Popetown

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Seriendaten
Deutscher Titel Popetown
Originaltitel Popetown
Produktionsland Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Jahr 2003
Länge 24 Minuten
Episoden 10
Genre Zeichentrick / Satire
Musik Julian Maurice Moore
Erstausstrahlung 8. Juni 2005 (Neuseeland) auf C4
Deutschsprachige
Erstausstrahlung
3. Mai 2006 auf MTV
Besetzung

Popetown ist eine kontrovers diskutierte Zeichentrick-Fernsehserie aus dem Jahr 2003. Sie behandelt das Leben des fiktiven Priesters Vater Nicholas, der in „Popetown“ – einer Persiflage auf den Vatikan – lebt und arbeitet.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den zehn Episoden geht es um die fiktiven Erlebnisse eines Pater Nicholas im Vatikanstaat: Die Zeichentrick-Serie persifliert einen „durchgeknallten“, infantilen Papst und drei korrupte Kardinäle, die unter anderem Waisenkinder in die Sklaverei verkaufen.

Ausstrahlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich hatte die BBC die Serie in Auftrag gegeben; nach Protesten der katholischen Kirche entschied sich der Sender jedoch, das Projekt wieder fallen zu lassen. BBC gab an, die Serie verletze in erheblichem Maße religiöse Gefühle. Die Produzenten arbeiteten weiter und Popetown wurde schließlich – begleitet von Boykottaufrufen der katholischen Kirche – erstmals am 8. Juni 2005 im neuseeländischen TV-Sender C4 ausgestrahlt.

Im deutschsprachigen Raum erfolgte die Erstausstrahlung am 3. Mai 2006 – eingebettet in ein MTV News Mag Special – auf MTV.

Quoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

555.000 Menschen sahen die erste Folge der umstrittenen Zeichentrickserie, was einen Marktanteil von 1,4 Prozent darstellte. Mit 290.000 Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren betrug der Marktanteil in der Gruppe von Fernsehzuschauern 2,4 Prozent. Der Wert ist ca. drei Mal so hoch wie der deutsche MTV-Durchschnitt. Mit der zweiten Folge erreichte der Sender lediglich noch 0,9 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe.[1]

Öffentliche Diskussion in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Die Herausgeberin der christlichen Zeitung VERS1, Birgit Kelle rief zum Boykott der Werbepartner von MTV auf und startet damals eine Protestaktion an der sich über 50.000 Personen und Organisationen beteiligten. In einem offenen Brief hatte Kelle MTV-Geschäftsführerin Catherine Mühlemann die Frage gestellt: „"Würden Sie auch ‚Mohammed-Town’ ausstrahlen?“" Und weiter: „"Kein Christ wird Ihnen bei Ausstrahlung die Studiofenster zertrümmern, handelt es sich doch beim Christentum um eine Religion des Friedens. Wir verdienen aber nicht weniger Respekt als andere Religionen."“ [2][3][4] Letztlich schlossen sich auch die Kirchen, Politiker und der Zentralrat der Juden dem Protest an. Da der Protest der Kirche MTV nicht zur Absetzung der Satire bewegen konnte, appellierte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen an die Werbekunden des Senders: „Jene Firmen, die MTV finanziell unterstützen, sind schlecht beraten, wenn sie es zulassen, weiterhin als Sponsoren der Verunglimpfung des christlichen Glaubens betrachtet zu werden“.

MTV-Programmdirektor Elmar Giglinger sagte gegenüber dem Magazin Focus, dass die Sendung wie geplant vom 3. Mai ausgestrahlt wird, wörtlich: „Letztendlich sind wir in Deutschland in der glücklichen Situation, in einem Land zu leben und zu arbeiten, in dem Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit es uns erlauben, auch kontroverse Formate im Programm zu haben.“ Er begründete weiterhin die Ausstrahlung damit, dass das Medienkontrollgremium Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen einer vorab eingereichten Folge eine Freigabe fürs Tagesprogramm erteilt habe und sagte: „Von Blasphemie kann also keine Rede sein.“ Die Kritik an der Serie, so Giglinger in einem Interview mit der FAZ, begründe sich hauptsächlich in der Anzeigenkampagne. Wenn alle die Serie gesehen haben, gäbe es keine Diskussion mehr über Blasphemie oder ein Verbot der Serie. Übrig bliebe die Frage, ob es sich um „tolle Satire“ oder „pubertäre[n] Humor“ handele. Dieser Diskussion stelle sich der Sender gerne.[5]

Der Vorsitzende der Jungen Liberalen, Johannes Vogel, kritisierte die Boykottaufrufe: „Ich hielte es für ratsam, wenn man sich ein Urteil erst dann bildet, wenn man weiß, worüber man spricht. […] Bemerkenswert ist, dass von einigen gerade jetzt laut geschrien und nach einem Verbot gerufen wird, da religiöse Gefühle verletzt werden könnten. Noch vor wenigen Wochen wurde von allen Beteiligten zu Recht auf die Pressefreiheit verwiesen, als es um die Mohammed-Karikaturen ging.

Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, kritisierte dagegen die Ausstrahlung von Popetown: „Mit dieser Sendung wird der christliche Glaube der Lächerlichkeit preisgegeben. Dass dies ausgerechnet ein Jugendsender tut, der nach eigenem Dafürhalten für Toleranz und gemeinschaftliches Miteinander eintritt, ist dabei ein besonderer Grund zur Besorgnis. Der Musiksender MTV wird damit der großen Verantwortung für seine zumeist jüngeren Zuschauer nicht gerecht. Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit ist kein Freibrief, sondern erfordert umso mehr Augenmaß und Respekt bei seiner Ausübung.

Jürgen Kaube kritisiert in der FAZ – neben der Serie selbst – die Einmischung der Politik in die Ausstrahlungsdiskussion. In einem säkularisierten Staat sei es „eine Privatsache von Katholiken ... sich über „Popetown“ zu empören.“ Wenn Politiker in Ausübung ihres öffentlichen Amtes Partei ergreifen, gleiche dies den „unfreien Zuständen, für die wir gegenwärtig den Namen des Fundamentalismus verwenden.“ Kaube sieht die Einlassungen der Politik in einer „von manchem empfundene[n] Pflicht zum Schritthalten mit den weltreligiösen Empörungsstandards“ begründet, die durch die Mohammed-Karikaturen gesetzt wurden.[6]

Das Erzbistum München und Freising leitete rechtliche Schritte gegen die Ausstrahlung ein. Es sah den Straftatbestand der Beschimpfung von Religionsgemeinschaften als erfüllt. Einer Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung kam MTV nicht nach. Eine daraufhin beantragte einstweilige Verfügung wies das Landgericht München am 3. Mai 2006 ab, da die Sendung nach Ansicht der Richter nicht den öffentlichen Frieden bedrohe. Die Serie sei dazu, so die Richter wörtlich, „zu dumm“. Joachim Herrmann, bayerischer Fraktionschef der CSU hat bei der Berliner Staatsanwaltschaft ebenfalls Strafanzeige gegen MTV gestellt, der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber forderte zudem, das Strafrecht zur Beleidigung religiöser Gefühle zu verschärfen.

Die Ausstrahlung der ersten Folge geschah im Rahmen einer "MTV News Mag Special"-Diskussionsrunde mit Vertretern von Kirche, Medien, Kultur und Politik im Studio. Den Zuschauern war es möglich, sich online und per Telefon an der Diskussion zu beteiligen. Der Sender MTV erreichte in der Zielgruppe der 14- bis 29-jährigen mit 6,4 Prozent die bis dahin beste Quote in seiner Geschichte. Bisher wurde diese Quote nur von einem "Drawn Together"-Marathon am 31. März 2007 übertroffen.

Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phil Ox ist außerdem Regisseur und Produzent der Serie.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Links zur Serie:

Befürworter:

Gegeninitiativen:

Medienberichte:

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kritik sei Dank: MTV-Serie «Popetown» überzeugt, quotenmeter.de, 4. Mai 2006
  2. www.dradio.de
  3. www.kath.net
  4. books.google.de
  5. „Popetown“ läuft - mit einer Folge. In: faz.net. 27. April 2006, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  6. Jürgen Kaube: Empörung auf Weltniveau. In: faz.net. 23. April 2006, abgerufen am 11. Dezember 2014.