Polytan

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Polytan

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Rechtsform GmbH
Gründung 1969
Sitz Burgheim, Deutschland
Leitung Mathias Schwägerl, Jörg Siekmann
Website www.polytan.com

Die Polytan GmbH ist ein deutscher Hersteller von Kunstrasensystemen und Sport-Kunststoffbelägen mit Sitz in Burgheim, Bayern.

Polytan ist ein Ausrüster zahlreicher Sportstätten internationaler Wettkämpfe und Erst-Liga-Clubs wie beispielsweise dem Finalrasen der Frauen-Fußball-WM 2015 im BC Place Stadium in Vancouver, Kanada[1] oder den Hockeyrasen der Olympischen Spiele in London 2012.[2] Die Hockey-Wettbewerbe der Olympischen Spiele in Tokio, die wegen des Corona-Virus auf 2021 verschoben wurden, finden wieder auf einem Polytan-Rasen statt. Im Fußball setzen zahlreiche Bundesligisten in ihren Trainingszentren auf einen Polytan-Rasenplatz. Auch das Stade de Suisse in Bern, Nachfolger des legendären Wankdorf-Stadions, verfügt über einen Rasen von Polytan. In der Leichtathletik finden zahlreiche Veranstaltungen auf Polytan-Belägen statt, darunter auch Wettbewerbe der Diamond League sowie 2008 das Leichtathletik-Weltfinale in der Mercedes-Benz Arena in Stuttgart.

Mit seiner Green Technology-Kampagne setzt Polytan verstärkt seit 2018 auf Nachhaltigkeitsthemen, zum Beispiel einen 2020 eingeführten CO2-neutralen Kunstrasen (LigaTurf Cross GTzero) aus nachwachsenden Rohstoffen (erste Plätze sind bereits in Ahrensfelde (Brandenburg) und Duisburg[3] fertiggestellt) und den Einsatz von grünem Strom in der Produktion.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Unternehmen Polytan wurde 1969 als Firl + Schretter Sportstättenbau in Neuburg an der Donau gegründet. Zunächst konzentrierte man sich auf die Installation von polyurethangebundenen In-situ-Kunststoffbelägen für den Sportstättenbau. Polytan wurde im selben Jahr als Handelsmarke eingetragen. Heute umfasst das Sortiment Highspeed-Laufbahnen, Allwetterplätze, Tennis-, Handball- und Fallschutzbeläge sowie Kunstrasensysteme für Fußball-, Hockey-, Rugby- und Multifunktionsspielfelder. Die Polytan GmbH ist weltweit tätig und eine 100-prozentige Tochter der Sport Group Holding.

Ab 1975 begann Polytan mit der Herstellung eigener Rohstoffe für Kunststoffbeläge.[4]

Im Jahr 1995 erweiterte Polytan sein Produktportfolio um Kunstrasensysteme und erwarb hierzu eine Produktionsstätte für Kunstrasen und Polyurethane in Grefrath (NRW)[5].

Ab 2003 verwirklichte Polytan auch bei Kunstrasensystemen eine vollständig vertikale Produktion (von der Herstellung der Rohstoffe bis hin zum Einbau vor Ort). Hierzu wurde am Produktionsstandort in Grefrath eine komplette Beschichtungs- und Extrusionsanlage für Kunstrasen installiert[6].

Ebenfalls 2003 nahm das Unternehmen erstmals als Lizenznehmer am FIFA Quality Programme for Footballturf teil und installierte im selben Jahr das erste FIFA Recommended 2 Star zertifizierte Kunstrasenfeld[7].

Im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 entschied sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Rahmen eines Nachwuchsförderungs-Projekts 1000 Minispielfelder mit Kunstrasen zu bauen. Als Partner suchte sich der DFB die Polytan GmbH aus. Auch nach Auslaufen des Projekts sind die Minispielfelder ein wichtiges Geschäftsfeld geblieben, inzwischen hat Polytan über 2000 Anlagen gebaut.

Von 2007 bis 2009 expandierte das Unternehmen und kaufte Produktions- und Installationsunternehmen in Australien, Deutschland, Frankreich, Schweden und den USA auf[8]. Mit dem erworbenen Installationsunternehmen STI (Sports Technology International) wurde Polytan im Markenverbund Polytan|STI 2011 erstmals FIFA Preferred Producer. 2012 folgte dann die Lizenzierung als Preferred Pitch Producer des International Rugby Boards (heute World Rugby) sowie Preferred Supplier der Fédération Internationale de Hockey. Ebenfalls 2012 wurde Polytan Ausstatter der Hockeyanlagen der olympischen Spiele in London[9].

Im Jahr 2014 akquirierte Polytan das Unternehmen Team Sports, einen der führenden australischen Anbieter von Sport- und Freizeitanlagen.

2019 geriet der Kunstrasenplatz in Deutschland in eine Diskussion über Mikroplastik, weil eine Fraunhofer-Studie zum Thema Mikroplastik auf die Gefahren des Gummigranulats hinwies, dass von den Plätzen abgetragen und in die Umwelt gelangen könnte. Inzwischen hat das Institut eingeräumt, dass die von ihm veröffentlichten Zahlen zu hoch seien. Andere Institute wie die Gütegemeinschaft RAL[10]und die DIN kommen etwas auf ein Zehntel des von Fraunhofer veröffentlichen Wertes. Das Gummigranulat, das als Infill auf dem Platz ausgebracht wird, verbessert die Spieleigenschaften und schützt durch seine Elastizität den Sportler vor Verletzungen. Es fällt wegen seiner Größe von drei bis fünf Millimeter formell unter Mikroplastik, obwohl es in seiner modernen Form zu 70 Prozent aus Naturstoffen und zu 30 Prozent aus synthetischem Kautschuk besteht.

Im Moment untersucht die Europäische Chemie-Agentur ECHA die Auswirkungen des Ausbringen von Mikroplastik auf die Umwelt. Mit einer Empfehlung der ECHA zum weiteren Umgang wird im Laufe des Jahres 2020 gerechnet. 2021 wird die EU-Kommission über ein mögliches Verbot des künstlichen Ausbringen von Mikroplastik entscheiden. Davon betroffen wären auch zahlreiche andere Industriebereiche wie Kosmetik, Landwirtschaft oder Bau.

Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunstrasensysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kunstrasensystemen handelt es sich um vergleichsweise komplexe Systeme, die aus einer Vielzahl unterschiedlicher Komponenten für den jeweiligen Einsatz konfiguriert werden. Sie bestehen in der Regel aus einer elastischen Schicht (aus Gummigranulaten und einem Polyurethan-Bindemittel), dem eigentlichen Kunstrasen (bestehend aus Rücken und Rasenfasern („Filamenten“)) sowie speziellen Einfüllgranulaten (Sand und/oder Gummi), die den Rasen stabilisieren. Alternative Füllstoffe wie Kork kommen ebenfalls zum Einsatz. Je nach Sportart und Anspruch kommen hierbei unterschiedliche Materialien, Texturen und teilweise patentierte Technologien zum Einsatz[11].

In den letzten Jahren setzt Polytan bei der Produktion auf nachwachsende Rohstoffe. So besteht das Gummigranulat zu 70 Prozent aus Naturstoffen wie Kreis und Hanf.

Mit dem Liga Turf Cross GTzero bietet das Unternehmen den weltweit ersten CO2-neutralen Kunstrasen an, der aus nachwachsenden Rohstoffen produziert wird. Basis sind die Abfallprodukte aus verarbeiteten Zuckerrohr.

Kunststoff-Sportbeläge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch im Bereich der Kunststoffbeläge setzt Polytan auf eine Systembauweise, bei der unterschiedliche Komponenten in Massivbauweise oder im Mehrschichtverfahren auf den jeweiligen Einsatzzweck abgestimmt werden. Hierbei wird zwischen einschichtigen Massivkunststoffbelägen und mehrschichtigen Aufbauten unterschieden, bei denen eine Beschichtung aus Kautschuk-Granulaten auf eine Basisschicht aus Gummigranulaten und Polyurethan-Bindemittel aufgebracht wird.

Je nach Einsatzzweck werden so unterschiedliche Systeme mit unterschiedlichen sportfunktionalen Eigenschaften konfiguriert, sowohl im Outdoor- als auch im Indoor-Bereich. Dabei bietet das Unternehmen auch Kunststoffbeläge an, die nach den Anforderungen der International Association of Athletics Federations (IAAF) geprüft und damit für internationale Wettkämpfe zertifizierbar sind[12].

Fallschutzbeläge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Kunstrasensystemen und klassischen Sport-Kunststoffbelägen stellt Polytan auch spezielle Fallschutzbeläge her. Dabei handelt es sich in der Regel um eine ganz auf Stoßdämpfung ausgerichtete Variante der Sport-Kunststoffbeläge, die zum Beispiel auf Spielplätzen und in Kindergärten zum Einsatz kommen. Seit dem Jahr 2015 bietet Polytan in diesem Segment auch spezielle Fallschutzsysteme mit einer Kunstrasenoberfläche an.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Polytan Kunstrasensystem
  2. Polytan Historie
  3. Volker Poley: Kunstrasenplatz in Duisburg ist bundesweit fast einzigartig. 9. Juni 2020, abgerufen am 10. Juni 2020 (deutsch).
  4. Polytan Gesamtkatalog Nr. 12, 2015, S. 5.
  5. ebd.
  6. ebd.
  7. Polytan Gesamtkatalog Nr. 12, 2015, S. 6.
  8. ebd.
  9. Polytan Gesamtkatalog Nr. 12, 2015, S. 7.
  10. Stellungnahme RAL Gütegemeinschaft Mikroplastik in Kunstrasen. Abgerufen am 10. Juni 2020 (deutsch).
  11. ebd. S. 32, ff.
  12. Polytan Gesamtkatalog Nr. 12, 2015, S. 58.