Podsol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eisen- bzw. Rostpodsol bei glazifluviatilem Sediment (Mittelfeinsand) eines Beckens an einer weichseleiszeitlichen Endmoräne

Der Podsol (aus dem russisch подзол, von под pod „unter“, зола zola) hier: „Ascheboden“, auch Bleicherde oder Grauerde genannt, ist ein saurer, an Nährstoffen armer oder verarmter Bodentyp in einem feuchtkalten oder feuchtgemäßigten Klima.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenhumuspodsol im Feldberggebiet (Südschwarzwald)
Bodenprofil Heidepodsol mit Ortstein in der Lüneburger Heide

Die Entstehung von Podsolen bezeichnet man als Podsolierung. Sie bilden sich aus quarzreichen Ausgangsgesteinen wie Sandstein, Granit oder aus lockeren, ebenfalls quarzreichen Sanden, wie Dünensand. Der geringe Gehalt an verwitterbaren Mineralen führt einerseits zu einem Mangel an Tonmineralen und andererseits zu geringem Puffervermögen gegenüber der Bodenversauerung. Aufgrund des niedrigen pH-Wertes kommt es zu einer abwärts gerichteten Verlagerung (Auswaschung) von Eisen- und Aluminiumhydroxid sowie Huminstoffen mit dem Sickerwasser aus dem Ober- in den Unterboden. Dort werden, bei etwas höheren pH-Werten, die Eisen-, Aluminium- oder Humusverbindungen wieder ausgefällt und fixiert. Es entsteht ein ausgeblichener, stark verarmter Oberbodenhorizont (Ae-Horizont) und ein mit Eisenverbindungen oder Humus stark angereicherter Unterbodenhorizont (Bs, Bh oder Bsh-Horizont). Die Entwicklung dauert bis zu Tausend Jahre. Der grobporige (wasserdurchlässige) und nährstoffarme Podsol (wenig Humus im Mineralboden) weist aufgrund des niedrigen pH-Wertes ein geringes Bodenleben auf. Dies führt in natürlichem Zustand unter Wald zu einer schwer abbaubaren, mächtigen Rohhumusauflage, die aufgrund ihrer geringen Mineralisierung in geringen Mengen pflanzenverfügbare Nährstoffe liefert. Die wasserstauende Ortsteinschicht behindert das Wurzelwachstum. Durch Kalkung und intensive Humuswirtschaft mit Grün- und Stalldüngung kann die Fruchtbarkeit des leicht zu bearbeitenden Podsols deutlich verbessert werden.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Agrarwirtschaft gehören die Podsole zu den ertragsarmen Böden. Sie sind sandig, nährstoffarm und sauer und haben Eigenschaften, die einem optimalen Wachstum der meisten Nutzpflanzen entgegenstehen. In Gegenden mit hohem Anteil von Podsolböden war in der Vergangenheit die Bevölkerung häufig vom Hunger bedroht. Zur Bodenverbesserung wurde in Nordwestdeutschland auf solchen Böden das Plaggen angebaut, so dass die Podsole allmählich in Plaggeneschböden umgewandelt wurden. Mit gleichmäßig hohen Düngegaben und eventuell mit Beregnung ist es möglich auf Podsolen ertragreich zu wirtschaften. Da Podsol jedoch zur Auswaschung neigt, besteht die Gefahr, dass Dünger und Pflanzenschutzmittel ins Grundwasser gelangen können.

Gebiete mit überwiegendem Podsolanteil, wie Sanderflächen oder Gebiete mit periglaziärer oder holozäner Flugsandsedimentation (Binnendünen) sind meistens mit Wald bestockt.

Der Podsol wurde am 5. Dezember 2006 durch ein Kuratorium, bestehend aus Mitgliedern der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (DBG) und des Bundesverbands Boden (BVB), zum Boden des Jahres 2007 ernannt.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Podsol ist der typische Boden der borealen Nadelwälder und auf der Nordhemisphäre einer der am verbreitetsten Bodentypen. Das geringe Nährstoffangebot und die niedrigen pH-Werte bieten für Nadelbaumarten wie Kiefer, Fichte und die verschiedenen Lärchenarten ausreichend günstige Lebensbedingungen. Außerhalb der borealen Nadelwälder sind Podsole in der gemäßigten Mischwaldzone auf quarzreichen Gesteinen weit verbreitet. Typische Podsolgebiete Mitteleuropas sind die Sander und trockenen Urstromtäler Niedersachsens sowie die großflächigen Granit- und Gneisvorkommen in den Mittelgebirgen.

Typische Horizontfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bodenhorizont gibt es verbreitete Folgen die Unterarten des Bodens bilden. Solche Einteilungen finden sich nach WRB.

  • Humusauflage (Rohhumus)
  • Ae – gebleichter Auswaschungshorizont
  • Bhs – Sesquioxidanreicherungshorizont (Humus (Bh) eingewaschen)
  • C – Ausgangsgestein

Normpodsol (Eisenhumuspodsol)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ahe – Auswaschungshorizont mit leichtem Humusgehalt
  • Ae – gebleichter Auswaschungshorizont
  • Bsh – Humusanreicherungshorizont mit erkennbarer Sesquioxidanreicherung
  • Bhs – Sesquioxidanreicherungshorizont mit erkennbarer Humusanreicherung
  • C – Ausgangsgestein

Eisenpodsol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ahe – Auswaschungshorizont mit leichtem Humusgehalt
  • Ae – gebleichter Auswaschungshorizont
  • Bs – Sesquioxidanreicherungshorizont
  • C – Ausgangsgestein

Humuspodsol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ahe – Auswaschungshorizont mit leichtem Humusgehalt
  • Ae – gebleichter Auswaschungshorizont
  • Bh – Humusanreicherungshorizont
  • C – Ausgangsgestein

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ad-hoc-Arbeitsgruppe Boden: Bodenkundliche Kartieranleitung, Hrsg.: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Diensten, 5. Auflage, Hannover 2005, ISBN 3-510-95920-5 (Online)
  • Fritz Scheffer: Lehrbuch der Bodenkunde / Scheffer/Schachtschabel. neubearb. und erw. von Hans-Peter Blume u. a.,. 15. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg – Berlin 2002, ISBN 3-8274-1324-9.
  • Leitgeb, E., Reiter, R., Englisch, M., Lüscher, P., Schad, P., Feger, K. H. (Hrsg.): Waldböden. Ein Bildatlas der wichtigsten Bodentypen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Wiley-VCH Verlag GmbH, Weinheim 2013, ISBN 978-3-527-32713-3 (387 Seiten, circa 270 farbige Abb.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Podsol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien