Portionskaffeemaschine

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Die Portionskaffeemaschine steht als Sammelbegriff für Kaffeemaschinen, die mit Einzel- bzw. Doppelportionierung, sogenannten Pads oder Kapseln arbeiten. Bei mancher Portionskaffeemaschine wird auch der Begriff Heißgetränkesystem verwendet, um anzudeuten, dass die Portionen nicht nur mit Kaffeeanteil, sondern auch mit weiteren Geschmackssorten wie Kakao oder Tee angeboten werden. Die charakteristischen Eigenschaften der Portionskaffeemaschine sind die sehr einfache Bedienung und kurze Zubereitungszeit des Heißgetränks durch vorgemischte Zutaten zum passenden Gerät.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Erfindung der Filterkaffeemaschine, beginnend mit der Wigomat in den späten 1950er Jahren, setzte ab den 1970er Jahren eine Massenverbreitung dieser Zubereitungsart ein. Die Folge war ein Preisverfall der meist sehr langlebigen Geräte und eine abnehmende Beteiligung der Maschinenhersteller am gesamten durch Kaffekonsum erzielten Umsatz. Philips entwickelte zusammen mit dem Kaffeeanbieter Douwe Egberts die Senseo als erste Portionskaffeemaschine, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken - bei den Portionssystemen verdient der Hersteller ja nicht nur am einmaligen Verkauf der Maschine selbst, sondern auch an dem vom Verbraucher immer wieder zu erwerbenden portionierten Kaffee. Andere Anbieter zogen mit ähnlichen Systemen nach.

Systeme und Anbieter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel einer Portionskaffeemaschine

Die bekanntesten Kaffeepadsysteme und die Kenndaten der Pads bzw. Kapseln sind:

System-
name
Anbieter Füllmenge Leergewicht Durchmesser Höhe Kapsel/Pad-
Material
Markteinführung
Caffita Gaggia und Ècaffè 7 g 3,16 g 45 mm 21 mm Kunststoff
Cafissimo Tchibo 7 g 3,16 g 45 mm 21 mm Kunststoff März 2005
Delizio/Cremesso Delica / Migros 6 g 34,0 mm[1] 23,8 mm[1] Polypropylen 2004
Dolce Gusto Nestlé, De’Longhi, Krups 7 g 3,4 g Kunststoff/Aluminium 2005
E.S.E. verschiedene 7 g 44 mm Papier
Expressi Aldi Kunststoff Oktober 2013
MyCup Melitta Papier Dezember 2004
Nespresso Nestlé, De’Longhi, Krups 1 g 28,8 mm[1] 30,0 mm[1] Aluminium 1986
Senseo Philips und Douwe Egberts 6,9 g 68 mm 6 mm Papier 2001
Tassimo Kraft Foods 7 g 4,4 g Kunststoff 2005

Der offene ESE-Standard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

E.S.E.Easy Serving Espresso, ein offener Standard für Pads, der vom Istituto Nazionale Espresso Italiano streng normiert ist. Ein Pad besteht aus 7 Gramm Kaffee und 0,2 Gramm Papier und ist somit voll biologisch abbaubar. Pad-Hersteller sind u. a. Illy, Lucaffé, Hausbrandt, Hornig und Schreyoegg. Maschinen sind von den unterschiedlichsten Herstellern erhältlich, auch lassen sich viele herkömmliche Siebträger-Maschinen durch spezielle Siebe auf E.S.E.-Pad-Betrieb erweitern.

Weitere Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaffeepad-Maschine mit integrierter Spezialtasse
  • Lavazza – Das Unternehmen bietet zwei verschiedene Systeme für Espresso/Heißgetränke-Zubereitung an, „LavazzaBlue“ sowie das ältere „Espresso Point“, deren Kapseln nicht kompatibel sind. Das System ist eine Variante der Nespresso-Weiterentwicklung von Eric Favres Firma Monodor und von dieser weltweit (außer in der Schweiz) lizenziert. Die Kapseln bestehen aus Polypropylen.
  • Gaggia: Gaggia und Princess bieten wie Tchibo-Maschinen für das Caffita-System an, beispielsweise die Gaggia Evolution Caffitaly und die Princess Caffita 201E.
  • Padova – Das Unternehmen Stefano Il Caffè bietet unter dem Namen „Padova“ eine ähnliche Maschine an, die allerdings keine vollkommen runden Pads benutzt, sondern viereckige mit abgerundeten Ecken. Runde Pads in dieser Maschine zu benutzen, funktioniert nicht einwandfrei und das Ergebnis kommt geschmacklich bei weitem nicht an die Original-Pads heran. Baugleiche Modelle zur „Padova“, allerdings für runde Pads, bieten die Firmen Petra (Padissima KM-Serie) und Privileg (Trio).
  • Spressino – Das Unternehmen verkauft in Deutschland, Österreich, Italien, Tschechien und Russland ein Pad-System, das im Original von Malongo stammt und 1-2-3 spresso heißt.
  • K-Fee: Ein System des Instant-Heissgetränkeherstellers Krüger, das u.a. gemeinsam mit der Bild-Zeitung vermarktet wurde. Krüger fertigt das K-Fee-System mittlerweile weltweit für eine Hand voll Unternehmen[2], so u. a. seit 2012 für Starbucks in den USA unter dem Namen „Starbucks Verismo“ und Aldi unter dem Namen „Expressi“ (Ersteinführung: Aldi Australien in 2011. Aldi Deutschland seit Ende 2013. Andere Länder stehen aus).
  • A MODO MIO (Lavazza)
  • WMF – Das Gerät WMF 1 ist der kleinste Kaffeepad-Automat und arbeitet mit Senseo-kompatiblen Pads und eigener Tasse.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verpackungen eines Kapselsystems

Lock-in-Effekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaffeesysteme stehen aufgrund des Lock-in-Effekts unter Kritik. Die Systeme sind untereinander nicht kompatibel, für jedes System sind verschiedene Kaffeepads bzw. -kapseln erforderlich. Ursprünglich waren diese nur vom jeweiligen Hersteller verfügbar, was die Auswahlmöglichkeiten sehr einschränkte. Mittlerweile sind aber auch Kaffeeportionen von anderen Anbietern erhältlich. Kritisiert wird auch, dass die Anschaffungskosten für die jeweiligen Kaffeemaschinen niedrig sind, die Folgekosten für die Kaffeepads dafür – zum Teil um ein Vielfaches – über dem von herkömmlichem Kaffee liegen.[3]

Müllproblem durch leere Kaffeekapseln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während sich Papierfilter aus Filterkaffeemaschinen mühelos kompostieren lassen, fallen pro Kaffeekapsel rund 1,13 Gramm energieintensiven Aluminiums an. Im Jahr 2012 wurden in Deutschland 6640 Tonnen Kaffeekapseln verwendet, die kaum recycelt werden. Bei einer 250-Gramm-Packung Espresso, mit der sich rund 35 Tassen zubereiten lassen, fällt nur ein Zehntel der Abfallmenge an.[4]

In einer Studie der EMPA schneiden Tassimo und Lavazza Espresso Point aufgrund der aufwendigen Verpackung, der Größe und des Verbundmaterials (Kunststoff/Aluminium) der verwendeten Kapseln ökologisch besonders schlecht ab.[5] Umweltschädigung durch den Kaffeeanbau sowie Energieeffizienz der jeweiligen Kapselmaschine wurden in dem Vergleich nicht berücksichtigt.

Siehe auch: Aluminiumrecycling

Große Preisunterschiede[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiele der Stiftung Warentest im Oktober 2015 mit Angabe des mittleren Anschaffungspreises und einer Berechnung der Verbrauchskosten für Kaffeekapseln für das erste Jahr, bei einem Tagesbedarf von vier Espresso oder Kaffee Crema[6]:

Portionskaffeemaschinentyp Anschaffungspreis Preis für eine Kapsel Kosten im ersten Jahr
Aldi Süd Expressi K-fee 117 70,00 Euro 0,17 Euro 318,00 Euro
Delica Cremesso Compact One 68,00 Euro 0,25 Euro 433,00 Euro
De’Longhi Nespresso U EN 110 106,00 Euro 0,37 Euro 646,00 Euro
AEG Lavazza LM6000 199,00 Euro 0,38 Euro 754,00 Euro

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d http://www.hjreggel.net/kpadinfo/misc-cmp.html
  2. https://www.k-fee-system.com/de/kapselsystem/referenzen
  3. Öko-Institut e. V. (Hrsg.): Bewusst schenken: Stromsparende Kaffeemaschinen unter den Weihnachtsbaum. 2. Dezember 2010, abgerufen am 31. März 2013.
  4. Kathrin Garbe: Auf der Suche nach der perfekten Tasse Kaffee. In: merkur-online.de, 17. August 2012. Abgerufen am 31. März 2013.
  5. Ökobilanz von Kaffeekapseln unter der Lupe – Auf den Kaffee kommt es an, Roland Hischier, publiziert am 10. Mai 2011
  6. http://www.focus.de/digital/service/krups-und-de-longhi-stiftung-warentest-das-sind-die-besten-kaffee-kapsel-kuenstler_id_5049714.html