Porta praetoria (Regensburg)

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Porta Praetoria Regensburg 2007 vor der Sanierung. Blickrichtung West -> Ost
Porta Praetoria Regensburg 2017 nach der Sanierung. Blickrichtung Ost -> West

Die Porta praetoria ist ein römisches Tor in Regensburg.

Neben der größeren Porta Nigra in Trier ist die Porta praetoria die einzige erhaltene römische Toranlage nördlich der Alpen.[1][2]

Begriff und antike Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Porta praetoria bezeichneten die Römer in ihren Militärlagern das Haupttor (siehe auch Pforte). Es diente als Ausfalltor und befand sich im Normalfall auf der dem Feind zugewandten Seite des Lagers. Wie eine Bauinschrift von einem der Tore des tripolitanischen Kastells Gholaia aus dem Jahr 222 bezeugt, brachten die Soldaten bei den Baumaßnahmen große Leistungsbereitschaft auf,[3] denn militärische Einrichtungen waren die „physische Manifestation Roms“.[4] Die Bedeutung der hochaufragenden Tore beschreibt der Text aus Gholaia wie folgt: „Wie der Edelstein in Gold gefasst wird, so ziert das Tor das Lager.“[5] Und Tacitus schrieb: „Das Lager ist der besondere Stolz der Soldaten.“[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Kaiser Marc Aurel wurde am südlichen Donauufer, gegenüber der Regenmündung, als Reaktion auf die Markomannenkriege das Legionslager Castra Regina (dt. Lager beim Fluss Regen) gegründet und die 3. Italische Legion hier stationiert. Das Lager wurde 179 vollendet. Wie die meisten römischen Legionslager dieser Größe verfügte es über vier Tore. Das Haupttor, die Porta praetoria, war gen Norden zur Donau hin ausgerichtet.

Aus dem Legionslager entstand die Stadt Regensburg. Im Jahre 932 war das Tor unter dem Namen Porta Aquarum bekannt. Die Toranlage verlor ihre Bedeutung, als im Hochmittelalter die via praetoria überbaut wurde und Teile des Tormauerwerks unter das Straßenniveau kamen. Bei der Bevölkerung geriet die Existenz des Tores endgültig in Vergessenheit, als im Jahr 1649 die Toranlage beim Bau des bischöflichen Brauhauses am Bischofshof in den Neubau einbezogen wurde und aus dem Straßenbild verschwand. Bei der Überbauung wurden auch Teile der Toranlage zerstört. Erst ca. 240 Jahre später wurden 1885 beim Abbruch des ehemals vorgebauten Schlafhauses der Brauburschen die Reste der römischen Toranlage überraschend wieder neu entdeckt. In der Bevölkerung begann eine Diskussion um die Freilegung der römischen Mauerreste, denn damalige Mediziner befürchteten die Freisetzung von alten Thyphuserregern und den Ausbruch einer Seuche. Die Bedenken wurden nicht berücksichtigt und 1887 wurden die Mauerreste nach einer Zuwendung von 25.000 Goldmark im heute sichtbaren Ausmaß zwar freigelegt, aber es entstand eine falscher Grundrissplan mit nur einer Tordurchfahrt, die ohne Überprüfung in viele Publikationen übernommen wurde. Es wurde auch keine Skizze und kein Foto angefertigt, so dass die ursprünglich doppeltorige Durchfahrt des Nordtores, flankiert von zwei halbrund vorspringenden Türmen, erst 1971 durch Untersuchung der Fundamente endgültig gesichert werden konnte.[7]

     [8]

In der Zeit nach 1950 war die Toranlage Gegenstand mehrerer Forschungsprojekte, die zur Entwicklung von Reinigungs- und Konservierungskonzeptionen führten.[9] Im Jahr 2017 wurde eine mehrjährige Sanierungsmaßnahme abgeschlossen, bei der auch die Zugänge und Außenanlagen umgestaltet wurden. Seitdem ist es möglich, im Rahmen von Führungen auch einen Innenraum der Toranlage zu betreten.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tilmann Bechert: Römische Lagertore und ihre Bauinschriften. Ein Beitrag zur Entwicklung und Datierung kaiserzeitlicher Lagertorgrundrisse von Claudius bis Severus Alexander. In: Bonner Jahrbücher 171, 1971, S. 201 ff.
  • Thomas Aumüller: Die Porta Praetoria und die Befestigung des Legionslagers in Regensburg. Dissertation, Technische Universität München 2002, urn:nbn:de:bvb:91-diss2002122019021

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Porta Praetoria in Regensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. document Porta Praetoria Website der Stadt Regensburg. Abgerufen am 14. August 2020.
  2. Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 93.
  3. AE 1995, 01671.
  4. Simon James: Rom und das Schwert. Wie Krieger und Waffen die römische Geschichte prägten. WBG, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-534-25598-6, S. 161.
  5. Christof Flügel, Klaus Mühl, Jürgen Obmann und Ricarda Schmidt: „Wie der Edelstein in Gold gefasst wird, so ziert das Tor das Lager.“ Zur Rezeption römischer Kastelltore in der mittleren Kaiserzeit. In: Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 56, 2015, S. 395–407; hier: S. 395.
  6. Historien 3,84
  7. Karl Heinz Dietz, Udo Osterhaus, Sabine Riekhoff-Pauli, Konrad Spindler: Regensburg zur Römerzeit, Verlag Friedrich Pustet Regensburg (1979), ISBN 3-7917-0599-7, S. 192 - 198
  8. Klemens Unger, Julia Weigl: Regensburg Leben im 19 Jahrhubdert. Klemens Unger,Kulturreferat der Stadt Regensburg, Regensburg 2000, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 77.
  9. uni-regensburg.de: Porta Praetoria: Rekonstruktionsmodelle (Memento vom 13. September 2018 im Internet Archive)
  10. Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 3-935052-28-6, S. 92–94.

Koordinaten: 49° 1′ 12,4″ N, 12° 5′ 55,2″ O