Pokój

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Pokój
Wappen der Gmina Pokój
Pokój (Polen)
Pokój
Pokój
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Opole
Powiat: Namysłowski
Gmina: Pokój
Geographische Lage: 50° 54′ N, 17° 50′ OKoordinaten: 50° 54′ 0″ N, 17° 50′ 0″ O
Einwohner: 1425
Postleitzahl: 46-034
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: ONA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: OppelnNamysłów
Nächster int. Flughafen: Breslau



Pokój (deutsch Carlsruhe O/S, auch Bad Carlsruhe, schlesisch Coarlsruhe, schlonsakisch Pokůj) ist ein Dorf im Powiat Namysłowski der Woiwodschaft Oppeln in Polen. Es hat etwa 1400 Einwohner und ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde mit etwa 5300 Einwohnern.

Carlsruhe war von 1850 bis 1945 ein beliebtes Kurbad in Schlesien.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pokój liegt zentral gelegen in der Woiwodschaft Opole. Die Woiwodschaftshauptstadt Oppeln liegt ca. 31 Kilometer südlich von Pokój. Die Kreisstadt Namysłów (dt. Namslau) liegt 23 Kilometer in nordwestlicher Richtung. Durch den Ort verläuft die Woiwodschaftsstraße Droga wojewódzka 454.

Pokój liegt mitten im Landschaftsschutzgebiet Stobrawa (poln. Stobrawski Park Krajobrazowy).

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte von Pokój sind im Norden Zieleniec (Gründorf), im Südosten Krzywa Góra (Blumenthal) und im Südwesten Kuźnica Katowska (Alt Hammer).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Carlsruhe – 1945 zerstört
Carl Christian Erdmann von Württemberg-Oels (1716–1792)
Evangelische Sophienkirche
Luftbild von Carlsruhe, ca. 1930. Gut zu erkennen ist die Struktur des Ortes mit dem Schlossplatz, dem Schloss in der Mitte und den acht Alleen.

Vorgeschichte und Stadtgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Gebiet der Stadt Pokój war noch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts von einem dichten Fichten- und Kiefernwald bedeckt. Dieser gehörte zu den beiden Dörfern Krogulna und Gründorf, welche wiederum Güter des Grafen von Redern waren. Lediglich ein hölzernes Jagdhaus war in dieser Gegend vorzufinden. Durch Erbschaft gingen diese Güter an den Herzog Carl Christian Erdmann von Württemberg-Oels über. Als Jagdliebhaber kam er öfters in diese Gegend. Der Sage nach soll er bei einer Jagd eingeschlafen sein und im Schlaf von der Gründung einer Stadt an dieser Stelle geträumt haben. An dieses Ereignis erinnerte bis 1945 das Denkmal Erdmannsstern.

1747/48 legte Herzog Carl Christian Erdmann von Württemberg-Oels auf dem Areal einen Tiergarten an, der mit einem Zaun versehen wurde. Daraufhin ließ er Soldaten in diesem Gebiet acht Alleen in den Wald schlagen, die sich in einem Stern im heutigen Zentrum von Pokój treffen (heute: rondo Jana Pawła II). Als stadtplanerisches Beispiel für den Ausbau der Siedlung diente das badische Karlsruhe. An der Schnittstelle der acht Achsen, dem Schlossplatz, ließ er am 18. März 1749 den Grundstein für ein neues Jagdschloss legen, welches bereits ein Jahr später am 3. April 1750 eingeweiht werden konnte. Doch im Oktober 1751 brannte dieser Bau ab. Der Bau eines neuen Schlosses wurde im Frühjahr 1752 begonnen. In den darauffolgenden Jahren entstanden um den Stern herum erste Wohnhäuser, Ställe und eine Branntweinbrennerei. Zwischen 1754 und 1760 entstanden die ersten Teiche rund um Carlsruhe, wie der Hirsch-, Sophien- oder Marienteich. 1760 wurde im Ort die erste Schule eingerichtet. Ab 1763 wurden die ersten Handwerker in Carlsruhe angesiedelt. Zwischen 1765 und 1775 wurde die evangelische Sophienkirche erbaut. Ab 1780 begann die Anlage des südlich des Schlosses befindlichen Parks im Stil eines englischen Gartens.

1792 verstarb der Herzog und wurde in der Gruft der Sophienkirche beerdigt. Carlsruhe ging an seinen Neffen Herzog Eugen Friedrich Heinrich von Württemberg über. Im Jahr 1793 erfolgte die Verlegung des Residenzsitzes der Fürsten von Oels-Bernstadt aus Oels nach Carlsruhe. 1797 entstand die erste katholische Kirche im Ort. 1798 brannte das herzogliche Schloss ein weiteres Mal ab und wurde daraufhin in der Gestalt, die bis 1945 bestand, wieder aufgebaut.

Carlsruhe im 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte 1806 bis Anfang 1807 war Carl Maria von Weber in Carlsruhe zu Gast bei Herzog Eugen Friedrich Heinrich von Württemberg und komponierte dort u. a. seine beiden Symphonien. Ab 1817 war Carlsruhe auch Marktort. 1850 ließ Sanitätsrat Dr. Freund in Carlsruhe eine erste Badeanstalt bauen und hier Kiefernadelbäder gegen rheumatische Leiden anbieten. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich Carlsruhe zu einem beliebten Kurbad und wurde daher auch als Bad Carlsruhe bezeichnet. 1862 wurde die Carlsruher Synagoge gebaut.[1] 1889 erhielt Carlsruhe Anschluss an die Eisenbahnstrecke zwischen Oppeln und Namslau. Im gleichen Jahr wurde eine Heilquelle Charlotta im Ort entdeckt[2].

Carlsruhe im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1905 zählte Carlsruhe 2543 Einwohner[3]. 1909 wurde die neue katholische Kirche geweiht. Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten 1977 Wahlberechtigte für einen Verbleib bei Deutschland und 25 für Polen.[4] In der Reichspogromnacht 1938 wurde die Synagoge in Bad Carlsruhe zerstört[5].

Am 21. Januar 1945 wurde der Ort kampflos von der Roten Armee eingenommen, jedoch darauf trotzdem geplündert und in Brand gesetzt. Die sowjetischen Soldaten steckten fast alle Gebäude in Brand, wodurch am Ende 80 Prozent des Ortes vernichtet waren. Neben dem Schloss wurden alle direkt am Stern befindlichen Häuser zerstört. Lediglich die beiden Kirchen im Ort blieben fast unversehrt stehen. Bis 1945 befand sich Bad Carlsruhe im Landkreis Oppeln[6]. Die Ruine des Schlosses wurde nach 1945 komplett abgetragen, der Kurbetrieb eingestellt.

1945 kam der bisher deutsche Ort unter polnische Verwaltung, wurde in Pokój umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. 1950 kam der Ort zur Woiwodschaft Oppeln. 1999 kam Pokój in den Powiat Namysłowski.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1763 1787 1845 1861 1898 1917 1925 1933 1939
Einwohnerzahl 13 551 2067 2364 2121 2113 2245 2711 2640

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zerstörte Statue im Schlosspark
Die neobarocke römisch-katholische Kirche

Schlosspark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1780 begonnene Anlage des Schlossparks wurde in den folgenden Jahrzehnten teils im Stil Englischer Gärten und Französischer Gärten fortgeführt. Zahlreiche Denkmale und Skulpturen wurden inzwischen zerstört, sämtlichen Skulpturen der Kopf abgeschlagen bzw. Symbole und Inschriften entfernt. Zu den teils verloren gegangenen Sehenswürdigkeiten im Park zählen das Löwendenkmal, ein der Herzogin Alexandrine Mathilde von Württemberg gewidmeter Findlingsblock, das Medaillon mit dem Porträt der Herzogin und die Inschrift "Die dankbaren Carlsruher", das Denkmal für Carl Maria von Weber, dessen Säule mit der Büste von Webers und die Tafel fehlen, der Frauenskulptur wurden der Arm mit Kranz und der Kopf abgeschlagen, die Künstliche Ruine, der Mathilden-Tempel sowie das Siegesdenkmal, dessen Adler fehlt. Eine Rekonstruktion hat begonnen.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Sophienkirche befindet sich im Südosten des Ortes. Der Bau der Kirche begann 1765. Zwischen 1767 und 1771 musste der Bau allerdings stoppen. Die Sophienkirche wurde am 8. August 1765 geweiht.
  • Die neobarocke römisch-katholische Kreuzerhöhungskirche wurde am 18. Juli 1908 geweiht. Zuvor existierte bereits eine hölzerne Kirche im Ort, die 1797 geweiht wurde.
  • Büste von Carl Maria von Weber, 2010 rechts vor der Sophienkirche aufgestellt
  • Büste von Ferdinand Freiherr von Richthofen, 2012 links vor der Sophienkirche aufgestellt

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Carl-Maria-von-Weber-Festival

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde (gmina wiejska) Pokój gliedert sich in eine Reihe von Dörfern mit Schulzenämtern (sołectwa).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Band 1. Verlag von Wilh. Gott. Korn, Breslau 1864, S. 119–123.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pokój – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Rossa: Die Mitglieder des Synagogenverbandes Carlsruhe/Oberschlesien. In: Eichendorff-Hefte. Geschichte – Kultur – Literatur, Jg. 2011, Nr. 34, S. 28–66, hier S. 28.
  2. Gmina Pokój – Geschichte (poln.)
  3. Geschichte Carlsruhe
  4. Ergebnisse der Volksabstimmung in Oberschlesien von 1921 für den Kreis Oppeln (Memento vom 24. Januar 2017 im Internet Archive) auf home.arcor.de, abgerufen am 18. August 2015.
  5. Jüdisches Leben in Carlsruhe
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt und Landkreis Oppeln (poln. Opole). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).