Polare/Subpolare Zone

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  • Eisschild/polare Ökozone
  • Tundren/subpolare Ökozone
  • Die Polare/Subpolare Zone ist eine der neun weltumspannenden Ökozonen nach J. Schultz. Sie nimmt heute etwa 14,8 % der irdischen Landoberfläche ein. [1] [Anmerkung 1] Anfang des 21. Jahrhunderts sind davon auf der Nordhalbkugel noch etwa 90 % und auf der Südhalbkugel 100 % (die komplette Antarktis) in einem weitgehend naturnahen Zustand. [Anmerkung 2] Ihre Ausdehnung deckt sich in etwa mit der polaren Klimazone. Nach der vorherrschenden Vegetation kann sie weiterhin in die Landschaftstypen Eisschilde, Kältewüste und Tundra untergliedert werden.

    Die Grenzen der Polaren/Subpolaren Zone sind in der Realität fließend, so dass eine exakte Ausdehnung – wie auf der Karte gezeichnet – faktisch nicht festgelegt werden kann. Diese Tatsache wird verständlich, wenn man vergleichbare geozonale Modelle heranzieht, die z. T. deutliche Abweichungen untereinander aufweisen (beispielsweise das vergleichbare Polare Zonobiom auf der Karte der Zonobiome nach Walter und Breckle oder die FAO Ecozones).[Anmerkung 3]

    Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Klimadiagramm einer russischen Station in der Antarktis
    Klimadiagramm einer grönländischen Gemeinde

    Die Polare Ökozone kennzeichnet sich dadurch, dass sie nördlich der 10 °C-Juli-Isotherme liegt (Gebiete mit einer Durchschnittstemperatur im Juli unter 10°). Manche Gegenden, z. B. in der Antarktis, weisen sommerliche Durchschnittstemperaturen von −30 °C und tiefer auf. Niederschläge fallen nur gering, und dann als Schnee.[1]

    Relief und Verwitterung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Verwitterungsprozesse sind hauptsächlich durch Frost, jedoch auch durch Tauvorgänge geprägt. So sind frostdynamische Prozesse wie Frostsprengung, aber auch fluviale Erosionsprozesse durch das Abschmelzen der Schneedecke für Verwitterung und Reliefveränderung verantwortlich.[1]

    Böden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    In der Polaren Zone herrschen vorwiegend Cryosole (vom Eis geprägte Böden) vor. Jedoch sind auch gelic Cambisole, gelic/cryic Histosole, Leptosole oder weitere mit der lower level unit gelic attribuierte Böden (= Permafrost bis 2 m Tiefe) vorhanden. Die Böden sind nur schwach bis mäßig ausgeprägt, da für stärkere Pedogenese die bodenbildenden Faktoren ungünstig sind. Beispielsweise findet im Permafrostboden keine bis geringe Bioturbation (Durchwurzelung, Würmer) statt.[1][2]

    Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Durch die Eis- und Schneebedeckung ist die Vegetation nur sehr eingeschränkt lebensfähig. In der Eiswüste im Herzen Grönlands gedeiht nichts. Die Polare Wüste in den nördlichsten Regionen Russlands, Kanadas und Skandinaviens sind lediglich zu einem Zehntel der Fläche von Pflanzen bewachsen, wohingegen die niederarktische Tundra bereits zu 80 % von Vegetation bedeckt ist. Bäume kommen nicht vor (da nördlich der Baumgrenze), jedoch Chamaephyten (Halbsträucher), Hemikryophyten und Kryptophyten.[1] Die Lebensbedingungen für die Flora können mit der nivalen Vegetationshöhenstufe von Gebirgen verglichen werden.

    Landnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Feste Siedlungen finden sich in der Polaren Zone nicht (Forschungsstationen nicht gerechnet). Die niederarktische Tundra ist von wenigen Eskimos, Samen und sibirischen Stämmen besiedelt, die jagen oder Weidewirtschaft (Rentiere, Moschusochsen) betreiben. Anthropogene Kulturbauten wie Häuser oder Verkehrswege sind durch die Frostdynamik (bspw. Thermokarst oder Alasse) problematisch.[1]

    Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Werte von J. Schultz (Schultz, J. (2008): Die Ökozonen der Erde. Stuttgart) ohne Antarktis und Grönland auf gesamte Landoberfläche umgerechnet. Siehe dazu im Artikel Ökozone#Die einzelnen Ökozonen.
    2. Kartendaten zu den Studien ”Last of the wild”, ”Intact forest landscapes” und "Review of status and conservation of wild land in europe", zusammengefasst in der Quellenbeschreibung zur "Wildnisweltkarte" auf Wikimedia Commons
    3. Siehe auch Tabellarische Übersicht verschiedener Landschaftszonenmodelle und ihrer Anteile; (PDF, 114 kB)

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. a b c d e f Schultz, J. (2008): Die Ökozonen der Erde. Stuttgart: Ulmer. ISBN 978-3-8252-1514-9
    2. Zech, W. & G. Hintermaier-Erhard (2002): Böden der Welt. Ein Bildatlas. Heidelberg: Spektrum. ISBN 978-3-8274-1348-2