Pontifikalamt

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Als Pontifikalamt (lat. sacrum pontificale oder missa pontificalis) wird in der katholischen Kirche eine Heilige Messe bezeichnet, der ein Priester vorsteht, der zum Tragen der Pontifikalien berechtigt ist, gewöhnlich ein Bischof oder Abt. Die von einem solchen zelebrierte Totenmesse wird entsprechend Pontifikalrequiem genannt.

Im Pontifikalamt konzelebrieren in der Regel die anwesenden Priester mit dem Bischof bzw. die Klostergemeinschaft mit dem Abt. Der Gebrauch von Hirtenstab und Kathedra deuten auf den Diözesanbischof als obersten Hirten und Lehrer des Bistums bzw. den Abt als Vater und Hirten der Mönchsfamilie hin.

Trägt der Bischof oder Abt nicht die Pontifikalien, obwohl er dazu berechtigt wäre, so handelt es sich nicht um ein Pontifikalamt, sondern um eine sogenannte Bischofsmesse. Eine Heilige Messe, welcher der Papst vorsteht, wird auch als Papstmesse (missa papalis) bezeichnet.

Anlässe[Bearbeiten]

Für bestimmte Gottesdienste ist das Pontifikalamt vorgeschrieben. Dazu gehören die Weihe der Heiligen Öle in der Chrisammesse am Gründonnerstag, die nur von einem Bischof zelebriert werden kann, alle Messen, bei denen Weihesakramente gespendet werden, sowie Firmungen, die Jungfrauenweihe, Kirchweihen und ähnliche Feste des Lebensvollzugs der Kirche. Träger der Pontifikalien sind überdies kirchenrechtlich angehalten, zumindest an hohen Feiertagen Pontifikalämter zu zelebrieren.

Pontifikalamt in Rom in der außerordentlichen Form mit Kardinal Pietro Gasparri

Besondere Zeremonien[Bearbeiten]

Pontifikalämter zeichneten sich vor allem zu Zeiten vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils durch besondere Zeremonien aus. Dem Träger wurden dabei besondere Ehrerbietungen wie Thron und Baldachin geboten; er wurde meist von der Gemeinde vor der Messe „eingeholt“ und mit einer feierlichen Prozession in die Kirche geleitet. Heute sind einige dieser Riten weggefallen. Andererseits hat das alte Pontifikalamt manche Elemente bewahrt, die erst durch die Liturgiereform wieder Eingang in die Priestermesse gefunden haben: Die zahlreiche Beteiligung des Klerus ließ die Konzelebration durchscheinen, der am Sitz und nicht am Altar gefeierte Wortgottesdienst ist nun wieder allgemeiner Usus. Regional geht dem Pontifikalamt noch das Stundengebet der Terz voran. Neben dem großen Einzug und einer feierlichen Prozession zum Auszug, bei denen der Träger der Pontifikalien die versammelte Gemeinde durch das Kreuzzeichen oder durch Besprengung mit Weihwasser segnet, werden Pontifikalämter mit einer erweiterten Segensformel beendet, die Bischöfen und Äbten vorbehalten ist. Die von einem Priester, der die Pontifikalien tragen darf, im Rahmen von Exequien oder an Allerseelen zelebrierte feierliche Totenmesse heißt Pontifikalrequiem.

Liturgische Bücher und Sprachgebrauch[Bearbeiten]

Den Ritus von Pontifikalgottesdiensten regelt im Allgemeinen das Caeremoniale Episcoporum von 1984, besondere Feiern des Bischofs - wie etwa Weihen - finden sich im Pontificale Romanum. Im lateinischen Caeremoniale Episcoporum von 1984 heißt es nicht mehr 'Pontifikalamt', sondern missa stationalis, feierliche Bischofsmesse. Der Begriff Pontifikalamt hat sich aber besonders im deutschen Sprachraum allerorten erhalten. Im Caeremoniale Episcoporum finden sich auch die Rubriken der Pontifikalvesper, das feierliche kirchliche Abendgebet, das von einem Pontifex geleitet wird.

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Rupert Berger: Kleines liturgisches Wörterbuch, Herder Verlag (Herder-Bücherei Bd. 339/340/341), Freiburg i. Br. 1969, S. 346.
  • Rupert Berger: Art. Pontifikalamt, in: LThK, 3. Auflage, Sonderausgabe, Bd. 8, Freiburg i. Br. 2006, Sp. 417.
  • Caeremoniale Episcoporum ex decreto sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II instauratum auctoritate Ioannis Pauli PP II promulgatum, Editio Typica, Vatikanstadt 1984 (lat. Original; gültiges Ritusbuch der lat. Kirche, d. h. des ordentlichen Römischen Ritus').
  • Piero Marini: Il Caeremoniale Episcoporum e la riforma liturgica del Concilio Vaticano II, in: Ephemerides Liturgicae 104 (1990), S. 209-233.
  • Winfried Oppold OSB: Sakristan der Heiligen Kirche. Lese- und Rubrikenbüchlein für Mesner, Küster, Kantoren und für Oberministranten, hrsg. im Anschluß an die Schott-Meßbücher, Freiburg 1953, S. 83, 98, 102, 129 (beschreibt kurz das Pontifikalamt vor der Liturgiereform des II. Vaticanums; enthält knappe Hinweise zum Bischofsempfang und Pontifikalsegen).
  • Joseph Kardinal Ratzinger: Der Geist der Liturgie. Eine Einführung, Herder, Freiburg, 3. Auflage 2000, S. 63f, ISBN 3-451-27247-4 (theologisch-biblische Erschließung der zwei hl. Orte Kathedra und Altar im Bischofsgottesdienst).
  • Karl Wiesli SAC (Hrsg.): Handbuch für Sakristane, Augsburg 1965, 61-66 (beschreibt ausführlicher das Pontifikalamt von Bischöfen und Äbten vor der Liturgiereform des II. Vatikanums bzw. im heutigen Außerordentlichen Ritus).
  • Zeremoniale für die Bischöfe in den katholischen Bistümern des deutschen Sprachgebietes, Regensburg 3. Auflage 2007, ISBN 978-3-7917-1607-7.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]