Politische Ökologie

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Die Politische Ökologie ist ein relativ junger Zweig der Sozialwissenschaften. Der Geograph Helmut Geist stellte sie 1992 als eine „neue Sichtweise der Mensch-Umweltbeziehungen […] erstmals in der deutschen Entwicklungsdebatte vor“.[1] Sie befasst sich mit den Auswirkungen ökologischer Veränderungen auf menschliche Gemeinschaften und deren Wechselwirkungen. Im Fokus steht dabei die praktische Umsetzung naturwissenschaftlich-ökologischer Erkenntnisse in politisches Handeln. Insbesondere in der Politikwissenschaft, aber auch innerhalb der Geographie und der Ethnologie, hat das Konzept eine breite Rezeption erfahren. Aufgeschlossene Bereiche der Umweltwissenschaften, der Landschaftsökologie, der Geoökologie sowie der Biologie sehen die Politische Ökologie ebenfalls als notwendigen Handlungsbereich eines evidenzbasierten Natur-, Umwelt- und Klimaschutzes.

Definitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine grundlegende Definition der Politischen Ökologie stammt von den Geographen Piers Blaikie und Harold Brookfield (1987): „Der Ausdruck 'Politische Ökologie' vereint die Anliegen der Ökologie und einer weit definierten Politischen Ökonomie“.[2]

Nach einer engen Definition werden Umweltprobleme nicht als Resultat von unangemessener Technologie, falscher Bewirtschaftung oder Überbevölkerung gesehen, wie es eine Betrachtung aus humanökologischer Perspektive besagen würde, sondern haben soziale Ursachen. Daher müssen Umweltprobleme immer in ihrem historischen, politischen und ökonomischen Kontext gesehen werden. Zentral bei einer Analyse ist die Aufdeckung der Interessen und Machtverhältnisse der beteiligten Akteure und deren Diskurse. Teilweise fragt die PÖ auch danach, wie „Natur“ oder „Umwelt“ von den jeweiligen Akteuren konstruiert wird, da dies großen Einfluss auf normative Sichtweisen dessen hat, was und wie geschützt werden soll. Anders als manche physiozentrische Strömungen der Ökologiebewegung ist die Politische Ökologie anthropozentrisch ausgerichtet.

"Politische Ökologie" wird teilweise als Überbegriff für Ansätze von „De-Naturalization“ und „Re-Construction“ von Natur genutzt. Auch Denkschulen des Öko-Feminismus und Gender Studies erheben den Anspruch, Aussagen im Bereich der Politischen Ökologie zu machen.[3]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstanden ist die politische Ökologie aus den Herausforderungen, welche die Industrialisierung der westlichen Staaten mit sich brachte. Deren Auswirkungen waren mit Beginn der 1960er Jahre nicht mehr übersehbar und führten beispielsweise 1972 zur Gründung des UN-Umweltprogramms UNEP. Grenzüberschreitende Luft- und Wasserverschmutzung ließen sich nicht länger im souveränen Nationalstaat allein lösen, sondern bedurften internationaler Anstrengungen. Auf globaler Ebene stellt heute insbesondere die globale Erwärmung, aber auch fortschreitende Desertifikation oder die ungebremste Entwaldung eine wesentliche Bedrohung des menschlichen Zusammenlebens dar.

Politische Ökologen bemängelten, dass die Theorien der Internationalen Beziehungen häufig blind blieben für die spezifischen Auswirkungen von ökologischen Veränderungen zum Beispiel auf die menschliche Sicherheit. Diese Lücke soll mithilfe der politischen Ökologie geschlossen werden.

In der politischen Ökologie wird versucht, Ursachen für Folgen von Umweltveränderungen in politischen Systemen zu verorten, Alternativen aufzuzeigen und sowohl theoretisch fundiert als auch praktisch orientiert die menschliche Systematik von Umweltzerstörungen zu erfassen. Sie kann als Querschnittsdisziplin verstanden werden, die sich in verschiedenen klassischen Bereichen der Politikwissenschaft zugleich bewegt.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik an der Politischen Ökologie kommt teilweise von Biologen und Politischen Ökologen selbst. Kritisch werden die Naturbilder gesehen, aufgrund deren die Politische Ökologie ihre Positionen begründet. Teilweise gelten sie als konservativ bis romantisiert.

Die teilweise vorhandene Diskrepanz zwischen Naturnutzung und Naturschutz wird neutralisiert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachzeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Krings: Mensch-Umwelt-Beziehungen in den Tropen unter besonderer Berücksichtigung der Politischen Ökologie als Gegenstand der geographischen Entwicklungsforschung. In: VGDH (Hrsg.): Rundbrief Geographie. Nr. 149, 1998, S. 22.
  2. Piers Blaikie, Harold Brookfield: Land Degradation and Society. Methuen, London / New York 1987, ISBN 0-416-40150-3.
  3. Enrique Leff: Political Ecology: A Latin American Perspective, Januar 2012.