Porzellanikon

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Das Porzellanikon ist ein Museumskomplex, der sich mit der Fabrikation von Porzellan und Keramik in Selb und Hohenberg an der Eger im Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge (Oberfranken) beschäftigt. Es entstand aus dem Zusammenschluss der Porzellanwelt Selb (mit dem Europäischen Industriemuseum für Porzellan, dem Europäischen Museum für Technische Keramik und dem Rosenthal Museum) und dem Deutschen Porzellanmuseum in Hohenberg an der Eger.

Seit 2012 ist das Porzellanikon als Mitglied im „Urban Network for Innovation in Ceramics“[1] in die Europäische Keramikstraße einbezogen.

Standort Selb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porzellanikon – Standort Selb

Die Stadt Selb gilt als Zentrum der deutschen Porzellanindustrie. Die in Selb und Umgebung ansässigen Porzellanhersteller sind Marktführer im Bereich des Geschirrporzellans. Der Museumskomplex des Porzellanikon Selb setzt sich aus drei Museen zusammen. Das Europäische Industriemuseum für Porzellan zeigt die Fabrikfertigung von Porzellan. Das Europäische Museum für Technische Keramik beschäftigt sich mit dem Einsatz von Keramik in den Bereichen Medizin, Elektrotechnik und Raumfahrt. Das Rosenthal Museum dokumentiert die Produkt- und Designgeschichte der Rosenthal AG, einem Hersteller von Porzellan- und anderen Haushaltswaren.

Europäisches IndustrieMuseum für Porzellan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Europäische IndustrieMuseum für Porzellan befindet sich auf dem ehemaligen Fabrikgelände der Rosenthal AG in Selb-Plößberg (Bayern). Die bereits 1866 gegründete Fabrik ist mittlerweile ein anerkanntes Industriedenkmal. Das Museum zeigt – zum Beispiel an originalgetreu eingerichteten Arbeitsplätzen – die Entwicklung der Porzellanherstellung in einer Fabrik und deren Bedingungen von den Anfängen bis in die Gegenwart. Es ist ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH).

Es wird dargestellt, wie Porzellangeschirr hergestellt wird und wurde. Bildschirme zeigen das Innenleben komplexer Maschinen und machen so deren Funktionsweise nachvollziehbar. Der Einsatz spezieller Software ermöglicht die experimentelle Gestaltung dreidimensionaler Porzellanobjekte. Über Touchscreen-Anwendungen können weiterführende Fragen geklärt werden. Das Museum greift auch sozialgeschichtliche Fragestellungen auf.

Europäisches Museum für Technische Keramik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Europäische Museum für Technische Keramik wurde am 10. Oktober 2005 als Teil des Porzellanikon Selb eröffnet. Es ist das erste Museum in Europa, das sich der Hochleistungskeramik widmet. An seiner Entstehung beteiligten sich zahlreiche Hersteller technischer Keramik sowie der Verband der Keramischen Industrie (Selb).

Erstmals kam technische Keramik zur Zeit der Französischen Revolution in Form von Zahnersatz zum Einsatz. Unter Friedrich dem Großen wurde die Säureresistenz von Porzellan für Labor- und Apothekengeschirre genutzt. 1849 kam schließlich der erste aus Keramik gefertigte Glockenisolator auf der Telegrafenstrecke zwischen Frankfurt und Berlin zum Einsatz. 1891 wurden auf der elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt erstmals Porzellanisolatoren vorgestellt. Die Weiterentwicklung der Technologie brachte eine Vielzahl weiterer Einsatzmöglichkeiten für technische Keramik.

Technische Keramik findet sich heute auch in alltäglichen Gegenständen wie Feuerzeugen, Handys, Espressomaschinen oder Autos, da der Werkstoff hitzebeständig, haltbar und hart ist. Keramische Klingen schneiden beispielsweise Diamanten.

Rosenthal Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Rosenthal Museum kehrte die Rosenthal AG anlässlich ihres 125-jährigen Jubiläums auf ihr altes Werksgelände zurück. Das Museum ist im alten Brennhaus der ehemaligen Fabrik untergebracht. Das ursprünglich 1889 erbaute Gebäude brannte allerdings 1982 bis auf die Außenmauern nieder. Sein Wiederaufbau berücksichtigte die Idee eines „offenen Raumkonzeptes“. Von den ursprünglich drei hintereinander stehenden Rundöfen wurde der vordere vollständig saniert.

Das Museum zeigt in verschiedenen Themeninseln die Geschichte des Unternehmens und seiner Produkte, die am 30. August 1879 im Schloss Erkersreuth mit der Porzellanmalerei Philipp Rosenthals begann. 1917 erwarb Rosenthal die 1866 von Jacob Zeidler gegründete Porzellanfabrik in Selb-Plößberg. Die Firma nutzte die Fabrikanlagen, bis sie ihre Produktion 1969 nach Rotbühl verlegte.

Als Manufaktur des Wohnens und Lifestyle-Anbieter setzte Rosenthal schon früh auf die Verbindung von Kunst, Architektur, Design, Porzellan und anderen Werkstoffen. Aufbauend auf den Entwürfen der für Rosenthal tätigen Produktdesigner wie Walter Gropius, Elsa Fischer-Treyden oder Bjørn Wiinblad konnte die Firma international renommierte Künstler wie Salvador Dalí, Friedensreich Hundertwasser oder Niki de Saint Phalle für eine Zusammenarbeit gewinnen.

2009 wurde die Rosenthal-Sammlung des insolventen Porzellanherstellers Rosenthal von der staatlichen Oberfrankenstiftung gekauft, darunter Originale von Salvador Dalí und Andy Warhol. Die Stiftung überließ den Fundus dem Porzellanmuseum.

Standort Hohenberg an der Eger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porzellanikon – Standort Hohenberg

In Hohenberg an der Eger wurde 1982 das Deutsche Porzellanmuseum eröffnet. Zuvor hatte der Komplex als Direktorenvilla des Familienunternehmens Carolus Magnus Hutschenreuther gedient. Mit der Gründung der ersten Porzellanfabrik Nordostbayerns 1814 hatte Hutschenreuther in Hohenberg den Grundstein dazu gelegt, dass sich die Region rasch zum Zentrum der deutschen Porzellanindustrie entwickelte. 1995 wurde das historische Haus um einen modernen Anbau aus Glas und Stahl auf 2000 m² erweitert. Heute zeigt das Museum rund 12.000 Exponate, mehr als 150.000 Teile befinden sich im Depot.

Die Dauerausstellung zeigt Porzellanprodukte aus China sowie alle Arten von Porzellan, das im deutschsprachigen Raum produziert wurde, und zwar sowohl kostbare Einzelanfertigungen für Adelige als auch Industrieprodukte. Der Rundgang ist chronologisch angelegt. In jedem Raum werden dem Besucher Merkmale jeweils einer Kunstepoche gezeigt. Vor den Gebäuden liegt der ehemalige Fabrikantengarten mit Apfelbäumen und Rosenlauben.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 war im Museum an beiden Standorten die Ausstellung Rosenthal - ein Mythos. Zwei Männer schreiben Geschichte zu sehen.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Städtenetzwerk für Keramikinnovation
  2. Kunst gehört auf den Tisch in FAZ vom 26. September 2016, Seite 12

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 50° 10′ 10″ N, 12° 7′ 43″ O