Pol Pot

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schwarz-weiß Fotografie von Pol Pot in einem Lehnsessel
Pol Pot 1978

Pol Pot (* vermutlich 19. Mai 1928 als Saloth Sar in der Provinz Kompong Thom, Kambodscha; † 15. April 1998 in Anlong Veng) war ein kambodschanischer kommunistischer Politiker, Machthaber Kambodschas (1975–1979) und bis 1997 „Bruder Nr. 1“ der Roten Khmer. Unter seiner auch als Steinzeitkommunismus bezeichneten Herrschaft kam es zu einem Autogenozid, bei dem mehr als 1,6 Millionen Kambodschaner durch Hinrichtung, Zwangsarbeit, Hunger und mangelhafte medizinische Versorgung starben. Nach dem vietnamesischen Einmarsch in Kambodscha floh Pol Pot, dessen Kampfname vor allem der Geheimhaltung seiner wahren Identität diente, aus der Hauptstadt in das Umland, wo er phasenweise von Thailand aus einen Guerillakrieg fortführte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühes Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saloth Sar wurde laut Unterlagen der Kolonialbehörden von Französisch-Indochina am 19. Mai 1928 (nach eigenen Angaben und denen seiner Geschwister 1925) als achtes von neun Kindern geboren. Seine Eltern Pen Saloth und Sok Nem waren Khmer und lebten in dem Dorf Prek Sbauv in unmittelbarer Nähe zur Provinzhauptstadt Kampong Thom. Der Vater war ein wohlhabender Reisbauer mit 9 Hektar Grundbesitz und Zugtieren.[1] In der väterlichen Ahnenreihe gab es zwar chinesische Vorfahren, in der Familie wurden aber keine Traditionen wie das Chinesische Neujahrsfest oder Qingming-Fest gepflegt sondern nach Art der Khmer gelebt. Saloth Sar wurde wegen seiner hellen Hautfarbe "Sar" genannt ("sar" ist Khmer für "weiß").[2] Die elterliche Erziehung richtete sich nach der Moral des Theravada und in einem buddhistischen Tempel in Kampong Thom, den die Familie regelmäßig besuchte, erlernte Sar die erste Buchstaben der Khmer-Schrift.[3] Über den älteren Bruder Loth Suong, die Schwester Saloth Roeung und die Kusine Meak, welche am königlichen Hof in Phnom Penh beschäftigt waren, bestanden persönliche Beziehungen zum Herrscher Sisowath Monivong, dem Meak einen Sohn geboren hatte. Im Jahr 1934 oder 1935 wurde Sar mit seinem älteren Bruder Chhay von den Eltern, womöglich aus finanzieller Not,[4] dorthin geschickt um bei Suong und Meak zu leben. Während dieser Zeit besuchte er für einige Monate das buddhistische Kloster Wat Botum, wo er mit dem Lesen und Schreiben der Khmer-Sprache vertraut gemacht wurde.[5]

Von 1936 bis 1942 besuchte Sar die katholische Schule École Miche nahe dem königlichen Palast. Die meisten Schulkameraden waren Kinder französischer Kolonialbeamten und katholischer Vietnamesen, die damals zusammen mit Chinesen Wirtschaft und Handel in Phnom Penh und dem Rest des Landes dominierten.[6] Im Jahr 1942 wurde er als einer von 20 kambodschanischen Jungen ausgewählt, die durch die französischen Kolonialbehörden in Kampong Cham neu gegründete und nach Norodom Sihanouk benannte Mittelschule als erster zu besuchen. Dies war Element einer Kampagne Frankreichs, das Ansehen der traditionellen Herrscher in Indochina zu erhöhen, ohne ihnen mehr Macht einzuräumen. Der Unterricht war in Französisch und folgte klassischen Bildungsinhalten, so erlernte Sar das Violinenspiel. Klassenkameraden, zu denen er Freundschaft schloss waren Hu Nim, Khieu Samphan und Lon Non, der jüngere Bruder von Lon Nol. Wahrscheinlich ab Ende 1947 begann Sar an einem École technique im Norden von Phnom Penh den Beruf des Zimmermann zu erlernen, was einer nicht bestandenen Aufnahmeprüfung für das höhere Lycée Sisowath geschuldet sein könnte. Dort kam er in Kontakt mit Angehörigen weniger privilegierten Gesellschaftsschichten, die von Franzosen und traditioneller Elite ausgegrenzt wurden. Einen wichtigen Freund für seinen späteren Werdegang lernte er zu dieser Zeit mit Ieng Sary kennen, der ihm später nach Paris folgte.[7] Als gemäß einer Übereinkunft zwischen Paris und Phnom Penh ab 1946 Parteien in Kambodscha gegründet werden durften, engagierte sich Sar mit Sary im Jahr 1947 im Wahlkampf für die von Prinz Sisowath Yuthevong geführte Demokratische Partei zur Nationalversammlung, die nur ein Jahr später durch Sihanouk aufgelöst wurde. Die Demokratische Partei vor allem vertrat die Idee nationaler Unabhängigkeit und starker Orientierung an traditionellen Werten und war bei Studenten, Lehrern, Angestellten und Mönchen populär. Obwohl er 1948 erneut die Aufnahmeprüfung für das Lycée Sisowath nicht bestand, erhielt Sar ein Stipendium für ein technisches Auslandsstudium in Paris. Ob dies daran lag, dass die das Bildungsministerium kontrollierende Demokratische Partei durch Sary auf Sar aufmerksam gemacht wurde oder generell Berufe wie Radioelektroniker, Schneider, Zimmermann und Fotograf von den Nationalisten gefördert wurden, um hier die vietnamesische Dominanz zu brechen, bleibt ungeklärt. Im August 1949 machte sich Sar auf den Seeweg nach Frankreich.[8]

Studium in Paris[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende September 1949 in Marseille angekommen, studierte Sar im Anschluss Radioelektronik in Paris. Neben Sary, der im folgenden Jahr in Paris ankam, waren zwei prägende Bekanntschaften für Sar in dieser Zeit die kambodschanischen Nationalisten Thiounn Mumm und Ken Vannsak. Im Sommer 1950 diente er für vier Wochen mit 17 anderen Kambodschanern und französischen Studenten in einer Sozialistischen Brigade in Jugoslawien. Im Jahr 1952, eventuell auf Initiative Mumms, wurde er Mitglied der Parti communiste français (PCF) . Er unterzog sich während des Studiums keinen Prüfungen und wurde daher Ende 1952 exmatrikuliert.[9] Der kommunistische Zirkel von Sar unter dem Dach der PCF traf sich in der Wohnung von Vannsak und hatte ausschließlich kambodschanische Mitglieder, die Khmer waren. Über Vannsak, der im August 1951 einen internationalen Jugendkongress in Ost-Berlin besucht hatte, erfuhr Sar erstmals von der Existenz einer kommunistischen Widerstandsgruppe der Khmer, der Khmer People's Revolutionary Party. Diese war im Juni 1951 als die für Kambodscha zuständige Unterorganisation der noch im Verborgenen operierenden Indochinesischen Kommunistischen Partei (ICP) gegründet worden, die weitgehend von der nun öffentlich operierenden Kommunistischen Partei Vietnams kontrolliert wurde.[10]

Anfang 1952 war der frühere Premierminister Son Ngoc Thanh aus sechsjährigem französischen Hausarrest in Poitiers, wo Sar ihn besucht hatte, entlassen worden und im März 1952 in den militärischen Widerstand einer Guerilla-Miliz abgetaucht, nachdem sich die Khmer People's Revolutionary Party bzw. Kommunistische Partei Vietnams seinen Truppen nicht angeschlossen hatten. Sihanouk setzte darauf hin im Juni 1952 das Kabinett der Demokratischen Partei ab und löste die Nationalversammlung auf. In seiner ersten bekannten politischen Schrift Monarchy or Democracy?, die im Sommer 1952 in der Pariser Studetendenzeitung Khmer Nisut erschien, ging Sar auf diese Ereignisse ein und verurteilte Sihanouk als einen absoluten Monarchen, der dem Imperialismus diene und ein Feind der einfachen Bevölkerung und der buddhistischen Mönche sei. Sar hatte Monarchy or Democracy? unter dem Pseudonym Khmer daom veröffentlicht.[11]

Indochinesische Kommunistische Partei und Lehrkraft Chamraon Vichea[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 1953 kehrte er nach Kambodscha zurück. In Phnom Penh lebte er die erste Zeit bei einem Bruder und hatte über den anderen Bruder, Chhay, Kontakte zu bewaffneten nichtkommunistischen antifranzösischen Unabhängigkeitsbewegungen um Son Ngoc Thanh sowie Norodom Chantaraingsey. Sar entschied sich dagegen und über den lokalen Repräsentanten Pham Van Ba bat er der für Kambodscha zuständigen Unterorganisation der Indochinesischen Kommunistischen Partei (ICP) als Mitglied der Parti communiste français beitreten zu dürfen. Nach entsprechender Prüfung der Angaben über Hanoi in Paris, was einige Wochen dauerte, war er in der ICP. Anders als die Khmer People's Revolutionary Party, die bis 1954 über 1000 Mitglieder hatte,[12] operierte die ICP noch verdeckt und stark von Vietnam kontrolliert. Im August 1953 gelangte Sar in den Osten Kambodschas und diente an der Grenze zu Vietnam in der Kommandostelle einer von den Việt Minh dominierten Miliz, später auch in deren Stab für Propaganda und der Kaderschule. Hier lernte er den früheren Mönch Tou Samouth kennen, der zu seinem Mentor wurde und mit Son Ngoc Thanh die 5.000 Mann starke und durch die Khmer People's Revolutionary Party befehligte Miliz Khmer Issarak Association aufgestellt hatte,[13] und fand den politischen Freund Vorn Vet. Da in dieser Phase des Indochinakriegs kurz vor und während der Indochinakonferenz die Kampfhandlungen abnahmen, Frankreich die Länder in die Unabhängigkeit entließ und die nichtkommunistischen Unabhängigkeitskämpfer ihre Waffen niederlegten, wartete Sar ohne mit den Việt Minh Kampferfahrung gesammelt zu haben, auf die Ergebnisse der Konferenz in Genf. Als dort, anders als für Laos und Vietnam, zwar freie Wahlen im nächsten Jahr aber keine Rückzugsgebiete für die kommunistischen Milizen geschaffen wurden, gingen viele der politischen Gefährten ins Exil nach Nordvietnam, darunter Tou Samouth und Son Ngoc Thanh. Sar kehrte bald gefolgt von Vorn Vet bis Oktober 1954 in die Hauptstadt zurück, um weiterhin im Dienste der ICP tätig zu sein. Sein Auftrag umfasste wahrscheinlich Vorbereitungen für die Wahlen zu treffen, die Partei Pracheachon als Frontorganisation aufzubauen, Kontakte zum radikalen Flügel der Demokratischen Partei aufzunehmen und ihn im Sinne der ICP zu beeinflussen.[14]

Die Studienfreunde Thiounn Mumm und Ken Vannsak, die ihn in Paris mit dem Kommunismus vertraut gemacht hatten, lebten ab August 1954 wieder in Kambodscha und standen in Verbindung mit Sar. Mit Shichau übernahmen Vannsak und Mumm im Januar 1955 in einem unblutigen Putsch die Gewalt über das zentrale Exekutivkomitee der Demokratischen Partei, wobei die Rolle Sars unklar bleibt. In der Zeit vor der Wahl schrieb Sar wahrscheinlich Artikel für die Sammaki, eine radikale Zeitung, die sein Bruder Chhay herausgab. Auf die Wahlen übte Sihanouk, hinter dem ein breites Bündnis verschiedener Lager stand, großen politischen Druck aus. Er trat nach einer höchst manipulativen Volksabstimmung, die 95 % Zustimmung zu seinem Königlichen Weg in die Unabhängigkeit ergab, von seinem Thron zurück und erklärte seinen Vater Norodom Suramarit zum König. Derart vom bindenden Hofzeremoniell befreit, gründete Sihanouk Sangkum Reastr Niyum (deutsch: Sozialistische Volksgemeinschaft), eine politische Organisation, deren Mitgliedschaft in der Verwaltung zum Zwang wurde, und unterdrückte die freie Presse. Dennoch konnten die Frontorganisation Pracheachon und die Demokratische Partei erfolgreich Großveranstaltungen durchführen, so dass Sihanouk Vannsak und viele andere Demokraten verhaften ließ und Mumm ins Exil nach Frankreich zwang, während Sar unbehelligt blieb. Bei den Wahlen 1955 gewann Sangkum Reastr Niyum schließlich mit mehr als 80  der Stimmen alle Sitze in der Nationalversammlung und bestimmte unter der Führung von Sihanouk die Politik der nächsten 15 Jahre.[15]

Angesichts der neuen politischen Lage erst einmal ohne konkreten Auftrag heiratete Sar im Juli 1956 seine Freundin Khieu Ponnary.[16] Mit ihrer Schwester zusammen war sie die erste Kambodschanerin gewesen war, die einen Bachelor erreicht hatte.[17] Sar hatte sie 1951 in Frankreich kennengelernt, wo ihre jüngere Schwester Thirith seinen Freund Ieng Sary geheiratet hatte.[18] Zur Zeit ihrer Hochzeit lehrte Ponnary am Lycée Sisowath kambodschanische Literatur, während Sar in dieser Phase als Lehrer an der hauptstädtischen Privatschule Chamraon Vichea (deutsch: Fortschrittliches Wissen) für Französisch, Geschichte, Geographie und Staatsbürgerkunde begann. Er erwarb sich hier in den Jahren trotz seines allgemein bekannten Kommunismus hohes Ansehen, vor allem unter seinen Studenten. Sars Unterricht galt als genau und verständlich und ließ, ungewöhnlich für das traditionelle Lehrer-Schülerverhältnis, Fragen zu, die er hilfsbereit beantwortete. Chamraon Vichea war eine private Hochschule für Studenten, die, wie Sar selbst, die Aufnahmeprüfung zu einem staatlichen Lycée nicht bestanden hatten. Wahrscheinlich wurde sie mit Mitteln von Lon Nol und Prinz Norodom Chantaraingsey geschaffen, um ein Gegengewicht zur konkurrierenden Söhne von Kambodscha-Hochschule zu bilden, die von der Demokratischen Partei im Dezember 1952 gegründet und seitdem kontrolliert wurde. Bereits zu dieser Zeit hatte Sar mehrere Identitäten und nutzte für Pracheachon den Decknamen Pol. Weiterhin arbeitete er verdeckt für die ICP und organisierte den Schutz ihrer Parteiführer Tou Samouth und Sieu Heng. Bei einem großen Teil seiner Geheimaktivitäten dieser Jahre arbeitete er mit Nuon Chea, später bekannt als „Bruder Nummer Zwei“, zusammen. Wie Sar war dieser seit 1951 Mitglied der ICP. Inwieweit die Khmer People's Revolutionary Party zu dieser Zeit fortbestand, bleibt ungeklärt. 1957 kehrten Schwägerin Thirith und Freund Ieng Sary, der Dozent an der Söhne von Kambodscha-Hochschule wurde, aus Paris nach Kambodscha zurück und lebten einige Zeit lang mit Sar und Ponnary zusammen.[19] Mitglieder der ICP waren weniger Bauern, ehemalige Milizen und Arbeiter aus dem noch schmalen industriellen Sektor, sondern vor allem Studenten aus dem In- und Ausland, Schullehrer und städtische Arbeiter. Sicher war Sar neben Hou Young und Ieng Sary einer der wichtigsten Inspirationsquellen für die Beitritte der Jahre 1956 bis 1960. Die ICP verfolgte zu dieser Zeit erfolgreich eine Einheitsfront-Strategie und einige ihrer geheimen Mitglieder wie Khieu Samphan und Hu Nim äußerten sich öffentlich für Sihanouk, der Kambodscha in die blockfreien Bandung-Staaten geführt hatte und ab 1959 zusehends von der Idee besessen war, Mordkomplotte aus Thailand, Südvietnam und den Vereinigten Staaten seien deswegen gegen ihn im Gange. Er stoppte seine scharfe antikommunistische Rhetorik und Hou Youn wurde stellvertretender Minister.[20]

Als im April 1960 König Norodom Suramarit starb, kam es zum Streit um die Nachfolgeregelung und Sihanouk ging wieder gegen die Kommunisten vor, ließ im August 1960 Samphan verhaften, seine Zeitung schließen, 1962 die Frontorganisation Pracheachon zerschlagen und ihre Mitglieder zu lebenslangen Haftstrafen verurteilen. In der Gesamtorganisation IPC, die von Hanoi dominiert wurde, stand andererseits nach der Teilung Vietnams ganz die Unterstützung der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams im Vordergrund, was auch der Dritte Parteitag der Kommunistische Partei Vietnams im frühen September 1960 bestätigte. Auf sich allein gestellt und akuter Verfolgung ausgesetzt fand in einem kleineren Gebäude der kambodschanischen Eisenbahn zwei Wochen danach der laut Sar und Nuon Chea erste, anderen Quellen zufolge zweite Parteitag der kambodschanischen Kommunisten statt. Insgesamt 21 Vertreter für die Landbevölkerung und die Städte wählten neben Sar Tou Samouth als ersten Parteisekretär, Son Ngoc Minh aus Hanoi, Nuon Chea, Keo Meas, Sao Phim und Ieng Sary als einziges Nichtmitglied des ICP in das zentrale Exekutivkomitee der Worker's party of Kampuchea, die wie einen namenlose Geheimorganisation wirkte und noch weitgehend dem Willen Hanois folgte. Im Juli 1962 verschwand Tou Samouth mit bis heute ungeklärtem Schicksal. Der Historiker Ben Kiernan hält eine Beteiligung Sars für die am wahrscheinlichste Erklärung, während David P. Chandler von einer Mordaktion durch Sicherheitskräfte oder einem möglichen Verrat durch Sieu Heng berichtet. Danach wurde Sar erster Sekretär der Worker's party of Kampuchea und Nuon Chea sein Stellvertreter.[21] Neben seiner offiziellen Lehrtätigkeit hielt Sar nun wie auch Hou You und Khieu Samphan geheime Seminare überwiegend vor Mönchen und Studenten, um hier Nachwuchs für die Organisation zu gewinnen und die allgemeine Unzufriedenheit mit Sihanouk anzufachen. Überzeugend stellte er dort die Utopie einer neuen Gesellschaft dar, in der es keine Preise und Abgaben gebe, weil jeder einer Arbeit nachginge. Menschen, die auf Kosten anderer lebten, bezeichnete er als zu überwindendes Übel, wobei er den königlichen Hofstaat anführte, in dessen Milieu er selbst seine Jugend verbracht hatte. Als Anfang 1963 Studenten eines Lycée in Siem Reap gegen Polizeigewalt und Sangkum Reastr Niyum demonstrierten und es landesweit zu Protesten kam, erstellte Lon Nol eine Liste mit 34 Verdächtigen Kommunisten, auf der auch Sar stand. Dieser konnte rechtzeitig fliehen und sich ein vietnamesisches Militärcamp an der Grenze zu Kambodscha absetzen. Seit dieser Zeit nutzte er seinen Namen gar nicht mehr, verschmolz seine Identität mit der Partei und wurde meist als "Bruder Nummer Eins" oder "Onkel Sekretär" bezeichnet.[22]

Anfänge der Roten Khmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächsten sieben Jahre war Pol Pot auf der Flucht und lebte mit Ieng Sary und anderen Mitgliedern des Zentralkomitees der kambodschanischen Kommunisten in ständig wechselnden provisorischen Lagern im Osten und Nordosten des Landes sowie in Nordvietnam und China. Dort waren sie fast ausschließlich unter sich und bis auf Radioempfang und gelegentliche Kuriere der Partei von Phnom Penh und vom Rest der Welt abgeschnitten. Bis 1969 folgten ihnen noch einige hunderte Studenten in den Untergrund. So war Pot in der ersten Unterkunft, dem sogenannten Office 100 der Vietcong an der Grenze zu Vietnam in Kampong Cham, das Verlassen des Lagers untersagt. In den nächsten zwei Jahren war Pot nahezu vollkommen auf Hilfe von außen angewiesen, wobei viele seiner damaligen Unterstützer später von Pot als Feinde betrachtet und im S-21 Foltergefängnis hingerichtet wurden. Im Dialog untereinander oder mit jüngeren Parteigenossen, die in Pot einen Lehrer sahen, entwickelten sie im festen Glauben an ihre zukünftige Macht nach der überfälligen Revolution träumerische Utopien, die immer weniger mit der Realität zu tun hatten aber in ihrer Abgeschiedenheit machtloser Theorien praktisch nicht scheiterten. Zu dieser Zeit wurden sie von Sihanouk als Rote Khmer identifiziert. Ab Juni 1965 war Pot für 9 Monate in Nordvietnam, auch um sich als Nachfolger von Tou Mamouth in Hanoi vorzustellen und die wichtiger werdende Rolle der kambodschanischen Kommunisten im Vietnamkrieg zu besprechen. Die Ereignisse während dieses Besuchs wurden in der zwölf Jahre später erscheinenden Polemik Livre noir, die wahrscheinlich Pot, sich generell an die äußerlichen Fakten haltend, verfasst hatte, beschrieben und als Begründung für den Bruch mit Vietnam angeführt. Demnach übte Lê Duẩn, der zweite Mann nach Hồ Chí Minh, massive Kritik an der unabhängigen politischen Linie der kambodschanischen Kommunisten. Sie wurden ferner mit zu unterzeichnenden Dokumenten in Vietnamesisch konfrontiert, um den Vorrang der Revolution in Südvietnam anzuerkennen, auf ihren Erfolg zu warten und sich bis dahin als Einheitsfront hinter den antiamerikanischen Sihanouk zu stellen. Trotz der im Livre noir geäußerten Empörung, gab Pot äußerlich dem vietnamesischen Druck nach und verzichtete darauf in Kambodscha einen eigenen bewaffneten Aufstand zu beginnen.[23]

Mao-Bibel, französischsprachige Erstausgabe von 1966

Großen Einfluss auf Pot hatte die darauf folgende Reise nach China im Jahr 1966. Hier, inspiriert durch den herrschenden Maoismus und den Beginn der Kulturrevolution, machte Pot sich dessen Ansichten zu eigenständiger Revolution, permanentem Klassenkampf und Voluntarismus zu eigen und sah im Großen Sprung nach vorn ein Vorbild für Kambodscha. Er beurteilte die vietnamesische Dominanz fortan negativ. Pot erlebte zu dieser Zeit neuartige Methoden der Kommunistische Partei Chinas wie die Teilevakuierung von Städten, die Sturmattacke auf ökonomische Probleme und eine ranglose Armee, die von den Roten Khmer übernommen wurden. In dieser Zeit befreundete er sich mit Kang Sheng, der ihn auf die Wichtigkeit hinwies, verdeckte Feinde der Partei zu enttarnen und zu vernichten.[24][25] Neben Kang Sheng wurde Pot wahrscheinlich auch von Liu Shaoqi und Deng Xiaoping, die zu dieser Zeit für ausländische Delegationen zuständig waren, in Peking begrüßt. Für China war zu dieser Zeit die Allianz mit Sihanouk ungleich bedeutender als die Sache der Worker's party of Kampuchea, weshalb auch sie Pot dazu rieten, sich vorerst hinter den Prinzen zu stellen. Wie bereits an Jugoslawien im Jahr 1950 beeindruckte Pot an China die hohe soziale Mobilisierung insbesondere in den Städten und den vergleichsweisen Fortschritt der postrevolutionären Gesellschaft, die in einem eklatanten Gegensatz zum vom Kriege gezeichneten Vietnam und ländlich geprägten Kambodscha standen. Neben der Mao-Bibel, deren rasante Ausbreitung Pot in China beobachten und Betonung des revolutionären Potenzials der einfachen Landbevölkerung lesen und auf Kambodscha übertragen konnte, hatte eine Festschrift von Lin Biao vom September 1965 auf seine politische Bildung Einfluss. In dieser Verteidigung maoistischer Ideen wurde unter anderem betont, dass in der Dritten Welt die kommunistischen Revolutionen unabhängig und nicht durch größere sozialistische Länder gesteuert erfolgen sollten, sowie kapitalistische Städte durch revolutionär kontrolliertes bäuerliches Umland zu isolieren und besiegen seien. Revolutionäre Bewegungen in Thailand, Bolivien und den Philippinen beriefen sich in der Folge auf Lin Biao.[26]

Nach der Entscheidung von Sihanouk im Jahr 1965, die diplomatischen Beziehungen zu Amerika abzubrechen und Vietnamesische Volksarmee, Nationale Front für die Befreiung Südvietnams und die Volksbefreiungsarmee auf dem Sihanouk Trail operieren zu lassen, der den Ho-Chi-Minh-Pfad ersetzte, kam es nicht nur innenpolitisch mit der Wahl Lon Nols zum Premierminister im Folgejahr zu einer bedrohlichen Verschärfung der Lage, sondern auch zum Übergriff des Zweiten Indochinakriegs auf kambodschanisches Territorium. Nachdem Sukarno die Massaker in Indonesien 1965–1966 an den Kommunisten nicht verhindern konnte, wuchs zudem die Besorgnis mit der Konstellation Sihanouk und Lon Nol in die gleiche Situation zu geraten. Bei der Rückkehr nach Kambodscha im September 1966 musste Pot daher sein Lager in die abgelegene Provinz Ratanakiri, in das Office 104, verlegen. Später floh das komplette Office 100 aus Kampong Cham dorthin, womit die Parteiführung an einem Ort versammelt war. Sie waren hier unter halbnomadischen und einfach lebenden Bergvölkern, den Khmer Loeu, die selbst der Regierung gegenüber feindlich eingestellt waren und sich in großer Zahl für die Sache gewinnen ließen.[27] Hier wie später andernorts ließen sich viele vom Argument Pol Pots überzeugen, die Probleme Kambodschas rührten von einem unüberwindlichen Stadt-Land-Konflikt her, der zugunsten der Landbevölkerung gelöst werden müsse.[28] Im September 1966 benannte sich die Worker's party of Kampuchea in Communist party of Campuchea um. Kiernan sieht darin eine Distanzierung von der Vietnam worker's party und eine Annäherung an die Kommunistische Partei Chinas.[29]

In Abwesenheit von Sihanouk unterband Premierminister Lon Nol militärisch die Versorgung der in Kambodscha stehenden Vietcong durch die Landbevölkerung. Darauf hin kam es im März 1967 zum Aufstand von Samlaut in der Provinz Battambang, der größtenteils durch Bauern getragen wurde und sich auf benachbarte Provinzen fortpflanzte. Als Gegenreaktion zerschlug Sihanouk die Organisationsstrukturen der Kommunisten in den Städten. Pot setzte daher Ende 1967 ein Führungsseminar der Communist party of Campuchea an. Der Beschluss war, sich primär politisch weiteraufzubauen und mit Milizen in erster Linie die Parteiführung zu schützen, überließ den lokalen Führern aber die Entscheidung vor Ort, sich an Kämpfen zu beteiligen. Am 17. Januar 1968 kam es zu einem von mehreren Überfällen von kommunistischen Milizen auf Armeeeinheiten, was die Rote Khmer später als ihre Geburt feierten. Die Lage in Kambodscha spitzte sich nach der Tet-Offensive weiter zu, Sihanouks außenpolitische Kehrtwende mit Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten Mitte 1969 scheiterte, das Militär unter Lon Nol bekriegte sich immer häufiger mit den Vietcong, anderen vietnamesischen Milizen und vereinzelten Widerstandsgruppen der Kommunisten, während Richard Nixon die streng geheime Operation MENU und somit ein massives Flächenbombardement auf die Operationsgebiete der Vietcong in Kambodscha mit B-52-Bombern befahl. All diese Ereignisse trieben den Roten Khmer weitere Rekruten zu, so dass sie bis Ende 1970 über 4.000 Kämpfer hatten. Pol Pots genauer Aufenthalt von Anfang 1968 bis Ende 1969, als er das zweite Mal nach Vietnam reiste, ist unbekannt. Auf der Flucht durch Kambodscha hat er sich wahrscheinlich in mehreren provisorischen Lagern an der Ausbildung und Erziehung der aufwachsenden Partei beteiligt.[30]

Kambodschanischer Bürgerkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Ende 1969 ist sein Aufenthalt in Nordvietnam gesichert. In den Livre noir berichtet Pot von einem Zerwürfnis mit der vietnamesischen KP über das Primat des Kriegs in Südvietnam, dem die kambodschanischen Kommunisten zuerst dienen zu haben. Sein späteres Verhalten spricht eher dafür, dass er weiterhin der Linie Hanois folgte. Die Lage änderte sich abrupt, als der strikt antikommunistische Lon Nol die angesichts der Verwicklung in den Vietnamkrieg zusehends vietnamfeindliche Volksstimmung ausnutzte und im März 1970 während eines Auslandsbesuchs Sihanouk absetzte, womit der Kambodschanische Bürgerkrieg seinen Anfang nahm. Danach wurden ihm von der Nationalversammlung Sondervollmachten verliehen, die Vietcong aufgefordert, binnen zwei Tagen das Land zu verlassen, und die Republik Khmer ausgerufen. Wahrscheinlich gemeinsam mit Phạm Văn Đồng kam Pot am 21. März 1970 in Peking an, zwei Tage nach Prinz Sihanouk, der hier im Exil lebte, da China als eines von wenigen Ländern die Republik Khmer nicht anerkannt hatte. Die Anwesenheit Pots wurde vor Sihanouk geheim gehalten. Da die Einheitsfront mit Sihanouk nicht mehr existierte und Lon Nol den Konflikt anschürte, kämpften die Vietcong und Teile der nordvietnamesischen Armee nun gemeinsam mit den kambodschanischen Kommunisten gegen Phnom Penh.[31]

Gegenüber den Roten Khmer beanspruchte die Vietcong und Hanoi die Führung und Initiative und hoben unter dem Banner Prinz Sihanouks schnell Truppen für die Front Uni National du Kampuchéa (FUNK) in der Landbevölkerung aus. Andererseits vertauschten sich die Rollen mitunter, wenn vietnamesische Kräfte bedrängt wurden und in Gebiete flohen, die die kambodschanischen Kommunisten kontrollierten. Zu dieser Zeit hatte angkar padevat (deutsch: Revolutionäre Organisation), wie sich die Communist party of Campuchea nach außen nannte, knapp 3.000 Männer und Frauen in kleineren Kampfverbänden unter Waffen stehen, die sich über die Wälder der Provinzen Kampong Speu, Kampot, Battambang, Kratie und im Nordosten verteilten. Im April 1970 brach Pot von Hanoi über den Ho-Chi-Minh-Pfad nach Kambodscha auf. Als er nach sechs Wochen Office 102 erreichte, schickte er Ieng Sary in Funktion eines Verbindungsoffizier nach Hanoi, wo bereits Keo Meas mit ähnlicher Aufgabe agierte. Mittlerweile waren während der Cambodian Campaign von April bis Juli 1970 amerikanische und südvietnamesische Bodentruppen in Kambodscha eingerückt, während die vietnamesenfeindliche Stimmung unter Lon Nol zu ethnisch begründeten Massakern und vielen Freiwilligenmeldungen für die kambodschanische Armee geführt hatte. Vor diesem Hintergrund verlegten die Roten Khmer ihr Hauptquartier nach Phnom Santuk in der Provinz Kampong Thom, da hier das Zentralkommando der Vietnamesen lag, obwohl laut Livre noir bis Mitte 1971 die komplette Führung um Pot der Dominanz und Abhängigkeit von den Vietcong und Nordvietnam überdrüssig war. Zwar kam es vereinzelt zu kleineren Scharmützeln zwischen Vietcong und kambodschanischen Kommunisten, doch der Krieg gegen Lon Nol in den Jahren 1971-72 wurde überwiegend von Vietnamesen und unter vietnamesischem Kommando stehenden Kambodschanern geführt. Die im August 1971 begonnene Offensive Operation Chenla II der Regierungstruppen konnten die Kräfte der FUNK bis Dezember des gleichen Jahres entscheidend zurückschlagen. Lon Nol war von da an in der Defensive, vor allem auf Städte beschränkt, die sich mit immer mehr Kriegsflüchtlingen füllten. Von diesem Zeitpunkt an waren Pot und die restliche Parteiführung davon überzeugt, den Kambodschanischen Bürgerkrieg alleine und ohne vietnamesische Unterstützung für sich entscheiden zu können. Pot erhöhte den Organisationsgrad von angkar padevat und wies eine spezielle Verwaltungszone südlich und westlich der Hauptstadt aus. Vorn Vet bekam dieses Gebiet unterstellt, in denen Parteischulen errichtet und Kader sowie Kämpfer ausgebildet wurden. In den dortigen Schriften zur Indoktrination wurde immer wieder herausgehoben, dass einfache Bauern, Angehörige der unteren Mittelschicht sowie Arbeiter als Parteikader die Zukunft des Landes bestimmten und die kapitalistischen und feudalen Klassen verschwinden ließen. Im März 1972 gab Peking bekannt, dass Pot der militärische Stabschef in der FUNK sei, wo er die taktischen Entscheidungen den Militärs vor Ort überließ und die strategischen Fragen bestimmte. So entschied Pot nach dem Vertrag von Paris, entgegen der Bitten Hanois, dem Waffenstillstand zwischen den Vereinigten Staaten, Süd- und Nordvietnam nicht beizutreten, und den Kampf der FUNK ab Januar 1973 ohne vietnamesische Unterstützung fortzuführen. Zum einen betrachtete die Communist party of Campuchea den Vertrag von Paris als einen Verrat am gemeinsamen Kampf, zum anderen war für sie die Rückkehr zu einer rein politischen Organisation unter dem Regime von Lon Nol unvorstellbar. In der Folge entfernte die Partei alle aus Hanoi kommenden Kader aus der Organisation, wobei es auch zu Exekutionen kam. Beim Rückzug der vietnamesischen Truppen erfolgten erste Gefechte mit den Roten Khmer.[32]

Uniform der Roten Khmer

In den kontrollierten Gebieten wurden restriktive Sozial- und Erziehungsprogramme im Sinne der Communist party of Campuchea umgesetzt. So wurden buddhistische Religionsausübung und andere kulturelle Traditionen unterdrückt, Jugendliche ihren Familien entzogen und in Gruppen für die Parteiorganisation verpflichtet, die Bevölkerung gezwungen, Uniform zu tragen und die Bauern, in Kooperativen zusammenzuarbeiten. Außerdem kam es zu Zwangsumsiedlungen und ab 20. Mai 1973 zur Kollektivierung der Landwirtschaft und Verbot von Privatbesitz unter den Roten Khmer, was die Landflucht weiter erhöhte. Die Amerikaner, nun auf den letzten verbliebenen Kriegsschauplatz in Indochina konzentriert, starteten im März 1973 mit der intensivierten Nachfolgeoperation von Operation MENU, Operation Freedom Deal, massive Luftangriffe auf die Roten Khmer. Dabei wurden bis August 1973 250.000 t Bomben abgeworfen, 10.000 Rote Khmer und schätzungsweise zwischen 30.000 und 250.000 Zivilbevölkerung getötet. Auf dem Land hatten diese Angriffe verheerende Auswirkungen, das zivile Leben kam zum Erliegen. Einerseits radikalisierte Operation Freedom Deal einen Teil der Bevölkerung, für die Roten Khmer zu kämpfen, andererseits flohen viele Menschen in die Städte unter Kontrolle von Lon Nol. Die Communist party of Campuchea betrachtete die Landflüchtlinge als Verräter, was ihre ohnehin bestehende Feindschaft gegenüber den Städten erhöhte. Im Mai 1973 befahl Pot die erste Sturmattacke auf Phnom Penh. Diese scheiterte an amerikanischen Luftangriffen und im August 1973 an der Regenzeit. Die Roten Khmer hatten die bis dahin schwersten Verluste im Bürgerkrieg erlitten. Noch während Operation Freedom Deal das Land verheerte, kam es zu einem ersten Treffen von Pot und Sihanouk. Er blieb weiter im Verborgenen, denn als der Prinz Kambodscha betrat, begrüßte ihn eine Delegation aus Khieu Samphan, Hou Youn und Hu Nim stellte sich ihm im Stile einer Frontorganisation als die entscheidende Führung der FUNK im Kambodschanischen Bürgerkrieg vor. Erst zwei Tage später nahe Angkor traf Sihanouk den während der ganzen Versammlung wie scheu im Hintergrund bleibenden Pot, ohne von seiner Bedeutung zu ahnen.[33]

US-Marines bei der Evakuierung der Amerikanischen Botschaft am 12. April 1975

Anfang 1974 kam es zur zweiten Sturmattacke auf Phnom Penh, dessen Bevölkerung inzwischen auf über zwei Millionen angewachsen war und seit August 1973 ohne amerikanische Kriegsparteinahme dastand. Wegen der überraschend starken Gegenwehr der Regierungstruppen unter Lon Nol wurde der zweite Angriff auf die Hauptstadt mit schweren Verlusten im April 1974 abgebrochen, wobei beide Seiten keine Gefangenen mehr machten. Trotzdem gelang es ihnen, die Stadt immer mehr von der Außenwelt abzuschneiden, und zum Beispiel die Transportwege nach Sihanoukville zu unterbrechen. Ende 1974 traf sich Pot mit Chou Chet, Parteisekretär für den Südwesten, um die Pläne für den dritten Sturmangriff auf Phnom Penh zu koordinieren und deren Umsetzung in einigen Kampfeinheiten selbst zu überwachen. Noch vor Jahresende 1974 war Phnom Penh ohne Straßenverbindung nach außen und im späten Januar 1975 nach Verlegung von chinesischen Seeminen im Mekong durch die Roten Khmer auch ohne Fluss als Verkehrsweg. Zu dieser Zeit, als der Sieg absehbar war, beschloss das Zentralkomitee der Communist party of Campuchea die Maßnahmen nach Einnahme von Phnom Penh. Sie sahen die komplette Evakuierung von Phnom Penh und aller anderen Städte vor und die Deportation der dortigen Bevölkerung, die in Augen der Roten Khmer Feinde der Revolution und im Falle der Flüchtlinge Verräter waren, auf das Land, um sie als Opposition auszuschalten und ihre Zwangsarbeit in der Landwirtschaft im zukünftigen Arbeiter-und-Bauern-Staat einzusetzen. Nachdem Ende März 1975 auch der Luftweg nach Phnom Penh ausgeschaltet war, trat Anfang April Lon Nol zurück und floh ins Exil, womit die Republik Khmer faktisch zu Ende war. Kurze Zeit später zog die Amerikanische Botschaft ab und evakuierte am 12. April in der Operation Eagle Pull Personal und Angehörige mit Hubschraubern. Am 17. April 1975 schließlich marschierten die Roten Khmer in Phnom Penh ein. Die Großmacht Amerika derart erniedrigt zu haben und der Umstand, dass dies zeitlich noch vor der Operation Frequent Wind in Saigon geschah, war für die Roten Khmer ein Erfolg, den sie sich fast ausschließlich selbst zuschrieben.[34]

Das Pol-Pot-Regime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Macht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Büste Pol Pots im Tuol-Sleng-Genozid-Museum

Mit Einmarsch in Phnom Penh setzten die Roten Khmer die radikalen, in der Isolation des Untergrunds ersonnenen, steinzeitkommunistischen Utopien des Zentralkomitees Communist party of Campuchea um Bruder Nummer Eins in die Wirklichkeit um. Der gesamten Bevölkerung der Hauptstadt, also allen khmang (deutsch: Feinde) und nay tun (deutsch: Kapitalisten), wurde binnen eines Tages befohlen, die Stadt zu verlassen. Sie galten über Nacht als new people oder auch Menschen des 17. April, von denen viele Tausende in den nächsten Wochen bei der Umsiedlung starben. Neben Phnom Penh wurde auch aus allen anderen Städten der früheren Republik Khmer in weniger als einer Woche die gesamte Bevölkerung deportiert, darunter auch Pots älterer Bruder und andere enge Verwandte, worauf er keine Rücksicht nahm. Pot betrat somit eine Geisterstadt, als er am 23. April 1975 Phnom Penh erreichte. Er ließ die Stadt militärisch sichern, einen großen Teil der Kapitulationsarmee von Lon Nol hinrichten und in einem Bahnhof das neue Hauptquartier einrichten. Im Mai 1975 ereignete sich mit dem Mayaguez-Zwischenfall die letzte bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Truppen der Vereinigten Staaten und den Roten Khmer. Im gleichen Monat eroberten die Roten Khmer einige vietnamesische Inseln im Golf von Thailand, ohne damit nennenswerte militärischen Gegenreaktion auszulösen. Pot besuchte in dieser Phase Nordvietnam, China und Nordkorea und erarbeitete mit dem Zentralkomitee die Verfassung für die neue Republik. In Peking wurde sein Besuch vor der Öffentlichkeit geheim gehalten und ihm von Mao eine Milliarde US-Dollar an finanzieller Unterstützung zugesagt, während in Kambodscha die ersten von vermutlich tausend chinesischen Technikern und Facharbeitern als Hilfskräfte für die Roten Khmer eintrafen. Prinz Sihanouk, der offiziell immer noch Leitfigur der FUNK war, wurde erst im September 1975 auf chinesischen Druck hin von Pot nach Kambodscha gelassen.[35] Laut Berichten der wenigen Überlebenden, unter ihnen Heng Samrin, fand vom 20. bis 24. Mai 1975 eine Versammlung der zivilen und militärischen Führung Kambodschas in der Hauptstadt statt, zu der keine Protokolle erhalten sind. Hier wurde die dauerhafte Räumung aller Städte, das Verbot von Geld, Markt und Buddhismus sowie wahrscheinlich die Entsendung von Truppen an die vietnamesische Grenze beschlossen.[36]

Die Communist party of Campuchea, deren Frontorganisation immer noch angkar padevat war, brauchte mehr als ein Jahr eine Verwaltung aufzubauen, wobei ihre Entscheidungen geheim und ihre Personen hinter Revolutionsnamen verborgen gehalten wurden. In den erhaltenen Sitzungsprotokollen des Zentralkomitees von Oktober 1975 bis Juni 1976 ist anfangs eine Aufgabenzuteilung festgehalten, die Formen eines Kabinetts hat. Am 9. Oktober 1975 wurden 11 Männern und 2 Frauen protoministeriale Aufgabenverantwortung zugewiesen. Als comrade secretary, Bruder Nummer Eins, erhielt Pot die Zuständigkeit für Verteidigung und Wirtschaft, als comrade deputy secretary, Bruder Nummer Zwei, Nuon Chea die für Parteiorganisation und Erziehung. Weitere Posteninhaber waren Ieng Sary für auswärtige Angelegenheiten, Son Sen für Geheimdienst und den militärischen Generalstab, Non Suon für die Landwirtschaft, Chhim Samauk als Stabschef des Premiers, Vorn Vet sowie, neben weiteren, die Frauen von Sen und Sary. 5 dieser 13 Personen wurden bis 1978 Opfer der Exekutionen unter Pol Pot. Führungsfigur der Revolution war nach außen immer noch Sihanouk, von dem sich zu trennen die Roten Khmer unterließen, da der Prinz die Unterstützung Pekings hatte. Dies änderte sich im Januar 1976 als Sihanouk bedeutendster Gönner, Zhou Enlai, starb. Durch die Ereignisse in Kambodscha tief verschreckt reichte Sihanouk im März 1976 seinen Rücktritt bei angkar padevat ein. Pot verabscheute zwar Sihanouk, weil er das genaue Gegenteil seines Ideals vom Leben der einfachen Bauern und Arbeiter symbolisierte, andererseits wollte er ihn als patriotisches Identifikationssymbol im Lande halten, wo er ihn unter Kontrolle hatte. Die FUNK bestätigte daher seinen Rücktritt am 12. April 1976 und der Prinz lebte von da an unter Hausarrest. Weiter beschäftigte die Führung um Pot die Tatsache, dass Truppen Vietnams, wie auch in Laos, immer noch Teile Kambodschas kontrollierten.[37]

Demokratisches Kampuchea[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatsemblem Demokratisches Kampuchea
Verwaltungszonen Demokratisches Kampuchea

Im Januar 1976 wurde die Nationale Befreiungsfront (FUNK) aufgelöst und das Demokratische Kampuchea ausgerufen. Die Verfassung schrieb die Kollektivierung der Gesellschaft fest und identifizierte Angka mit den Volksinteressen.[38] Im April 1976 kam es zur Wahl der Versammlung der Volksrepräsentanten, die vor allem zur Beruhigung des Auslands abgehalten wurden. Während die Menschen des 17. April kein Stimmrecht hatten, wurden die 250 Kandidaten alle von angkar padevat gestellt und nicht nach Provinz sondern Berufsgruppe aufgestellt. Erstmals öffentlich unter diesem Namen trat Pol Pot als "Arbeiter einer Kautschukplantage" an und wurde zum Premierminister gewählt. Bis dahin hatte er sowohl Pol als auch Pot als Tarnnamen benutzt. Pol Pot hat keine unabhängige Bedeutung, anders als die revolutionären Kampfnamen, die sich die anderen Mitglieder des Zentralkomitees gaben. Die Versammlung der Volksrepräsentanten kam Mitte April 1976 zusammen, bestätigte die Regierung des Demokratischen Kampuchea und vertagte sich auf unbestimmte Zeit. Das nun offizielle Regime Pol Pots, seine Wahl zum Premierminister wurde am 14. April im Radio bekannt gegeben, begann sofort, das ganze Land nach seinen radikalen Ideen umzugestalten.[39][40][41]

Als Regierungsmitglieder fürchteten sich Pol Pot und die anderen noch mehr vor Attentaten und Umsturzversuchen, weshalb das Zentralkomitee stets gut bewacht noch mehr im Verborgenen agierte und ab Juli 1976 keine Protokolle mehr oder andere Dokumente zu seinen Tagungen existieren. Bis 1977 sind zwei Schwerpunkte erkennbar, die Umsetzung des Vierjahresplan zum Aufbau des Sozialismus in allen Feldern, den Pol Pot am 21. August 1976 dem Zentralkomitee präsentierte, und die politischen Säuberung von Republik und Partei. Die Morde wurden zu einem großen Teil im Befragungszentrum der Partei, Tuol Sleng, durchgeführt. Die sich bis zum Krieg zuspitzenden Spannungen mit Vietnam zu dieser Zeit führten dazu, dass Pol Pot umso rascher versuchte, den Vierjahresplan umzusetzen und sich von seinen Feinden zu befreien.[42]

Der Vierjahresplan basierte auf Pol Pots vier Grundprinzipien Kollektivismus, Autarkie, Revolutionswille und Stärkung der Armen, die den Weg in den Sozialismus ebnen sollten. Ziel war die Reisexporte so weit zu erhöhen, um mit dem Handelsüberschuss in den Import von Güter und Waren zu investieren, mit denen die eigene kaum vorhandene Industrie massiv ausgebaut und entsprechendes Proletariat geschaffen werden könne. Als Ideal galt hier die Schwerindustrie, die als Symbol in das Staatsemblem aufgenommen wurde, völlig unbeeindruckt von der Tatsache, dass in Kambodscha keine derartigen Erzvorkommen bestehen. Konterkariert wurde diese auswärtige Marktorientierung durch ihr völliges Verbot im Inneren, denn Geld, Handel und Privatbesitz wurden verboten. Selbst das Essen in der Familie wurde verboten und fand nun für alle in kommunalen Speisehallen statt. Reis als einziges bedeutendes Exportgut wurde durch Pol Pot nahezu metaphysisch aufgeladen und als der Weg propagiert, die kambodschanischen Bauern aus ihrer Armut zu befreien. Typischerweise waren die Vorgaben, die Bruder Nummer Eins im Vierjahresplan machte, utopisch hoch und betrugen bei Reis 3 t pro Hektar, obwohl der Ertrag im Jahr vor Ausbruch des Kambodschanischen Bürgerkriegs weniger als 1 t betragen hatte. In den Provinzen Battambang und Pursat kam es nun zur Sturmattacke auf die Landwirtschaft, wobei mithilfe einer Millionen verschleppter Stadtbewohner bis 1980 140.000 Hektar Wald für den Reisanbau kultiviert werden sollten. In den nächsten zwei Jahren starben Zehntausende von ihnen an Hunger und Unterversorgung. Viele Überlebende dieses Autogenozid berichteten später von einem gängigen Aphorismus der Parteikader zu den städtischen Zwangsarbeitern, den neuen Menschen:

„Keeping [you] is no gain. Losing [you] is no loss“[43]

Die an Wunschdenken grenzenden Erwartungen an die Reisernte, gerade im Nordwesten mit seiner Millionen Zwangsarbeiter, erfüllten sich nicht und aus Unterernährung wurde mit Beginn 1977 immer öfter Hungertod.[44]

Obwohl Pol Pot und andere Mitglieder des Zentralkomitee Lehrer und keiner ein Bauer war, spielte Bildung im Vierjahresplan keine Rolle. Es wurden nur wenige Primärschulen und bis 1978 keine Sekundärschule eingerichtet, nichts zur Alphabetisierung der Landbevölkerung unternommen. Der Unterricht erfolgte vor allem mündlich und vermittelte Inhalte der Partei, während in Geschichte die Zeit vor der Revolution komplett ausgeblendet wurde. So hatte der Vierjahresplan auch keine Verwendung für Kultur jenseits von revolutionärer Schulung und Erziehung z. B. in Form von Liedern oder Gedichten und lehnte alle prärevolutionären Traditionen ab.[45]

Nach dem Tod Maos Anfang September 1976 kam es zu einer Führungskrise unter den Roten Khmer. Am 18. September verfasste Pol Pot eine öffentliche Gedenkschrift für ihn, betonte, wie viel er von Mao gelernt habe und sprach erstmals öffentlich davon, dass Kambodscha von einer marxistisch-leninistischen Organisation regiert werde. Nur zwei Tage später wurde der Parteisekretär für den Nordosten, Ney Saran, verhaftet und wenig später die Parteigröße Keo Meas. Beide wurden später in Tuol Sleng ermordet, wahrscheinlich wollte Pol Pot Parteigrößen aus der älteren Generation ausschalten. Zeitgleich verkündete Pol Pot über Radio Phnom Penh seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen. Wahrscheinlich war dies ein weiteres Manöver, um zum einen das Ausland zu verwirren, und zum anderen parteiinterne Gegner aus der Deckung zu locken, Tage später amtierte er wieder. Ein scharfer Streit in der Partei ging um die Frage, ob 1951, als die Partei noch vollständig von Vietnam kontrolliert worden war oder 1960 als Gründungsjahr der Communist party of Campuchea zu feiern sei. Obwohl Pol Pot die Absicht gehabt hatte, auf der Jubiläumsfeier zur Parteigründung am 30. September 1976 den Vierjahresplan vorzustellen und womöglich die Öffentlichkeit über die wahre Regierungspartei hinter angkar padevat aufzuklären, sagte er das Fest ab.[46]

Killing Fields[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Totenschädel im Inneren einer Stupa in Choeung Ek

Während es kaum Schriftliches zu den Regierungsentscheidungen der Roten Khmer gibt, sorgten sie selbst dafür, dass ihre Massenmorde in Killing Fields wie Choeung Ek gut dokumentiert sind. Aus Tuol Sleng sind 4.000 Geständnisse der gefolterten Insassen erhalten. Allein hier wurden 14.000 Kambodschaner inhaftiert und, bis auf ein halbes Dutzend Überlebende, zu einem Geständnis gefoltert und getötet. Die hinter den Verhören und Morden stehende Verschwörungstheorie von Pol Pot ähnelte der der Schauprozesse während des Großen Terrors und der Kampagne gegen wurzellose Kosmopoliten von 1948-53. Um die Parteiführung, auf deren Order die Killing Fields eingerichtet worden waren, zufriedenzustellen, entwickelten Lagerleiter wie Kaing Guek Eav besonderen bürokratischen Eifer, und dokumentierten ihre Massenmorde mit den schriftlichen Geständnissen, der gefolterterten und anschließend hingerichteten Opfer. Pflichtgetreu schickten die Lager die Berichte über Son Sen an die Parteizentrale K-1. Dort wurden diese Texte miteinander abgeglichen, vermeintliche verschwörerische Netzwerke mit Vietnam oder der CIA identifiziert und auf den Killing Fields hingerichtet, wobei weitere Geständnisse entstanden. Von 1975 bis Anfang 1976 waren es vor allem Soldaten des früheren Lon-Nol-Regimes und Kambodschaner mit Verbindungen nach Nordvietnam, die zu Opfern der Killing Fields wurden. Nachdem im Mai 1976 einige Soldaten Munition verschossen hatten, verhaftet und in Tuol Sleng verhört wurden, begann die politische Säuberung, welche sich vor allem gegen die Parteikader aus dem Osten des Landes richtete, die unter Führung von Sao Phim eine nachgiebigere Haltung gegen Vietnam befürwortet hatten. Der Eliminierung der langjährigen politischen Weggefährten Saran und Meas folgte bis Ende des Jahres noch die des Botschafter in Hanoi, Sien An, und seiner Frau sowie des früheren Mitglieds des Zentralkomitees Keo Moni. Auch Funktionäre der früheren Frontorganisation Pracheachon wurden nun Opfer der Killing Fields. Im Dezember 1976 rief Pol Pot zu einem Führungsseminar der Partei. Anders als bisher bei Anlässen dieser Art entbehrten seine Reden nun des Triumphalismus ob der erfolgreichen Revolution. Er sprach von Feinden und Verrätern als Mikroben innerhalb der Partei, die, unbeseitigt, die Communist party of Campuchea in ihrer Existenz gefährdeten. Zum Schutz solle die Partei weiterhin der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Für Ernteausfälle machte er die vertriebene Stadtbevölkerung verantwortlich, die in einigen Gegenden die Produktion leiteten, weil keine Parteikader zur Verfügung standen.[47] Um die für Verrat vorgeblich anfälligeren Parteikader im Osten unter Druck zu setzen und sie durch Kommunisten aus dem Südwesten ersetzen zu können, beschloss die Führung bei diesem Treffen für die östliche Verwaltungszone besonders hohe Vorgaben bei der Reisproduktion.[48]

Kurz nach dem Führungsseminar, im Januar 1977, wurden die hohen Parteifunktionäre Touch Phoeun und Koy Thuon verhaftet, denen im April Informationsminister Hu Nim folgte,[49] und auf den Killing Fields gefoltert und verhört. Um ihr angebliches CIA-Netzwerk in der Partei zu zerstören, wurden in der Folge viele Menschen aus dem persönlichen Umfeld von Phoeun und Thuon eliminiert, welche einen Großteil der Intelligenzija der Partei ausmachte. Auch viele Parteikader im Norden fielen dieser Säuberungswelle zum Opfer und wurden durch Kommunisten aus dem Osten ersetzt. Noch während Phoeun und Thuon in Duol Sleng den Tod fanden, besuchte Pol Pot die nordwestliche Verwaltungszone. Danach wurde auch hier die lokale Parteiführung in den Killing Fields getötet und durch Parteimitglieder aus dem Südwesten ersetzt, die unter Kontrolle von Ta Mok standen. Dieser vertrat die Linie Pol Pots mit besonderer Brutalität und neben Parteikadern fielen seinen Morden auch neue Menschen zum Opfer, die die utopischen Erntevorgaben nicht erfüllten. Bis Mitte 1977 waren die Killing Fields ein wesentlicher Teil der Regierungsarbeit von Pol Pot und entwickelte durch die Geständnisse unter Folter und dadurch immer zahlreicher aufgedeckten angeblichen Verschwörungsnetzwerke eine kaum zu bremsende Eigendynamik. In den Jahren 1977-78 wurden angebliche Verschwörer im direkten Umfeld von Pol Pot und anderen Führern enttarnt und samt ihrer Familien ermordet. Dies wiederum verstärkte die Verfolgungsängste von Pol Pot, der fortan außer der Säuberung der Partei kaum mehr Ziele verfolgte, während die Basis der Communist party of Campuchea aufgrund der Massenmorde immer schmaler wurde. Er lebte mit seinem Personal, viele von ihnen Angehörige der Bergvölker, in ständig wechselnden Unterkünften, scheute öffentliche Auftritte und, Attentate fürchtend, besuchte er Parteiversammlungen nur, wenn alle Teilnehmer eine Waffenkontrolle durchliefen. Selbst vermeintliche Fehler wie einen Ausfall der Strom- oder Wasserversorgung in seiner Dienststelle stellte er in einen verschwörerischen Kontext und ließ das entsprechende Aufsichtspersonal töten.[50]

Krieg mit Vietnam und Sturz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicolae Ceaușescu mit Pol Pot, 1978

Seitdem die Roten Khmer an der Macht waren, kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit Vietnam. Dies hing nicht nur mit dem verzögerten Abzug der Vietcong vor allem aus Kambodschas Nordosten zusammen, sondern auch mit dem Nationalismus des Regime, der Sorge vor Autonomieverlust wegen der Dominanz Hanois in Indochina und einem Disput um die Seegrenze zwischen beiden Staaten, was durch kurz zuvor entdeckte Erdgasvorkommen in diesem Gebiet verschärft wurde. Die in einem Freundschaftsvertrag im Juli 1977 gipfelnde Annäherung zwischen Laos und Vietnam betrachtete Pol Pot mit großer Sorge. Militärische Unterstützung durch das zunehmend antivietnamesisch orientierte Peking sorgte ab Ende 1976 dafür, dass die Roten Khmer gefechtsfähiger wurden und mit Jahresbeginn 1977 vermehrt Angriffe auf Vietnam vor allem im Südwesten wagen konnten. Parallel dazu wies die Parteiführung an, alle ethnischen Vietnamesen, auch die mit Kambodschanern verheirateten, den Sicherheitskräften zu übergeben, die diese auf den Killing Fields töteten. Im März 1977 wurden die Militärkräfte im Osten von der Arbeit in der Landwirtschaft abgezogen und für den Angriff auf zwei Städte in der Provinz Kiên Giang eingesetzt. Ein Waffenstillstandsangebot aus Hanoi lehnte Pol Pot im Juni 1977 ab. Im August 1977 begann der Beschuss vietnamesischen Territorium mit Artillerie und in der Provinz Tây Ninh kam es zu kleineren Invasionen der Roten Khmer, bei denen Teile der Zivilbevölkerung Massakern und Verschleppung zum Opfer fiel. Auf Druck aus Peking, womöglich auch Pjöngjang hin enttarnte Pol Pot am 27. September 1978 die Communist party of Campuchea als eigentliche Macht hinter der Frontorganisation angkar padevat in einer fünfstündigen Ansprache auf Radio Phnom Penh. Ein Schwerpunkt der Rede war die Darstellung der Parteiarbeit und ihrer zugrundeliegenden Strategien der Jahre von 1960 bis 1975 sowie der Kerngedanken von Pol Pot wie Kollektivierung und Befreiung der einfachen Landbevölkerung aus Armut und vermeintlicher Unterdrückung. Am Ende ging er auf die postrevolutionäre Phase seit 1975 ein und sprach davon, dass seitdem aufgetretene Mängel reaktionären Elementen geschuldet seien, die 2 % der Bevölkerung ausmachten.[51]

Am 28. September 1977, zwei Tage bevor seine Rede vom Vortag im Radio gesendet wurde, erreichte Pol Pot Peking, wo er von Hua Guofeng und Deng Xiaoping empfangen wurde. Die Fotografien von diesem Ereignis waren die ersten öffentlich zugänglichen Aufnahmen von Pol Pot und ermöglichten in der Folge Experten, ihn als Saloth Sar zu identifizieren. Motive für diese Reise und den öffentlichen Auftritt waren zum einen, Vietnam zu signalisieren, dass China auch angesichts der immer größer werdenden Spannungen zwischen Hanoi und Peking fest an der Seite Kambodschas steht, zum anderen dem Pol-Pot-Regime ein menschliches Antlitz zu verleihen, da im Ausland ob der Menschenrechtsverletzungen und Hungersnot in Kambodscha Vorwürfe laut wurden. Am 4. Oktober reiste er mit seiner Delegation weiter nach Nordkorea. Zu diesem Anlass sendeten die nordkoreanischen Medien als erste weltweit eine Kurzbiographie zu Pol Pot, die typischerweise niemals im Demokratischen Kampuchea ausgestrahlt wurde. Noch während dieser Reise marschierten vietnamesische Truppen als Vergeltung für die Angriffe auf Tây Ninh in Kambodscha ein, wobei dieser militärische Konflikt der Außenwelt weiterhin verborgen blieb.[52] Am 25. Dezember 1977 beschloss das Zentralkomitee unter Pol Pot die diplomatischen Beziehungen zu Vietnam zu beenden, dessen Truppen mittlerweile bis zu 20 Km innerhalb Kambodschas standen. Knapp zwei Wochen später zogen sich die vietnamesischen Truppen hinter die Grenzen zurück, was die Propaganda in Kambodscha als historischen Sieg feierte. Kurz darauf besuchte Pol Pot die östliche Verwaltungszone, wo die Truppen Hanois am tiefsten nach Kambodscha eingedrungen waren. Er gratulierte den dortigen militärischen Führern zu ihrem Kampfesmut und ordnete zurück in Phnom Penh ihre Ermordung an. Anders als von Vietnam beabsichtigt, führten Invasion und Rückzug nicht zu stärkerer Verhandlungsbereitschaft der kambodschanischen Führung, sondern radikalisierten deren Kurs noch weiter. Am 17. Januar 1978 berief sich Pol Pot in einer Rede auf die Weltmeinung, nach der Kambodscha Vietnam genauso besiegen und vernichten werde wie die Vereinigten Staaten im Jahr 1975. Bis zum Februar 1978 überfielen Rote Khmer wiederholt Orte in Vietnam, wobei sie verbrannte Erde hinterließen und Massaker an der Bevölkerung verübten.[53]

Mit Beginn der vietnamesischen Offensive ab November 1977 öffnete Pol Pot zum einen Kambodscha zusehends, um außenpolitisch Unterstützung gegen Hanoi zu bekommen. Offizielle Besuchsdelegationen aus Burma, Malaysia, Rumänien und Skandinavien sowie Kader prochinesischer marxistisch-leninistischer Parteien aus Australien, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien und Japan kamen ins Land und wurden mitunter von ihm persönlich begrüßt. Darunter war auch ein Fernseh-Team aus Jugoslawien, dem Pol Pot ein Interview als Teil einer Kurzbiographie gab. Seine, durch die familiären Verbindungen zum Palast relativ privilegierte Herkunft, und den wahren Namen verheimlichte er, gab aber an in Paris studiert und in Jugoslawien in einer Arbeitsbrigade gedient zu haben. Nachdem das Interview im französischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, konnte ihn sein früherer Mentor, Keng Vannsak, als Saloth Sar identifizieren. Andere Maßnahmen Phnom Penhs angesichts der vietnamesischen Offensive waren, neben Fortsetzung der Massenmorde in den Killing Fields, Lockerungen gegenüber den Menschen des 17. April. In den Kommunen wurden Primärschulen, die Lesen und Schreiben sowie einfache Mathematik unterrichteten, gegründet, die Arbeiter bekamen mehr freie Zeit und die Einteilung der Menschen in solche mit vollen Rechten, Kandidaten und Forderungen wurde im Mai 1978 aufgehoben. Seit 1976 waren etliche hundert gut ausgebildete Kambodschaner in das Land gekommen, um sich den Roten Khmer anzuschließen. Viele von ihnen und alle aus den Vereinigten Staaten starben in den Killing Fields oder den späteren Arbeitslagern in Kampong Cham. 15 von ihnen wurden nun freigelassen und gründeten unter der Leitung von Thion Mumm eine technische Fakultät, die andere aus der Zwangsarbeit Entlassene als Studenten besuchten.[54]

Ende des Jahres 1978 begann Vietnam eine Offensive in Kambodscha, eroberte die menschenleere Hauptstadt Phnom Penh und schuf eine pro-vietnamesische Regierung unter Heng Samrin, einem Roten-Khmer-Abtrünnigen.[55] Damit war die Schreckensherrschaft Pol Pots de facto zu Ende. Schätzungen über die Gesamtzahl der Opfer divergieren, Kiernan vom Genocide Studies Program der Yale University gibt sie mit mehr als 1,6 Millionen von knapp 8 Millionen Gesamtbevölkerung an.[56] Laut Chandler starben bei diesem Autogenozid mehr als 1 Millionen an den Folgen der Massenvertreibung, also an Hunger, Krankheiten und mangelhafter medizinischer Versorgung, während weitere Hunderttausende als Staatsfeinde hingerichtet wurden. Im Krieg mit Vietnam fielen zusätzlich Zehntausende Kambodschaner.[57] Rund 30.000 Rote Khmer flohen vor Heng Samrin in das Umland, vor allem in die unwegsamen Dschungelgebiete an der Grenze zu Thailand um Anlong Veng, kämpften in der Folge in einem Guerillakrieg gegen die Vietnamesen und wurden dabei politisch durch die USA, China und andere asiatische Länder, die die Invasion des mit der Sowjetunion verbündeten Vietnams nicht akzeptierten, bis Ende der 1980er Jahre unterstützt.

Nach einem Interview im Jahre 1979 zog sich Pol Pot für lange Zeit aus der Öffentlichkeit zurück. 1985 ließ er sich von Khieu Ponnary scheiden, die wahrscheinlich seit 1978 geistig schwer erkrankt war und vollkommen zurückgezogen gelebt hatte.[58] Sein letztes Interview gab er dem US-Journalisten Nate Thayer 1997 (Far Eastern Economic Review). Im Juni 1997 wurde Pol Pot von den Roten Khmer unter der Führung von Oung Choeun alias Ta Mok, der wegen seiner Brutalität als Schlächter bezeichnet wurde und bis 1979 militärischer Oberbefehlshaber der Verwaltungszone Südwest des Demokratischen Kampuchea gewesen war, aus seiner Führungsposition als „Bruder Nr.1“ verdrängt.[59] Im Juli 1997 wurde Pol Pot auf einem Rote-Khmer-Volkstribunal als Verräter zu lebenslanger Haft verurteilt.[60]

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grab von Pol Pot nahe Anlong Veng

Am 15. April 1998 beging Pol Pot in Anlong Veng im Norden Kambodschas vermutlich Suizid, nachdem er erfahren hatte, dass General Ta Mok den USA seine Auslieferung angeboten hatte. Offiziell wurde damals als Todesursache ein Herzinfarkt genannt. Die ungewöhnlich schnelle Verbrennung seines Leichnams und die Ablehnung der Roten Khmer, eine Autopsie vornehmen zu lassen, führten zu Spekulationen über die Todesursache Pol Pots. Unter anderem wurde Vergiftung oder Mord vermutet. Erst 1999 wurde bekannt, dass Pol Pot vermutlich an den Folgen einer Überdosis von Medikamenten verstorben war.

Historische Bewertung und Person[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhand der Augenzeugen, die ihn als ruhigen, selbstsicheren und überzeugenden Redner schildern, und Schriften Pol Pots, die keine biographischen Details enthalten, fällt es schwer, seine persönlichen Motive genau zu ergründen. Als typischer Kambodschaner seiner Zeit wurde er in einem tief verwurzelten Verständnis von Hierarchie erzogen und stand dem ausländischen Einfluss in Kambodscha mit großem Misstrauen gegenüber. Vom Buddhismus übernahm Pol Pot den Glauben an Selbstdisziplin, Persönliche Wandlung und Erleuchtung. Durch die französische Kolonialschulen und das Studium in Paris wurde er mit den Konzepten von Demokratie, Imperialismus, Revolution vertraut, schätzte vor allem Jean-Jacques Rousseau und wurde schließlich ein Anhänger des Marxismus-Leninismus, wobei er sich von Stalins Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (1938) und später Maos Schriften leiten ließ.[61] Als Lehrer genoss er ein der Tradition buddhistischer Mönche und hinduistischer Brahmanen folgendes hohes moralisches Ansehen und galt bis zuletzt als eine Autorität.[62] Aus seiner Zeit bei der ICP übernahm er die Taktik der geheimen Parteiorganisation und Kampfführung. Nach 1965 orientierte sich Pol Pot immer mehr an den Methoden des Maoismus sowie Kulturrevolution und stand Hanoi nicht zuletzt aus historischen Gründen und Angst vor vietnamesischer Dominanz zunehmend feindselig gegenüber. Daher lehnte Pol Pot seinen Kommunismus an den chinesischen Weg an, ohne dabei Kambodschas Eigenständigkeit aufzugeben. Auch die erlebte Abhängigkeit von den Vietcong während der 60er Jahre trug das Pol-Pot-Regime Hanoi nach und sah nach dem Sieg im Bürgerkrieg die kambodschanische Form des Kommunismus der Vietnams als weit überlegen an.[63] Laut dem Biographen David P. Chandler kann dieser Kontext die politische Karriere Pol Pots erklären, jedoch kaum die Motivation für seine Schreckensherrschaft mit Phänomenen wie Killing Fields und Massenvertreibung zufriedenstellend beleuchten. Als historische Vorbilder für Pol Pot bei der radikalen Kollektivierung von 1975 bis 1979 haben wahrscheinlich der Große Sprung nach vorn und die im Holodomor gipfelnde Sowjetpolitik in der Ukraine während der 1930er Jahre gedient.[64]

Der historische Kontext des heranwachsenden Pol Pot in den 1930er und 1940er Jahren war eine schwere Krise des nationalen Identitätsgefühls unter den gebildeten Kambodschanern. Auf der einen Seite idealisierte die mit Henri Mouton einsetzende Erforschung Angkor als eine frühere Hochkultur vor einer faszinierten globalen Öffentlichkeit. Auf der anderen Seite stand eine im Vergleich dazu schwache Nation, die bereits vor ihrer Zeit als französisches Protektorat ab 1863 zwischen Vietnam und Siam in großem Umfang aufgeteilt worden war, und immer weitere Krisen durchlief.[65] Während in Vietnam die Kommunistische Partei Vietnams und Việt Minh unter Hồ Chí Minh zusehends eine Macht wurden im Unabhängigkeitskampf, blieb es in Kambodscha bei einem größeren Protest in der Hauptstadt im Juli 1942. Im Französisch-Thailändischen Krieg verlor Kambodscha erneut Gebiete an Siam, darunter Angkor, im September 1941 besetzten die Japaner das Land, welches nach einigen wenigen Monaten der Unabhängigkeit unter Son Ngoc Thanh ab September 1945 wieder von Frankreich eingenommen wurde.[66] Staatliche Unabhängigkeit war für Pol Pot daher ein zentrales Leitmotiv wie für die Roten Khmer insgesamt. Als sie am Ende allein im Kambodschanischen Bürgerkrieg gesiegt, ihre Unabhängigkeit erkämpft und Amerika gedemütigt hatten, glaubte Pol Pot, meist abgeschottet von der Außenwelt, fest an die Einzigartigkeit und Überlegenheit ihrer Revolution, besonders im Vergleich zu der in Vietnam und Laos.[67] Gerade zu Vietnam waren die kulturellen Unterschiede groß und bestanden seit Jahrhunderten angespannte Beziehungen, während die Patronage durch Hanoi in Unabhängigkeitskampf und Bürgerkrieg immer mehr als Bevormundung und Schwächung wahrgenommen wurde.[68] Angkor selbst wurde daher als historisches Beispiel für die glorreiche Bestimmung der Roten Khmer zitiert, wie von Pol Pot im Jahr 1977 getan:

„If our people were capable of building Angkor, we can do anything.“[69]

Die Jahre im Untergrund waren zwar einerseits ein Zeichen der Schwäche, trugen aber andererseits dazu bei Pot und die Roten Khmer mythisch aufzuladen. In vielen Legenden und Mythologien Kambodschas ist der in den Wald fliehende und nach Einkehr und Exil als gestärkter König, Bandit oder Weiser mit Zauberkräften wiederkehrende Held eine gängige Figur. Ein anderer, von den Khmer später genutzte Volksglaube um Schrecken zu verbreiten betraf die schädliche Wirkung in Form von Krankheit und bösen Geistern, die dem Urwald zugeschrieben wurde.[70]

Schon früh arbeitete Pot mit mehreren Identitäten und hielt seinen wahren Namen geheim. Anders als kommunistische Führer wie Lenin, Ho Chi Minh oder Stalin, die sich einen Kampfnamen zur Tarnung im Untergrund und zur Inspiration ihrer Anhänger gaben, nannte sich Saloth Sar erst nachdem er an die Macht gelangte ab dem Jahr 1976 Pol Pot. Der gewählte Name hatte keine unabhängige Bedeutung und diente dazu, der Nation seine wahre Identität zu verschleiern.[40] Pol Pot ließ keine Biographie von sich veröffentlichen, es gab keine Textsammlungen und es gibt nur wenige Fotos von ihm. Erst nach einem Staatsbesuch in China im September 1977, bei dem er fotografiert wurde, konnte er von einigen Beobachtern als Saloth Sar identifiziert werden. Die meisten Kambodschaner erfuhren erst nach seinem Sturz von der Identität ihres Regierungschefs, als er seinen wahren Namen preisgab. Im Inneren waren, einmalig für kommunistische Regime, die Kommunistische Partei und ihre Führer mit Geheimhaltung umgeben; sie verbargen sich weiter hinter Angka. Die Existenz der Kommunistischen Partei Kambodschas(CPK) offenbarte Pol Pot der Bevölkerung erst im September 1977 in einer Radioansprache.[28]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die großartigen Siege der kampucheanischen Revolution unter der richtigen und klaren Führung der Kommunistischen Partei Kampucheas (27. September 1977)
  • Laßt uns weiterhin entschlossen das Banner des Sieges der ruhmreichen Kommunistischen Partei Kampucheas hochhalten, um das Demokratische Kampuchea zu verteidigen, die sozialistische Revolution fortzuführen und den Sozialismus aufzubauen (27. September 1978)
  • Erklärung vom 5. Januar 1979. (in: Kommunismus und Klassenkampf. Theoretisches Organ des Kommunistischen Bundes Westdeutschland [KBW] Dokumentation, 22. Januar 1979)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). Westview, 1999 Boulder (CO). Silkworm Books, Chiang Mai (Thailand) 2000, ISBN 974-7551-18-7.
  • David P. Chandler, Ben Kiernan, Chanthou Boua (Hrsg.): Pol Pot plans the future. Confidential leadership documents from Democratic Kampuchea, 1976–1977 (= Yale University Southeast Asia studies - Monograph series 33). Yale University Press, New Haven CT 1988, ISBN 0-938692-35-6.
  • Erich Follath: Die Kinder der Killing Fields. Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies. Deutsche Verlags-Anstalt u. a., München 2009, ISBN 978-3-421-04387-0.
  • Stephen Heder: Pol Pot and Khieu Samphan (= Centre of Southeast Asian Studies - Working papers 70). Monash University, Clayton 1991, ISBN 0-7326-0272-6.
  • Ben Kiernan: How Pol Pot came to power. A history of Cambodian communism, 1930–1975 (2nd Edition). Yale University Press, New Haven CT u. a. 2004, ISBN 0-300-10262-3.
  • Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79. (2nd Edition.) Yale University Press, New Haven (CT) 2002. Silkworm Books, Chiang Mai (Thailand) 2005, ISBN 974-9575-71-7.
  • Marie Alexandrine Martin: Le Mal cambodgien. Histoire d'une société traditionnelle face à ses leaders politiques 1946–1987. Hachette, Paris 1989, ISBN 2-01-012251-8, (Histoire des gens).
  • François Ponchaud: Cambodge année zéro. Document. Julliard, Paris 1977, ISBN 2-260-00055-X, (Auch: Éditions Kailash, Paris 1998, ISBN 2-84268-031-6, (Livres sur l'Asie - Civilisations & sociétés)).
  • Sacha Sher: Le Kampuchéa des „Khmers rouges“. Essai de compréhension d'une tentative de révolution. L'Harmattan, Paris u. a. 2004, ISBN 2-7475-6191-7.
  • Philip Short: Pol Pot: The history of a nightmare. Paperback edition. Murray, London 2005, ISBN 0-7195-6569-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pol Pot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 7, 8
  2. Philip Short: Pol Pot: The History of a Nightmare John Murray, London 2004, ISBN 978-0-7195-6569-4, S. 36, 37
  3. Philip Short: Pol Pot: The History of a Nightmare John Murray, London 2004, ISBN 978-0-7195-6569-4, S. 39
  4. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 15
  5. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 8, 9
  6. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 14–17
  7. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 17–22
  8. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 22-24
  9. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 26-29
  10. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 31, 33, 34
  11. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 35-38
  12. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 13
  13. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 12, 13
  14. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 41-45
  15. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 45-49
  16. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 49
  17. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 16
  18. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 32
  19. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 50-54
  20. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 55-57
  21. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 58-61
  22. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 61-64
  23. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 65-71
  24. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 65, 66
  25. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 6
  26. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 71-73
  27. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 73-75
  28. a b David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 2
  29. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 126
  30. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 77-83
  31. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 83-85
  32. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 87-95
  33. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 96-100
  34. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 100-103
  35. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 103-106
  36. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 55-59
  37. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 107-110
  38. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 7
  39. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 110, 111
  40. a b David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 7
  41. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 327
  42. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 113, 114
  43. Zitiert in David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 117
  44. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 115-120
  45. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 120, 121
  46. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 122, 123
  47. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 123-130
  48. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 336
  49. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 350, 351
  50. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 130-132
  51. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 133-136
  52. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 136-140
  53. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 142,143
  54. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 144, 145
  55. Peter Scholl-Latour: Der Tod im Reisfeld; Stuttgart 1980; S. 284
  56. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 458
  57. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 4
  58. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 132, 133
  59. Spiegel: Thema Pol Pot abgerufen am 29. März 2010
  60. BBC News: Pol Pot: Life of a tyrant, 14. April 2000, abgerufen am 23. August 2011
  61. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 32-34
  62. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 50, 51
  63. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 3
  64. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 4-6
  65. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 12-15
  66. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 15-20
  67. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 115
  68. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 139, 140
  69. Zitiert in David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 13
  70. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 76, 77