Polička

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Polička
Wappen von Polička
Polička (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Pardubický kraj
Bezirk: Svitavy
Fläche: 3312 ha
Geographische Lage: 49° 43′ N, 16° 16′ OKoordinaten: 49° 42′ 54″ N, 16° 16′ 3″ O
Höhe: 555 m n.m.
Einwohner: 8.783 (1. Jan. 2016)[1]
Postleitzahl: 572 01
Verkehr
Bahnanschluss: Svitavy–Žďárec u Skutče
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 6
Verwaltung
Bürgermeister: Jaroslav Martinů (Stand: 2006)
Adresse: Palackého nám. 160
572 01 Polička
Gemeindenummer: 578576
Website: www.policka.org

Polička (deutsch Politschka) ist eine Stadt mit gut 9.000 Einwohnern im Okres Svitavy, Tschechien. Sie liegt 16 km westlich von Svitavy auf 555 m ü.M.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 12. Jahrhundert wurde das Gebiet na poličkach (zu den Äckern) erstmals schriftlich erwähnt, als König Vladislav II. dieses Gebiet dem Prämonstratenser-Kloster Leitomischl schenkte.[2] Der böhmische König Přemysl Ottokar II. ließ dort 1265 die Königsstadt Policz als Stützpunkt seines Königreiches errichten.[3] Er beauftragte damit den Lokator Konrad von Lewendorf, der die Stadt und einige Jahre zuvor das nach ihm benannte Nachbardorf Lewendorf gründete. Welches die bereits gegründeten und noch zu gründenden Dörfer sind, auf die die Urkunde nächst Lewendorf hinweist, ist unbekannt. Aus geografischer Sicht kommen die Dörfer Baumgarten/Sádek, Steindorf/Kamenec und Ullersdorf/Oldřiš in Frage. Konrad von Lewendorf und seine männlichen Nachkommen hatten bis kurz vor 1400 das Richteramt der Stadt inne. Danach verliert sich die Spur des Namens.

Über die Herkunft der Siedler herrscht unter den Historikern keine Einvernehmen, wie einem vom Städtischen Museum herausgegebenen Aufsatz zu entnehmen ist.[4] Es werden wahlweise Thüringen, Sachsen und Schlesien als Herkunftsgegenden der späteren Handwerker und Kaufleute der Stadt genannt. Als Indiz dafür wird ausgeführt, das die Stadt das Magdeburger Recht erhielt. Einige Historiker nennen die Gegend um Cham in der Oberpfalz als Herkunftsort, weil es dort den Ort Löwendorf gibt, woher der Lokator hätte stammen können, und weil in den wenigen aus der Frühzeit der Stadt erhalten gebliebenen Dokumenten Namen wie „Friedl“, „Jandl“, „Michl“, „Nikl“ vorkommen.[5] Dass die Uneinigkeit unter den Historikern herrscht, ist der Tatsache geschuldet, dass es weder schriftliche Zeugnisse der Besiedelung gibt, noch Mundartvergleiche möglich sind, denn die Deutsch sprechende Bevölkerung gab es 160 Jahre nach der Stadtgründung nicht mehr.

Die Stadt wählte in ihren Urkunden zunächst die Schreibweise „Politz“, wie beispielsweise auf der Petschaft aus dem Jahre 1362 zu sehen ist.[6] Es kann als sicher angenommen werden, dass sich die Einwohner ihre Stadt auch so nannten, obwohl der Text der Petschaft in Latein abgefasst ist; mundartlich wurde in den deutschen Nachbardörfern Laubendorf, Riegersdorf, Dittersbach, Schönbrunn und Böhmisch und Mährisch Rothmühl die Stadt bis 1945/1946 „Puletz“ genannt. – Nach Johann Gottfried Sommer wurde noch im 13. Jahrhundert die ansehnliche Kirche St. Jakobus der Ältere erbaut.[7] Die mittelalterliche Stadt war von einer Stadtmauer umgeben. Vier Stadttore, das Laubendorfer, das Leitomischler, das Neuschlosser und das Steindorfer Tor führten in das Umland. Die Stadtmauer ist fast vollständig erhalten.

Im Jahre 1307 erhielt die Königswitwe Elisabeth die Stadt als Leibgedinge geschenkt. Fortan nanntr sich Politschka „Königliche Stadt“, was ihr in der Folgezeit mannigfache Freiheiten und wirtschaftliche Vorteile einbrachte.[8] In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt gepflastert. In der Mitte des Marktplatzes entstand ein gotisches Rathaus. 1421 belagerten und stürmten die Hussiten unter Jan Žižka die Stadt und am 19. November 1421 nahmen Truppen des Königs Sigismund Politschka ein. Dabei wurde die Stadt niedergebrannt, etwa 1300 Einwohner wurden massakriert. Von da an gab es eine tschechisch sprechende Bevölkerungsmehrheit in der wieder aufstrebenden Stadt, und die Deutschen erreichten zu keinem Zeitpunkt mehr einen zweistelligen prozentualen Bevölkerungsanteil.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt im Renaissancestil umgebaut. Aus dieser Zeit ist nur das St.-Michael-Kirchlein westlich der Stadtmauer erhalten. 1613 brannte die Stadt fast völlig aus und während des Dreißigjährigen Krieges wurde Polička nahezu entvölkert, nachdem wallensteinische, schwedische und sächsische Truppen die Stadt heimgesucht hatten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1731 wurde die Mariensäule auf dem Marktplatz als Dank für die an der Stadt vorübergegangenen Pestepidemie errichtet. Sie wird darum auch Pestsäule genannt. Die Säule findet nach Ansicht von Kennern nicht ihresgleichen in Böhmen. Ihre architektonische Komposition geht wahrscheinlich auf den Architekten Franz Maximilian Kaňka zurück. Die Ausführung lag in den Händen von Georg Pacák aus Schurz. Auf einem dreieckigen Grundriss stehen im unteren Bereich die Figuren der Heiligen Josef, Anna, Joachim, Wenzel, Vitus, Florian, Sebastian, Karl Boromäus und Rochus. Gekrönt ist die Säule mit der Darstellung der Verkündigung, der Himmelfahrt und der Krönung der Jungfrau Maria. Den Abschluss bildet die Darstellung ihrer Erwählung (mit einer Aureole mit zwölf Sternen).

Das Rathaus, das einen gotischen Vorgängerbau besaß, weist ebenfalls auf Franz Maximilian Kaňka als geistigen Schöpfer hin. Es wurde 1739–1744 erneuert. Heute beherbergt es das städtische Museum.

Einer der berühmtesten Bauten der Stadt ist die im neugotischen Stil errichtete St.-Jakobs-Kirche (1853–1865), die nach einem weiteren Brand 1845 auf dem Platz der ursprünglichen Kirche gebaut wurde. Im Turm der Kirche richtete man eine Kammer für Feuerwächter ein, in dieser wurde 1890 der Komponist Bohuslav Martinů geboren.

Bei Polička liegt die frühgotische Burg Svojanov, einst der romantische Sitz von Königin Kunigunde und Ritter Zawisch von Falkenstein.

Stadtmauer

Die Ringbefestigung der Stadt ist durch fast sechs Meter dicke Basteien verstärkt; mit ihrer Länge von 1220 Metern gehört sie zu den am besten erhaltenen Stadtbefestigungen in Mitteleuropa.

Weitere Sehenswürdigkeiten:

Ladenfassaden
Pestsäule
  • 80 geschnitzte klassizistische Ladenfassaden (Schaufenster und Eingänge), die dank der Feinheit ihrer Verarbeitung und Vielfalt des Dekors ohnegleichen in Böhmen und Mähren sind
  • die Pestsäule auf dem Marktplatz (22 m hoch) gilt als ein Unikat Tschechiens

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Polička besteht aus den Ortsteilen Dolní Předměstí (Unter Vorstadt), Horní Předměstí (Ober Vorstadt), Polička-Město (Politschka), Lezník (Lesnik), Modřec (Riegersdorf) und Střítež (Stritesch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Polička – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  2. Gustav Friedrich (Hrsg.): Codex diplomaticus et epistolaris regni Bohemiae. Band 1: Inde ab a. 805 usque ad a. 1197. Comitia Regni Bohemiae u. a., Prag 1907, S. 399.
  3. Jaromír Čelakovský (Hrsg.): Codex iuris municipalis Bohemiae. Band 2: Privilegia královských měst venkovských v království českém z let 1225 až 1419. Grégr, Prag 1895, Nr. 14.
  4. Stanislav Konečný: O zakládací listině města Poličky. Městské muzeum, Polička 1995, S. 21 f.
  5. Karel Dudek: Dějiny královského věnného města Poličky. Band 1: Do doby předhusitské. Musejní spolek Palacký, Polička 1940, S. 51.
  6. Stanislav Konečný: O zakládací listině města Poličky. Městské muzeum, Polička 1995, S. 41.
  7. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Statistisch-topographisch dargestellt. Band 5: Chrudimer Kreis. Calve, Prag 1837, S. 218 f.
  8. Jaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Theil 11: Chrudimer Kreis. Schönfeld, Prag u. a. 1789, S. 169.