Polynesier

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Polynesierin mit Blumenkranz

Als Polynesier wird eine Gruppe von indigenen Völkern bezeichnet, die polynesische Sprachen spricht und zu der unter anderen die Māori auf Neuseeland, aber auch die Bewohner von Hawaii, Tahiti, Samoa, Tonga, der Osterinsel und der östlichen Inseln von Fidschi zählen.[1]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit etwa 3000 Jahren bewohnen die Polynesier die Inseln des Pazifiks etwa in der Ausdehnung des sogenannten polynesischen Dreiecks. Wohl bedingt durch die lange Isolation der Polynesier ist ihre ursprüngliche Herkunft sehr umstritten. Genom- und linguistische Forschungen zu den austronesischen Sprachen legen eine Herkunft aus Taiwan über Neuguinea nahe. Bewohner der Osterinsel weisen zudem eine genetische Verwandtschaft zu Menschen aus Südamerika auf.[1][2]

Sie besiedelten viele der rund 10.000 Inseln des südlichen Pazifiks, darunter Tonga, Neuseeland, Hawaii und die Osterinsel.[3]

Zwischen 200 v. Chr. und 400 n. Chr. segelten Polynesier nach Norden, in westlichem Bogen nach Melanesien und Mikronesien, andere dagegen östlich gegen Strömung und Wind zu den Cookinseln. Von dort aus, zwischen den Jahren 1 und 600 n. Chr., entdeckten sie Tahiti, die Tuamotus, die Marquesas, Mangareva und die Pitcairninseln. Sie fuhren aus, um neue Inseln und Plätze für ihr Volk zu finden. Um das Jahr 800 begannen sie Ostpolynesien zu besiedeln. Von der Insel Samoa aus zunächst Fidschi, Tonga und Rarotonga. Von Rarotonga segelten die Polynesier um das Jahr 1050 nach Tahiti, besiedelten 1150 Tubuai und kamen um 1190 nach Atiu, Mauke und Rapa Iti. Die größte Entfernung, über den Seeweg, stellt die Überfahrt nach Rapa Nui im Jahr 1210 dar.[4]

Model eines Auslegerkanus

Zur Navigation auf dem Meer nutzten sie sogenannte Stabkarten. Sie zeigten unter anderem bekannte Strömungen und Wellenformationen an.[5] Der Schiffstyp, den die Polynesier benutzten, wird Auslegerkanu genannt und zeichnet sich durch zwei Rümpfe aus.[6][7]

Für Flora und Fauna der betroffenen Inseln führte die Besiedlung durch die Polynesier zu einer Aussterbewelle. So waren die Moas und viele andere neuseeländische Arten schon vor der Ankunft der europäischen Entdecker ausgestorben und sind uns nur durch Knochenfunde bekannt.[8] Ebenso erging es den Moa-Nalos in Hawaii.[9] Durch die europäischen Siedler wurde dann eine zweite Aussterbewelle verursacht.

Die Gesamtzahl aller Polynesier wurde 1997 auf knapp eine Million geschätzt.[10]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christina Thompson: Sea People: The Puzzle of Polynesia. Harpercollins, New York 2019, ISBN 978-0-06-206087-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Polynesier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Polynesien: Die Besiedelung des Pazifiks. Abgerufen am 29. Juni 2022.
  2. @NatGeoDeutschland: Polynesien & Amerika: Kontakt lange vor Ankunft der Europäer. 9. Juli 2020, abgerufen am 29. Juni 2022.
  3. Polynesier: Im Expresszug durch den Pazifik. Abgerufen am 29. Juni 2022.
  4. Alexander G. Ioannidis, Javier Blanco-Portillo, Karla Sandoval, Erika Hagelberg, Carmina Barberena-Jonas: Paths and timings of the peopling of Polynesia inferred from genomic networks. In: Nature. Band 597, Nr. 7877, 22. September 2021, ISSN 0028-0836, S. 522–526, doi:10.1038/s41586-021-03902-8 (nature.com [abgerufen am 29. Juni 2022]).
  5. Ben Finnley: Nautical Cartography and Traditional Navigation in Oceania. In: David Woodward, Malcom Lewis (Hrsg.): The History of Cartography. 2.3 Auflage. 1998, S. 476 ff.
  6. Hawaiian Voyaging Traditions. Abgerufen am 29. Juni 2022.
  7. Anne Di Piazza, Erik Pearthree: Canoes of the Grand Ocean. Publishers of British Archaeological Reports, Oxford 2008, ISBN 978-1-4073-0289-8, S. 85–103.
  8. Riesenvogel in nur 120 Jahren ausgelöscht. Abgerufen am 29. Juni 2022.
  9. deutschlandfunk.de: Vogelfiasko im Pazifik. Abgerufen am 29. Juni 2022.
  10. Annette Bierbach, Horst Cain: Polynesien, erschienen in: Horst Balz et al. (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie, Band 27: „Politik/Politologie - Publizistik/Presse“. Walter de Gruyter, Berlin, New York 1997, ISBN 978-3-11-019098-4. S. Horst Balz et al. (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie, Band 27: „Politik/Politologie - Publizistik/Presse“. Walter de Gruyter, Berlin, New York 1997, ISBN 978-3-11-019098-4.