Porta della Carta

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Porta della Carta

Die Porta della Carta ist ein Eingangsportal an der Westfront des Dogenpalastes in Venedig.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Porta della Carta für das zwischen Dogenpalast und Markusdom gelegene Tor, das direkt in den Innenhof führt, kam erst im späten 15. Jahrhundert auf. Dieses Tor wurde ursprünglich porta grande genannt, auch porta del bando, porta del palazzo oder aufgrund seiner Vergoldung porta dorata bzw. porta aurea. Francesco Sansovino bezeichnete es um 1556/57 als l'altra grande, aber in seinem Buch Venetia città nobilissima et singolare (1581) als porta grande che si chiama hora alla Carta.[1] Die Herkunft des Namens Porta della Carta ist nicht schlüssig zu belegen. Es gibt dafür verschiedene Erklärungen: Weil die Bürger Venedigs, die keinen Zugang zum Palast hatten, hier Bittschriften an die Stadtregierung einreichen konnten; weil hier vor dem Tor die Regierungserlasse verkündet wurden; aufgrund eines dahinter liegenden antiche depositi cartarum also des Staatsarchivs der Republik Venedig.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau des Eingangs wurde in der Versammlung des Großen Rats 1430 zusammen mit dem Ausbau der Westfassade des Dogenpalastes beschlossen. Die Porta wurde von 1438 bis 1443 von den venezianischen Bildhauern und Baumeistern Giovanni und dessen Sohn Bartolomeo Bon ausgeführt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei polygonale, in einzelne Abschnitte zerlegte Strebepfeiler, von Fialen bekrönt, flankieren das mächtige rechtscheitige offene Tor und das darüberliegende Fenster. Im späten 15. Jahrhundert beschloss man, für das Tor Bronzetüren von Alessandro Leopardi anfertigen zu lassen, was aber nicht verwirklicht wurde. Über dem Fenster ist eine Figurengruppe angebracht, die den vor dem Markuslöwen knienden Dogen Francesco Foscari zeigt. Es handelt sich hierbei um eine moderne Rekonstruktion aus dem Jahre 1885, da das Original in den Tumulten im Jahre 1797 zerstört wurde. Über dem Großfenster ist ein Tondo angebracht mit einem Relief des segnenden Heiligen Markus, das von drei Engeln gehalten wird. Auf der Wimpergspitze thront Justitia, die allegorische Darstellung der Gerechtigkeit. In den Strebepfeilernischen seitlich des Eingangs stehen Caritas, Prudentia, Temperantia und Fortitudo, die vier Kardinaltugenden.

Hubala erkennt in der Porta della Carta ein wichtiges Monument des sog. Übergangsstils zwischen venezianischer Spätgotik und Frührenaissance. Besonders in den Skulpturen der Tugenden kann man den Einfluss toskanischer Bildhauer nachvollziehen, die die Figuren natürlicher und räumlicher auffassten.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrea Lermer: Der gotische „Dogenpalast“ in Venedig. Baugeschichte und Skulpturenprogramm des Palatium Comunis Veneciarum (= Kunstwissenschaftliche Studien. Bd. 121). Deutscher Kunstverlag, München 2005, ISBN 3-422-06500-8, S. 274–276, (Zugleich: München, Universität, Dissertation, 2002).
  • Giulio Lorenzetti: Venezia e il suo estuario. Guida storico artistica. Presentazione di Nereo Vianello. Ristampa. Erredici, Padova 2002, S. 239, (Die Originalausgabe erschien 1926).
  • Manfred Wundram (Hrsg.): Reclams Kunstführer Italien. Band 2, 1: Erich Hubala: Venedig. Brenta-Villen, Chioggia, Murano, Torcello. Baudenkmäler und Museen (= Reclams Universal-Bibliothek. Nr. 10001–10006). 2. Auflage. Reclam, Stuttgart 1974, ISBN 3-15-010002-X, S. 43.
  1. Andrea Lermer: Der gotische „Dogenpalast“ in Venedig. Baugeschichte und Skulpturenprogramm des Palatium Comunis Veneciarum. 2005, S. 276.

Koordinaten: 45° 26′ 2,9″ N, 12° 20′ 23,5″ O

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Porta della Carta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien