Poseidon (Schiffstyp)

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Serie Rudolf Diesel Typ Poseidon-271 / Poseidon-280
Bundesarchiv Bild 183-1982-0820-004, Wismar, Hafen, Güterwaggons.jpg
Technische Daten (Überblick)
Werft: VEB Schiffswerft "Neptun", Rostock
Vermessung: 5735 BRT / 2992 NRT (3453 BRT / 1887 NRT)
Tragfähigkeit: 7486 t (5106 t)
Länge über Alles: 120,60 m
Länge zwischen den Loten: 113,08 m
Breite: 17,60 m
Seitenhöhe: 9,90 m
Tiefgang: 7,83 m (6,39 m)
Antrieb: Dieselmotor auf 1× Verstellpropeller
Gesamtleistung: 5300 kW / 4000 kW
Geschwindigkeit: 16 bis 17 Knoten
Besatzung: 26 + 4 Passagiere
Volldecker (Freidecker)

Der Frachtschiffstyp Poseidon, auch Serie Rudolf Diesel genannt, ist ein Schiffstyp der Schiffswerft „Neptun“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seitenansicht Typ Poseidon

Der Schiffstyp stellt einen vielseitig einsetzbaren Stückgutschiffstyp dar, mit dem außer herkömmlichen Stück- und Schüttgütern auch Container, Früchte und Kühlladungen transportiert werden können. Hergestellt wurde die Serie von 1975 bis 1980 in neunzehn Einheiten. Sie gliederte sich in den Typ Poseidon-271 und den weiterentwickelten Typ Poseidon-280 auf. Entwickelt wurde der Typ Poseidon für die Levantefahrt. Dort wurden die Schiffe anfangs hauptsächlich auch eingesetzt, später fand man die Frachter in der weltweiten Trampfahrt. Die komplette Serie wurde für die Deutsche Seereederei gebaut. Die acht nach der Rudolf Diesel gebauten Schiffe erhielten Namen von Ortschaften in der DDR, die mit „-walde“ endeten, die letzten zehn Schiffe wurden nach Seen in der DDR benannt.

Erstes Schiff und Namensgeber der Serie war die am 30. August 1975 an die DSR übergebene Rudolf Diesel mit der Baunummer 271.[1] Sie wurde bis 2004/05 betrieben und am 13. März 2005 aus dem Register gelöscht.[1] Letztes Schiff der Serie war die am 31. August 1980 übergebene Trenntsee mit der Baunummer 289. Sie fährt seit dem 13. Februar 2006 als Marina unter kambodschanischer Flagge.[1] Mehrere Schiffe dieser Serie gingen verloren (siehe Tabelle). Die Arendsee wurde am 30. Juli 1984 im Hafen von Luanda durch eine Haftmine versenkt, provisorisch gehoben und am 5. September 1984 vor der angolanischen Küste versenkt.[1] Die restlichen Schiffe dieser Baureihe wurden überwiegend nach 25 bis 30 Dienstjahren an Abbrecher verkauft. Eine Handvoll der Schiffe ist bis heute in Fahrt.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachtansicht Typ Poseidon

Hauptantrieb der Rudolf Diesel und der letzten zehn Schiffe ist ein vom VEB Maschinenbau Halberstadt entwickelter mittelschnelllaufender Viertakt-Dieselmotor mit der Bezeichnung 12 VD48/42AL-2. Er entwickelte eine Leistung von etwa 5300 kW bei 500/min und gab diese über ein Untersetzungsgetriebe auf 174/min reduziert auf eine Verstellpropelleranlage des Herstellers VEB Dieselmotorenwerk Rostock und einen Wellengenerator ab. Der Motortyp wurde oft als "V-Waffe" tituliert. Die restlichen Schiffe werden von einem in MAN-Lizenz gefertigten 4000-kW-Dieselmotor des Typs K6Z 57/80F des Herstellers VEB Maschinenbau Halberstadt angetrieben. Die Maschinenanlage ist automatisiert und für 24-stündigen wachfreien Betrieb ausgelegt. Außer dem Wellengenerator mit 800 kW standen zwei Dieselgeneratoren, Typ SKL – 6 VD 26/20 AL-1 mit 500 kW und Typ SKL – 6 VD 36/24 A-1 mit 375 kW zur Verfügung. Die An- und Ablegemanöver wurden durch ein 375-kW-Bugstrahlruder unterstützt. Die Reichweite des Schiffstyps lag bei etwa 10.000 Seemeilen.

Die in Sektionsbauweise zusammengefügten Rümpfe der Schiffe besitzen einen Wulstbug und ein leicht abgerundetes Spiegelheck. Das Deckshaus ist teilklimatisiert.

Die vier Laderäume haben einen Rauminhalt von 8667 m³ Kornraum und 8223 m³ Ballenraum und ein Zwischendeck. Es ist ein Kühlladeraum mit 471 m³ vorhanden. Die ersten neun Schiffe verfügen über fünf 8 Tonnen elektrohydraulische Bordwippkräne. Die späteren Schiffe erhielten fünf 12,5 Tonnen elektrohydraulische Bordwippkräne. Die Kräne waren aufgeteilt in zwei "Gemini"-Doppelkräne und einen Einzelkran. Die Containerkapazität beträgt 148 TEU, davon 110 TEU im Raum und 38 TEU an Deck.

Schiffe der Serie Rudolf Diesel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Objekt-/
Baunummer
IMO Name Rufzeichen Stapellauf/
Indienstst.
spätere Namen Verbleib Bild Bemerkung
Poseidon 271
271/1321 7435688 Rudolf Diesel DDZA/Y5LA 15.01.1975 / 30.08.1975 Eco Sherin,
Arabia, Almirante Luis Brion, Mustafa S.,
Tania Del Mar
2004/05 bei Lloyds ohne Eigner- und Flaggenangabe Viertakt-Diesel 12 VD 48/42 AL-2, Halberstadt, September 1975 schwere Maschinenhavarie, Risse im Fundament,1976 nachträglicher Einbau Bugstrahlruder, Klassifizierung: DSRK KM Ice 4 Aut 24
272/1331 7514907 Fürstenwalde DDZC/Y5LC 29.08.1975 / 29.02.1976 Lucky Ocean, Lucky Oceans,
Glorious,
Dragon
10. Dezember 2000 an Xinhui zum Abbruch Zweitakt-Diesel K 6 Z 57/80 F, MAN-Lizenz, Halberstadt
273/1332 7523221 Luckenwalde DDZD/Y5LD 13.11.1975 / 29.04.1976 Saint Thomas,
Semele
Am 7. November 1999 nach Kollision mit bulgarischen Bulker Shipka (25.662 BRZ) der auf Reede vor Ahirkapi/Marmarameer lag, gesunken. Die Besatzung der Semele wurde gerettet. Zweitakt-Diesel K 6 Z 57/80 F, MAN-Lizenz, Halberstadt
274/1333 7532832 Cunewalde DDZE/Y5LE 13.01.1976 / 30.07.1976 Fortune Ocean,
Golden Sailing,
Golden Wealth
2004/05 bei Lloyds ohne Eigner- und Flaggenangabe Zweitakt-Diesel K 6 Z 57/80 F, MAN-Lizenz, Halberstadt
275/1364 7608540 Eichwalde DDZF/Y5LF 30.04.1976 / 25.10.1976 Dan Dong,
Weihang 8
2004 registriert und in Fahrt (?) Zweitakt-Diesel K 6 Z 57/80 F, MAN-Lizenz, Halberstadt
276/1365 7617773 Liebenwalde DDZG/Y5LG 27.08.1976 / 31.01.1977 Leonidas K,
Litsa K,
Iremia,
Magi
Am 18. August 2002 gesunken auf der Position 18° 46′ N, 65° 25′ O 282 Meilen vor Ras Madakrah nach Wassereinbruch auf Reise von Kandia nach Mogadischu mit Reis, Zucker und Stahl. Die 22 Mann Besatzung wurden gerettet. Zweitakt-Diesel K 6 Z 57/80 F, MAN-Lizenz, Halberstadt
277/1366 7627728 Schönwalde DDZH/Y5LH 09.10.1976 / 30.03.1977 Mico, Kuraka, Ocean Venture I, Ocean Venture, Asian Express Am 11. Juni 2013 auf der Reise von Pakistan zu den Malediven im Arabischen Meer gesunken. Die 22 Besatzungsmitglieder wurden gerettet.[2] Zweitakt-Diesel K 6 Z 57/80 F, MAN-Lizenz, Halberstadt
278/1367 7638179 Mittenwalde DDZI/Y5LI 31.01.1977 / 29.06.1977 St. Pierre,
OTS Uranus
Ab 15. Februar 2003 an Abbrecher in Xinhui/VR China, Abbruch aber erst nach April 2004 (?) Zweitakt-Diesel K 6 Z 57/80 F, MAN-Lizenz, Halberstadt
279/1368 7706744 Geringswalde DDZJ/Y5LJ 20.05.1977 / 30.09.1977 Green Island 2004 noch in Fahrt, weiterer Verbleib unbekannt. Motorschiff Geringswalde 1984.jpg Zweitakt-Diesel K 6 Z 57/80 F, MAN-Lizenz, Halberstadt
Poseidon 280
280/1369 7723091 Arendsee DDZB/Y5LB 25.11.1977 / 23.05.1978 Am 30. Juli 1984 in Luanda durch Haftmine schwer beschädigt, große Teile der Ladung gesichert und auf die Rudolf Diesel umgeladen, am 5. September 1984 vor der Küste auf 533 Meter Tiefe versenkt. Viertakt-Diesel 12 VD 48/42 AL-2, Halberstadt
281/1384 7803827 Blankensee DDZK/Y5LK 30.01.1978 / 30.06.1978 Costas S,
Jin Ji Shan
Ende 2009 in Fahrt Viertakt-Diesel 12 VD 48/42 AL-2, Halberstadt
282/1385 7803839 Fleesensee DDZL/Y5LL 19.05.1978 / 30.09.1978 Daesong,
Blue Mar,
Chong Ryon San,
Eastern Sky
,
erneut Chong Ryon San
April 2003 in Jianngyin/VR China abgebrochen Viertakt-Diesel 12 VD 48/42 AL-2, Halberstadt
283/1386 7813418 Kölpinsee DDZM/Y5LM 31.07.1978 / 30.12.1978 Corto,Orto I,
Kolpin,
Sotavento
,
erneut Kolpin,
Khensu I,
Falcon I
Am 1. März 2004 in Alang auf den Strand gesetzt, ab 2. März abgebrochen. Viertakt-Diesel 12 VD 48/42 AL-2, Halberstadt
284/1387 7818444 Müggelsee DDZN/Y5LN 11.11.1978 / 28.02.1979 Eco, Samsun,
Orchit,
Lady Astrid
Ab 23. Februar 2001 an Mumbai, abgebrochen Viertakt-Diesel 12 VD 48/42 AL-2, Halberstadt; Am 21. September 1995 brach auf der Position 50° 22′ N, 0° 42′ O die Kurbelwelle, im Schlepp zurück nach Hamburg. Der Schaden betrug 3 Millionen DM bei einem Versicherungswert des Schiffes von 3,5 Millionen DM. Von der Versicherung als Totalverlust eingestuft.
285/1388 7824027 Werbellinsee DDZO/Y5LO 26.01.1979 / 15.05.1979 St. George,
Rio Neveri
am 21. Mai 1999 an San Juan, Puerto Rico, abgebrochen Viertakt-Diesel 12 VD 48/42 AL-2, Halberstadt, Ankunft in San Juan/Puerto Rico am 19. Juni 1998 und am 31. Juli 1998 dort arrestiert. Am 24. September 1998 durch Taifun Georges wurde das Schiff von den Ankern gerissen und strandete im Flachwasser des Hafens. Die Bordkräne wurden zerstört und das Schiff zum Totalverlust erklärt und am 21. Mai 1999 an örtliche Abbrecher übergeben.
286/1389 7906978 Inselsee DDZN/Y5LP 12.04.1979 / 30.07.1979 Montana Lido,
Jobis,
Carthage,
Princess Shahinaz,
Arwad Island
gestrichen 2005/06 (?) Viertakt-Diesel 12 VD 48/42 AL-2, Halberstadt
287/1390 7932680 Schwielowsee DDZQ/Y5LQ 29.06.1979 / 30.10.1979 Chang Wang März 2010 in Fahrt Viertakt-Diesel 12 VD 48/42 AL-2, Halberstadt
288/1391 8031055 Rhinsee Y5LR 03.08.1980 / 26.06.1980 Saoussan Ab März 2002 abgebrochen Viertakt-Diesel 12 VD 48/42 AL-2, Halberstadt
289/1392 8031067 Trentsee Y5LS 31.08.1980 / 26.06.1980 St. Martin,
Rio Aroa,
Blue Turtle,
Leomar,
Lady Nora,
Marina
Anfang 2010 in Fahrt Viertakt-Diesel 12 VD 48/42 AL-2, Halberstadt

Anmerkungen zur Liste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Angaben in der Liste beziehen sich auf Daten in der Literatur Deutsche Reedereien Band 23 VEB Deutsche Seereederei Rostock. Abweichende Angaben in anderer Literatur und im Internet wurden nicht berücksichtigt. In der ersten Spalte erscheinen die Objekt-und Baunummern. Die zweite Spalte gibt die IMO-Nummer an und die dritte Spalte den Taufnamen. In der vierten Spalte steht das Rufzeichen. Die Vierbuchstabenreihe ist das Rufzeichen bis 1980. Danach gab es einheitlich in beiden deutschen Staaten das Rufzeichen Y5 und zwei weitere lateinische Buchstaben. Die nächste Spalte beinhaltet das Datum des Stapellaufs und den Tag der Übernahme durch die Reederei. In der sechsten Spalte werden spätere Namen, soweit bekannt, aufgeführt und in der siebenten Spalte Hinweise zum Verbleib des Schiffes angegeben. Die beiden letzten Spalten sind vorgesehen für Bilder, Anmerkungen und Besonderheiten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Neumann, Dietrich Strobel: Vom Kutter zum Containerschiff. Schiffe von DDR-Werften in Text und Bild. 1. Auflage. VEB Verlag Technik, Berlin 1981.
  • Deutsche Reedereien, Band 23, VEB Deutsche Seereederei Rostock. Verlag Gert Uwe Detlefsen, ISBN 3-928473-81-6

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Miramar Ship Index
  2. Deutscher Frachter vor Indien gesunken, THB – Deutsche Schiffahrts-Zeitung, 14. Juni 2013, abgerufen am 17. Juni 2013.