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Pol Pot

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Pol Pot in den 1970er Jahren

Pol Pot (* vermutlich 19. Mai 1925 oder 1928 als Saloth Sar in der Provinz Kompong Thom, Kambodscha; † 15. April 1998 in Anlong Veng) war ein kambodschanischer kommunistischer Politiker, Machthaber Kambodschas (1975–1979) und bis 1997 „Bruder Nr. 1“ der Roten Khmer.

Er wurde als Saloth Sar geboren und kam während eines Auslandsstudiums in Paris mit dem Kommunismus in Berührung. Zurück in der Heimat trat er der verdeckt operierenden Indochinesischen Kommunistischen Partei (ICP) bei, die von den Việt Minh kontrolliert wurde, und arbeitete als Lehrer. 1962 wurde er erster Sekretär der späteren Kommunistischen Partei von Kampuchea (CPK) und floh im Jahr darauf vor politischer Verfolgung durch Lon Nol in das Grenzgebiet zu Vietnam, wo er seinen Namen endgültig ablegte und als „Bruder Nummer Eins“ oder „Onkel Sekretär“ bezeichnet wurde. In den folgenden sieben Jahre lebte Pol Pot im Untergrund und wurde durch eine Reise nach China stark durch den Maoismus geprägt. Während des Kambodschanischen Bürgerkriegs entstanden aus den von Pol Pot geführten kommunistischen Milizen die Roten Khmer, die durch das massive Flächenbombardement der Operation MENU immer mehr Rekruten gewinnen konnten.

Im April 1975 nahmen die Roten Khmer Phnom Penh ein und deportierten die Stadtbevölkerung als vermeintliche Feinde der Revolution auf das Land, wo sie als new people Zwangsarbeit im Arbeiter-und-Bauern-Staat verrichten mussten. Immer noch hinter der Frontorganisation angkar padevat verborgen, riefen die Kommunisten im Januar 1976 das Demokratische Kampuchea aus und wählten Pol Pot zum Premierminister. Der radikale Kollektivismus und die politische Säuberung unter seiner Herrschaft führten zur Einrichtung von Foltergefängnissen wie Tuol Sleng und zu den Killing Fields. Ständige Scharmützel mit Vietnam mündeten schließlich in einen offenen Krieg, der in der vietnamesischen Besatzung Kambodschas endete und Pol Pot ins Exil nach Thailand trieb. Seine als Steinzeitkommunismus bezeichnete Herrschaft verursachte den Genozid in Kambodscha, bei dem je nach Schätzung bei einer Gesamtbevölkerung von ungefähr 8 Millionen zwischen 750.000 und mehr als 2 Millionen durch Hinrichtung, Zwangsarbeit, Hunger und mangelhafte medizinische Versorgung ums Leben gekommen waren.

Überwiegend von Thailand aus führte Pol Pot einen Guerillakrieg gegen die von Hanoi kontrollierte Volksrepublik Kampuchea. Nach Abzug der Vietnamesen im Jahr 1989 kam es im Oktober 1991 zum Pariser Friedensvertrag, der den zweiten Bürgerkrieg beendete. Im Juni 1997 wurde Pol Pot als Führungsfigur durch Ta Mok abgelöst und kam am 15. April 1998 in Anlong Veng vermutlich durch Suizid ums Leben.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburtsdatum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saloth Sars Geburtsjahr ist nicht zweifelsfrei geklärt. Die Unterlagen der Kolonialbehörden von Französisch-Indochina weisen den 19. Mai 1928 als Geburtsdatum aus, seine Geschwister geben das Jahr 1925 an. Jüngere Biografien halten die behördlichen Registrierungen jener Zeit nicht für verlässliche Quellen, weil nachträgliche Eintragungen mit falschen Daten damals insbesondere auf dem Land üblich gewesen seien.[1]

Frühes Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pol Pots Geburtsort Prek Sbauv

Saloth Sars Eltern Pen Saloth und Sok Nem waren Khmer und lebten in dem Dorf Prek Sbauv in unmittelbarer Nähe zur Provinzhauptstadt Kampong Thom. Saloth Sar hatte je nach Quelle sieben oder acht Geschwister. Die Familie galt als wohlhabend.[2] Der Vater war ein Reisbauer mit 9 Hektar Grundbesitz und Zugtieren.[3] In der väterlichen Ahnenreihe gab es zwar chinesische Vorfahren, trotzdem wurden keine Traditionen wie das Chinesische Neujahrsfest oder Qingming-Fest gepflegt, sondern nach Art der Khmer gelebt. Saloth Sar wurde wegen seiner hellen Hautfarbe „Sar“ genannt („sar“ ist Khmer für „weiß“).[4] Die elterliche Erziehung richtete sich nach der Moral des Theravada und in einem buddhistischen Tempel in Kampong Thom, den die Familie regelmäßig besuchte, erlernte Sar die ersten Buchstaben der Khmer-Schrift.[5]

Sars Familie war in mehrfacher Hinsicht eng mit dem kambodschanischen Königshaus verbunden. Die Schwester seines Vaters war im königlichen Haushalt in Phnom Penh beschäftigt. Ihre Tochter Meak war in den 1920er-Jahren eine Konkubine des Kronprinzen Sisowath Monivong, der ab 1927 König Kambodschas war. Gemeinsam hatten sie einen 1926 geborenen Sohn. Auf Meaks Vermittlung erhielt Sars Bruder Loth Suong eine Stellung als Offizier im königlichen Palast; seine Tochter wurde später ebenfalls eine Konkubine des Königs.[6]

Sar wurde im Kindesalter von den Eltern in die Hauptstadt geschickt, wo er zunächst bei Suong und Meak lebte. Er folgte damit seinem Bruder. Einer Quelle zufolge war das „1931 oder 1932“,[7][2] eine andere Quelle gibt dafür das Jahr 1934 an.[8] Ob der Grund dafür, wie teilweise behauptet wird,[9] eine finanzielle Notlage der Eltern war, ist zweifelhaft. Andere Quellen gehen davon aus, dass die Eltern ihren Söhnen eine Ausbildung in Phnom Penh ermöglichen wollten und in der Lage waren, sie mit Eigenmitteln zu finanzieren.[8]

Während dieser Zeit besuchte er für einige Monate das buddhistische Kloster Wat Botum, wo er mit dem Lesen und Schreiben der Khmer-Sprache vertraut gemacht wurde.[10]

Ab 1936 besuchte Sar die katholische Schule École Miche nahe dem königlichen Palast. Die meisten Schulkameraden waren Kinder französischer Kolonialbeamter und katholischer Vietnamesen, die damals zusammen mit Chinesen Wirtschaft und Handel in Phnom Penh und dem Rest des Landes dominierten.[11]

Sar galt als mittelmäßiger Schüler.[12][13] 1941 und 1942 fiel Sar jeweils durch die Abschlussprüfung der École Meche; erst 1943 legte er sie im dritten Anlauf mit Erfolg ab.[14] Danach bemühte er sich um die Ausbildung an der Lycée Preah Sisowath, der ältesten weiterführenden Schule Kambodschas, bestand aber die Aufnahmeprüfung nicht. Er erhielt allerdings als einer von 20 kambodschanischen Jungen die Möglichkeit, eine nach Norodom Sihanouk benannte Mittelschule in der ostkambodschanischen Provinzstadt Kampong Cham zu besuchen, die die französischen Kolonialbehörden neu gegründet hatten. Sar gehörte hier zum ersten Jahrgang.[14] Der Unterricht wurde in französischer Sprache gegeben und folgte klassischen Bildungsinhalten, so erlernte Sar unter anderem das Violinenspiel. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Mittelschule wurde Sar nach einer Quelle im Sommer 1947 in die Lycée Preah Sisowath aufgenommen, die er nach nur einem Jahr wieder verlassen musste, nachdem er im Sommer 1948 durch eine Zwischenprüfung gefallen war.[15] Danach begann er an einer École technique im Norden Phnom Penhs den Beruf des Zimmermanns zu erlernen.[16]

In den Jahren der Ausbildung begründete Sar Freundschaften, die über Jahrzehnte hielten. Klassenkameraden an der École Miche waren unter anderen Hu Nim, Khieu Samphan und Lon Non, der jüngere Bruder von Lon Nol. Nach der Machtübernahme 1975 gehörten Hu Nim und Khieu Samphan zu den Spitzenfunktionären der Roten Khmer. Während seiner Zimmermannsausbildung kam er in Kontakt mit Angehörigen weniger privilegierter Gesellschaftsschichten, die von Franzosen und traditioneller Elite ausgegrenzt wurden. Dort lernte er unter anderem Ieng Sary kennen, der ihm später nach Paris folgte und als „Bruder Nr. 3“ einer der ranghöchsten Kader der Roten Khmer wurde.[17] Daraus und aus weiteren persönlichen Verflechtungen wurde in rückwirkenden Betrachtungen die Einschätzung abgeleitet, die Roten Khmer seien clanartig strukturiert gewesen.[18]

Als gemäß einer Übereinkunft zwischen Paris und Phnom Penh ab 1946 Parteien in Kambodscha gegründet werden durften, engagierte sich Sar mit Sary im Jahr 1947 im Wahlkampf für die von Prinz Sisowath Yuthevong geführte Demokratische Partei zur Nationalversammlung, die nur ein Jahr später durch Sihanouk aufgelöst wurde. Die Demokratische Partei vertrat vor allem die Idee nationaler Unabhängigkeit und starker Orientierung an traditionellen Werten und war bei Studenten, Lehrern, Angestellten und Mönchen populär. Sar erhielt 1948 ein Stipendium für ein technisches Auslandsstudium in Paris. Ob dies daran lag, dass die das Bildungsministerium kontrollierende Demokratische Partei durch Sary auf Sar aufmerksam gemacht wurde, oder generell Berufe wie Radioelektroniker, Schneider, Zimmermann und Fotograf von den Nationalisten gefördert wurden, um hier die vietnamesische Dominanz zu brechen, bleibt ungeklärt. Im August 1949 machte sich Sar auf den Seeweg nach Frankreich.[19]

Studium in Paris[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende September 1949 in Marseille angekommen, studierte Sar im Anschluss Radioelektronik in Paris. Neben Sary, der im folgenden Jahr in Paris ankam, waren zwei prägende Bekanntschaften für Sar in dieser Zeit die kambodschanischen Nationalisten Thiounn Mumm und Ken Vannsak. Im Sommer 1950 diente er für vier Wochen mit 17 anderen Kambodschanern und französischen Studenten in einer Sozialistischen Brigade in Jugoslawien. Im Jahr 1952, eventuell auf Initiative Mumms, wurde er Mitglied der Parti communiste français (PCF). Er unterzog sich während des Studiums keinen Prüfungen und wurde daher Ende 1952 exmatrikuliert.[20] Der kommunistische Zirkel von Sar unter dem Dach der PCF traf sich in der Wohnung von Vannsak und hatte ausschließlich kambodschanische Mitglieder, die Khmer waren. Über Vannsak, der im August 1951 einen internationalen Jugendkongress in Ost-Berlin besucht hatte, erfuhr Sar erstmals von der Existenz einer kommunistischen Widerstandsgruppe der Khmer, der Khmer People’s Revolutionary Party (KPRP). Diese war im Juni 1951 als die für Kambodscha zuständige Unterorganisation der noch im Verborgenen operierenden Indochinesischen Kommunistischen Partei (ICP) gegründet worden, die weitgehend von der öffentlich operierenden Kommunistischen Partei Vietnams kontrolliert wurde.[21]

Mitte 1951 war der frühere Premierminister Son Ngoc Thanh aus sechsjährigem französischen Hausarrest in Poitiers, wo Sar ihn besucht hatte, entlassen worden und im März 1952 in den militärischen Widerstand einer Guerilla-Miliz abgetaucht, nachdem sich die KPRP seinen Truppen nicht angeschlossen hatten. Sihanouk setzte daraufhin im Juni 1952 das Kabinett der Demokratischen Partei ab und löste die Nationalversammlung auf. In seiner ersten bekannten politischen Schrift Monarchy or Democracy?, die im Sommer 1952 in der Pariser Studentenzeitung Khmer Nisut erschien, ging Sar auf diese Ereignisse ein und verurteilte Sihanouk als einen absoluten Monarchen, der dem Imperialismus diene und ein Feind der einfachen Bevölkerung und der buddhistischen Mönche sei. Sar hatte Monarchy or Democracy? unter dem Pseudonym Khmer daom (deutsch: „ursprünglicher Khmer“)[22] veröffentlicht.[23]

Indochinesische Kommunistische Partei und Lehrkraft Chamraon Vichea[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 1953 kehrte er nach Kambodscha zurück. In Phnom Penh lebte er die erste Zeit bei einem Bruder und hatte über den anderen Bruder, Chhay, Kontakte zu bewaffneten nichtkommunistischen antifranzösischen Unabhängigkeitsbewegungen um Son Ngoc Thanh sowie Norodom Chantaraingsey. Sar entschied sich dagegen und über den lokalen Repräsentanten Pham Van Ba bat er, der für Kambodscha zuständigen Unterorganisation der Indochinesischen Kommunistischen Partei (ICP) als Mitglied der Parti communiste français beitreten zu dürfen. Nach entsprechender Prüfung der Angaben über Hanoi in Paris, was einige Wochen dauerte, war er in der ICP. Anders als die KPRP, die bis 1954 über 1000 Mitglieder hatte,[24] operierte die ICP noch verdeckt und stark von Vietnam kontrolliert. Im August 1953 gelangte Sar in den Osten Kambodschas und diente an der Grenze zu Vietnam in der Kommandostelle einer von den Việt Minh dominierten Miliz, später in deren Stab für Propaganda und der Kaderschule. Hier lernte er den früheren Mönch Tou Samouth kennen, der zu seinem Mentor wurde und mit Son Ngoc Thanh die 5.000 Mann starke und durch die KPRP befehligte Miliz Khmer Issarak aufgestellt hatte,[25] und fand den politischen Freund Vorn Vet. Da in dieser Phase des Indochinakriegs kurz vor und während der Indochinakonferenz die Kampfhandlungen abnahmen, Frankreich die Länder in die Unabhängigkeit entließ und die nichtkommunistischen Unabhängigkeitskämpfer ihre Waffen niederlegten, wartete Sar, ohne mit den Việt Minh Kampferfahrung gesammelt zu haben, auf die Ergebnisse der Konferenz in Genf. Als dort, anders als für Laos und Vietnam, zwar freie Wahlen im nächsten Jahr aber keine Rückzugsgebiete für die kommunistischen Milizen geschaffen wurden, gingen viele der politischen Gefährten ins Exil nach Nordvietnam, darunter Tou Samouth und Son Ngoc Thanh. Sar kehrte bald, gefolgt von Vorn Vet bis Oktober 1954, in die Hauptstadt zurück, um weiterhin im Dienste der ICP tätig zu sein. Sein Auftrag umfasste wahrscheinlich Vorbereitungen für die Wahlen zu treffen, die Partei Pracheachon als Frontorganisation aufzubauen, Kontakte zum radikalen Flügel der Demokratischen Partei aufzunehmen und ihn im Sinne der ICP zu beeinflussen.[26]

Die Studienfreunde Thiounn Mumm und Ken Vannsak, die ihn in Paris mit dem Kommunismus vertraut gemacht hatten, lebten ab August 1954 wieder in Kambodscha und standen in Verbindung mit Sar. Mit Shichau übernahmen Vannsak und Mumm im Januar 1955, in einem unblutigen Putsch die Gewalt über das zentrale Exekutivkomitee der Demokratischen Partei, wobei die Rolle Sars unklar bleibt. In der Zeit vor der Wahl schrieb Sar wahrscheinlich Artikel für die Sammaki, eine radikale Zeitung, die sein Bruder Chhay herausgab. Auf die Wahlen übte Sihanouk, hinter dem ein breites Bündnis verschiedener Lager stand, großen politischen Druck aus. Er trat, nach einer höchst manipulativen Volksabstimmung, die 95 % Zustimmung zu seinem Königlichen Weg in die Unabhängigkeit ergab, von seinem Thron zurück und erklärte seinen Vater Norodom Suramarit zum König. Derart vom bindenden Hofzeremoniell befreit, gründete Sihanouk Sangkum Reastr Niyum (deutsch: Sozialistische Volksgemeinschaft), eine politische Organisation, deren Mitgliedschaft in der Verwaltung zum Zwang wurde, und unterdrückte die freie Presse. Dennoch konnten die Frontorganisation Pracheachon und die Demokratische Partei erfolgreich Großveranstaltungen durchführen, so dass Sihanouk Vannsak und viele andere Demokraten verhaften ließ und Mumm ins Exil nach Frankreich zwang, während Sar unbehelligt blieb. Bei den Wahlen 1955 gewann Sangkum Reastr Niyum schließlich mit mehr als 80 % der Stimmen alle Sitze in der Nationalversammlung und bestimmte unter der Führung von Sihanouk die Politik der nächsten 15 Jahre.[27]

Angesichts der neuen politischen Lage, erst einmal ohne konkreten Auftrag, heiratete Sar im Juli 1956 seine Freundin Khieu Ponnary.[28] Mit ihrer Schwester zusammen war sie die erste Kambodschanerin gewesen, die einen Bachelor erreicht hatte.[29] Sar hatte sie 1951 in Frankreich kennengelernt, wo ihre jüngere Schwester Thirith seinen Freund Ieng Sary geheiratet hatte.[30] Zur Zeit ihrer Hochzeit lehrte Ponnary am Lycée Sisowath kambodschanische Literatur, während Sar in dieser Phase als Lehrer an der hauptstädtischen Privatschule Chamraon Vichea (deutsch: Fortschrittliches Wissen) für Französisch, Geschichte, Geographie und Staatsbürgerkunde begann. Er erwarb sich hier, in diesen Jahren, trotz seines allgemein bekannten Kommunismus, hohes Ansehen, vor allem unter seinen Studenten. Sars Unterricht galt als genau und verständlich und ließ, ungewöhnlich für das traditionelle Lehrer-Schülerverhältnis, Fragen zu, die er hilfsbereit beantwortete. Chamraon Vichea war eine private Hochschule für Studenten, die, wie Sar selbst, die Aufnahmeprüfung zu einem staatlichen Lycée nicht bestanden hatten. Wahrscheinlich wurde sie mit Mitteln von Lon Nol und Prinz Norodom Chantaraingsey geschaffen, um ein Gegengewicht zur konkurrierenden Söhne von Kambodscha-Hochschule zu bilden, die von der Demokratischen Partei im Dezember 1952 gegründet und seitdem kontrolliert wurde. Bereits zu dieser Zeit hatte Sar mehrere Identitäten und nutzte für Pracheachon den Decknamen Pol. Weiterhin arbeitete er verdeckt für die ICP und organisierte den Schutz ihrer Parteiführer Tou Samouth und Sieu Heng. Bei einem großen Teil seiner Geheimaktivitäten dieser Jahre arbeitete er mit Nuon Chea, später bekannt als „Bruder Nummer Zwei“, zusammen. Wie Sar war dieser seit 1951 Mitglied der ICP. Inwieweit die KPRP zu dieser Zeit fortbestand, bleibt ungeklärt. 1957 kehrten Schwägerin Thirith und Freund Ieng Sary, der Dozent an der Söhne von Kambodscha-Hochschule wurde, aus Paris nach Kambodscha zurück und lebten einige Zeit lang mit Sar und Ponnary zusammen.[31] Mitglieder der ICP waren weniger Bauern, ehemalige Milizen und Arbeiter aus dem noch schmalen industriellen Sektor, sondern vor allem Studenten aus dem In- und Ausland, Schullehrer und städtische Arbeiter. Sicher war Sar neben Hou Yuon und Ieng Sary eine der wichtigsten Inspirationsquellen für die Beitritte der Jahre 1956 bis 1960. Die ICP verfolgte zu dieser Zeit erfolgreich eine Einheitsfront-Strategie und einige ihrer geheimen Mitglieder wie Khieu Samphan und Hu Nim äußerten sich öffentlich für Sihanouk, der Kambodscha in die blockfreien Bandung-Staaten geführt hatte. Dieser war ab 1959 zusehends von der Idee besessen, Mordkomplotte aus Thailand, Südvietnam und den Vereinigten Staaten seien deswegen gegen ihn im Gange. Er stoppte seine scharfe antikommunistische Rhetorik und Hou Yuon wurde stellvertretender Minister.[32]

Als im April 1960 König Norodom Suramarit starb, kam es zum Streit um die Nachfolgeregelung und Sihanouk ging wieder gegen die Kommunisten vor, ließ im August 1960 Samphan verhaften, seine Zeitung schließen, 1962 die Frontorganisation Pracheachon zerschlagen und ihre Mitglieder zu lebenslangen Haftstrafen verurteilen. In der Gesamtorganisation IPC, die von Hanoi dominiert wurde, stand andererseits nach der Teilung Vietnams ganz die Unterstützung der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams im Vordergrund, was der Dritte Parteitag der Kommunistischen Partei Vietnams im frühen September 1960 bestätigte. Auf sich allein gestellt und akuter Verfolgung ausgesetzt fand in einem kleineren Gebäude der kambodschanischen Eisenbahn zwei Wochen danach der laut Sar und Nuon Chea erste, anderen Quellen zufolge zweite Parteitag der kambodschanischen Kommunisten statt. Insgesamt 21 Vertreter für Landbevölkerung und Städte wählten neben Sar Tou Samouth als ersten Parteisekretär, Son Ngoc Minh aus Hanoi, Nuon Chea, Keo Meas, Sao Phim und Ieng Sary in das zentrale Exekutivkomitee der Arbeiterpartei von Kampuchea (WPK). Die WPK wirkte wie eine namenlose Geheimorganisation und folgte noch weitgehend dem Willen Hanois. Im Juli 1962 verschwand Tou Samouth mit bis heute ungeklärtem Schicksal. Der Historiker Ben Kiernan hält eine Beteiligung Sars für die am wahrscheinlichste Erklärung, um einen Generationenwechsel in der Partei herbeizuführen, während David P. Chandler von einer Mordaktion durch Sicherheitskräfte oder einem möglichen Verrat durch Sieu Heng berichtet. Danach wurde Sar erster Sekretär der WPK und Nuon Chea sein Stellvertreter.[33] Neben seiner offiziellen Lehrtätigkeit hielt Sar nun wie Hou You und Khieu Samphan geheime Seminare überwiegend vor Mönchen und Studenten, um hier Nachwuchs für die Organisation zu gewinnen und die allgemeine Unzufriedenheit mit Sihanouk anzufachen. Überzeugend stellte er dort die Utopie einer neuen Gesellschaft dar, in der es keine Preise und Abgaben gebe, weil jeder einer Arbeit nachginge. Menschen, die auf Kosten anderer lebten, bezeichnete er als zu überwindendes Übel, wobei er den königlichen Hofstaat anführte, in dessen Milieu er selbst seine Jugend verbracht hatte. Als Anfang 1963 Studenten eines Lycée in Siem Reap gegen Polizeigewalt und Sangkum Reastr Niyum demonstrierten und es landesweit zu Protesten kam, erstellte Lon Nol eine Liste mit 34 verdächtigen Kommunisten, auf der auch Sar stand. Dieser konnte rechtzeitig fliehen und sich in ein vietnamesisches Militärcamp an der Grenze zu Kambodscha absetzen. Seit dieser Zeit nutzte er seinen Namen gar nicht mehr, verschmolz seine Identität mit der Partei und wurde meist als „Bruder Nummer Eins“ oder „Onkel Sekretär“ bezeichnet.[34]

Anfänge der Roten Khmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächsten sieben Jahre war Pol Pot auf der Flucht und lebte mit Ieng Sary und anderen Mitgliedern des Zentralkomitees der kambodschanischen Kommunisten in ständig wechselnden provisorischen Lagern im Osten und Nordosten des Landes sowie in Nordvietnam und China. Dort waren sie fast ausschließlich unter sich und bis auf Radioempfang und gelegentliche Kuriere der Partei von Phnom Penh und vom Rest der Welt abgeschnitten. Bis 1969 folgten ihnen noch einige hunderte Studenten in den Untergrund. So war Pot in der ersten Unterkunft, dem sogenannten Office 100 der Vietcong an der Grenze zu Vietnam in Kampong Cham, das Verlassen des Lagers untersagt. In den nächsten zwei Jahren war Pot nahezu vollkommen auf Hilfe von außen angewiesen, wobei viele seiner damaligen Unterstützer später von Pot als Feinde betrachtet und im S-21 Foltergefängnis hingerichtet wurden. Im Dialog untereinander oder mit jüngeren Parteigenossen, die in Pot einen Lehrer sahen, entwickelten sie im festen Glauben an ihre zukünftige Macht nach der überfälligen Revolution träumerische Utopien, die immer weniger mit der Realität zu tun hatten, aber in ihrer Abgeschiedenheit machtloser Theorien praktisch nicht scheiterten. Zu dieser Zeit wurden sie von Sihanouk als Rote Khmer identifiziert. Ab Juni 1965 war Pot für 9 Monate in Nordvietnam, auch um sich als Nachfolger von Tou Mamouth in Hanoi vorzustellen und die wichtiger werdende Rolle der kambodschanischen Kommunisten im Vietnamkrieg zu besprechen. Die Ereignisse während dieses Besuchs wurden in der zwölf Jahre später erscheinenden Polemik Livre noir, die wahrscheinlich Pot, sich generell an die äußerlichen Fakten haltend, verfasst hatte, beschrieben und als Begründung für den Bruch mit Vietnam angeführt. Demnach übte Lê Duẩn, der zweite Mann nach Hồ Chí Minh, massive Kritik an der unabhängigen politischen Linie der kambodschanischen Kommunisten. Sie wurden ferner mit zu unterzeichnenden Dokumenten in Vietnamesisch konfrontiert, um den Vorrang der Revolution in Südvietnam anzuerkennen, auf ihren Erfolg zu warten und sich bis dahin als Einheitsfront hinter den antiamerikanischen Sihanouk zu stellen. Trotz der im Livre noir geäußerten Empörung gab Pot äußerlich dem vietnamesischen Druck nach und verzichtete darauf, in Kambodscha einen eigenen bewaffneten Aufstand zu beginnen.[35]

Mao-Bibel, französischsprachige Erstausgabe von 1966

Großen Einfluss auf Pot hatte die darauf folgende Reise nach China im Jahr 1966. Hier, inspiriert durch den herrschenden Maoismus und den Beginn der Kulturrevolution, machte Pot sich dessen Ansichten zu eigenständiger Revolution, permanentem Klassenkampf und Voluntarismus zu eigen und sah im Großen Sprung nach vorn ein Vorbild für Kambodscha. Er beurteilte die vietnamesische Dominanz fortan negativ. Pot erlebte zu dieser Zeit neuartige Methoden der Kommunistischen Partei Chinas wie die Teilevakuierung von Städten, die Sturmattacke auf ökonomische Probleme und eine ranglose Armee, die von den Roten Khmer übernommen wurden. In dieser Zeit befreundete er sich mit Kang Sheng, der ihn auf die Wichtigkeit hinwies, verdeckte Feinde der Partei zu enttarnen und zu vernichten.[36][37] Neben Kang Sheng wurde Pot wahrscheinlich von Liu Shaoqi und Deng Xiaoping, die zu dieser Zeit für ausländische Delegationen zuständig waren, in Peking begrüßt. Für China war zu dieser Zeit die Allianz mit Sihanouk ungleich bedeutender als die Sache der WPK, weshalb sie Pot dazu rieten, sich vorerst hinter den Prinzen zu stellen. Wie bereits an Jugoslawien im Jahr 1950 beeindruckte Pot an China die hohe soziale Mobilisierung insbesondere in den Städten und den vergleichsweisen Fortschritt der postrevolutionären Gesellschaft, die in einem eklatanten Gegensatz zum vom Kriege gezeichneten Vietnam und ländlich geprägten Kambodscha standen. Neben der Mao-Bibel, deren rasante Ausbreitung Pot in China beobachten und deren Betonung des revolutionären Potenzials der einfachen Landbevölkerung er lesen und auf Kambodscha übertragen konnte, hatte eine Festschrift von Lin Biao vom September 1965 auf seine politische Bildung Einfluss. In dieser Verteidigung maoistischer Ideen wurde unter anderem betont, dass in der Dritten Welt die kommunistischen Revolutionen unabhängig und nicht durch größere sozialistische Länder gesteuert erfolgen sollten, sowie kapitalistische Städte durch revolutionär kontrolliertes bäuerliches Umland zu isolieren und besiegen seien. Revolutionäre Bewegungen in Thailand, Bolivien und den Philippinen beriefen sich in der Folge auf Lin Biao.[38]

Im Jahr 1965 entschied Sihanouk, die diplomatischen Beziehungen zu Amerika abzubrechen und Vietnamesische Volksarmee, Nationale Front für die Befreiung Südvietnams und die Volksbefreiungsarmee auf dem Sihanouk Trail operieren zu lassen, der den Ho-Chi-Minh-Pfad ersetzte. Danach kam es nicht nur innenpolitisch mit der Wahl Lon Nols zum Premierminister im Folgejahr zu einer bedrohlichen Verschärfung der Lage, sondern auch zum Übergriff des Zweiten Indochinakriegs auf kambodschanisches Territorium. Nachdem Sukarno die Massaker in Indonesien 1965–1966 an den Kommunisten nicht verhindern konnte, wuchs zudem die Besorgnis mit der Konstellation Sihanouk und Lon Nol in die gleiche Situation zu geraten. Bei der Rückkehr nach Kambodscha im September 1966 musste Pot daher sein Lager in die abgelegene Provinz Ratanakiri, in das Office 104, verlegen. Später floh das komplette Office 100 aus Kampong Cham dorthin, womit die Parteiführung an einem Ort versammelt war. Sie waren hier unter halbnomadischen und einfach lebenden Bergvölkern, den Khmer Loeu, die selbst der Regierung gegenüber feindlich eingestellt waren und sich in großer Zahl für die Sache gewinnen ließen.[39] Hier wie später andernorts ließen sich viele vom Argument Pol Pots überzeugen, die Probleme Kambodschas rührten von einem unüberwindlichen Stadt-Land-Konflikt her, der zugunsten der Landbevölkerung gelöst werden müsse.[40] Im September 1966 benannte sich die WPK in Kommunistische Partei von Kampuchea (CPK) um. Kiernan sieht darin eine Distanzierung von der Arbeiterpartei Vietnams und eine Annäherung an die Kommunistische Partei Chinas.[41]

In Abwesenheit von Sihanouk unterband Premierminister Lon Nol militärisch die Versorgung der in Kambodscha stehenden Vietcong durch die Landbevölkerung. Daraufhin kam es im März 1967 zum Aufstand von Samlaut in der Provinz Battambang, der größtenteils durch Bauern getragen wurde und sich auf benachbarte Provinzen fortpflanzte. Als Gegenreaktion zerschlug Sihanouk die Organisationsstrukturen der Kommunisten in den Städten. Pot setzte daher Ende 1967 ein Führungsseminar der CPK an. Der Beschluss war, sich primär politisch weiter aufzubauen und mit Milizen in erster Linie die Parteiführung zu schützen, und den lokalen Führern vor Ort die Entscheidung zu überlassen, sich an Kämpfen zu beteiligen. Am 17. Januar 1968 kam es zu einem von mehreren Überfällen von kommunistischen Milizen auf Armeeeinheiten, was die Rote Khmer später als ihre Geburt feierten. Die Lage in Kambodscha spitzte sich nach der Tet-Offensive weiter zu, Sihanouks außenpolitische Kehrtwende mit Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten Mitte 1969 scheiterte, das Militär unter Lon Nol bekriegte sich immer häufiger mit den Vietcong, anderen vietnamesischen Milizen und vereinzelten Widerstandsgruppen der Kommunisten. Zeitgleich befahl Richard Nixon die streng geheime Operation MENU und somit ein massives Flächenbombardement auf die Operationsgebiete der Vietcong in Kambodscha mit B-52-Bombern. All diese Ereignisse trieben den Roten Khmer weitere Rekruten zu, so dass sie bis Ende 1970 über 4.000 Kämpfer hatten. Pol Pots genauer Aufenthalt von Anfang 1968 bis Ende 1969, als er das zweite Mal nach Vietnam reiste, ist unbekannt. Auf der Flucht durch Kambodscha hat er sich wahrscheinlich in mehreren provisorischen Lagern an der Ausbildung und Erziehung der aufwachsenden Partei beteiligt.[42]

Kambodschanischer Bürgerkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Ende 1969 ist sein Aufenthalt in Nordvietnam gesichert. In den Livre noir berichtet Pot von einem Zerwürfnis mit der vietnamesischen KP über das Primat des Kriegs in Südvietnam, dem die kambodschanischen Kommunisten zuerst zu dienen hätten. Sein späteres Verhalten spricht eher dafür, dass er weiterhin der Linie Hanois folgte. Die Lage änderte sich abrupt, als der strikt antikommunistische Lon Nol die angesichts der Verwicklung in den Vietnamkrieg zusehends vietnamfeindliche Volksstimmung ausnutzte und im März 1970 während eines Auslandsbesuchs Sihanouks diesen absetzte, womit der Kambodschanische Bürgerkrieg seinen Anfang nahm. Danach wurden ihm von der Nationalversammlung Sondervollmachten verliehen, die Vietcong aufgefordert, binnen zwei Tagen das Land zu verlassen, und die Republik Khmer ausgerufen. Wahrscheinlich gemeinsam mit Phạm Văn Đồng kam Pot am 21. März 1970 in Peking an, zwei Tage nach Prinz Sihanouk, der hier im Exil lebte, da China als eines von wenigen Ländern die Republik Khmer nicht anerkannt hatte. Die Anwesenheit Pots wurde vor Sihanouk geheim gehalten. Da die Einheitsfront mit Sihanouk nicht mehr existierte und Lon Nol den Konflikt anschürte, kämpften die Vietcong und Teile der nordvietnamesischen Armee gemeinsam mit den kambodschanischen Kommunisten gegen Phnom Penh.[43]

Gegenüber den Roten Khmer beanspruchte die Vietcong und Hanoi die Führung und Initiative und hoben unter dem Banner Prinz Sihanouks schnell Truppen für die Front Uni National du Kampuchéa (FUNK) in der Landbevölkerung aus. Andererseits vertauschten sich die Rollen mitunter, wenn vietnamesische Kräfte bedrängt wurden und in Gebiete flohen, die die kambodschanischen Kommunisten kontrollierten. Zu dieser Zeit hatte angkar padevat (deutsch: Revolutionäre Organisation), wie sich die CPK nach außen nannte, knapp 3.000 Männer und Frauen in kleineren Kampfverbänden unter Waffen stehen, die sich über die Wälder der Provinzen Kampong Speu, Kampot, Battambang, Kratie und im Nordosten verteilten. Im April 1970 brach Pot von Hanoi über den Ho-Chi-Minh-Pfad nach Kambodscha auf. Als er nach sechs Wochen Office 102 erreichte, schickte er Ieng Sary in Funktion eines Verbindungsoffizier nach Hanoi, wo bereits Keo Meas mit ähnlicher Aufgabe agierte. Mittlerweile waren während der Cambodian Campaign von April bis Juli 1970 amerikanische und südvietnamesische Bodentruppen in Kambodscha eingerückt, während die vietnamesenfeindliche Stimmung unter Lon Nol zu ethnisch begründeten Massakern und vielen Freiwilligenmeldungen für die kambodschanische Armee geführt hatte. Vor diesem Hintergrund verlegten die Roten Khmer ihr Hauptquartier nach Phnom Santuk in der Provinz Kampong Thom, da hier das Zentralkommando der Vietnamesen lag, obwohl laut Livre noir bis Mitte 1971 die komplette Führung um Pot der Dominanz und Abhängigkeit von den Vietcong und Nordvietnam überdrüssig war. Zwar kam es vereinzelt zu kleineren Scharmützeln zwischen Vietcong und kambodschanischen Kommunisten, doch der Krieg gegen Lon Nol in den Jahren 1971–72 wurde überwiegend von Vietnamesen und unter vietnamesischem Kommando stehenden Kambodschanern geführt. Die im August 1971 begonnene Offensive Operation Chenla II der Regierungstruppen konnten die Kräfte der FUNK bis Dezember des gleichen Jahres entscheidend zurückschlagen. Lon Nol war von da an in der Defensive, vor allem auf Städte beschränkt, die sich mit immer mehr Kriegsflüchtlingen füllten. Von diesem Zeitpunkt an waren Pot und die restliche Parteiführung davon überzeugt, den Kambodschanischen Bürgerkrieg alleine und ohne vietnamesische Unterstützung für sich entscheiden zu können. Pot erhöhte den Organisationsgrad von angkar padevat und wies eine spezielle Verwaltungszone südlich und westlich der Hauptstadt aus. Vorn Vet bekam dieses Gebiet unterstellt, in denen Parteischulen errichtet und Kader sowie Kämpfer ausgebildet wurden. In den dortigen Schriften zur Indoktrination wurde immer wieder herausgehoben, dass einfache Bauern, Angehörige der unteren Mittelschicht sowie Arbeiter als Parteikader die Zukunft des Landes bestimmten und die kapitalistischen und feudalen Klassen verschwinden ließen. Im März 1972 gab Peking bekannt, dass Pot der militärische Stabschef in der FUNK sei, wo er die taktischen Entscheidungen den Militärs vor Ort überließ und die strategischen Fragen bestimmte. So entschied Pol Pot nach dem Vertrag von Paris, entgegen der Bitten Hanois, dem Waffenstillstand zwischen den Vereinigten Staaten, Süd- und Nordvietnam nicht beizutreten, und den Kampf der FUNK ab Januar 1973 ohne vietnamesische Unterstützung fortzuführen. Zum einen betrachtete die CPK den Vertrag von Paris als einen Verrat am gemeinsamen Kampf, zum anderen war für sie die Rückkehr zu einer rein politischen Organisation unter dem Regime von Lon Nol unvorstellbar. In der Folge entfernte die Partei alle aus Hanoi kommenden Kader aus der Organisation, wobei es zu Exekutionen kam. Beim Rückzug der vietnamesischen Truppen erfolgten erste Gefechte mit den Roten Khmer.[44]

Uniform der Roten Khmer

In den kontrollierten Gebieten wurden restriktive Sozial- und Erziehungsprogramme im Sinne der CPK umgesetzt. So wurden buddhistische Religionsausübung und andere kulturelle Traditionen unterdrückt, Jugendliche ihren Familien entzogen und in Gruppen für die Parteiorganisation verpflichtet, die Bevölkerung gezwungen, Uniform zu tragen, und die Bauern, in Kooperativen zusammenzuarbeiten. Außerdem kam es zu Zwangsumsiedlungen und ab 20. Mai 1973 zur Kollektivierung der Landwirtschaft und Verbot von Privatbesitz unter den Roten Khmer, was die Landflucht weiter erhöhte. Die Amerikaner, auf den letzten verbliebenen Kriegsschauplatz in Indochina konzentriert, starteten im März 1973 mit der intensivierten Nachfolgeoperation zu Operation MENU, Operation Freedom Deal, massive Luftangriffe auf die Roten Khmer. Dabei wurden bis August 1973 250.000 t Bomben abgeworfen, 10.000 Rote Khmer und schätzungsweise zwischen 30.000 und 250.000 Zivilisten getötet. Auf dem Land hatten diese Angriffe verheerende Auswirkungen, das zivile Leben kam zum Erliegen. Einerseits radikalisierte Operation Freedom Deal einen Teil der Bevölkerung, für die Roten Khmer zu kämpfen, andererseits flohen viele Menschen in die Städte unter Kontrolle von Lon Nol. Die CPK betrachtete die Landflüchtlinge als Verräter, was ihre ohnehin bestehende Feindschaft gegenüber den Städten erhöhte. Im Mai 1973 befahl Pot die erste Sturmattacke auf Phnom Penh. Diese scheiterte an amerikanischen Luftangriffen und im August 1973 an der Regenzeit. Die Roten Khmer hatten die bis dahin schwersten Verluste im Bürgerkrieg erlitten. Noch während Operation Freedom Deal das Land verheerte, kam es zu einem ersten Treffen von Pot und Sihanouk. Er blieb weiter im Verborgenen, denn als der Prinz Kambodscha betrat, begrüßte ihn eine Delegation aus Khieu Samphan, Hou Youn und Hu Nim stellte sich ihm im Stile einer Frontorganisation als die entscheidende Führung der FUNK im Kambodschanischen Bürgerkrieg vor. Erst zwei Tage später nahe Angkor traf Sihanouk den während der ganzen Versammlung wie scheu im Hintergrund bleibenden Pot, ohne von seiner Bedeutung zu ahnen.[45]

US-Marines bei der Evakuierung der Amerikanischen Botschaft am 12. April 1975

Anfang 1974 kam es zur zweiten Sturmattacke auf Phnom Penh, dessen Bevölkerung inzwischen auf über zwei Millionen angewachsen war und seit August 1973 ohne amerikanische Kriegsparteinahme dastand. Wegen der überraschend starken Gegenwehr der Regierungstruppen unter Lon Nol wurde der zweite Angriff auf die Hauptstadt mit schweren Verlusten im April 1974 abgebrochen, wobei beide Seiten keine Gefangenen mehr machten. Trotzdem gelang es ihnen, die Stadt immer mehr von der Außenwelt abzuschneiden und zum Beispiel die Transportwege nach Sihanoukville zu unterbrechen. Ende 1974 traf sich Pot mit Chou Chet, Parteisekretär für den Südwesten, um die Pläne für den dritten Sturmangriff auf Phnom Penh zu koordinieren und deren Umsetzung in einigen Kampfeinheiten selbst zu überwachen. Noch vor Jahresende 1974 war Phnom Penh ohne Straßenverbindung nach außen und im späten Januar 1975 nach Verlegung von chinesischen Seeminen im Mekong durch die Roten Khmer ohne Fluss als Verkehrsweg. Zu dieser Zeit, als der Sieg absehbar war, beschloss das Zentralkomitee der CPK die Maßnahmen nach Einnahme von Phnom Penh. Sie sahen die komplette Evakuierung von Phnom Penh und aller anderen Städte vor und die Deportation der dortigen Bevölkerung, die in den Augen der Roten Khmer Feinde der Revolution und im Falle der Flüchtlinge Verräter waren, auf das Land, um sie als Opposition auszuschalten und ihre Zwangsarbeit in der Landwirtschaft im zukünftigen Arbeiter-und-Bauern-Staat einzusetzen. Nachdem Ende März 1975 der Luftweg nach Phnom Penh ausgeschaltet war, trat Anfang April Lon Nol zurück und floh ins Exil, womit die Republik Khmer faktisch zu Ende war. Kurze Zeit später zog die Amerikanische Botschaft ab und evakuierte am 12. April in der Operation Eagle Pull Personal und Angehörige mit Hubschraubern. Am 17. April 1975 schließlich marschierten die Roten Khmer in Phnom Penh ein. Die Großmacht Amerika derart erniedrigt zu haben und der Umstand, dass dies zeitlich noch vor der Operation Frequent Wind in Saigon geschah, war für die Roten Khmer ein Erfolg, den sie sich fast ausschließlich selbst zuschrieben.[46]

Das Pol-Pot-Regime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Macht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Einmarsch in Phnom Penh setzten die Roten Khmer die radikalen, in der Isolation des Untergrunds ersonnenen, steinzeitkommunistischen Utopien des Zentralkomitees der CPK um Bruder Nummer Eins in die Wirklichkeit um. Der gesamten Bevölkerung der Hauptstadt, also allen khmang (deutsch: Feinde) und nay tun (deutsch: Kapitalisten), wurde befohlen, binnen eines Tages die Stadt zu verlassen. Sie galten über Nacht als new people oder Menschen des 17. April, von denen viele Tausende in den nächsten Wochen bei der Umsiedlung starben. Neben Phnom Penh wurde aus allen anderen Städten der früheren Republik Khmer in weniger als einer Woche die gesamte Bevölkerung deportiert, darunter Pots älterer Bruder und andere enge Verwandte, worauf er keine Rücksicht nahm. Pot betrat somit eine Geisterstadt, als er am 23. April 1975 Phnom Penh erreichte. Er ließ die Stadt militärisch sichern, einen großen Teil der Kapitulationsarmee von Lon Nol hinrichten und in einem Bahnhof das neue Hauptquartier einrichten. Im Mai 1975 ereignete sich mit dem Mayaguez-Zwischenfall die letzte bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Truppen der Vereinigten Staaten und den Roten Khmer. Im gleichen Monat eroberten die Roten Khmer einige vietnamesische Inseln im Golf von Thailand, ohne damit nennenswerte militärische Gegenreaktion auszulösen. Pot besuchte in dieser Phase Nordvietnam, China und Nordkorea und erarbeitete mit dem Zentralkomitee die Verfassung für die neue Republik. In Peking wurde sein Besuch vor der Öffentlichkeit geheim gehalten und ihm von Mao eine Milliarde US-Dollar an finanzieller Unterstützung zugesagt, während in Kambodscha die ersten von vermutlich 1.000 chinesischen Technikern und Facharbeitern als Hilfskräfte für die Roten Khmer eintrafen. Prinz Sihanouk, der offiziell immer noch Leitfigur der FUNK war, wurde erst im September 1975 auf chinesischen Druck hin von Pot nach Kambodscha gelassen.[47] Laut Berichten der wenigen Überlebenden, unter ihnen Heng Samrin, fand vom 20. bis 24. Mai 1975 eine Versammlung der zivilen und militärischen Führung Kambodschas in der Hauptstadt statt, zu der keine Protokolle erhalten sind. Hier wurde die dauerhafte Räumung aller Städte, das Verbot von Geld, Markt und Buddhismus sowie wahrscheinlich die Entsendung von Truppen an die vietnamesische Grenze beschlossen.[48]

Die CPK, deren Frontorganisation immer noch angkar padevat war, brauchte mehr als ein Jahr, um eine Verwaltung aufzubauen, wobei ihre Entscheidungen geheim und ihre Personen hinter Revolutionsnamen verborgen gehalten wurden. In den erhaltenen Sitzungsprotokollen des Zentralkomitees von Oktober 1975 bis Juni 1976 ist anfangs eine Aufgabenzuteilung festgehalten, die Formen eines Kabinetts hat. Am 9. Oktober 1975 wurde elf Männern und zwei Frauen protoministeriale Aufgabenverantwortung zugewiesen:[49]

  • Pol Pot als comrade secretary, Bruder Nummer Eins: Verteidigung,
  • Nuon Chea als comrade deputy secretary, Bruder Nummer Zwei: Parteiorganisation und Erziehung,
  • Ieng Sary: auswärtige Angelegenheiten
  • Son Sen: Geheimdienst und den militärischen Generalstab,
  • Non Suon: Landwirtschaft,
  • Chhim Samauk als Stabschef des Premiers
  • Vorn Vet: Wirtschaft,
  • Ieng Thirit: Soziale Angelegenheit.

Weitere Funktionen übten die Ehefrauen von Sen und Sary aus. Fünf der insgesamt 13 genannten Personen wurden bis 1978 Opfer der Exekutionen unter Pol Pot. Führungsfigur der Revolution war nach außen immer noch Sihanouk, von dem sich zu trennen die Roten Khmer unterließen, da der Prinz die Unterstützung Pekings hatte. Dies änderte sich im Januar 1976, als Sihanouks bedeutendster Gönner, Zhou Enlai, starb. Durch die Ereignisse in Kambodscha tief verschreckt reichte Sihanouk im März 1976 seinen Rücktritt bei angkar padevat ein. Pot verabscheute zwar Sihanouk, weil er das genaue Gegenteil seines Ideals vom Leben der einfachen Bauern und Arbeiter symbolisierte, andererseits wollte er ihn als patriotisches Identifikationssymbol im Lande halten, wo er ihn unter Kontrolle hatte. Die FUNK bestätigte daher seinen Rücktritt am 12. April 1976 und der Prinz lebte von da an unter Hausarrest. Weiter beschäftigte die Führung um Pot die Tatsache, dass Truppen Vietnams immer noch Teile Kambodschas kontrollierten.[50]

Demokratisches Kampuchea[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatsemblem Demokratisches Kampuchea
Verwaltungszonen Demokratisches Kampuchea (Quelle: Russell R. Ross (Hrsg.): Cambodia a country study. Federal Research Division 1990). Anders als auf der Karte eingetragen, gehören die Inseln Ko Chang, Ko Kut und Dao Phu Quoc nicht zu Kambodscha.

Im Januar 1976 wurde die Nationale Befreiungsfront (FUNK) aufgelöst und das Demokratische Kampuchea ausgerufen. Die Verfassung schrieb die Kollektivierung der Gesellschaft fest und identifizierte Angka mit den Volksinteressen.[51] Im April 1976 kam es zur Wahl der Versammlung der Volksrepräsentanten, die vor allem zur Beruhigung des Auslands abgehalten wurden. Während die Menschen des 17. April kein Stimmrecht hatten, wurden die 250 Kandidaten alle von angkar padevat gestellt und nicht nach Provinz, sondern Berufsgruppe aufgestellt. Erstmals öffentlich unter diesem Namen trat Pol Pot als „Arbeiter einer Kautschukplantage“ an und wurde zum Premierminister gewählt. Bis dahin hatte er sowohl Pol als auch Pot als Tarnnamen benutzt. Pol Pot hat keine unabhängige Bedeutung, anders als die revolutionären Kampfnamen, die sich die anderen Mitglieder des Zentralkomitees gaben. Die Versammlung der Volksrepräsentanten kam Mitte April 1976 zusammen, bestätigte die Regierung des Demokratischen Kampuchea und vertagte sich auf unbestimmte Zeit. Das offizielle Regime Pol Pots, seine Wahl zum Premierminister wurde am 14. April im Radio bekannt gegeben, begann sofort, das ganze Land nach seinen radikalen Ideen umzugestalten.[52][53][54]

Als Regierungsmitglieder fürchteten sich Pol Pot und die anderen noch mehr vor Attentaten und Umsturzversuchen, weshalb das Zentralkomitee stets gut bewacht im Verborgenen agierte, und ab Juli 1976 keine Protokolle oder andere Dokumente zu seinen Tagungen mehr existieren. Bis 1977 sind zwei Schwerpunkte erkennbar, die Umsetzung des Vierjahresplan zum Aufbau des Sozialismus in allen Feldern, den Pol Pot am 21. August 1976 dem Zentralkomitee präsentierte, und die politischen Säuberung von Republik und Partei. Die Morde wurden zu einem großen Teil im Befragungszentrum der Partei, Tuol Sleng, durchgeführt. Die sich bis zum Krieg zuspitzenden Spannungen mit Vietnam zu dieser Zeit führten dazu, dass Pol Pot umso rascher versuchte, den Vierjahresplan umzusetzen und sich von seinen Feinden zu befreien.[55]

Der Vierjahresplan basierte auf Pol Pots vier Grundprinzipien Kollektivismus, Autarkie, Revolutionswille und Stärkung der Armen, die den Weg in den Sozialismus ebnen sollten. Ziel war, die Reisexporte so weit zu erhöhen, um mit dem Handelsüberschuss in den Import von Gütern und Waren zu investieren, mit denen die eigene kaum vorhandene Industrie massiv ausgebaut und das dazu gehörende Proletariat geschaffen werden könne. Als Ideal galt hier die Schwerindustrie, die symbolisch in das Staatsemblem aufgenommen wurde, völlig unbeeindruckt von der Tatsache, dass in Kambodscha keine Erzvorkommen bestehen. Konterkariert wurde diese auswärtige Marktorientierung durch ihr völliges Verbot im Inneren, denn Geld, Handel und Privatbesitz wurden verboten. Selbst das Essen in der Familie wurde untersagt und fand für alle in kommunalen Speisehallen statt. Reis als einziges bedeutendes Exportgut wurde durch Pol Pot nahezu metaphysisch aufgeladen und als der Weg propagiert, die kambodschanischen Bauern aus ihrer Armut zu befreien. Typischerweise waren die Vorgaben, die Bruder Nummer Eins im Vierjahresplan machte, utopisch hoch und betrugen bei Reis 3 t pro Hektar, obwohl der Ertrag im Jahr vor Ausbruch des Kambodschanischen Bürgerkriegs weniger als 1 t betragen hatte. In den Provinzen Battambang und Pursat kam es nun zur Sturmattacke auf die Landwirtschaft, wobei mithilfe einer Million verschleppter Stadtbewohner bis 1980 140.000 Hektar Wald für den Reisanbau kultiviert werden sollten. In den nächsten zwei Jahren starben Zehntausende von ihnen an Hunger und Unterversorgung.[56]

Viele der Überlebenden berichteten später von einem gängigen Aphorismus der Parteikader zu den städtischen Zwangsarbeitern, den neuen Menschen: „Keeping [you] is no gain. Losing [you] is no loss.“ (deutsch: „[Dich] behalten ist kein Gewinn. [Dich] verlieren ist kein Verlust“)[57]

Die an Wunschdenken grenzenden Erwartungen an die Reisernte, gerade im Nordwesten mit seiner Million Zwangsarbeitern, erfüllten sich nicht und aus Unterernährung wurde mit Beginn 1977 immer öfter Hungertod.[57]

Obwohl Pol Pot und andere Mitglieder des Zentralkomitees Lehrer und keiner ein Bauer war, spielte Bildung im Vierjahresplan keine Rolle. Es wurden nur wenige Primärschulen und bis 1978 keine Sekundärschule eingerichtet, nichts zur Alphabetisierung der Landbevölkerung unternommen. Der Unterricht erfolgte vor allem mündlich und vermittelte Inhalte der Partei, während in Geschichte die Zeit vor der Revolution komplett ausgeblendet wurde. So hatte der Vierjahresplan keine Verwendung für Kultur jenseits von revolutionärer Schulung und Erziehung wie in Form von Liedern oder Gedichten und lehnte alle prärevolutionären Traditionen ab.[58]

Nach dem Tod Maos Anfang September 1976 kam es zu einer Führungskrise unter den Roten Khmer. Am 18. September verfasste Pol Pot eine öffentliche Gedenkschrift für ihn, betonte, wie viel er von Mao gelernt habe, und sprach erstmals öffentlich davon, dass Kambodscha von einer marxistisch-leninistischen Organisation regiert werde. Nur zwei Tage später wurde der Parteisekretär für den Nordosten, Ney Saran, verhaftet und wenig später die Parteigröße Keo Meas. Beide wurden später in Tuol Sleng ermordet, wahrscheinlich wollte Pol Pot Parteigrößen aus der älteren Generation ausschalten. Zeitgleich verkündete Pol Pot über Radio Phnom Penh seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen. Wahrscheinlich war dies ein weiteres Manöver, um zum einen das Ausland zu verwirren und zum anderen parteiinterne Gegner aus der Deckung zu locken, Tage später amtierte er wieder. Ein scharfer Streit in der Partei ging um die Frage, ob 1951, als die Partei noch vollständig von Vietnam kontrolliert worden war, oder 1960 als Gründungsjahr der CPK zu feiern sei. Obwohl Pol Pot die Absicht gehabt hatte, auf der Jubiläumsfeier zur Parteigründung am 30. September 1976 den Vierjahresplan vorzustellen und womöglich die Öffentlichkeit über die wahre Regierungspartei hinter angkar padevat aufzuklären, sagte er das Fest ab.[59]

Killing Fields[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Totenschädel im Inneren einer Stupa in Choeung Ek

Während es kaum Schriftliches zu den Regierungsentscheidungen der Roten Khmer gibt, sorgten sie selbst dafür, dass ihre Massenmorde in Killing Fields wie Choeung Ek gut dokumentiert sind. Aus Tuol Sleng sind 4.000 Geständnisse der gefolterten Insassen erhalten. Allein hier wurden 14.000 Kambodschaner inhaftiert, durch Folter zu einem Geständnis gezwungen und, bis auf ein halbes Dutzend Überlebende, getötet. Die hinter den Verhören und Morden stehende Verschwörungstheorie von Pol Pot ähnelte der der Schauprozesse während des Großen Terrors und der Kampagne gegen wurzellose Kosmopoliten von 1948–53. Um die Parteiführung, auf deren Order die Killing Fields eingerichtet worden waren, zufriedenzustellen, entwickelten Lagerleiter wie Kaing Guek Eav besonderen bürokratischen Eifer und dokumentierten ihre Massenmorde mit den schriftlichen Geständnissen der gefolterten und anschließend hingerichteten Opfer. Pflichtgetreu schickten die Lager die Berichte über Son Sen an die Parteizentrale K-1. Dort wurden diese Texte miteinander abgeglichen, vermeintliche verschwörerische Netzwerke mit Vietnam oder der CIA identifiziert und deren Mitglieder auf den Killing Fields hingerichtet, wobei weitere Geständnisse entstanden. Von 1975 bis Anfang 1976 waren es vor allem Soldaten des früheren Lon-Nol-Regimes und Kambodschaner mit Verbindungen nach Nordvietnam, die zu Opfern der Killing Fields wurden. Nachdem im Mai 1976 einige Soldaten Munition verschossen hatten, deswegen verhaftet und in Tuol Sleng verhört wurden, begann die politische Säuberung, die sich vor allem gegen die Parteikader aus dem Osten des Landes richtete, die unter Führung von Sao Phim eine nachgiebigere Haltung gegen Vietnam befürwortet hatten. Der Eliminierung der langjährigen politischen Weggefährten Saran und Meas folgte bis Ende des Jahres noch die des Botschafters in Hanoi, Sien An, und seiner Frau sowie des früheren Mitglieds des Zentralkomitees Keo Moni. Auch Funktionäre der früheren Frontorganisation Pracheachon wurden nun Opfer der Killing Fields. Im Dezember 1976 rief Pol Pot zu einem Führungsseminar der Partei. Anders als bisher bei Anlässen dieser Art entbehrten seine Reden nun des Triumphalismus ob der erfolgreichen Revolution. Er sprach von Feinden und Verrätern als Mikroben innerhalb der Partei, die, unbeseitigt, die CPK in ihrer Existenz gefährdeten. Zum Schutz solle die Partei weiterhin der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Für Ernteausfälle machte er die vertriebene Stadtbevölkerung verantwortlich, die in einigen Gegenden die Produktion leitete, weil keine Parteikader zur Verfügung standen.[60] Um die für Verrat vorgeblich anfälligeren Parteikader im Osten unter Druck zu setzen und sie durch Kommunisten aus dem Südwesten ersetzen zu können, beschloss die Führung bei diesem Treffen für die östliche Verwaltungszone besonders hohe Vorgaben bei der Reisproduktion.[61]

Kurz nach dem Führungsseminar im Januar 1977 wurden die hohen Parteifunktionäre Touch Phoeun und Koy Thuon, denen im April Informationsminister Hu Nim folgte,[62] verhaftet und auf den Killing Fields gefoltert und verhört. Um ihr angebliches CIA-Netzwerk in der Partei zu zerstören, wurden in der Folge viele Menschen aus dem persönlichen Umfeld von Phoeun und Thuon eliminiert, die einen Großteil der Intelligenzija der Partei ausmachten. Viele Parteikader im Norden fielen dieser Säuberungswelle zum Opfer und wurden durch Kommunisten aus dem Osten ersetzt. Noch während Phoeun und Thuon in Duol Sleng den Tod fanden, besuchte Pol Pot die nordwestliche Verwaltungszone. Danach wurde hier die lokale Parteiführung in den Killing Fields getötet und durch Parteimitglieder aus dem Südwesten ersetzt, die unter Kontrolle von Ta Mok standen. Dieser vertrat die Linie Pol Pots mit besonderer Brutalität, und neben Parteikadern fielen seinen Morden neue Menschen zum Opfer, die die utopischen Erntevorgaben nicht erfüllten. Bis Mitte 1977 waren die Killing Fields ein wesentlicher Teil der Regierungsarbeit Pol Pots, die durch die Geständnisse unter Folter und die dadurch immer zahlreicher aufgedeckten angeblichen Verschwörungsnetzwerke eine kaum zu bremsende Eigendynamik entwickelte. In den Jahren 1977–78 wurden angebliche Verschwörer im direkten Umfeld Pol Pots und anderen Führern enttarnt und samt ihrer Familien ermordet. Dies wiederum verstärkte die Verfolgungsängste Pol Pots, der fortan außer der Säuberung der Partei kaum mehr Ziele verfolgte, während die Basis der CPK aufgrund der Massenmorde immer schmaler wurde. Er lebte mit seinem Personal, viele von ihnen Angehörige der Bergvölker, in ständig wechselnden Unterkünften, scheute öffentliche Auftritte und, Attentate fürchtend, besuchte Parteiversammlungen nur, wenn alle Teilnehmer eine Waffenkontrolle durchliefen. Selbst vermeintliche Fehler wie einen Ausfall der Strom- oder Wasserversorgung in seiner Dienststelle stellte er in einen verschwörerischen Kontext und ließ das entsprechende Aufsichtspersonal töten.[63] Insgesamt legt die Analyse der Geständnisse aus Tuol Sleng nahe, dass drei Viertel der Opfer nicht wegen ihrer Aktivitäten, sondern aufgrund ihrer persönlichen Verbindungen in die Killing Fields verschleppt wurden.[64]

Berichte über die Killing Fields erreichten die Außenwelt vermehrt ab 1977. Der französische Missionar François Ponchaud veröffentlichte in diesem Jahr das Werk Cambodge année zéro, das auf Analysen der Aussagen von kambodschanischen Flüchtlingen sowie Meldungen des Radioprogramms des Demokratischen Kampuchea. Von einigen Seiten wurde dieses Buch kritisiert, da es dem Zwecke antikommunistischer Rhetorik diene. Ab 1979, nach Entmachtung der Roten Khmer, stellten sich die meisten der Aussagen Ponchauds als wahr heraus, so dass noch im gleichen Jahr Tuol Sleng in ein Genozid-Museum umgewidmet wurde. Ein Jahr später erreichten die ersten Geständnisse aus Tuol Sleng die westliche Welt, womit die Verbrechen des Pol-Pot-Regimes außer einigen wenigen hartnäckigen Anhängern niemand mehr bezweifelte.[65]

Krieg mit Vietnam und Sturz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicolae Ceaușescu mit Pol Pot, 1978

Seitdem die Roten Khmer an der Macht waren, kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit Vietnam. Dies hing nicht nur mit dem verzögerten Abzug der Vietcong vor allem aus Kambodschas Nordosten zusammen, sondern auch mit dem Nationalismus des Regimes, der Sorge vor Autonomieverlust wegen der Dominanz Hanois in Indochina und einem Disput um die Seegrenze zwischen beiden Staaten, was durch kurz zuvor entdeckte Erdgasvorkommen in diesem Gebiet verschärft wurde. Die in einem Freundschaftsvertrag im Juli 1977 gipfelnde Annäherung zwischen Laos und Vietnam betrachtete Pol Pot mit großer Sorge. Militärische Unterstützung durch das zunehmend antivietnamesisch orientierte Peking sorgte ab Ende 1976 dafür, dass die Roten Khmer gefechtsfähiger wurden und mit Jahresbeginn 1977 vermehrt Angriffe auf Vietnam vor allem im Südwesten wagen konnten. Parallel dazu wies die Parteiführung an, alle ethnischen Vietnamesen, inklusive der mit Kambodschanern verheirateten, den Sicherheitskräften zu übergeben, die diese auf den Killing Fields töteten. Im März 1977 wurden die Militärkräfte im Osten von der Arbeit in der Landwirtschaft abgezogen und für den Angriff auf zwei Städte in der Provinz Kiên Giang eingesetzt. Ein Waffenstillstandsangebot aus Hanoi lehnte Pol Pot im Juni 1977 ab. Im August 1977 begann der Beschuss vietnamesischen Territoriums mit Artillerie und in der Provinz Tây Ninh kam es zu kleineren Invasionen der Roten Khmer, bei denen Teile der Zivilbevölkerung Massakern und Verschleppung zum Opfer fielen. Auf Druck aus Peking und womöglich Pjöngjang hin enttarnte Pol Pot am 27. September 1978 die CPK als eigentliche Macht hinter der Frontorganisation angkar padevat in einer fünfstündigen Ansprache auf Radio Phnom Penh. Ein Schwerpunkt der Rede war die Darstellung der Parteiarbeit und ihrer zugrundeliegenden Strategien der Jahre von 1960 bis 1975 sowie der Kerngedanken Pol Pots wie Kollektivierung und Befreiung der einfachen Landbevölkerung aus Armut und vermeintlicher Unterdrückung. Am Ende ging er auf die postrevolutionäre Phase seit 1975 ein und sprach davon, dass seitdem aufgetretene Mängel reaktionären Elementen geschuldet seien, die 2 % der Bevölkerung ausmachten.[66]

Am 28. September 1977, zwei Tage bevor seine Rede vom Vortag im Radio gesendet wurde, erreichte Pol Pot Peking, wo er von Hua Guofeng und Deng Xiaoping empfangen wurde. Die Fotografien von diesem Ereignis waren die ersten öffentlich zugänglichen Aufnahmen von Pol Pot und ermöglichten in der Folge Experten, ihn als Saloth Sar zu identifizieren. Motive für diese Reise und den öffentlichen Auftritt waren zum einen, Vietnam zu signalisieren, dass China angesichts der immer größer werdenden Spannungen zwischen Hanoi und Peking fest an der Seite Kambodschas steht, zum anderen dem Pol-Pot-Regime ein menschliches Antlitz zu verleihen, da im Ausland ob der Menschenrechtsverletzungen und Hungersnot in Kambodscha Vorwürfe laut wurden. Am 4. Oktober reiste er mit seiner Delegation weiter nach Nordkorea. Zu diesem Anlass sendeten die nordkoreanischen Medien als erste weltweit eine Kurzbiographie zu Pol Pot, die typischerweise niemals im Demokratischen Kampuchea ausgestrahlt wurde. Noch während dieser Reise marschierten vietnamesische Truppen als Vergeltung für die Angriffe auf Tây Ninh in Kambodscha ein, wobei dieser militärische Konflikt der Außenwelt weiterhin verborgen blieb.[67] Am 25. Dezember 1977 beschloss das Zentralkomitee unter Pol Pot die diplomatischen Beziehungen zu Vietnam zu beenden, dessen Truppen mittlerweile bis zu 20 km innerhalb Kambodschas standen. Knapp zwei Wochen später zogen sich die vietnamesischen Truppen hinter die Grenzen zurück, was die Propaganda in Kambodscha als historischen Sieg feierte. Kurz darauf besuchte Pol Pot die östliche Verwaltungszone, wo die Truppen Hanois am tiefsten nach Kambodscha eingedrungen waren. Er gratulierte den dortigen militärischen Führern zu ihrem Kampfesmut und ordnete, zurück in Phnom Penh, ihre Ermordung an. Anders als von Vietnam beabsichtigt, führten Invasion und Rückzug nicht zu stärkerer Verhandlungsbereitschaft der kambodschanischen Führung, sondern radikalisierten deren Kurs noch weiter. Am 17. Januar 1978 berief sich Pol Pot in einer Rede auf die Weltmeinung, nach der Kambodscha Vietnam genauso besiegen und vernichten werde wie die Vereinigten Staaten im Jahr 1975. Bis zum Februar 1978 überfielen Rote Khmer wiederholt Orte in Vietnam, wobei sie verbrannte Erde hinterließen und Massaker an der Bevölkerung verübten.[68]

Mit Beginn der vietnamesischen Offensive ab November 1977 öffnete Pol Pot zum einen Kambodscha zusehends, um außenpolitisch Unterstützung gegen Hanoi zu bekommen. Offizielle Besuchsdelegationen aus Burma, Malaysia, Rumänien und Skandinavien sowie Kader prochinesischer marxistisch-leninistischer Parteien aus Australien, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien und Japan kamen ins Land und wurden mitunter von ihm persönlich begrüßt. Im März 1978 durften jugoslawische Pressevertreter als erste ausländische Journalisten das Demokratische Kamputschea besuchen. Es kam dabei zu einem kurzen Interview mit Pol Pot, einem von nur äußerst wenigen während seiner Herrschaft.[69] Das Interview mit dem jugoslawischen Fernseh-Team war dabei Teil einer Kurzbiographie. Seine durch die familiären Verbindungen zum Palast relativ privilegierte Herkunft und den wahren Namen verheimlichte Pol Pot. Nachdem das Interview im französischen Fernsehen ausgestrahlt worden war, konnte ihn sein früherer Mentor, Keng Vannsak, als Saloth Sar identifizieren. Andere Maßnahmen Phnom Penhs angesichts der vietnamesischen Offensive waren, neben Fortsetzung der Massenmorde sowie Sammlung von Geständnissen in den Killing Fields, Lockerungen gegenüber den Menschen des 17. April. In den Kommunen wurden Primärschulen, die Lesen und Schreiben sowie einfache Mathematik unterrichteten, gegründet, die Zwangsarbeiter bekamen mehr freie Zeit und die Einteilung der Menschen in solche mit vollen Rechten, Kandidaten, und Forderungen wurde im Mai 1978 aufgehoben. Zudem wurden alle Kambodschaner amnestiert, die vor Gründung des Demokratischen Kampuchea angeblich Verbindung zu ausländischen Nachrichtendiensten oder Lon Nol und Sihanouk gehabt hatten. Seit 1976 waren hunderte gut ausgebildete Kambodschaner in das Land gekommen, um sich den Roten Khmer anzuschließen. Viele von ihnen und alle aus den Vereinigten Staaten starben in den Killing Fields oder den späteren Arbeitslagern in Kampong Cham. 15 von ihnen wurden freigelassen und gründeten unter der Leitung von Thion Mumm eine technische Fakultät. Ob die Roten Khmer mit diesen Maßnahmen das Land gegen Vietnam einen wollten, oder Gegner des Regimes aus der Deckung gelockt werden sollten, bleibt unklar. Trotz dieser Amnestien erhöhte sich in den Killing Fields, deren Todesmechanismus ein Eigenleben entwickelt hatte, die Anzahl der Opfer. In Tuol Sleng kamen in den ersten sechs Monaten des Jahres 1978 bereits mehr Menschen ums Leben als im gesamten Vorjahr. In der zweiten Jahreshälfte wurden in der östlichen und nordöstlichen Verwaltungszone massive politische Säuberungen durchgeführt, die die Parteikader, Soldaten und deren Familien betrafen, die verantwortlich für das Vorrücken der vietnamesischen Streitkräfte gemacht wurden. Allein diese Maßnahmen forderten mehr als 100.000 Tote. Viele weitere starben, als die Zivilbevölkerung aus den Gebieten verschleppt wurde, die in Marschrichtung der Vietnamesen lagen und diesen nicht in die Hände fallen sollten. Führende Parteikader, die während des Jahres 1978 hingerichtet wurden, waren unter anderem Vorn Vet, Chou Chet und Muol Sambath, die seit den 1950er Jahren enge Vertraute Pots gewesen waren. Pots Motive für diese Exekutionen sind nicht geklärt, möglicherweise ausschlaggebend waren unterschiedliche strategische Ansichten oder die bewusste Aufrechterhaltung politischer Instabilität, um das Momentum beizubehalten und das Land von einer sozialistischen in eine kommunistische Gesellschaftsform zu überführen, wie es der Maoismus vorsieht.[70]

Büste Pol Pots im Tuol-Sleng-Genozid-Museum

Für die zweite Hälfte des Jahres 1978 gibt es Hinweise darauf, dass es Pol Pot entgegen der bis dahin gezeigten Schweigsamkeit und Verborgenheit in der Öffentlichkeit um die Einführung eines Personenkults ging, der im Vergleich zu dem um Mao oder Kim Il-sung abgeschwächt war. Dies war dem sozialen Druck einiger seiner Anhänger und Weggefährten geschuldet, die von seiner Politik profitiert hatten. So wurden bis Mitte des Jahres 1978 in allen kommunalen Speisehallen großformatige Fotografien Pol Pots aufgehängt, und in Dokumenten, die vorher stets die Führung der Partei insgesamt gepriesen hatten, war es jetzt Pol Pot, dessen hellsichtige Regierung gelobt wurde. Nach dem Sturz der Roten Khmer wurden zudem in Tuol Sleng mehrere Ölgemälde und Gussformen für Büsten von Pot gefunden. Ein Grund für diese Änderung könnte gewesen sein, mit einer mehr personalisierten Führung das Land im Kampf gegen Vietnam zu einen, wie es unter ähnlichen Bedrohungslagen in Nordkorea und China geschehen war. Trotzdem blieb Pot gemeinsam mit Nuon Chea der verborgenste kambodschanische Führer seit dem Zweiten Weltkrieg.[71]

Im September 1978 berief Pot einen einwöchigen Parteikongress ein, an dem 60 Kader teilnahmen. In seiner Rede zum Jahrestag der Gründung der CPK, die später in der Parteizeitung Tung Padevat veröffentlicht wurde und somit als eine von wenigen dokumentiert ist, stellte er einen neuen Vierjahresplan vor, um gegen Vietnam zu bestehen. Pot forderte die Schaffung von Modell-Kooperativen nach dem Vorbild des chinesischen Dazhai und formulierte das Ziel, dass bis 1980 ein Drittel aller Genossenschaften selbstversorgend sein solle. Ferner führte er aus, dass sich die Lebensgrundlagen für 90 % der Bevölkerung verbessert habe und mehrere neu gegründete Industriebranchen neu gegründet worden seien. Von diesen hatten etliche bereits unter der Herrschaft Sihanouks bestanden und waren lediglich mit Unterstützung aus Nordkorea und China saniert worden. Die Niederlage Vietnams stellte er aus unausweichlich dar und konstatierte, Hanoi habe nichts aus der Geschichte und den Niederlagen von Napoleon, Hitler und amerikanischen Imperialisten gelernt.[72]

Am 22. Dezember 1978[73] – unmittelbar vor dem Einmarsch vietnamesischer Truppen und dem darauf folgenden Zusammenbruch des Regimes – traf Pol Pot mit Elizabeth Becker und Richard Dudman aus den Vereinigten Staaten zusammen. Sie waren die ersten Journalisten aus einem nichtsozialistischen Land, die das Demokratische Kampuchea besuchen durften. Sie wurden dabei vom britischen Gelehrten Malcolm Caldwell begleitet, der ein Anhänger der Roten Khmer war und mehrere Schriften zur Verteidigung ihres Regimes verfasst hatte. Die Fragen, die unter anderem die Menschenrechtsverletzungen, das Schicksal von Sihanouk oder die Identität der Regierungsmitglieder betrafen, waren im Vorwege übermittelt worden. Pol Pot ging in dem Gespräch nicht auf sie ein, sondern führte einen mehrstündigen Monolog. Erst danach konnten Becker und Dudman einige Fragen stellen, die zumeist ignoriert wurden. Becker meinte später, anstelle eines Interviews habe sie eine Vorlesung erhalten.[73] Inhaltlich stellte Pol Pot in erster Linie die Bedrohung Kambodschas durch vietnamesische Aggression dar. Möglicherweise in der Hoffnung, ähnlich wie der prochinesische und moskaukritische Nicolae Ceaușescu in Washington auf Sympathien zu stoßen, behauptete er, der Warschauer Pakt stehe gegen Kambodscha und regte ein Eingreifen der NATO an. Ihr Begleiter Caldwell wurde wenige Stunden nach seinem Gespräch mit Pol Pot, in dem es um Agrar- und sozialistische Wirtschaftspolitik gegangen war, im Hotel unter ungeklärten Umständen erschossen. Eine Verantwortung von Pot für diesen Mord ist laut seinem Biographen Chandler eher unwahrscheinlich.[74]

Im Untergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Dezember 1978 startete Vietnam mit 14 Divisionen und der Unterstützung von 15.000 vor den Roten Khmern geflohenen Kambodschanern, unter ihnen der spätere Ministerpräsident Hun Sen, eine Großoffensive in Kambodscha.[75] Die waffentechnisch unterlegenen kambodschanischen Truppen wurden trotz couragierter Gegenwehr schnell ausmanövriert. Noch am 29. Dezember 1978 gab Pot einer marxistisch-leninistischen Delegation aus Kanada ein dreistündiges Interview und sprach dabei von der bevorstehenden Niederlage Vietnams, das durch den Warschauer Pakt unterstützt werde. Am 5. Januar traf er sich nach Veröffentlichung einer aufwühlenden Stellungnahme gegen Vietnam und sowjetischen Expansionismus nachmittags mit Sihanouk, der drei Tage zuvor einem Entführungsversuch durch ein vietnamesisches Spezialkommando knapp entkommen war. Pot überzeugte den Monarchen davon, am nächsten Tag mit einem chinesischen Flugzeug das Land zu verlassen und sich bei den Vereinten Nationen für das Regime der Roten Khmer einzusetzen. Mit einer sehr großen Landkarte ausgestattet, stellte er Sihanouk zudem dar, wie die Truppen Vietnams in den nächsten zwei Monaten zu vernichten seien. Am folgenden Nachmittag verließ Sihanouk mit dem letzten abgehenden Flug vor Einnahme Phnom Penhs das Land. Nur wenige Stunden vor dem Einrücken der vietnamesischen Truppen in die Hauptstadt, gegen 09:00 Uhr am 7. Januar 1979, transportierten zwei Helikopter Pot und seine engsten Vertrauten in das Exil nach Thailand. Die Reste der kambodschanischen Armee, um die 30.000 Mann, flohen mit ungefähr 100.000 Landbewohnern und Wehrpflichtigen nach Nordwesten in das bewaldete Grenzgebiet zu Thailand, wobei Tausende an Mangelernährung und in Gefechten starben. Dieser Fluchtbewegung schlossen sich viele Parteikader an, während diejenigen, die in ihren Dörfern verblieben, oft von den Bewohnern umgebracht wurden.[76]

Damit war die Schreckensherrschaft Pol Pots de facto zu Ende. Schätzungen über die Gesamtzahl der Opfer divergieren stark, Kiernan vom Genocide Studies Program der Yale University gibt sie mit mehr als 1,6 Millionen von knapp 8 Millionen Gesamtbevölkerung an.[77] Eine konservative Schätzung durch Michael Vickery anhand von Bevölkerungsstatistiken von Angus Maddison geht von 750.000 aus.[78] Chandler führt als untere Grenze 800.000 bis 1 Million Opfern aus, wobei die Toten des Krieges gegen Vietnam nicht mitgezählt werden. Als wahrscheinlich gibt er an, dass bei diesem Autogenozid mehr als 1 Millionen an den Folgen der Massenvertreibung, also an Hunger, Überarbeitung und mangelhafter medizinischer Versorgung starben. Mehr als 100.000 weitere Kambodschaner wurden als Staatsfeinde hingerichtet. Von diesen Exekutionen waren insbesondere auf dem Land etliche impulsiven Überreaktionen junger Parteikader geschuldet, während die Morde in Tuol Sleng und anderen Foltergefängnissen planvoller erfolgten. Im Krieg mit Vietnam starben zusätzlich Zehntausende Kambodschaner.[79] Der Demograph Marek Sliwinski sowie statistische Analysen von Vincent Heuveline und Bruce Sharp kommen auf eine Opferzahl von über 2 Millionen. Der frühere Premierminister Lon Nol sprach später von 2,5 Millionen Toten und Pen Sovan, der erste Generalsekretär der Kampucheanischen Revolutionären Volkspartei, nannte 3,1 Millionen Opfer, was die offizielle Position Hanois widerspiegelte.[80] Der amerikanische Polititkwissenschaftler Rudolph Joseph Rummel definiert die Gewalterrschaft der Roten Khmer als einen Demozid und gibt für den Zeitraum von 1975 bis 1987 eine Opferzahl von 2,85 Millionen an.[81] Mit Sicherheit wusste Pol Pot von den Vorgängen in Tuol Sleng, und wahrscheinlich waren ihm die katastrophalen Zustände auf dem Land bekannt. Er sah sich selbst als einen Führer zu Kriegszeiten und war nicht in der Lage menschliches Leid nachzuempfinden, sondern sah es als notwendig an für das Überleben der Partei. Später machte Pol Pot für die Exzesse, die er versucht habe zu minimieren, „Kambodschaner mit vietnamesischem Geist“ verantwortlich. Das von Vietnam kontrollierte Kambodscha machte ihm noch im Jahr 1979 den Prozess und verurteilte ihn und Ieng Sary im August des gleichen Jahres in Abwesenheit zum Tode. Zu dieser Zeit wurde Pol Pot weltweit eine Mediensensation und war bald ein Synonym für Genozid und Chaos, das die schlimmsten Ängste vor dem Kommunismus verkörperte. Versuche westlicher Menschenrechtsaktivisten in den 1980er Jahren, Pol Pot vor den Internationalen Gerichtshof zu bringen, scheiterten, da Thailand eine Auslieferung ablehnte und Peking und Washington dagegen opponierten. Nach dem Erfolg des Films The Killing Fields – Schreiendes Land wurde die Patronage von Pol Pot für die Vereinigten Staaten immer lästiger, aber vor dem Hintergrund von Realpolitik aufrechterhalten.[82]

Nach der Eroberung von Phnom Penh am 7. Januar 1979 schuf Hanoi die Volksrepublik Kampuchea mit pro-vietnamesischer Regierung unter Führung von Heng Samrin, einem Roten-Khmer-Abtrünnigen, und anderen Kambodschanern, die nach Vietnam exiliert waren.[75] Dieser Satellitenstaat wurde international auf Drängen von China und den Vereinigten Staaten isoliert und außer durch Vietnam nur von der Sowjetunion und ihren Verbündeten sowie Indien unterstützt. Mit Hilfe ihrer Verbündeten, wie zum Beispiel den ASEAN-Staaten, erreichten Peking und Washington, dass bei den Vereinten Nationen weiterhin Vertreter des geflohenen Pol-Pot-Regimes Kambodscha repräsentierten, was ein historisch einmaliger Vorgang ist. Dadurch war die bettelarme Volksrepublik Kampuchea von Entwicklungshilfe durch die Weltgemeinschaft abgeschnitten. Thailand, das nach der Einnahme Phnom Penhs selbst eine vietnamesische Invasion fürchtete, verständigte sich im Januar 1979 mit China darauf, die Roten Khmer aufzunehmen, wenn Peking im Gegenzug die Unterstützung der Guerilla der Kommunistischen Partei Thailands beendete. Über den weiteren Verbleib Pol Pots im Jahr 1979 ist wenig bekannt. Erst gegen Jahresende tauchte er wieder auf und wurde in einem befestigten Lager im Osten Thailands fotografiert. Dieses Camp, das mehrfach verlegt wurde, wurde später als Office 87 bekannt, was auf die frühere Tarnbezeichnung 870 für das Zentralkomitee der kambodschanischen Kommunisten anspielt.[83] Dort gab er im Dezember 1979 mehrere Interviews mit Journalisten aus Japan, Schweden und den Vereinigten Staaten, was bis 1997 sein letzter Kontakt mit der Presse war. Hier offenbarte er erstmals seine wahre Identität als Saloth Sar und beschuldigte Vietnam, verantwortlich für die Millionen Toten zu sein, die es während seiner Herrschaft gegeben hatte. Lediglich ein Gespräch mit einem seiner Anhänger im Januar 1981 ist überliefert und erlangte Bekanntheit, weil er darin auf den Autogenozid einging und für ihn in Vietnam geschulte Kader verantwortlich machte, die ihn nicht über die katastrophalen Zustände informiert hätten. Kurz nach den Interviews gab er seinen Rücktritt als Premierminister des Demokratischen Kampuchea bekannt und ernannte Khieu Samphan zu seinem Nachfolger. Wahrscheinlich erfolgte dieser Schritt, weil Pol Pot eine zu große Belastung für die Öffentlichkeitsarbeit der Exilregierung geworden war.[84]

Bis Ende 1979 hatten sich mehr 100.000 Rote Khmer, davon etwa die Hälfte Kampftruppen und Unterstützungskräfte, nach Thailand abgesetzt, wo sie zum Teil in provisorischen Flüchtlingslagern mit Kambodschanern zusammenlebten, die zuvor vor ihrem Regime geflohen waren. Bis Mitte 1980 organisierten sie eigene, streng disziplinierte Lager, während 300.000 kambodschanische Flüchtlinge Thailand verließen und in anderen Ländern Asyl suchten. Pol Pot, der über die Reste seiner Armee und ungefähr 100.000 weitere Anhänger kommandierte, wurde im Exil außer durch Thailand von China und den Vereinigten Staaten unterstützt, weil sie seine Feindschaft gegenüber Vietnam teilten. Da das Hauptziel von Pol Pot die Vertreibung Vietnams aus Kambodscha war, stellte für ihn dieser Verlust an Autonomie kein Problem dar.[85]

Camps der Roten Khmer, FUNCINPEC und KPNLF an der thailändischen Grenzen 1979–84

Im Jahr 1981 führte der weltweite Abscheu gegen Pol Pot und die Ablehnung der vietnamesischen Besatzung durch viele kambodschanische Flüchtlinge dazu, dass die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten darauf drängten, eine nichtkommunistische Koalitionsregierung im Exil zu bilden und keine Roten Khmer mehr als Repräsentanten zur UN zu entsenden. Das Zentralkomitee reagierte darauf im Dezember 1981 mit der vermeintlichen Auflösung der CPK, wobei jedoch die meisten der Führungsmitglieder ihre Positionen behielten. Mitte 1982 kam es schließlich zur Bildung einer Regierungskoalition, die von den Kommunisten dominiert wurde. Die beiden anderen Fraktionen wurden von Sihanouk, der im Jahr zuvor die FUNCINPEC gegründet hatte, und Son Sann geleitet. Sann war Ende der 1960er Jahre Premierminister von Kambodscha gewesen und hatte im Jahr 1979 im Kampf gegen Phnom Penh die antikommunistische Volksbefreiungsfront der Khmer (KPNLF) ins Leben gerufen. Premierminister Khieu Samphan fungierte gemeinsam mit Son Sen im Ausland als Sprecher des Demokratischen Kampuchea. Von Thailand aus wurde der Guerillakrieg gegen die Vietnamesen und die Volksrepublik Kampuchea vor allem während der Regenzeit und der damit verbundenen eingeschränkten Beweglichkeit schwerer Waffen fortgesetzt, wobei die Roten Khmer die kampfstärkste Miliz bildeten. Eingenommenes Territorium konnte nie lange gehalten werden und die Truppen der Koalitionsregierung wurden stets von der vietnamesischen Volksarmee und den Streitkräften Kambodschas wieder hinter die Grenze nach Thailand zurückgeworfen. Eine Ausnahme bildete die grenznahe Bergregion Phnom Malai in der kambodschanischen Provinz Banteay Meanchey, die länger gehalten werden konnte und in die Pol Pot zeitweise sein Hauptquartier verlegte.[86][75][87] Die Nachwuchsgewinnung erfolgte in den Flüchtlingslagern in Thailand, die von der Exilregierung kontrolliert und vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen finanziert wurden.[88]

Aus der Zeit von 1981 bis Ende 1986 sind keine Reden oder Schriften Pol Pots bekannt, sondern es existieren lediglich zwei Fotografien von ihm. Bis auf einen Krankenhausaufenthalt in China im Jahr 1985 hielt er sich laut Chandler die ganze Zeit in geschützten Lagern im Grenzgebiet von Kambodscha und Thailand auf. Der Politikwissenschaftler Kelvin Rowley andererseits gibt an, dass sich das Office 87 in Bo Rai befand und Pol Pot wiederholt nach Bangkok und Peking reiste, sowohl um seinen sich verschlechternden Gesundheitszustand behandeln zu lassen, als auch um politische Gespräche zu führen.[89] Bis zum Jahr 1985 war er der oberste Befehlshaber der Milizen des Demokratischen Kampuchea. Im August dieses Jahres wurde seine Zurruhesetzung von diesem Dienstposten bekannt gegeben und er zum Leiter des Higher Institute of National Defense ernannt, über dessen Funktion nichts bekannt ist. Im Jahr 1989 trat Pol Pot von diesem Amt zurück und fungierte wahrscheinlich bis 1997 als Parteisekretär der Kommunisten. Zum Guerillakrieg der Roten Khmer und ihrer Verbündeten gehörte während dieser Zeit das großflächige Verlegen von Antipersonenminen, denen noch in den 1990er Jahren Tausende zum Opfer fielen, darunter sehr viele Zivilisten. Khiu Ponnary, bei der im Jahr 1970 wahrscheinlich eine paranoide Schizophrenie ausgebrochen war[90] und laut Nuon Chea seit 1974 erneut unter starken Symptomen für eine psychische Störung wie zum Beispiel Aphonie litt,[91] war seit einem Auftritt auf einer Parteiveranstaltung im Jahr 1978 nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten und galt als geisteskrank.[92] Zu Beginn der 1980er Jahre wurde sie, wahrscheinlich aufgrund eines schweren Nervenzusammenbruchs, für längere Zeit in einem Krankenhaus in Peking behandelt. Im Jahr 1985 erhielt Pol Pot von Khieu Ponnary die Erlaubnis, Mea Son, auch bekannt als Muon, zu heiraten. Im Jahr darauf gebar Pol Pots zweite Ehefrau sein erstes Kind, eine Tochter, die Sith genannt wurde.[93]

Im Jahr 1988 lichtete sich etwas die Dunkelheit, die Pol Pot verbarg, als die Botschaft der Vereinigten Staaten in Bangkok an ein Dokument aus einem der Lager des Demokratischen Kampuchea gelangte. Es datiert auf den Dezember 1986 und stammt von einem anonymen Verfasser, wobei Stil und Duktus stark für Pol Pot als Autoren sprechen. Wahrscheinlich als Grundsatzrede für eine Arbeitssitzung der Parteikader entworfen, wird auf 39 Seiten die Geschichte des Demokratischen Kampuchea skizziert ohne ein einziges Mal die kommunistische Partei zu erwähnen. Neben der Rechtfertigung für nicht näher spezifizierte Fehler, die jedoch von den Leistungen klar übertroffen würden, sind vor allem die zahlreichen Attacken auf Vertreter „anderer“ Ansichten aufschlussreich. Damit sind zum einen Staaten gemeint, die das Pol-Pot-Regime wegen Menschenrechtsverletzungen kritisiert hatten, als auch die nichtkommunistischen Koalitionspartner in der Regierung, die immer mehr Unterstützung von Kambodschanern aus dem Ausland und den thailändischen Flüchtlingslagern erfuhren. Den Fraktionen von Sihanouk und Son Sann aufs tiefste misstrauend, ruft Pol Pot in dieser Schrift dazu auf, wieder so viel ideologische Kraft zu entwickeln um Vietnam und die nichtkommunistischen Koalitionspartner besiegen zu können. Die politische Parole „Nation, Demokratie und Lebensgrundlage“ soll dabei alle gesellschaftlichen Schichten ansprechen, war aber sicher keine Kehrtwende in der steinzeitkommunistischen Ideologie, sondern lediglich Mittel zum Zweck der Rückkehr an die Macht. Weiter führt Pol Pot im Dokument aus, dass neben der kurzlebigen Pariser Kommune das Demokratische Kampuchea seit über 2.000 Jahren der erste Staat gewesen sei, in dem einfache Menschen, wie er einer sei, die „base people“, die Regierungsgewalt ausgeübt hätten. Auf die historische Unerfahrenheit der base people mit Verwaltungsangelegenheiten führt er Fehler, wie das mitunter „etwas exzessive“ Verhalten zurück. Global betrachtet Pol Pot das Demokratische Kampuchea als besten Staat der Welt und vergleicht ihn skizzenhaft mit der Sowjetunion, China, Vietnam, Vereinigten Staaten, Vereinigtem Königreich, Frankreich und Australien, die allesamt unter Mangel litten. In dieser Rhetorik den Reden von Sihanouk aus den 1960er Jahren folgend, betont er, dass Kambodscha niemals andere Nationen angegriffen und usurpiert habe und in diesem Sinne unschuldiger sei als andere Länder. Am Ende der Schrift spricht sich Pol Pot gegen jeden Personenkult aus und führt als negative Beispiele Napoleon sowie vier Kambodschaner an, die im 19. Jahrhundert erfolglos gegen die französische Kolonialherrschaft gekämpft hatten. Im Vergleich dazu hebt er erneut die vorgebliche historische Einmaligkeit und Größe des Demokratischen Kampuchea hervor. An keiner Stelle in dieser Rede verwendet Pol Pot die Ich-Form und erwähnt die eigene Person nur beiläufig, was typisch für seine Methode war, die eigene Rolle zu verschleiern und Terror mit beschönigenden Worten zu umschreiben.[94]

Guerillaoperationen der Roten Khmer in Kambodscha 1989–90 (Quelle: Christophe Peschoux: Les "nouveaux" Khmers rouges: enquête, 1979-1990 : reconstruction du mouvement et reconquête des villages. Éditions L'Harmattan, 1992)

Der durch Perestroika und Glasnost ausgelöste politische Wandel in der Sowjetunion unter Führung von Michail Sergejewitsch Gorbatschow sowie die Abkehr von der Breschnew-Doktrin führte dazu, dass Kambodscha und Vietnam immer weniger Militärhilfen aus dem Warschauer Pakt erhielten. Zudem orientierte sich Vietnam zunehmend an der Reform- und Öffnungspolitik von Peking und war bestrebt, seinen Verteidigungsetat zu senken. Daher zog Hanoi seine Besatzungstruppen aus Kambodscha bis zum September 1989 nach und nach komplett ab. Die Regierung in Phnom Penh begann mit Liberalisierungen, so wurden unter anderem Restriktionen in der Religionsausübung aufgehoben und der Immobilienmarkt privatisiert, was ihre Stellung stärkte. Wahrscheinlich als Reaktion auf diese populären Maßnahmen verkündete das Demokratische Kampuchea das endgültige Ausscheiden Pol Pots aus dem Dienst. Den Rückzug der vietnamesischen Streitkräfte nutzten die Koalitionstruppen aus, um ein beträchtliches Territorium von Kambodscha einzunehmen und sich so eine volkswirtschaftliche Basis zu schaffen. Im Jahr 1990 eroberten sie Pailin und die umliegenden Edelsteinvorkommen. Durch den Verkauf von Saphiren, Rubinen, Holz und Grundstücken vor allem nach Thailand konnten beträchtliche Einnahmen erzielt werden, die im Jahr 1992 100 Mio. US-Dollar überschritten. Im Verlauf der 1980er Jahre übten vor allem Indonesien, Australien und Frankreich zunehmend Druck auf die Vereinigten Staaten, China und Thailand als Schutzmächte der Roten Khmer aus, die Blockade Kambodschas endlich zu beenden. Ein weiterer Faktor, der die Koalitionsregierung dazu bewegte, eine Verständigung mit Phnom Penh anzustreben, war die zunehmende Popularität von Ministerpräsident Hun Sen. Nachdem das Demokratische Kampuchea lange eine politische Lösung verzögert hatte, um mehr Gebiete unter Kontrolle zu bringen, und Phnom Penh auf Anraten Hanois abwartete, brachte der Zerfall der Sowjetunion und der Zusammenbruch des Staatssozialismus in Osteuropa eine geopolitische Änderung mit sich. China und Vietnam, die weiterhin kommunistisch bleiben wollten, strebten eine Einigung an, um den Stellvertreterkrieg um Kambodscha zu beenden. Seit dem Jahr 1987 hatte es bereits Friedenskonferenzen in Thailand, Frankreich und Indonesien gegeben, die weniger den Charakter von Verhandlungen zwischen der Koalitionsregierung und der Volksrepublik Kampuchea gehabt hatten als den von Vierparteiengesprächen, welche durch Rote Khmer, die Fraktionen von Sihanouk und Son Sann und Phnom Penh gebildet wurden. Durch den zunehmenden Druck aus Peking und Hanoi sahen sich Rote Khmer und Sihanouk bald genötigt, ihre erfolgsversprechenden Kriegshandlungen einzustellen, während der Staat Kambodscha, wie er sich seit Abzug Vietnams nannte, auf die weitere Dämonisierung des Pol-Pot-Regimes verzichtete und einen Teil der nationalen Souveränität an die UN übertrug. Bei entscheidenden Verhandlungen im Juni 1991 in Pattaya war Pol Pot wahrscheinlich persönlich zugegen. Nachdem die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen ihre Unterstützung zugesagt hatten, wurde der Supreme National Council for Cambodia gebildet, in dem alle vier Fraktionen vertreten waren. Im Oktober 1991 kam es schließlich zur Unterzeichnung der Pariser Friedensverträge. Laut Berichten von Überläufern soll Pol Pot während dieser turbulenten Phase vorsichtig optimistisch und gelassen gewesen sein.[95]

Das Verhalten der Roten Khmer, die weiterhin von Pol Pot, Nuon Chea und Ta Mok geführt wurden, blieb während der folgenden Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen in Kambodscha (UNTAC) inkonsistent. Wahrscheinlich lag dies daran, dass die Führung nicht gewohnt war, in aller Öffentlichkeit zu agieren. Im Mai 1992 wurde Son Sen aus dem Zentralkomitee entfernt und mit einem Kontaktverbot zu UNTAC-Angehörigen belegt, wahrscheinlich weil Pol Pot im Friedensprozess der Übergangsverwaltung eine List zu erkennen glaubte, der es um die Zerschlagung der Roten Khmer ging. Im gleichen Monat untersagten die Roten Khmer den Inspektoren der Vereinten Nationen, ihr Territorium zu betreten, womit sie ihre Entwaffnung verhinderten. Während des UNTAC-Regimes überfielen sie mehrfach in Kambodscha lebende Vietnamesen, wobei es über 100 Tote gab, und boykottierten am 23. Mai 1993 die Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung, ohne die Bevölkerung in ihrem Sinne mobilisieren zu können. Andererseits unternahmen die Roten Khmer wenig gegen die Präsenz der UNTAC oder die Wahlen zur Nationalversammlung im Juli 1993.[96]

Über Pol Pot persönlich gibt es im Zeitraum der späten 1980er bis frühen 1990er Jahre wenig gesicherte Erkenntnisse. Als einziges Dokument neben den Berichten von Überläufern existiert eine Fotografie von ihm im Kreise seiner Familie, die durch Zufall im Jahr 1989 in Peking aufgefunden wurde. Pol Pot lebte im Office 87, das bis zur Unterzeichnung der Pariser Friedensverträge nahe Trat in Thailand stand und danach nach Anlong Veng in Kambodscha verlegt wurde. Der Zugang zum Camp wurde durch thailändische Streitkräfte kontrolliert, während im Lager eine Leibwache von über hundert kambodschanischen Soldaten für seine Sicherheit zuständig war. Pol Pot, der nun zumeist „Großvater 87“ genannt wurde, unterrichtete weiterhin regelmäig Kommandeure der Roten Khmer. Inhalt seiner Lehre war die Rückkehr zur Macht für das Demokratische Kampuchea. Bis zum Jahr 1988 setzte er dabei den Schwerpunkt auf die Kriegsführung und danach verstärkt auf politischen Wahlkampf. Das von ihm vermittelte Weltbild war einfacher als früher, rein dualistisch und thematisierte den Kampf Gut gegen Böse, wobei es an das Mahabharata und andere Epen aus Hinduismus und Buddhismus erinnerte. Frühere prägende Ideen, wie die Lehren von Marx, Lenin oder Mao, und Konzepte wie Staatssozialismus, Revolution oder Partei fanden keine Erwähnung mehr. Ziel dieser mehrwöchigen Schulungen, bei denen auch Son Sen, Ta Mok, Khieu Samphan und Nuon Cheaun unterrichteten, war, über die Schüler als Multiplikatoren ihre Lehre in der Fläche zu verbreiten. Teilnehmer an diesen Veranstaltungen, die später als Zeugen aussagten, berichteten übereinstimmend von der charismatischen Überzeugungskraft, die Pol Pot als Lehrer entfaltete.[97]

Nachdem die Roten Khmer durch den Abschluss der Pariser Friedensverträge die Patronage durch China und die Vereinigten Staaten verloren hatten, dauerte es einige Jahre, bis sich das in ihrer Schwächung niederschlug. Die kambodschanische Koalitionsregierung aus royalistischer FUNCINPEC und Kambodschanischer Volkspartei führte in den Jahren 1993–94 Gespräche zur Aussöhnung mit den Roten Khmer, die ohne Erfolg blieben. Daher erklärte Phnom Penh schließlich die Roten Khmer für illegal und nahm die Kampfhandlungen gegen sie wieder auf. Pol Pot, der ihre Macht schwinden sah, kehrte zu den Methoden der Schreckensherrschaft aus den 1970er Jahren zurück. In offiziellen Verlautbarungen der Parteiführung wurde das Regime von 1975–79 nicht mehr als soziales Experiment dargestellt, sondern als ein notwendiger Abwehrkampf gegen eine Annexion durch Vietnam. In einem Dokument der Roten Khmer aus dem Jahr 1994, das ihre schlechte Lage analysiert, werden, ähnlich wie in den letzten beiden Jahren des Pol-Pot-Regimes, dafür „feindliche Elemente“ verantwortlich gemacht, die „90 % der Ansichten“ der Menschen übernommen hätten. Pol Pot propagierte erneut den Bauern als idealen Menschen, verhing drakonische Strafen für den Handel mit anderen Provinzen und unterdrückte den Buddhismus, der sich in seinem Herrschaftsgebiet wieder geregt hatte. Außerdem kam es wieder zu drastischen Kollektivierungsmaßnahmen, Überfällen auf Vietnamesen und im Jahr 1995 wurden drei Touristen entführt und ermordet. Die Auswirkungen dieser neuen Politik waren für die Roten Khmer katastrophal, denn die Aussicht auf eine wahrscheinlich mit Armut verbundene Rückkehr zum Sozialismus sowie einen endlosen Krieg vertrieb ihre Anhänger zu tausenden.[98]

Entmachtung und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grab von Pol Pot nahe Anlong Veng

Gegen Ende des Jahres 1995 erlitt Pol Pot wahrscheinlich einen Schlaganfall, der eine dauerhafte halbseitige Lähmung zur Folge hatte. Inzwischen war Ta Mok der oberste Befehlshaber der Roten Khmer, während Pol Pot noch bei wichtigen Entscheidungen konsultiert wurde. In Phnom Penh entbrannte ein Machtkampf zwischen Hun Sen und Norodom Ranariddh, bei dem beide Seiten um Unterstützung durch Überläufer von den Roten Khmer warben. Im Gegenzug für eine Begnadigung durch den kambodschanischen König– das Land war seit September 1993 eine konstitutionelle Monarchie– verließ Ieng Sary im August 1996 die Roten Khmer und begab sich in das Lager von Hun Sen. Truppen, die von Anlong Ven ausgesandt wurden, um gegen ihn zu kämpfen, desertierten wie viele weitere tausend in den nächsten beiden Monaten. Zugleich verloren die Roten Khmer zwei ihrer drei wichtigsten Besatzungszonen. Angesichts dieser Entwicklungen ließ Pol Pot Ta Mok, Nuon Chea und Son Sen unter Hausarrest stellen, beschuldigte sie der Konspiration mit Vietnam und versuchte eine neue Bewegung zu formen. Wichtigster Helfer hierbei war der Militärkader Saroeun. Dieser ermordete wahrscheinlich auf Order Pol Pots im Februar 1997 mehrere Mitglieder einer Gesandtschaft der FUNCINPEC, die die Möglichkeit einer Koalition mit den Roten Khmer ausloten wollten, und mehr als 20 Kader in Anlong Veng. Am 9. Juni 1997 ließ Pol Pot Son Sen mit samt 13 Familienangehörigen, darunter mehrere Kleinkinder, töten. Danach kippte die Stimmung in Anlong Veng endgültig gegen Pol Pot und die letzten loyalen Militäreinheiten liefen zu Ta Mok über. Mit seiner Familie und den letzten Getreuen floh er am 13. Juli, aber wurde nach drei Tagen festgesetzt. Seitdem wurde er von den Roten Khmer offiziell als Verräter bezeichnet und am 25. Juli 1997 ein Schauprozess gegen ihn in Anlong Veng eröffnet. Zu diesem wurde der amerikanische Journalist Nate Thayer mit einem Kameramann als Beobachter eingeladen. Die Anklage gegen Pol Pot beinhaltete lediglich die Ermordung von Son Sen und kein anderes Verbrechen. Er selbst erhielt während des ganzen Verfahrens keine Gelegenheit sich zu erklären und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.[99]

Mitte Oktober 1997 erhielt Thayer die Erlaubnis mit Pol Pot, der in Anlong Veng unter Hausarrest stand, ein Interview zu führen, sein erstes seit Dezember 1979. Zwar räumte der gesundheitlich schwer gezeichnete Pol Pot auf Nachfrage ein, während seiner Regierungszeit schwere Fehler begangen zu haben, andererseits habe sein Regime die Existenz Kambodschas als unabhängigem Staat gesichert. Während des Interviews bemühte er sich, das Gespräch auf andere Themen zu lenken, wie zum Beispiel Familie, Gesundheit und seine Zeit in Jugoslawien und Paris. Im März 1998 eroberten die Regierungstruppen Anlong Veng und die Roten Khmer zogen sich mit ihrem Gefangenen in unmittelbare Nähe der thailändischen Grenze zurück. Am 15. April 1998 hörte Pol Pot in der khmersprachigen Version des Radioprogramms Voice of America, dass laut Thayer die Roten Khmer seine Übergabe an Phnom Penh beabsichtigten, wo er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt werden sollte. Am gleichen Tag, gegen 22:15 Uhr und bevor der Wagen eintraf, der ihn zum Tribunal transportieren sollte,[100] fand ihn seine Frau tot im Bett liegend auf. Als Todesursache wurde von offizieller Seite Herzinsuffizienz angegeben. Da in der Folge keine Obduktion durchgeführt wurde, liegen dafür keine schlüssigen Beweise vor.[101] Der Leichnam wurde an den nächsten beiden Tagen der Presse präsentiert und am 18. April unter einer Lage Abfall mit samt seiner persönlichen Besitztümer verbrannt.[102]

Historische Bewertung und Person[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Pol-Pot-Regimes drangen nur wenige, gefilterte Informationen in die Außenwelt, so dass er als Person lange Zeit ein Rätsel blieb. Vieles, was über ihn seitdem geschrieben wurde, ist laut Chandler reißerischen und leidenschaftlichen Charakters und trägt wenig zum Verständnis der Person bei. Wegbereiter der biographischen Darstellung Pol Pots war seit den frühen 1980er Jahren vor allem der australische Historiker Ben Kiernan, der hunderte von Kambodschanern in thailändischen Flüchtlingslagern befragte und dessen als Standardwerk geltendes Buch The Pol Pot Regime im Jahr 1996 erschien.[103] Neben den wenigen schriftlichen Zeugnissen Pol Pots griff Chandler in seiner Bioraphie hauptsächlich auf Interviews zurück, die er und andere seit 1992 mit Zeitzeugen, zum Teil aus dem engen persönlichen Umfeld Pol Pots, durchgeführt hatten. In all diesen Aussagen wurde er als ein sympathischer Charakter und überzeugender Redner beschrieben, selbst von Menschen, die enge Angehörige aufgrund der Verbrechen seines Regimes verloren hatten. Keiner der übergelaufenen Roten Khmer gab zu Protokoll, dass Pol Pot als Person ursächlich dafür gewesen sei, die Partei zu verlassen. Chandler räumt ein, dass für ihn der Widerspruch zwischen dem Charisma Pol Pots und dem Genozid in Kambodscha letztendlich nicht aufzulösen sei, so dass seine wahre Persönlichkeit mit ihren Motiven weiterhin hinter einer Fassade verborgen bleibe.[104]

Anhand der Augenzeugen, die ihn als ruhigen, selbstsicheren und überzeugenden Redner schildern, und Schriften Pol Pots, die keine biographischen Details enthalten, fällt es schwer, seine persönlichen Motive genau zu ergründen. Als typischer Kambodschaner seiner Zeit wurde er in einem tief verwurzelten Verständnis von Hierarchie erzogen und stand dem ausländischen Einfluss in Kambodscha mit großem Misstrauen gegenüber. Vom Buddhismus übernahm Pol Pot den Glauben an Selbstdisziplin, Persönliche Wandlung und Erleuchtung. Durch die französische Kolonialschulen und das Studium in Paris wurde er mit den Konzepten von Demokratie, Imperialismus, Revolution vertraut, schätzte vor allem Jean-Jacques Rousseau und wurde schließlich ein Anhänger des Marxismus-Leninismus, wobei er sich von Stalins Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (1938) und später Maos Schriften leiten ließ.[105] Als Lehrer genoss er ein der Tradition buddhistischer Mönche und hinduistischer Brahmanen folgendes hohes moralisches Ansehen und galt bis zuletzt als eine Autorität.[106] Aus seiner Zeit bei der ICP übernahm er die Taktik der geheimen Parteiorganisation und Kampfführung. Nach 1965 orientierte sich Pol Pot immer mehr an den Methoden des Maoismus sowie Kulturrevolution und stand Hanoi nicht zuletzt aus historischen Gründen und Angst vor vietnamesischer Dominanz zunehmend feindselig gegenüber. Daher lehnte Pol Pot seinen Kommunismus an den chinesischen Weg an, ohne dabei Kambodschas Eigenständigkeit aufzugeben. Die erlebte Abhängigkeit von den Vietcong während der 60er Jahre trug das Pol-Pot-Regime Hanoi nach und sah nach dem Sieg im Bürgerkrieg die kambodschanische Form des Kommunismus der Vietnams als weit überlegen an.[107] Laut dem Biographen David P. Chandler kann dieser Kontext die politische Karriere Pol Pots erklären, jedoch kaum die Motivation für seine Schreckensherrschaft mit Phänomenen wie Killing Fields und Massenvertreibung zufriedenstellend beleuchten. Als historische Vorbilder für Pol Pot bei der radikalen Kollektivierung von 1975 bis 1979 haben wahrscheinlich der Große Sprung nach vorn und die im Holodomor gipfelnde Sowjetpolitik in der Ukraine während der 1930er Jahre gedient.[108]

Der historische Kontext des heranwachsenden Pol Pot in den 1930er und 1940er Jahren war eine schwere Krise des nationalen Identitätsgefühls unter den gebildeten Kambodschanern. Auf der einen Seite idealisierte die mit Henri Mouton einsetzende Erforschung Angkor als eine frühere Hochkultur vor einer faszinierten globalen Öffentlichkeit. Auf der anderen Seite stand eine im Vergleich dazu schwache Nation, die bereits vor ihrer Zeit als französisches Protektorat ab 1863 zwischen Vietnam und Siam in großem Umfang aufgeteilt worden war, und immer weitere Krisen durchlief.[109] Während in Vietnam die Kommunistische Partei Vietnams und Việt Minh unter Hồ Chí Minh zusehends eine Macht wurden im Unabhängigkeitskampf, blieb es in Kambodscha bei einem größeren Protest in der Hauptstadt im Juli 1942. Im Französisch-Thailändischen Krieg verlor Kambodscha erneut Gebiete an Siam, darunter Angkor, im September 1941 besetzten die Japaner das Land, das nach einigen wenigen Monaten der Unabhängigkeit unter Son Ngoc Thanh ab September 1945 wieder von Frankreich eingenommen wurde.[110] Staatliche Unabhängigkeit war für Pol Pot daher ein zentrales Leitmotiv wie für die Roten Khmer insgesamt. Als sie am Ende allein im Kambodschanischen Bürgerkrieg gesiegt, ihre Unabhängigkeit erkämpft und Amerika gedemütigt hatten, glaubte Pol Pot, meist abgeschottet von der Außenwelt, fest an die Einzigartigkeit und Überlegenheit ihrer Revolution, besonders im Vergleich zu der in Vietnam und Laos.[111] Gerade zu Vietnam waren die kulturellen Unterschiede groß und bestanden seit Jahrhunderten angespannte Beziehungen, während die Patronage durch Hanoi in Unabhängigkeitskampf und Bürgerkrieg immer mehr als Bevormundung und Schwächung wahrgenommen wurde.[112] Angkor selbst wurde daher als historisches Beispiel für die glorreiche Bestimmung der Roten Khmer zitiert, wie von Pol Pot im Jahr 1977 getan: „If our people were capable of building Angkor, we can do anything.“ (deutsch: „Wenn unser Volk fähig war, Angkor zu erbauen, können wir alles erreichen“)[113]

Die Jahre im Untergrund waren zwar einerseits ein Zeichen der Schwäche, trugen aber andererseits dazu bei Pot und die Roten Khmer mythisch aufzuladen. In vielen Legenden und Mythologien Kambodschas ist der in den Wald fliehende und nach Einkehr und Exil als gestärkter König, Bandit oder Weiser mit Zauberkräften wiederkehrende Held eine gängige Figur. Ein anderer, von den Khmer später genutzte Volksglaube um Schrecken zu verbreiten betraf die schädliche Wirkung in Form von Krankheit und bösen Geistern, die dem Urwald zugeschrieben wurde.[114]

Schon früh arbeitete Pot mit mehreren Identitäten und hielt seinen wahren Namen geheim. Anders als kommunistische Führer wie Lenin, Ho Chi Minh oder Stalin, die sich einen Kampfnamen zur Tarnung im Untergrund und zur Inspiration ihrer Anhänger gaben, nannte sich Saloth Sar erst nachdem er an die Macht gelangte ab dem Jahr 1976 Pol Pot. Der gewählte Name hatte keine unabhängige Bedeutung und diente dazu, der Nation seine wahre Identität zu verschleiern.[53] Pol Pot ließ keine Biographie von sich veröffentlichen, es gab keine Textsammlungen und es gibt nur wenige Fotos von ihm. Erst nach einem Staatsbesuch in China im September 1977, bei dem er fotografiert wurde, konnte er von einigen Beobachtern als Saloth Sar identifiziert werden. Die meisten Kambodschaner erfuhren erst nach seinem Sturz von der Identität ihres Regierungschefs, als er seinen wahren Namen preisgab. Im Inneren waren, einmalig für kommunistische Regime, die Kommunistische Partei und ihre Führer mit Geheimhaltung umgeben; sie verbargen sich weiter hinter Angka. Die Existenz der Kommunistischen Partei Kambodschas (CPK) offenbarte Pol Pot der Bevölkerung erst im September 1977 in einer Radioansprache.[40]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die großartigen Siege der kampucheanischen Revolution unter der richtigen und klaren Führung der Kommunistischen Partei Kampucheas (27. September 1977)
  • Laßt uns weiterhin entschlossen das Banner des Sieges der ruhmreichen Kommunistischen Partei Kampucheas hochhalten, um das Demokratische Kampuchea zu verteidigen, die sozialistische Revolution fortzuführen und den Sozialismus aufzubauen (27. September 1978)
  • Erklärung vom 5. Januar 1979. (in: Kommunismus und Klassenkampf. Theoretisches Organ des Kommunistischen Bundes Westdeutschland [KBW] Dokumentation, 22. Januar 1979)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul R. Bartrop, Steven Leonard Jacobs: Modern Genocide: The Definitive Resource and Document Collection, ABC-CLIO, 2014, ISBN 9781610693646, S. 439–631.
  • David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). Westview, 1999 Boulder (CO). Silkworm Books, Chiang Mai (Thailand) 2000, ISBN 974-7551-18-7.
  • David P. Chandler, Ben Kiernan, Chanthou Boua (Hrsg.): Pol Pot plans the future. Confidential leadership documents from Democratic Kampuchea, 1976–1977 (= Yale University Southeast Asia studies– Monograph series 33). Yale University Press, New Haven CT 1988, ISBN 0-938692-35-6.
  • Erich Follath: Die Kinder der Killing Fields. Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies. Deutsche Verlags-Anstalt u. a., München 2009, ISBN 978-3-421-04387-0.
  • Stephen Heder: Pol Pot and Khieu Samphan (= Centre of Southeast Asian Studies– Working papers 70). Monash University, Clayton 1991, ISBN 0-7326-0272-6.
  • Ben Kiernan: How Pol Pot came to power. A history of Cambodian communism, 1930–1975 (2nd Edition). Yale University Press, New Haven CT u. a. 2004, ISBN 0-300-10262-3.
  • Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79. (2nd Edition). Yale University Press, New Haven (CT) 2002. Silkworm Books, Chiang Mai (Thailand) 2005, ISBN 974-9575-71-7.
  • Marie Alexandrine Martin: Le Mal cambodgien. Histoire d’une société traditionnelle face à ses leaders politiques 1946–1987. Hachette, Paris 1989, ISBN 2-01-012251-8, (Histoire des gens).
  • François Ponchaud: Cambodge année zéro. Document. Julliard, Paris 1977, ISBN 2-260-00055-X, (Auch: Éditions Kailash, Paris 1998, ISBN 2-84268-031-6, (Livres sur l'AsieCivilisations & sociétés)).
  • Sacha Sher: Le Kampuchéa des „Khmers rouges“. Essai de compréhension d’une tentative de révolution. L'Harmattan, Paris u. a. 2004, ISBN 2-7475-6191-7.
  • Philip Short: Pol Pot: The history of a nightmare. Paperback edition. Murray, London 2005, ISBN 0-7195-6569-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pol Pot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philip Short: Pol Pot: The History of a Nightmare John Murray, London 2004, ISBN 978-0-7195-6569-4, S. 15.
  2. a b Paul R. Bartrop, Steven Leonard Jacobs: Modern Genocide: The Definitive Resource and Document Collection, Band 4, ABC-CLIO, 2014, ISBN 978-1-61069-364-6, S. 531.
  3. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 7, 8.
  4. Philip Short: Pol Pot: The History of a Nightmare John Murray, London 2004, ISBN 978-0-7195-6569-4, S. 36, 37.
  5. Philip Short: Pol Pot: The History of a Nightmare John Murray, London 2004, ISBN 978-0-7195-6569-4, S. 39.
  6. Philip Short: Pol Pot: The History of a Nightmare John Murray, London 2004, ISBN 978-0-7195-6569-4, S. 17.
  7. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime, Yale University Press, 3. Auflage 2008, ISBN 978-0-300-14434-5, S. 10.
  8. a b Philip Short: Pol Pot: The History of a Nightmare. John Murray, London, 2004, ISBN 978-0-7195-6569-4, S. 20.
  9. So David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 15.
  10. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 8, 9.
  11. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 14–17.
  12. Philip Short: Pol Pot: The History of a Nightmare John Murray, London 2004, ISBN 978-0-7195-6569-4, S. 42.
  13. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 19.
  14. a b Philip Short: Pol Pot: The History of a Nightmare John Murray, London 2004, ISBN 978-0-7195-6569-4, S. 28.
  15. Philip Short: Pol Pot: The History of a Nightmare John Murray, London 2004, ISBN 978-0-7195-6569-4, S. 42. Eine andere Quelle berichtet dagegen, Sar sei nie Schüler der Lycée Preah Sisowath gewesen, habe aber regelmäßige Kontakte zu den dortigen Schülern unterhalten. Vgl. Amitav Ghosh: Dancing in Cambodia, at Large in Burma, Orient Blackswan, 1998, ISBN 978-81-7530-017-0, S. 43.
  16. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 21.
  17. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 17–22.
  18. Timothy Carney: Unexpected Victory. In: Karl D. Jackson (Hrsg.): Cambodia 1975–1978: Rendezvous with Death, Princeton University Press, 1989, ISBN 0-691-02541-X, S. 18.
  19. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 22–24.
  20. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 26–29.
  21. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 31, 33, 34.
  22. Daniel Bultmann: Kambodscha unter den Roten Khmer: Die Erschaffung des perfekten Sozialisten. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2017, ISBN 978-3-506-78692-0, S. 46.
  23. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 35–38.
  24. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 13.
  25. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 12, 13.
  26. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 41–45.
  27. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 45–49.
  28. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 49.
  29. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 16.
  30. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 32.
  31. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 50–54.
  32. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 55–57.
  33. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 58–61.
  34. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 61–64.
  35. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 65–71.
  36. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 65, 66.
  37. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 6.
  38. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 71–73.
  39. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 73–75.
  40. a b David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 2.
  41. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 126.
  42. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 77–83.
  43. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 83–85.
  44. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 87–95.
  45. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 96–100.
  46. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 100–103.
  47. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 103–106.
  48. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 55–59.
  49. Übersicht bei Timothy Carney: Organization of Power, in: Karl D. Jackson (Hrsg.): Cambodia 1975–1978: Rendezvous with Death, Princeton University Press, 1989, ISBN 0-691-02541-X, S. 101.
  50. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 107–110.
  51. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 7.
  52. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 110, 111.
  53. a b David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 7.
  54. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 327.
  55. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 113, 114.
  56. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 115–120.
  57. a b Zitiert in David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 117.
  58. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 120, 121.
  59. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 122, 123.
  60. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 123–130.
  61. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 336.
  62. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 350, 351.
  63. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 130–132.
  64. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 146.
  65. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 159–160.
  66. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 133–136.
  67. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 136–140.
  68. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 142,143.
  69. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime, Yale University Press, 3. Auflage 2008, ISBN 978-0-300-14434-5, S. 9.
  70. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 144–148.
  71. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 148–150.
  72. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 151–153.
  73. a b Shaun Turton: Becker recounts Pol Pot meeting. www.phnompenhpost.com, 10. Februar 2015, abgerufen am 4. Juli 2017.
  74. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 153–155.
  75. a b c Susanne Dyrchs: Das hybride Khmer Rouge-Tribunal: Entstehung, Entwicklung und rechtliche Grundlagen (Kölner Schriften zu Recht und Staat, Band 36). Peter Lang, Frankfurt a.M. 2008, ISBN 978-3-631-56981-8, S. 36.
  76. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 155–157.
  77. Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79 (2nd Edition). S. 458.
  78. Steven Rosefielde: Red Holocaust. Routledge, New York 2010, ISBN 0-203-86437-9, S. 119.
  79. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 4, 160.
  80. Steven Rosefielde: Red Holocaust. Routledge, New York 2010, ISBN 0-203-86437-9, S. 119, 120.
  81. Rudolph J. Rummel: "Demozid" - der befohlene Tod: Massenmorde im 20. Jahrhundert. LIT Verlag, Münster 2003, ISBN 3-8258-3469-7, S. 239.
  82. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 160, 161.
  83. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 157, 158.
  84. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 162–164.
  85. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 158, 159.
  86. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 158.
  87. Kelvin Rowley: Second Life, Second Death. The Khmer Rouge After 1978. Yale University Genocide Studies Program (GSP) Working Paper No. 24, 2004, S. 205. Auch abgedruckt in Susan E. Cook: Genocide in Cambodia And Rwanda. New Perspectives Transaction Publishers. New Brunswick (NJ)/London 2005, S. 191–213.
  88. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 161, 162.
  89. Kelvin Rowley: Second Life, Second Death. The Khmer Rouge After 1978. In Susan E. Cook (Hrsg.): Genocide in Cambodia And Rwanda: New Perspectives. Transaction Publishers, New Brunswick 2006, ISBN 978-0-7658-0308-5, S. 191–214.
  90. Philip Short: Pol Pot: The history of a nightmare, Murray, London 2005, ISBN 0-7195-6569-3, S. 117.
  91. Gina Chon und Sambath Thet: Behind the Killing Fields: A Khmer Rouge Leader and One of His Victims. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2010, ISBN 978-0-8122-4245-4, S. 39, 40.
  92. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 132, 133.
  93. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 164, 165.
  94. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 165–170.
  95. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 170–173.
  96. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 173, 174.
  97. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 174–177.
  98. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 178, 179.
  99. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 180–182.
  100. Daniel Bultmann: Kambodscha unter den Roten Khmer: Die Erschaffung des perfekten Sozialisten. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2017, ISBN 978-3-506-78692-0, S. 210.
  101. Joseph Chinyong Liow: Dictionary of the Modern Politics of Southeast Asia. (4. Auflage). Routledge, London 2015, ISBN 978-0-415-62531-9, S. 311.
  102. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 182–186.
  103. Daniel Bultmann: Kambodscha unter den Roten Khmer: Die Erschaffung des perfekten Sozialisten. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2017, ISBN 978-3-506-78692-0, S. 18.
  104. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 3–5.
  105. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 32–34.
  106. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 50, 51.
  107. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 3.
  108. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 4–6.
  109. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 12–15.
  110. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 15–20.
  111. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 115.
  112. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 139, 140.
  113. Zitiert in David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 13.
  114. David P. Chandler: Brother Number One: A Political Biography of Pol Pot (Revised Edition). S. 76, 77.
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