Polygynie

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Polygynie (Vielweiberei, von griechisch "poly": viel und "gyné": Frau) bezeichnet beim Menschen eine Eheform, bei der es einem Mann gestattet ist, mehr als eine Frau zu heiraten. In der Biologie bezeichnet Polygynie allgemeiner ein Paarungsverhalten, bei dem sich ein Männchen innerhalb einer Fortpflanzungsperiode mit mehreren Weibchen paart.[1] In beiden Fällen handelt es sich um einen Spezialfall der Polygamie.

Beim Menschen ist Polygynie weiter verbreitet als Polyandrie. Ist ein Mann mit genau zwei Frauen liiert, wird das auch Bigynie genannt. Manche polygynen Ehegemeinschaften kennen zudem Hierarchien, die entweder emotional oder zeitlich begründet sind. Polygynie kann Ausdruck einer Stratifikation zwischen Alter und Geschlecht sein, wenn in polygynen Gesellschaften ältere Männer sehr junge Frauen heiraten und jüngere Männer entweder sehr lange ledig bleiben oder ältere Witwen heiraten. Polygynie korreliert mit politischen und ökonomischen Systemen, in denen menschliche Ressourcen – und nicht Land oder Güter – die wichtigsten Mittel darstellen.

Formen der menschlichen Polygynie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polygynie kommt in weiten Teilen Afrikas, im islamisch geprägten Nahen und Mittleren Osten, in der Volksrepublik China, in Indonesien, Melanesien, Polynesien vor sowie bei verschiedenen Indianerstämmen in Nord- und Südamerika und historisch bei den Mormonen in Utah (noch heute bei einigen mormonischen Splitterkirchen). Sie war Bestandteil alter Religionen wie des Judentums und, bis heute, des Islam. Bei den Normannen und Wikingern wurde die Möglichkeit, eine Zweitfrau zu ehelichen, nach deren Christianisierung eine Zeit lang als More danico (nach dänischer Sitte) seitens der Kirche geduldet. Martin Luther verheiratete den Landgrafen von Hessen, Philipp den Großmütigen, auf Grundlage der Bibel ebenfalls mit zwei Frauen, schränkte das Recht aber auf die Herrscherschicht ein. Im Täuferreich von Münster wurde 1534 wegen eines erheblichen Frauenüberschusses die allgemeine Polygynie eingeführt.

Allgemeine Polygynie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von allgemeiner Polygynie spricht man dann, wenn jeder Mann der betreffenden Gesellschaft die Möglichkeit hat, mehrere Frauen zu heiraten, und wenn es für Männer auch allgemein üblich ist, die Mehrehe anzustreben. Allgemeine Polygynie kommt tendenziell eher in Gesellschaften vor, in denen die hierarchischen Unterschiede zwischen Männern weniger stark ausgeprägt sind.

Begrenzte Polygynie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von begrenzter Polygynie wird dann gesprochen, wenn Mehrfachehen nur einer kleinen Schicht von Männern vorbehalten sind. Begrenzte Polygynie kommt tendenziell eher in stark stratifizierten Gesellschaften vor.

In einigen Gesellschaften mit begrenzter Polygynie haben nur Anführer oder Häuptlinge das Recht, mehrere Frauen zu heiraten (z. B. bei den Nambikwara und den Tupi-Kawahib in Brasilien (siehe Traurige Tropen)). Bei den Trobriandern beispielsweise ist die Polygynie ein Statussymbol, mit dem die Macht eines Häuptlings ausgedrückt wird: Durch die Polygynie kann er mehr Kinder und Verwandtschaftsbeziehungen haben, die er wiederum strategisch manipulieren kann. Dadurch verfügt er über eine breitere wirtschaftliche Basis, und er kann bis zu einem gewissen Grad nicht nur seine Frauen, sondern auch deren Brüder kontrollieren.

Polygynie mit oder ohne Koresidenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn die Frauen gemeinsam wohnen und leben, wird von Polygynie mit Koresidenz gesprochen. Polygynie mit getrennter Residenz tritt wesentlich seltener auf.

Sororale Polygynie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sind die Ehefrauen Schwestern, spricht man von sororaler Polygynie. Im kulturellen Vergleich sind die non-sororalen polygynen Ehen häufiger als sororale vertreten.
Diese Eheform sollte nicht verwechselt werden mit dem Sororat.

Polygynie in der Biologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zoologie spricht man von Polygynie, wenn sich ein Männchen innerhalb einer Fortpflanzungsperiode mit mehreren Weibchen paart, die Weibchen jedoch nur mit diesem einen Männchen. Paaren sich auch die Weibchen mit mehreren Männchen, so spricht man von Polygamie.

Polygynie ist im Tierreich weit verbreitet. Bei vielen Herdentieren mit männlichem Leittier und fast allen Hühnervögeln (Galliformes) ist es zu beobachten, ebenso bei manchen Primaten.

In der Botanik wird das Auftreten von eingeschlechtlichen Pflanzen im Gegensatz zu zwittrigen Blüten als Polygamie bezeichnet.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Polygynie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herder, Lexikon der Biologie, Spektrum Akademischer Verlag 1994, Band Min-Prad, Stichwort Polygamie, Seite 455
  2. Herder, Lexikon der Biologie, Spektrum Akademischer Verlag 1994, Band Min-Prad, Stichwort Polygamie, Seite 455