Porzellanmalerei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Qsicon Fokus2.svg Dieser Artikel wurde am 5. Dezember 2017 auf den Seiten der Qualitätssicherung eingetragen. Bitte hilf mit, ihn zu verbessern, und beteilige dich bitte an der Diskussion!
Folgendes muss noch verbessert werden: Bilder aussortieren, korrekt bequellen, neutraler gestalten. --Icy2008 Disk Hilfe? 21:27, 5. Dez. 2017 (CET)


Porzellanmalerei ist die manuelle oder teilmechanisierte Verzierungstechnik von Porzellangegenständen mit Emaillefarben. Der Vorteil der Porzellanmalerei ist ihre Beständigkeit. Gemälde, Grafiken oder Fresken erleiden im Laufe der Zeit farbliche und stoffliche Veränderungen und müssen ständig restauriert werden, bemaltes Porzellan hingegen verliert nicht an Brillanz.

Die Porzellanmalerei diente ursprünglich zur Verzierung von Porzellan, das zum Gebrauch bestimmt war. Wegen der wertvollen Qualität ihrer Malerei wurden viele Porzellangegenstände jedoch nur als Zierde verwendet, folglich wurden auch eigens Ziergegenstände hergestellt. Im Verlauf der Epochen der Kunstgeschichte veränderte sich auch der Stil der Porzellanmalerei; es wurden zahlreiche Gegenstände aus Porzellan nach dem Geschmack der Zeit hergestellt und bemalt wie: Ziergefäße, Blumentöpfe, Figuren[1], Tabletts[2], Schreibgarnituren, Kerzenleuchter, Parfümflakons, Schminkdosen, Tabakdosen, Pfeifenköpfe[3], Besteckgriffe, Gehstockgriffe, Regenschirmgriffe usw.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon im Altertum wurden Keramik-Gefäße mit Farben bemalt und Glasuren überzogen. Nach der Erfindung des Porzellans in China in vor christlicher Zeit wurden die Porzellanteile auch künstlerisch bemalt. Mit der Erfindung des europäischen Porzellans durch Johann Friedrich Böttger in Meißen entstand die zur Verzierung notwendige Porzellanmalerei, die auf die Emailmalerei auf Glas abgeleitet wurde. Durch den großen Erfolg des in Meißen im frühen 18. Jahrhundert hergestellten bemalten Porzellans, entstanden in ganz Europa weitere Porzellanmanufakturen, trotz des Versuchs den Herstellungsprozess geheim zu halten.

Porzellanfarben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herstellung der Porzellanfarben ist der Emailleherstellung ähnlich. Als Porzellanfarben benutzt man Metalloxide, die eine spezielle Glasmasse als Trägermaterial eingeschmolzen werden, die bei der vorgesehenen Brenntemperatur genügend flüssig wird, ohne zu stark zu zerfließen. Die Masse wird zu Pulver gemahlen und mit einem Bindemittel (Öle und Terpentin) versehen, damit die Farben mit einem Pinsel aufgetragen werden können. Das Bindemittel wird beim Brennvorgang rückstandslos verbrannt.

Porzellanmaler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kunsthandwerkliche Ausbildung zum Porzellanmaler kann bis zu 10 Jahren dauern.[4] Es gab einige Porzellanmaler, die bekannte Ölmaler und sogar Professoren an Kunstakademien wurden, z.B.: Frédéric Frégevize, Johann Hubert Anton Forst, Carl Daniel Freydanck

Maltechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Auftragen der Porzellanfarben erfolgt mit sehr feinen Pinseln, bei der feinen Lupenmalerei auch mit Einhaarpinseln. Für die Übertragung von bildlichen Darstellungen hat man optische Geräte (Umzeichner) nach dem Prinzip des Episkops verwendet. Durch die Projektion auf die gekrümmten Flächen von Vasen und Tassen, erklärt sich die oft sichtbare verzerrte Darstellung der Malereien.

Um das gleiche Motiv von einer Vorlage leichter öfter zu übertragen, verwendete man ein Umdruckverfahren[5], mit dem man die Umrisse des Motivs auf das Porzellan übertrug und danach die farbliche Malerei manuell ausführte. Diese Technik wurde 1810 bei der KPM Berlin eingeführt. Im 20. Jahrhundert konnte man dann Porzellan farbig bedrucken. Dadurch wurden die Produkte zwar preiswerter, aber weniger wertvoll. Heute kann man sich eigene Fotografien, auch die von alten Porzellanmalereien, auf Porzellan übertragen lassen. Um den Unterschied zum Hand bemalten Porzellan zu sehen braucht man Expertenkentnisse und eine Lupe.

Dekore und Ornamente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verwendung von Dekoren und Ornamenten als Verzierung wurde schon im alten China angewendet. Die Motive sind meist stilisierte Pflanzenteile wie Rankenwerk und Blattwerk, aber auch Kringel und Meander[6]. Fast alle bildlichen Darstellungen sind mit Ornamenten umrahmt. Bei Tellern sind die Fahnen und bei Tassen die Henkelseite umfangreich mit Ornamenten dekoriert.

Blumenmalerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Beginn der Porzellanfabrikation im 18. Jahrhundert in Meißen wurden Porzellane mit Blumenmalerei [7] verziert. Obwohl nur wenige Porzellanfarben verfügbar waren, gelang es den Porzellanmalern eine sehr hohe Qualität der Darstellung zu erreichen, die dann Vorbild für alle anderen Manufakturen wurde. Neben einzelnen Blumen und Blumensträußen, gab es eine Vielfalt spezieller Dekore z.B. Deutsche Blumen, Indianische Blumen[8][9], Strohblumenmuster, Holzschnittblumen, Marcolini-Blumen, Manieristische Blumen (Meißner Rose), Streublümchen, Naturalistische Blumen (botanische Malerei), Wiesenblumen[10], Zwiebelmuster, usw.

Botanische Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die exakte botanische Darstellung von Blumen, Früchten und Baumzweigen übertraf andere Arten der Malerei, die zur Pflanzenerkennung erstellt werden, weil auf Porzellan viel feiner gemalt werden konnte als auf Papier.

Vedutenmalerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vedutenmalerei[11], auch Prospektmalerei genannt, ist die wirklichkeitsgetreue, topografisch und perspektivisch korrekte Darstellung von Landschaften, Orten, Gebäuden, Straßen und Plätzen. Die frühesten Vedutenmalereien auf Porzellan gab es bereits ab 1735 auf Porzellandosen aus Meißen.[12]

Porträtmalerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porträts auf Porzellan bekannter Persönlichkeiten findet man häufig auf Tassen, aber auch auf Vasen und Porzellanplatten.[13]

Watteaumalerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erotischen Ölgemälde des französischen Malers Antoine Watteau wurden von Friedrich dem Großen gesammelt und auf seinen Wunsch in seiner eigenen Porzellanmanufaktur auf Porzellanvasen gemalt. Es gibt viele dieser Darstellungen auf Porzellan als Watteau gemalt.

Mythologische Szenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellungen mythologischer Szenen[14] in der bildenden Kunst sind auch auf Porzellan weit verbreitet. Eine eigene Gruppe ist die Darstellung von Parzen (Schicksalsgöttinnen) auf Andenkentassen, meist mit Sprüchen.

Tiermalerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt wohl kein Tier, das nicht auf Porzellan verewigt wurde.[15]

Kriegsandenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zahlreichen Kriege der preußischen Könige führten auch zu zahlreichen Andenken auf Porzellan.

Wappen auf Porzellan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappendarstellungen auf Porzellan wurden auf Bestellung für Adelshäuser, aber auch für Firmen hergestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dr. Samuel Wittwer: Raffinesse & Eleganz. Hirmer Verlag, München 2007, ISBN 978-3-7774-3465-0., Porzellanmalerei
  • Erich Köllmann: Berliner Porzellan. Klinkhardt & Biermann, Braunschweig 1966. 2 Bände, Porzellan der KPM Berlin
  • Erich Köllmann/Magarete Jarchow: Berliner Porzellan. Klinkhardt & Biermann, München, ISBN 3-7814-0264-9. 2 Bände, Porzellan der KPM Berlin
  • Ludwig Schnorr von Carolsfeld: Porzellan der Europäischen Fabriken. Klinkhardt & Biermann, Braunschweig 1974. 2 Bände, Europäisches Porzellan
  • Winfried Bar und H. Walter Lack: Pflanzen auf Porzellan. Botanisches Museum Berlin, Berlin 1979, ISBN 3-921800-13-7.
  • Helge Siefert: Porträttassen. Corona Verlag, Karlsruhe 1984.
  • Dr. Samuel Wittwer und andere: KPM gestalten benutzen sammeln. Rasch Druckerei und Verlag, Bramsche 2013.
  • Georg Lenz: Berliner Porzellan 1763-1786. Helmut Scherer Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-89433-018-X. 2 Bände, Friedrizanisches Rokoko auf Porzellan
  • Hildergard Wievelhove: Biedermeier-Tassen. Druckhaus Beltz, Hermsbach 2005, ISBN 3-89790-221-4.


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Porzellanmalerei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietmar Jürgen Ponert: Kunstgewerbe I. Druckerei Franz Spiller, Berlin 1985, ISBN 3-925653-00-7., Seite 45
  2. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tablett_570a.JPGA
  3. Dietmar Jürgen Ponert: Kunstgewerbe I. Druckerei Franz Spiller, Berlin 1985, ISBN 3-925653-00-7., Seite 96
  4. https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Porcelain_painters Liste von Porzellanmalern
  5. Winfried Baer und weitere: Carl Daniel Freydanck. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1987, ISBN 3-87584-210-3., Seite 27
  6. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Teller_1237a.JPGA Meander und Kringel
  7. https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Flowers_on_porcelain Blumen auf Porzellan
  8. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Teller-Indianische_Blumen-652.JPG
  9. Erich Köllmann: Berliner Porzellan. Klinkhardt & Biermann, Braunschweig 1966., Band II Tafel 2, 84 und 86
  10. Angelika Lorenz: Berliner Porzellan 1763-1850. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 2006, ISBN 3-88789-152-X., Seite 140 und 141
  11. https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Views_of_cities_on_porcelain Veduten auf Porzellan
  12. Winfried Baer und weitere: Carl Daniel Freydanck. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1987, ISBN 3-87584-210-3., Seite 9, Vedutenmalerei auf Porzellan
  13. https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Portrait_painting_on_porcelain Porträts auf Porzellan
  14. https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Mythological_scenes_on_porcelain Mythologische Szenen auf Porzellan
  15. https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Animals_on_porcelain Tiere auf Porzellan