Portsmouth Sinfonia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Orchester Portsmouth Sinfonia, gegründet 1970 von einer Studentengruppe an der britischen Portsmouth School of Art, zeichnete sich durch seine besondere Zusammensetzung aus: Mitspielen konnte, wer kein Musikinstrument beherrschte – und Interessenten, die bereits auf einem Instrument geübt waren, mussten eines wählen, das sie nicht beherrschten. Unter den Gründungsmitgliedern befand sich auch Gavin Bryars, der mehr daran interessiert war, mit der Natur der Musik zu spielen, als ein traditionelles Orchester zu gründen. Die Gründungsmitglieder Michael Nyman und Brian Eno waren zuvor am Scratch Orchestra von Cornelius Cardew beteiligt gewesen, das auf derselben Philosophie beruht, sich aber wegen politischer Streitigkeiten aufgelöst hatte.[1]

Portsmouth Sinfonia begann als einmaliges, selbstironisches Performancekunst-Ensemble, das sich jedoch über die nächsten zehn Jahre zu einem kulturellen Phänomen entwickelte. Es kamen Konzerte (etwa in der ausverkauften Royal Albert Hall in London), Alben, ein Film und eine Hit-Single zustande. Das Medley mit dem Titel Classical Muddly erreichte 1981 die Top 40 der britischen Charts.[2] Die letzte öffentliche Aufführung fand im Jahr 1979 statt. Eno, bekannt für die von ihm geprägte Ambient-Musik, spielte bei diesem Ensemble die Klarinette. Nyman (Euphonium), Steve Beresford und Brian Reffin Smith (Klarinette) waren andere bekannte Teilnehmer.

Gavin Bryars ermutigte jedermann – ohne Rücksicht auf Talent, Fähigkeit und Erfahrung – mitzuspielen. Der Besuch der Proben war Pflicht, und ebenso mussten sich die Musiker Mühe geben, möglichst gut zu spielen – absichtlich falsch zu spielen war verpönt. Das frühe Repertoire des Orchesters bestand aus bekannten Klassikern wie An der schönen blauen Donau von Johann Strauss und Also sprach Zarathustra von Richard Strauss, damit auch die wenig erfahrenen Musiker wussten, wie das Stück klingen sollte. In den späteren Jahren wurde das Repertoire auf Popmusik und Rock ’n’ Roll ausgeweitet.

In den letzten Jahren wurden Aufführungen von Portsmouth Sinfonia zu einem Teil der Internetkultur, insbesondere auf YouTube, wo die Stücke oft sinnentfremdend als Orchestra Fail betitelt wurden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael White: Lousy Is the Best They Can Ever Be. nytimes.com, 26. August 2007, abgerufen am 12. Juni 2016
  2. Portsmouth Sinfonia im Archiv der Official Charts, gesichtet am 13. Juni 2016