Polygonlauf

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Hexagonlauf einer Kanone des französischen Systems La Hitte, Le Pétulant, 1859

Ein Polygonlauf ist ein Schusswaffen-Lauf mit Polygonprofil. Das Prinzip des Polygonlaufes wurde bereits 1853 von dem Engländer Joseph Whitworth vorgeschlagen, von der britischen Armee aufgrund der Kosten abgelehnt, später im Amerikanischen Bürgerkrieg jedoch mit Erfolg von den Whitworth Sharpshooters eingesetzt.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Blick durch einen Polygonlauf ist ein abgerundetes Vieleck (griechisch Polygon) zu erkennen (siehe Grafik rechts); es setzt sich wendelförmig durch den gesamten Lauf fort. Damit wird das durch den Lauf getriebene Projektil in eine Rotation um seine Längsachse versetzt und so dessen Flug stabilisiert.

Im Gegensatz dazu haben herkömmliche gezogene Läufe ein rundes Profil, der Drall wird durch wendelförmige Einkerbungen erreicht: sogenannte Felder und Züge.

Laufquerschnitte von Schusswaffen im Vergleich
Von links: glatter Lauf – gezogener Lauf (A: Feldmaß, B: Zugmaß) – Polygonlauf

Da das Geschoss in Polygonläufen einen größeren Anteil des Laufquerschnitts einnimmt, sind Gasverluste zwischen Geschoss und Lauf wesentlich geringer, was zu einer höheren Mündungsgeschwindigkeit führt. Zudem haben Polygonläufe einen geringeren Verschleiß und damit eine höhere Lebenserwartung und sind infolge der geringeren Kerbwirkung sprengsicherer. Auch sind sie leichter zu reinigen als Läufe mit Zügen und Feldern. Allerdings können Polygonläufe dem Geschoss weniger Rotationskräfte (Drall) übertragen als gezogene Läufe.

Am Geschoss selbst sind nach dem Passieren des Laufs keine Einkerbungen zu finden, sondern ein dem Laufinnern entsprechendes Polygonprofil. Die wenig charakteristische Verformung der Projektile macht forensische Untersuchungen und Zuordnungen zu bestimmten Waffen äußerst schwierig und meist unmöglich. Bei gezogenen Läufen weisen die Projektile dagegen Verformungen auf, die auf eine bestimmte Waffe schließen lassen, da die auf das Projektil einwirkenden Felder und Züge bei jeder Waffe unterschiedlich abgenutzt sind.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst nur speziell für militärische Zwecke und Beanspruchungen entwickelt und eingesetzt, gibt es Polygonläufe mittlerweile auch bei hochwertigen Handfeuerwaffen (zum Beispiel von Heckler & Koch die HK USP-Serie, außer HK P8, mit sechseckigem Lauf, die HK P9S, die Glock-Pistolen und die SIG Sauer P228) sowie bei Jagdwaffen (zum Beispiel Repetierer Heym SR 20 mit viereckigem Lauf). Da Polygonläufe dem Geschoss vergleichsweise wenig Drall übertragen, werden sie vorrangig für Handwaffen für Geschosse mit geringerem Massenträgheitsmoment und nicht für großkalibrige Rohrwaffen verwendet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Faninger: Waffentechnik. (Geschichte und Technik der Polygonläufe), 2000, HTBLA-Ferlach, (Höhere Technische Bundeslehranstalt Ferlach/Österreich)