Poppy Field

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Film
Deutscher Titel Poppy Field
Originaltitel Câmp de maci
Produktionsland Rumänien
Originalsprache Rumänisch, Englisch, Französisch
Erscheinungsjahr 2020
Länge 81 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Eugen Jebeleanu
Drehbuch Ioana Moraru
Produktion Velvet Moraru
Kamera Marius Panduru
Schnitt Câtâlin Cristutiu
Besetzung

Poppy Field (engl. für „Mohnfeld“) ist ein Filmdrama von Eugen Jebeleanu, das im November 2020 beim Tallinn Black Nights Film Festival seine Premiere feierte und zwei Jahre später in die deutschen Kinos kam. Im Film gerät ein rumänischer Polizist unter Druck, als sein ehemaliger Liebhaber während eines Einsatzes droht, ihn vor seinen Kollegen zu outen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cristi ist Polizist und arbeitet für die rumänische Gendarmerie. Eines Tages ist der vor seinen Kollegen nicht geoutete Cristi an einem Einsatz in einem Kino beteiligt, wo religiöse Fanatiker die Vorführung eines LGTB-Films stören. Als er hier von einem ehemaligen Liebhaber erkannt wird, droht dieser den Umstehenden zu erzählen, dass auch Cristi schwul ist.[2][3]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmstab und Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich bei Poppy Field um das Spielfilmregiedebüt von Eugen Jebeleanu.[4] Das Drehbuch für Poppy Field schrieb Ioana Moraru. Die im Film gestörte Filmvorführung nimmt Bezug auf das umstrittene LGBT-Drama Soldiers (Originaltitel Soldatii. Poveste din Ferentari) von Ivana Mladenovic, das in den rumänischen Kinos gezeigt wurde. In diesem Film bietet der Hetero Adi dem Roma-Ex-Sträfling namens Alberto anfänglich ohne Hintergedanken seine Hilfe an, der Armut zu entkommen, doch dann entwickelt sich zwischen beiden eine Romanze. Auch dieser Film war bei Vorführungen in Rumänien von Demonstranten unterbrochen worden, wie auch einige Tage zuvor Vorstellungen des französischen Films 120 BPM. Die Störer, die aus religiösen Motiven agierten, warfen den beiden LGBT-Filmen Verderbtheit vor.[3] Jebeleanu verwendet damit auch die Prämisse, der sich Dan Chişus für seinen Film 5 Minute bediente, um die schwierige Situation für Homosexuelle in Rumänien aufzuzeigen.[2]

Cristi ist schwul und arbeitet bei der rumänischen Polizei, der Jandarmeria, was für den Dominoeffekt verantwortlich ist

Die Arbeiten des rumänischen Theaterregisseurs Jebeleanu konzentrieren sich seit mehr als zehn Jahren auf Projekte, die politische und soziale Themen aufgreifen. Er will bei seiner Arbeit anonymen Menschen eine Stimme geben, die sich nicht an die vorherrschende Kultur halten und gegen Systeme rebellieren, die die Meinungsfreiheit einschränken.[5] Jebeleanu, der als der einzige offen schwule Regisseur Rumäniens gilt[4], wollte, dass der Film das Rumänien von heute zeigt, konkret einen Protest in Bukarest im Jahr 2013, als konservative Gruppen die Vorführung eines LGBT-Films in einem Kino unterbrachen. Dieser anfängliche Kontext schuf die Voraussetzung, ein soziales Gefüge aufzubauen, das im Leben des schwulen Gendarm Cristi für einen Dominoeffekt verantwortlich ist. Wenn sein Protagonist versucht, sich an die heteronormativen Erfordernisse seiner Umgebung anzupassen, verkörpere dieser den Konflikt und die Verwundbarkeit vieler LGBTQ+-Personen in Rumänien und anderswo: „Mit anderen Worten: Der soziale Rahmen der Geschichte löst den inneren Konflikt des Protagonisten aus, der versuchen muss, wieder in Balance zu finden“, so der Regisseur.[6]

Besetzung und Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Conrad Mericoffer spielt in der Hauptrolle den schwulen, jedoch nicht geouteten Polizisten Cristi, Radouan Leflahi seinen Partner Hadi und Cendana Trifan Cristis Schwester Catalina, die sich sehr für das Privat- und Liebesleben ihres Bruders interessiert. Alexandru Potocean, Rolando Matsangos, Alex Călin, Ionuţ Niculae und George Piștereanu sind in den Rollen von Cristis Kollegen bei der Jandarmeria zu sehen.[2]

Die Aufnahmen entstanden an 16 Drehtagen im Februar und März 2019.[4] Als Kameramann fungierte Marius Panduru, einer der meistbeschäftigten rumänischen Kameraleute der letzten Jahre, der zuletzt mit Radu Jude an Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen und Uppercase Print arbeitete. Panduru drehte Poppy Field im 16-mm-Format.[7]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Vorstellung erfolgte am 15. November 2020 beim Tallinn Black Nights Film Festival.[2] Ende November 2020 wird er beim Torino Film Festival vorgestellt und auch beim online stattfindenden Festival Internacional de Cine de Gijón gezeigt.[5][8] Ende Juli 2021 wurde er beim Transilvania International Film Festival gezeigt.[9] Im September 2021 wurde er beim Prague International Film Festival und Anfang Oktober 2021 beim Filmfest Hamburg vorgestellt.[10][11] Im April 2022 wurde er beim Sarasota Film Festival gezeigt.[12] Die Vertriebsrechte in Deutschland liegen bei Missing Films.[7] Der Start erfolgte hier am 24. November 2022.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten zwölf Kritiken sind zehn positiv. Die durchschnittliche Wertung liegt bei 6,9/10.[13]

Michael Meyns schreibt in seiner Funktion als Filmkorrespondent der Gilde deutscher Filmkunsttheater, viele Meisterwerke habe das rumänische Kino in den letzten 20 Jahren hervorgebracht, Filme von Cristian Mungiu, Cristi Puiu oder Radu Jude, die einen harschen Blick auf das Leben in dem postkommunistischen Land werfen, dass sich einerseits in Richtung demokratisches Europa entwickelt, andererseits aber oft noch wie in der Vergangenheit verwurzelt wirkt. In dieser Welt spiele auch Eugen Jebeleanus Poppy Field. Der Film sei deutlich als Debütfilm zu erkennen, und groß sei das Bemühen, Themen zu bearbeiten, so wie in diesem Fall die Homosexualität. Jebeleanu zeige in seinem Film eine Gesellschaft, geprägt von unterdrückten Emotionen, stelle dabei mehr Fragen, als das er antworten gibt, doch vor allem durch seine Thematik gelinge es Poppy Field einen neuen Aspekt im inzwischen breiten Feld des rumänischen Kinos zu entdecken und variiere darüber hinaus ähnliche moralische Fragen wie seine Vorbilder.[14]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

D’A Film Festival Barcelona 2021

Gijón International Film Festival 2020

Montclair Film Festival 2021

  • Nominierung im The Future/Now Competition[17]

Premiilor Gopo 2022

  • Nominierung als Bester Spielfilm
  • Nominierung für die Beste Regie (Eugen Jebeleanu)
  • Auszeichnung als Bester Debütfilm (Eugen Jebeleanu)
  • Nominierung als Bester Hauptdarsteller (Conrad Mericoffer)
  • Auszeichnung als Bester Nebendarsteller (Alexandru Potocean)
  • Nominierung für das Beste Drehbuch (Ioana Moraru)
  • Nominierung für die Beste Kamera (Marius Panduru)[18][19]

San Francisco International Film Festival 2021

  • Nominierung als Best New Director (Eugen Jebeleanu)[20]

Tallinn Black Nights Film Festival 2020

  • Nominierung als Bester Erstlingsfilm (Eugen Jebeleanu)[21]

Torino Film Festival 2020

  • Nominierung im Hauptwettbewerb
  • Auszeichnung als Bester Schauspieler (Conrad Mericoffer)[22][23]

Transilvania International Film Festival 2021

  • Nominierung im Wettbewerb der Rumänischen Filmtage
  • Nominierung für die Transilvania Trophy im Hauptwettbewerb
  • Auszeichnung für die Beste Regie (Eugen Jebeleanu)
  • Auszeichnung mit dem Publikumspreis (Eugen Jebeleanu)[24][9][25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Poppy Field. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 234635).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b c d Ştefan Dobroiu: Review: Poppy Field. In: cineuropa.org, 17. November 2020.
  3. a b Jorge Pereira: Poppy Field: sobreviver à guerra identitária. In: c7nema.net, 18. November 2020. (Portugiesisch)
  4. a b c Ştefan Dobroiu: First-time director Eugen Jebeleanu finishes LGBTQ+ drama Poppy Field. In: cineuropa.org, 7. Oktober 2020.
  5. a b Câmp de Maci / Poppy Field. In: gijon.es. Abgerufen am 25. November 2020. (Spanisch)
  6. https://www.gijon.es/sites/default/files/inline-files/POPPY_FIELD_Pressbook.pdf
  7. a b Leo Barraclough: Missing Films Acquires 'Poppy Field' in Germany Ahead of Black Nights Premiere. In: Variety, 6. November 2020.
  8. Poppy Field. In: filmin.es. Abgerufen am 25. November 2020. (Spanisch)
  9. a b Ştefan Dobroiu: As many as 32 Romanian features to be shown at the 20th Transilvania IFF. In: cineuropa.org, 2. Juli 2021.
  10. Poppy Field. In: febiofest.cz. Abgerufen am 16. September 2021.
  11. Blick zurück nach vorn: Filmfest Hamburg gibt das komplette Programm 2021 bekannt. In: filmfesthamburg.de, 14. September 2021.
  12. https://www.sarasotafilmfestival.com/event/poppy-field/
  13. Poppy Field. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 30. August 2022 (englisch).
  14. https://www.programmkino.de/filmkritiken/poppy-field/
  15. Alfonso Rivera: D'A 2021’s Talents Award ends up going to Poppy Field. In: cineuropa.org, 10. Mai 2021.
  16. Alfonso Rivera: 9 fugas and Marygoround are the winning European titles at the Gijón Film Festival. In: cineuropa.org, 30. November 2020.
  17. Clarence Moye: Montclair Film Festival Announces 2021 Award Winners. In: awardsdaily.com, 1. November 2021.
  18. Nominalizări/Câștigători. In: premiilegopo.ro. Abgerufen am 4. März 2022. (Rumänisch)
  19. Ştefan Dobroiu: 'Bad Luck Banging or Loony Porn' receives the Gopo Award for Best Film. In: cineuropa.or, 4. Mai 2022.
  20. Victor Stiff: SFFILM 2021 Announces Full Lineup and New Format. In: thatshelf.com, 26. März 2021.
  21. First Feature Competition. In: poff.ee. Abgerufen am 25. November 2020.
  22. Camp de maci / Poppy Field. In: torinofilmfest.org. Abgerufen am 25. November 2020.
  23. Camillo De Marco: Turin hands trophies to Botox and Identifying Features. In: cineuropa.org, 30. November 2020.
  24. Ciprian Ioana: TIFF 2021: tot ce trebuie să știi despre festivalul de anul acesta. In: playtech.ro, 27. Juni 2021. (Rumänisch)
  25. Ştefan Dobroiu: The Transilvania Trophy goes to The Whaler Boy. In: cineuropa.org, 2. August 2021.