Pomezí

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Pomezí
Wappen von Pomezí
Pomezí (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Pardubický kraj
Bezirk: Svitavy
Fläche: 2528 ha
Geographische Lage: 49° 43′ N, 16° 19′ OKoordinaten: 49° 42′ 49″ N, 16° 19′ 22″ O
Höhe: 575 m n.m.
Einwohner: 1.247 (1. Jan. 2019)[1]
Postleitzahl: 569 71
Kfz-Kennzeichen: E
Verkehr
Bahnanschluss: Svitavy–Žďárec u Skutče
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Věra Chemišincová (Stand: 2007)
Adresse: Pomezí 4
569 71 Pomezí
Gemeindenummer: 578584
Website: www.obecpomezi.cz

Pomezí (tschechisch früher Limberk, deutsch Laubendorf) ist eine Gemeinde mit 1026 Einwohnern in Tschechien. Seine Ortsmitte liegt drei Kilometer südöstlich der Stadt Polička. Die Gemeinde gehört zum Okres Svitavy.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Waldhufendorf erstreckt sich annähernd in Ost-West-Richtung in 640 m bis 560 m ü. M. in der Böhmisch-Mährische Höhe zu beiden Seiten des Bílý potok (Weißbach). Nachbarorte sind Květná im Norden, Radiměř und Stašov im Südosten, Modřec im Süden sowie Polička im Westen, wo Pomezí fließend in die Obere Vorstadt (Horní Předměstí) übergeht. Über die nördlichen Fluren des Dorfes verläuft in 620 m über N. N. die Europäische Hauptwasserscheide.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Lewendorf wurde einige Jahre vor 1265 gegründet. Dies geht aus einer von König Ottokar II. im Jahre 1265 ausgestellten Urkunde hervor, in welcher Konrad von Lewendorf beauftragt wird, die Stadt Politschka zu gründen. In dieser Urkunde wird das Dorf als bestehend erwähnt.[2] Die Kolonisten kamen verschiedenen Indizien zufolge aus Oberfranken. Sie waren darin geübt, geschlossene Waldgebiete in mehr als 600 Metern Höhenlage zu roden und Acker- und Wiesengelände aus ihm zu machen.

Der Zwittauer Kommunalpolitiker und Heimatforscher Karl Lick (1859–1935) (Ps. Carol), Oberdirektor der Zwittauer Sparkasse, 1918 bis 1935 Bürgermeister der Stadt, 1929 Ehrenbürger,[3] schreibt in seinem 1910 veröffentlichten Buch „Die Geschichte der Stadt Zwittau und ihrer Umgebung“[4]: „Das Dorf Laubendorf verdankt nicht der mit dem Jahre 1265 von Politschka ausgehenden, sondern einer etwas älteren Kolonisierung, als deren Ausgangspunkt die Burg Fürstenberg/Swojanow zu betrachten ist, sein Entstehen. - Nur Riegersdorf wurde von Politschka aus besiedelt.“ – An einer anderen Stelle seines Buches schreibt Lick: „Laubendorf verdankt sein Entstehen jenem Konrad von Lewendorf, der die Stadt Politschka anlegte“. – Lick nennt keine Quellen für seine Aussagen. Folgendes Faktum spricht aber für Licks Aussage: Im Jahre 1557 teilten die Herrschaftsinhaber auf der Burg Svojanov (Dieser Name hatte inzwischen den ursprünglichen Namen „Fürstenberg“ verdrängt.), die Brüder Hertwig und Johann Zehusicky, ihren Besitz in drei Verwaltungsteile, den Svojanover Anteil, den Laubendorfer Anteil und den Kurauer Anteil. Unter den über 30 genannten Dörfern befindet sich nicht Laubendorfs Nachbarort Riegersdorf. Riegersdorf gehörte bis zu der von Kaiser Josef II. verfügten Aufhebung der Grundherrschaft immer zur Herrschaft Politschka, während die Laubendorfer Einwohner der Herrschaft Bistrau, die Svojanover Gebiet war, unterstanden. – Daraus muss gefolgert werden, dass Konrad von Lewendorf, bevor er die Gründung der Stadt Politschka anging, Dörfer auf Grund und Boden, der der Burg Fürstenberg zustand, angelegt hatte, darunter eben Laubendorf. Vielleicht stammte die Zusage an ihn, er dürfe in Laubendorf ein Gasthaus betreiben, schon aus dieser Zeit. – Über die Herkunft des Lokators gibt es nur Vermutungen. Keine von ihnen ist stichhaltig.

Über 90 Jahre dauert es, bis der Ort ein zweites Mal erwähnt wird: In der Urkunde, in welcher Papst Clemens VI. im Jahre 1350 die Gründung des Bistums Leitomischl bestätigt, wird "Lauwendorf" als zu diesem Bistum gehörender Pfarrort bestätigt.[5] 1557 und 1592 finden sich die ersten Namen der Dorfbewohner in 2 Dokumenten. Die von der Herrschaft Bistrau ausgestellten Urbare nennen im ersten Fall 79 Namen, darunter ca. 40 Bauern,[6] im zweiten Fall 102 Namen.[7] In beiden Dokumenten finden sich fast nur deutsche Familiennamen, obwohl zu der angrenzenden Stadt Politschka/Polička seit dem 2. Viertel des 15. Jahrhunderts eine Sprachgrenze besteht.

Dass die Kolonisation gelungen ist, zeigt das stetige Anwachsen der Zahl der Anwesen im Lauf der Jahrhunderte. Nur eine einzige Unterbrechung erfuhr diese Entwicklung, als um das Jahr 1600 7 Bauern des Unterortes abgemeiert wurden, damit der Bistrauer Grundherr seinen Meierhof anlegen konnte. Während des Dreißigjährigen Krieges trat eine Stagnation in der Zunahme der Häuser auf; doch alle 14 infolge der Kriegswirren wüst liegenden Höfe und Häusleranwesen hatten 30 Jahre nach Kriegsende wieder einen Besitzer.[8] In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts hob Kaiserin Maria Theresia das Verbot der Hofteilung auf, so dass in der Folgezeit viele Häusleranwesen entstanden. Einen weiteren kräftigen Zuwachs der Anzahl der Anwesen gab es in der Zeit der Ersten Tschechoslowakei, als die Ende des 19. Jahrhunderts gegründete örtliche Raiffeisenkasse in der Lage war, zinsgünstige Kredite zu vergeben.[9]

Die östliche Ortsgrenze ist die Grenze zu Mähren. Die westliche Ortsgrenze war seit dem Beginn der Hussitenkriege auch Sprachgrenze zum Tschechischen. Dennoch kam unter den nunmehr tschechischen Einwohnern der Stadt Politschka der tschechische Dorfname Limberk erst nach 1540 in Gebrauch.[10]

1938 lebten in Laubendorf ca. 1750 Einwohner, davon waren 94 % Deutsche und 6 % Tschechen. Die Einwohner waren fast ausnahmslos katholisch.

Nach dem Münchner Abkommen wurde der Ort dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Zwittau.

Nach dem Zweiten Weltkrieg im Mai 1945 wurden die deutschen Bewohner im Zuge der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei zum Verlassen des Ortes gezwungen. Das erste Drittel der Einwohner wurde am 13. Juli 1945 in die sowjetische Besatzungszone vertrieben. Die Namensliste dieser Heimatvertriebenen ist verlorengegangen. Es existiert jedoch ein Brief, aus dessen Inhalt hervorgeht, dass 500 Personen zu vertreiben sind[11]. Der Rest der Einwohner wurde in mehreren Transporten im Jahre 1946 überwiegend in die amerikanische Besatzungszone abgeschoben. Die Namenslisten der Transporte am 26. März 1946, am 3. und 4. Juni 1946 und am 3. Juli 1946 sind im Státní oblastní archiv Zámrsk archiviert[12]. Das Dorf wurde 1950 in Pomezí umbenannt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort besitzt eine dem hl. Georg geweihte barocke Kirche aus dem Jahre 1727, die 2005 u. a. mit Spenden der früheren deutschen Einwohner renoviert wurde, und eine steinerne Dreifaltigkeits-Statue aus dem Jahre 1717.

St. Georgs-Kirche

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pomezí – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  2. Jaromír Čelakovský (Hrsg.): Codex iuris municipalis Bohemiae. Band 2: Privilegia královských měst venkovských v království českém z let 1225 až 1419. Grégr, Prag 1895, Nr. 14.
  3. Heribert Sturm (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Band 2: I – M. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum. R. Oldenbourg, München 1984, ISBN 3-486-52551-4, S. 447.
  4. Carl Lick: Zur Geschichte der Stadt Zwittau und ihrer Umgebung. Im Selbstverlag, Zwittau 1910.
  5. Anton Boček: Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae. Band 7: 1334–1349. Skarnitz, Olmütz 1860, s. 676 č. 974; Band 7: Vom Jahre 1350–1355. Verlag des mährischen Landes-Ausschusses, Brünn 1874, S. 26 č. 52.
  6. August Sedláček: Hrady, zámky a tvrze Království českého. Díl 1: Chrudimsko. Šimáček, Prag 1882, S. 125. Desky zemské větší 52, K 27.
  7. August Sedláček: Hrady, zámky a tvrze Království českého. Díl 1: Chrudimsko. Šimáček, Prag 1882, S. 126, 240.
  8. Státní Ústřední Archiv v Praze: Soupis poddaných podle víry z roku 1651. Abteilung: Lenka Matušíková, Alena Pazderová: Chrudimsko. Státní Ústřední Archiv v Praze, Prag 2001, ISBN 80-85475-74-X (Kataster der Untertanen nach dem Glauben 1651. Chrudimer Kreis.).
  9. Johann Neudert: Laubendorf im Sudetenland. Geschichts- und Ortsfamilienbuch. Im Jahre 2009 durch den Arbeitskreis Laubendorf anlässlich des bevorstehenden siebenhundertfünfzigsten Jahrestages der Ersterwähnung des Dorfes herausgegeben. Edition Winterwork Grimma 2009, ISBN 978-3-940167-80-4 und http://www.neudert-johann.de/Laubendorf.htm.
  10. Stanislav Konečný: O zakládací listině města Poličky. Městské muzeum, Polička 1995.
  11. Brief des Okresní národní vybor v Poličce vom 1. Juli 1945 in „Statni okresni archiv Svitavy se sidlem v Litomysli - fond Okresní národní vybor Polička 1945–1947, Čis. 10/45“.
  12. Okresní národní vybor v Poličce, Kart. 108, 109.