Połczyn-Zdrój

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Połczyn-Zdrój
Wappen von Połczyn-Zdrój
Połczyn-Zdrój (Polen)
Połczyn-Zdrój
Połczyn-Zdrój
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Świdwin
Fläche: 7,21 km²
Geographische Lage: 53° 46′ N, 16° 6′ OKoordinaten: 53° 46′ 0″ N, 16° 6′ 0″ O
Einwohner: 8356
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 78-320
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZSD
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 163 KołobrzegWałcz
DW 172 Połczyn-Zdrój ↔ Szczecinek
DW 173 Połczyn-Zdrój ↔ Drawsko Pomorskie
Schienenweg: PKP-Linien 421 (Połczyn-Zdrój–Świdwin) u. 430 (GrzmiącaKostrzyn)
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 77 Ortschaften
23 Schulzenämter
Fläche: 343,71 km²
Einwohner: 15.666
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 46 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3216033
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Barbara Nowak
Adresse: pl. Wolności 3-4
78-320 Połczyn-Zdrój
Webpräsenz: www.polczyn-zdroj.pl



Połczyn-Zdrój ['pɔwtʃɨn zdruj] (deutsch Bad Polzin) ist eine Kleinstadt (etwa 8.600 Einwohner) im Powiat Świdwiński (Schivelbeiner Distrikt) der polnischen Woiwodschaft Westpommern und ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Hinterpommern, in der Pommerschen Schweiz am Nordhang des Pommerschen Höhenrückens in einer Niederung, durch die der Wuggerbach und der Taubenbach fließen, etwa 134 Kilometer nordöstlich von Stettin.

Połczyn-Zdrój hat Anschluss an die Bahnlinie Choszczno (Arnswalde)Koszalin (Köslin). Die nächsten Nachbarstädte sind im Westen Schivelbein (Świdwin), 24 Kilometer entfernt, und im Norden Belgard an der Persante (Białogard), 30 Kilometer entfernt. Die Entfernung nach Köslin (Koszalin) im Norden beträgt 57 Kilometer.

Stadt Połczyn-Zdrój (Bad Polzin)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polzin südlich drr Städte Köslin und Belgard an der Persante sowie westnordwestlich von Neustettin auf einer Landkarte von 1908.
Bad Polzin um 1900

Im 13. Jahrhundert bestand in der Gegend des späteren Polzin bereits eine wendische Siedlung. In seiner Nachbarschaft ließen sich Ende des Jahrhunderts Benediktinermönche nieder, gründeten eine deutsche Siedlung, und um 1290 errichtete vermutlich der Templerorden dort ein Schloss. Anfang des 14. Jahrhunderts wurden die Familien von Zozenow und von Glasenapp Eigentümer des Ortes, und Hasso von Wedell erwarb 1320 das Schloss. Die Herzöge von Pommern-Wolgast verliehen Polzin 1335 das lübische Stadtrecht. 1374 brachte Gerd von Manteuffel die Stadt in seinen Besitz. Er ließ einen Befestigungswall um die Stadt anlegen und veranlasste den Bau des Wardiner und des Jagertower Tores. Im Konflikt zwischen Pommern, Polen und dem Deutschen Ritterorden besetzen polnische Söldner 1466 das Polziner Schloss. Sie konnten erst von Pommernherzog Erich II. nach heftigen Kämpfen wieder vertrieben werden. Aus dem 16. und 17. Jahrhundert gibt es kaum Nachrichten über Polzin. Es ist lediglich belegt, dass im Jahre 1418 eine Kirche gestanden hat, die 1591 mit dem Namen Marienkirche erwähnt wird.

Den Status eines Badekurortes verdankt Bad Polzin der Entdeckung eines Schmiedes im Jahre 1688. Dieser hatte einem Freund, der an einer Augenentzündung litt, geraten, sein Leiden einmal mit dem milchig-trüben Wasser einer Quelle, die er in der Nähe des Flusses Wugger entdeckt hatte, zu behandeln. Nachdem das Quellwasser tatsächlich Linderung schuf und der Polziner Pastor Joachim Engelke dies publik gemacht hatte, wurde die Heilquelle von vielen Leidenden aufgesucht. Sie stammten bald auch nicht mehr nur aus der Umgebung, zumal sich herausstellte, dass das Wasser auch bei Krampfadern half. Da Polzin außerdem auch noch landschaftlich reizvoll in der so genannten Pommerschen Schweiz gelegen war, entwickelte sich im 18. Jahrhundert ein florierender Fremdenverkehr. Selbst die preußische Königin Luise gehörte zu den Kurgästen. 1854 eröffneten das Marien- und Victoriabad, ein Jahr darauf nahm das Johanniter-Krankenhaus seinen Betrieb auf, und seit 1857 war Polzin auch ein Moorbad.

Panoramablick von Połczyn-Zdrój

Mit der Kommerzialisierung des Kurbetriebes im 18. Jahrhundert rückte die Stadt in das Interesse der Öffentlichkeit. Die Mineralquellen wurden zum dominierenden Wirtschaftsfaktor, der Fremdenverkehr nahm, mit Ausnahme der Kriegsjahre 1914–1918, ständig zu. Diese Entwicklung wurde auch durch den Anschluss an die Eisenbahnlinien nach Schivelbein im Jahre 1897 und nach Bärwalde 1906 gefördert. Die Einwohnerzahl stieg von 4.500 im Jahre 1875 auf 6.900 bei letzten deutschen Volkszählung 1939. 1938 wurden in Bad Polzin 127.082 Kurgäste gezählt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 musste die Stadt jedoch den Kurbetrieb einstellen.

Am 1. Mai 1938 wurde in Bad Polzin das Mutter-Kind-Heim Pommern der NS-Rassenorganisation Lebensborn eröffnet. Die Stadtverwaltung Polzin schenkte Hitler das Kurhaus Luisenbad, in dem sich das Heim bis Ende Februar 1945 befand.[2][3]

Bis 1945 gehörte Bad Polzin zum Kreis Belgard im Regierungsbezirk Köslin der Provinz Pommern des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzten am Montag, dem 5. März 1945, Rotarmisten Bad Polzin. Wie ganz Hinterpommern, wurde die Stadt nach Kriegsende von der Sowjetunion unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann nun die Zuwanderung polnischer und ukrainischer Zivilisten aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, die dort völkischen Minderheiten angehört hatten und die sich nun der Behausungen und Anwesen der eingesessenen deutschen Stadtbewohner bemächtigten. Ihre Herkunftsgebiete östlich der Curzon-Linie waren nach Ende des Ersten Weltkriegs im Polnisch-Sowjetischer Krieg (1919–1921) erobert worden und mussten nach Ende des Zweiten Weltkriegs an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige von Minderheiten in diesen Gebieten waren nach Ende des Zweiten Weltkriegs vor die Wahl gestellt worden, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auswandern zu müssen. Bad Polzin wurde in Połczyn-Zdrój umbenannt. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1740 1.386 [4]
1782 1.414 darunter 37 Juden[4]
1794 1.593 darunter 33 Juden[4]
1812 1.794 darunter vier Katholiken und 65 Juden[4]
1816 2.129 darunter vier Katholiken und 106 Juden[4]
1831 2.429 darunter fünf Katholiken und 164 Juden[4]
1843 2.994 darunter neun Katholiken und 248 Juden[4]
1852 3.442 darunter fünf Katholiken und 185 Juden[4]
1861 4.034 darunter 13 Katholiken und 215 Juden[4]
1875 4.475 [5]
1880 4.724 [5]
1890 4.632 darunter zwanzig Katholiken und 164 Juden[5]
1925 5.945 davon 5.687 Evangelische, 59 Katholiken und 111 Juden[6]
1933 6.431 [5]
1939 6.923 [5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber gespalten, vorn ein roter Balken, hinten auf grünem Dreiberg drei Weinstöcke mit blauen Trauben.“[7]

Der Balken ist das Wappen der von Manteuffel, die hier schon im 14. Jahrhundert Rechte hatten, die Rebe bezeugt den Weinbau in dieser nördlichen Gegend. Die seit dem 16. Jahrhundert bekannten Siegel zeigen alle das gleiche Bild.[8]

Wappendarstellungen unterschiedlicher Epochen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gmina Połczyn-Zdrój[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Połczyn-Zdrój zählt auf einer Fläche von 343,71 km² rund 15.000 Einwohner.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde gliedert sich neben dem gleichnamigen Hauptort in folgende 23 Schulzenämter:

Diese Schulzenämter umfassen zahlreiche Ortschaften:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 308–310 (online).
  • Werner Reinhold: Chroniken der Städte Belgard, Polzin und Schivelbein und der zu den Kreisen gehörenden Dörfer. Schivelbein 1862, 224 Seiten.
  • Unser Pommerland, Jg. 13, H. 7: Polzin.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil III, Band 1, Anklam 1867, S. 690-704 (online)
  • Christian Friedrich Wutstrack: Nachtrag zu der Kurzen historisch-geographisch-statistischen Beschreibung des königlich-preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Stettin 1795, S. 221–222 (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Połczyn-Zdrój – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Die Heime des "Lebensborn" (Memento vom 20. Juli 2011 im Internet Archive)
  3. Der Lebensborn – Lebenshilfe als Rassepolitik, Von Dennis Krumwiede.
  4. a b c d e f g h i Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 310
  5. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/belgard.html#ew39belgepolzin
  6. Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Polzin, Bad, im ehemaligen Kreis Belgard in Pommern (2011)
  7. Deutsches Städtebuch - Handbuch städtischer Geschichte von Prof. Dr. Erich Keyser, Herausgegeben 1939 vom W. Kohlhammer Verlag Stuttgart Band I Nordostdeutschland Seite 214
  8. Deutsche Ortswappen von Prof. Otto Hupp, Herausgegeben 1925 von der Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft Bremen