Polo Hofer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Polo Hofer bei einem Auftritt 2011

Polo Hofer (eigentlich Urs Alfred Hofer; * 16. März 1945 in Interlaken; † 22. Juli 2017 in Oberhofen am Thunersee)[1] war ein Schweizer Mundartrock-Sänger. Er trug in den 1970er- und 1980er-Jahren im Zuge einer Schweizer Mundartwelle als Pionier wesentlich zur Popularisierung schweizerdeutsch gesungener Rock- und Popmusik bei. Nach seinem Tod wurde er daher als «legendäres Nationalheiligtum»[2] bezeichnet und erhielt bereits zu Lebzeiten den Übernamen «Polo National».[3]

Musikalische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1961 begann Hofer eine vierjährige Lehre als Handlithograf. Im selben Jahr gründete er hobbymässig die Popgruppe The Jetmen als Schlagzeuger und Leadsänger. 1967 wurde er beim schweizerischen Rhythm’n’Blues-Festival zum besten Sänger erkoren.

Im Sommer 1971 gründete er mit Hanery Amman, Schifer Schafer (spielte auch bei Stiller Has) und Sämi Jungen die Mundart-Band Rumpelstilz. 1973 veröffentlichten sie ihre erste Single, Warehuus-Blues, zwei Jahre später ihre erste LP, Vogelfuetter. Mit Rumpelstilz brachte er 1976 auf Berndeutsch unter anderem die beiden Hits Kiosk und Teddybär heraus. 1977 erschien die Doppel-LP Fätze u Bitze…. Nach der Trennung von Rumpelstilz gründete er Polo’s Schmetterding zusammen mit Span und Marianna Polistena, mit denen er insgesamt vier Alben veröffentlichte. 1989 kamen die Rumpelstilz in Original-Besetzung für ein kurzes Comeback zusammen und spielten das Album Live im Anker ein.

1984 gründete er die SchmetterBand, mit der er bis Januar 2003 unterwegs war. Das Abschiedskonzert wurde dokumentiert auf der DVD AbXang & Usklang von Mirjam von Arx. 2004 tourte er mit der Band The Alpinistos und gab ein Konzert zur Einweihung des neu gestalteten Berner Bundesplatzes mit Hanery Amman, Michel Poffet, Andi Pupato und Hank Shizzoe. Dieses Konzert war auf DVD erhältlich (inzwischen vergriffen). Ausserdem veröffentlichte er drei englischsprachige Alben mit Swiss Blues Authority[4] und das Album Buebetröim mit dem Swiss Jazz Orchestra.

Im Frühjahr 2005 wurde zu seinem 60. Geburtstag die Biografie POLO von Samuel Mumenthaler veröffentlicht. Darin erzählen Freunde, Weggefährten und er selber über sein Leben. Am 7. Oktober 2006 wurde Alperose vom Schweizer Fernsehpublikum zum grössten Schweizer Hit aller Zeiten gewählt.

2007 erschien das Album Duette 1997–2007 mit 19 Duetten, etwa mit Endo Anaconda, Philipp Fankhauser, Gölä, Büne Huber, Dodo Hug oder Sina. 2009 erschien Hofers erstes Solo-Album Prototyp. Es entstand in rund vierjähriger Zusammenarbeit mit dreissig Musikern und Sängerinnen und landete direkt auf Platz 1 in der Schweizer Hitparade.

Sein Song Manne, mir blybe dranne ist der offizielle Schweizer Fansong der Fussball-Weltmeisterschaft 2010. Alle Alben sind immer noch auf dem Markt. Bisher wurden rund 1,42 Millionen Tonträger verkauft (Stand: 1. Mai 2011).

Im März 2010 erschien das Buch Das alles u no vil meh mit sämtlichen bisherigen Liedertexten von Polo Hofer. Im Februar 2012 wurde das Musical Alperose in Bern aufgeführt; für 2013 war eine Reprise geplant.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1995: Prix Walo (Kategorie: Rock)
  • 2002: Prix Walo (Kategorie Pop & Rock)
  • 2007: Hofer und Hanery Amman werden vom Gemeinderat Interlaken mit dem «Goldenen Schlüssel» geehrt.
  • 2007: Hofers Schaffen wird in der Sonderausstellung Jungfrau, Hofer & Ragusa im Historischen Museum Bern gewürdigt.
  • 2008: Hofer erhält den Musikpreis 2008 des Kantons Bern.[5]
  • 2009: Das frühere «Flückmätteli» in Interlaken wird auf den Namen «Amman-Hofer-Platz» umbenannt.
  • 2011: Swiss Music Awards: Lebenswerk wird ausgezeichnet
  • 2015: Schweizer des Jahres[6]

Weitere Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polo Hofer war auch Perkussionist, Maler, Dichter, Veranstalter und Schauspieler. Er verfasste mit Der Rock, der Roll & überhaupt einen Gedichtband und spielte Hauptrollen in den Filmen Das Schweigen der Männer und Die Vogelpredigt oder Das Schreien der Mönche von Clemens Klopfenstein sowie die Rolle des Herrn Aschwanden in Die Nagelprobe von Luke Gasser. Ausserdem setzte er sich für die Legalisierung des Cannabiskonsums in der Schweiz ein. Von März 2008 bis Juli 2011 gestaltete er jeden Sonntag von 21 bis 22 Uhr auf DRS 3 eine eigene Radiosendung (Pop, Perlen und Polo), in welcher er seine Lieblingsmusik vorstellte; sie ist auch als Podcast verfügbar.[7]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alter von 21 Jahren heirate Polo zum ersten Mal. Er adoptierte den Sohn Oliver, den seine Frau Trudi mit in die Ehe brachte. 1996 starb seine langjährige Partnerin Isabelle Hediger im Alter von 36 Jahren an Krebs. Mit seiner zweiten Ehefrau Alice, die er 1997 kennen lernte und 2004 heiratete, wohnte er in Oberhofen am Thunersee.[8] Den Übernamen «Polo» erhielt er als Pfadfinder von Hugo Ramseyer, dem Gründer des Zytglogge Verlags, weil Polos Eltern im «Maison Hofer»-Modegeschäft in Interlaken Polohemden anboten, was damals etwas Neues war.

2007 musste sich der Sänger ein bösartiges Karzinom am rechten Stimmband entfernen lassen.[9]

Er starb am 22. Juli 2017 im Alter von 72 Jahren nach einer Lungenkrebserkrankung zu Hause in Oberhofen am Thunersee.[1][10]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polo’s Pop Tales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1968: Polo’s Pop Tales

Mit Drum Circus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1971: Magic Theatre (erschienen 2003)

Mit Rumpelstilz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1975: Vogelfuetter
  • 1976: Füüf Narre im Charre
  • 1977: La Dolce Vita
  • 1978: Fätze u Bitze vo geschter u jitze
  • 1989: Live im Anker
  • 1991: Musig wos bringt (Best-of-Sampler)

Mit Polos SchmetterDing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1978: Polo Hofer SchmetterDing
  • 1979: Tip-Topi Type
  • 1981: Enorm in Form
  • 1982: Papper-La-Papp
  • 1988: 12 Schmetter-Hits (Best-of-Sampler)

Mit der SchmetterBand (bis 2004)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel[11] Charts CH Anmerkungen
1984 Polovinyl 16
1985 Giggerig 2 Gold Erstveröffentlichung: 27. Oktober 1985
1986 Im Wilde Weste 10 Erstveröffentlichung: 14. Dezember 1986
1988 Rütmus, Bluus + schnälli Schue! 1 Gold Erstveröffentlichung: 12. Juni 1988
1990 Eden 1 Platin Erstveröffentlichung: 7. Oktober 1990
1991 15 starke Songs plus 3 12 Best-of-CD
Charteintritt: 30. Juli 2017
1991 Bluesiana Video
1992 Travailler c’est trop dur 1 Erstveröffentlichung: 6. September 1992
1993 Live 6 Live-Album
Erstveröffentlichung: 5. Dezember 1993
1994 Welcome i dr Sonderbar 1 Platin Erstveröffentlichung: 13. November 1994
1995 1987–1994. Weitere 15 starke Songs 20 Best-of-CD
Erstveröffentlichung: 22. Oktober 1995
1997 Über alli Bärge 1 Gold Erstveröffentlichung: 14. September 1997
2000 Härzbluet 1 Platin Erstveröffentlichung: 16. Januar 2000
2002 Xangischxung 2 Platin Erstveröffentlichung: 2. Juni 2002
2003 AbXang & UsKlang Video
2004 Silber, Gold & Perle 1 Gold Best-of-CD
Erstveröffentlichung: 5. September 2004
2009 Special Edition DVD Trilogie: Bluesiana, AbXang, UsKlang
Erstveröffentlichung: 2009

Seit 2004 mit diversen Musikern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Charts CH Anmerkungen
2004 The Alpinistos 1 Bundesplatz 2004 DVD
Erstveröffentlichung: August 2004
2007 Duette 1977–2007 3 Gold Polo Hofer
Erstveröffentlichung: 24. März 2007
2009 Prototyp 1 Platin Polo Hofer
Erstveröffentlichung: 21. August 2009
2010 Rimix 6 Polo Hofer
Erstveröffentlichung: Sept. 2010
2011 Polo Hofer singt Bob Dylan 4 Polo Hofer
Erstveröffentlichung: 27. Mai 2011
2015 100 % Schweizer Musik 1 Polo Hofer & Friends
Erstveröffentlichung: 23. Oktober 2015
2016 Ändspurt 2 Polo Hofer
Erstveröffentlichung: 8. Januar 2016
2016 Die besten Balladen von 1976–2016 10 Erstveröffentlichung: 25. November 2016
2017 Klassiker 3 Erstveröffentlichung: 25. August 2017

Sonstige Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weisch du no? feat. Knackeboul (2013) (Kompilationsbeitrag Bock uf Rock Vol. 6)[12]

Spielfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Orlando Geremia: Ross’n’Roll. Mit Polo Hofer auf grosser Tour durch die kleine Schweiz. elfundzehn, Eglisau 2014, ISBN 978-3-905769-36-4.
  • Walter Haas: Zeitgenössische Mundartliteratur der deutschen Schweiz. Ein theoretischer und geschichtlicher Überblick. In: Michigan Germanic Studies 6 (1980), S. 58–119.
  • Thomas Küng: Rhythmus & Rausch. Polo Hofers langer Weg. Bugra Suisse, Bern 1988, ISBN 3-7170-0125-5.
  • Samuel Mumenthaler: Polo. Eine Oral History. Editions Plus Sàrl, Zürich 2005, ISBN 3-909676-16-2.
  • Samuel Mumenthaler: 50 Jahre Berner Rock. Vorwort von Polo Hofer. Zytglogge, Oberhofen 2009, ISBN 978-3-7296-0796-5.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b «Tschou zäme, es isch schön gsy!». In: Tages-Anzeiger.ch vom 24. Juli 2017.
  2. Abschied von Polo National: Zum Tod des Ur-Mundartrockers, Artikel auf der Website von Radio SRF 3 vom 24. Juli 2017
  3. Mit Polo National verliert die Schweiz ihren grössten Volkssänger – eine Würdigung, Artikel der Schweizer Illustrierten vom 25. Juli 2017
  4. hitparade.ch: SWISS BLUES AUTHORITY FEAT. POLO HOFER – KIND OF BLUE (ALBUM)
  5. nachrichten.ch: Polo Hofer erhält den Musikpreis des Kantons Bern, 10. Oktober 2008
  6. Artikel in der NZZ zur Verleihung des Titels «Schweizer des Jahres 2015»
  7. Schweizer Radio DRS: Podcasts Pop, Perlen und Polo
  8. Jungfrauzeitung
  9. Polo Hofer: Tumor am Stimmband. Jungfrau Zeitung; abgerufen am 13. Oktober 2012.
  10. srf/kors; hesa: SRF News: Mundartlegende gestorben – Polo Hofer ist tot. 24. Juli 2017; abgerufen am 24. Juli 2017.
  11. Auszeichnungen für Musikverkäufe: CH
  12. BOCK UF ROCK Eine sechste Bock uf Rock zum runden Geburtstag. In: trespass.ch. 28. August 2013. Abgerufen am 19. Oktober 2013.
  13. https://www.srf.ch/programm/tv/sendung/a0dd6b72-e10b-4e78-bf0b-bf6e14dba411

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]