (Buch 2), Geographie (Buch 3–6), Anthropologie (Buch 7), Zoologie (Buch 8–11), Botanik (Buch 12–19), Medizin (20–32), Metallurgie und Mineralogie sowie Malerei und Kunstgeschichte (Buch 33–37).[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersichtsdarstellungen in Handbüchern

Porträt

Gesamtdarstellungen

Einzelne Themen

  • John F. Healy: Pliny the Elder on Science and Technology. Oxford University Press, Oxford 1999, ISBN 0-19-814687-6.
  • Thomas Köves-Zulauf: Reden und Schweigen. Römische Religion bei Plinius Maior. Fink, München 1972.
  • Valérie Naas: Plinius Secundus (Caius). In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Bd. 5, Teil 1, CNRS Éditions, Paris 2012, ISBN 978-2-271-07335-8, S. 876–884 (über Plinius' Verhältnis zur Philosophie)
  • Klaus Sallmann: Die Geographie des älteren Plinius in ihrem Verhältnis zu Varro. Versuch einer Quellenanalyse. De Gruyter, Berlin 1971, ISBN 3-11-001838-1.
  • Klaus Sallmann: Der Traum des Historikers: Zu den 'Bella Germaniae' des Plinius und zur julisch-claudischen Geschichtsschreibung. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. II 32,1, Berlin 1984, S. 578–601.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Gaius Plinius Secundus – Quellen und Volltexte (Latein)
 Commons: Plinius der Ältere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Plinus minor, Epist. III, 5, 7.
  2. Gerhard Winkler: Plinius der Ältere, S. 553.
  3. Gerhard Winkler: Plinius der Ältere. In: Bernhard Zimmermann (Hrsg.): Metzler Lexikon antiker Literatur. Autoren, Gattungen, Begriffe. Stuttgart 2004, S. 553.
  4. W. Kroll: Plinius d. Ä. In: RE 21 (1951), Sp. 274.
  5. W. Kroll: Plinius d. Ä. In: RE 21 (1951), Sp. 276.
  6. W. Kroll: Plinius d. Ä. In: RE 21 (1951), Sp. 277.
  7. Reinhard Wolters: Plinius. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 23. 2. Aufl. Berlin 2003, hier S. 211.
  8. Plinus minor, Epist. VI, 16.
  9. Charles Plumier: Nova Plantarum Americanarum Genera. Leiden 1703, S. 9.
  10. Carl von Linné: Critica Botanica. Leiden 1737, S. 94; Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 239.
  11. Plinius minor, epist. III, 5, 17.
  12. Symmachus, epist. IV 18 (Edition Otto Seeck).
  13. Zu den bella Germaniae siehe vor allem Klaus Sallmann: Der Traum des Historikers: Zu den 'Bella Germaniae' des Plinius und zur julisch-claudischen Geschichtsschreibung. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. II 32,1, Berlin 1984, S. 578–601. Vgl. auch Ronald Syme: Tacitus. Bd. 1, Oxford 1958, besonders S. 287 ff.
  14. Francesca Berno: Plinius d.Ä. (Gaius Plinius Caecilius Secundus maior). Naturalis historia. In: Christine Walde (Hrsg.): Die Rezeption der antiken Literatur. Kulturhistorisches Werklexikon. Stuttgart 2010, S. 697.
  15. Cancik, Hubert: Or - Poi, S. 1139.
  16. Franz Brunhölzl: Plinius der Ältere im Mittelalter. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 7, Sp. 21 f.
  17. Francesca Berno: Plinius d. Ä. (Gaius Plinius Caecilius Secundus maior). Naturalis historia. In: Christine Walde (Hrsg.): Die Rezeption der antiken Literatur. Kulturhistorisches Werklexikon. Stuttgart 2010, S. 697–699.