Post-Finasterid-Syndrom

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Post-Finasteride Syndrome)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Post-Finasterid-Syndrom (kurz PFS) ist ein in der Fachliteratur diskutierter Begriff im Zusammenhang mit unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei der Behandlung mit dem Arzneistoff Finasterid aus der Klasse der Steroid-5α-Reduktase-Inhibitoren, die auch über das Therapieende hinaus bestehen. Das Post-Finasterid-Syndrom umfasst Veränderungen der Sexualfunktion, der Psyche und der Kognition. Über die tatsächliche Existenz dieses Syndroms besteht Unklarheit.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Prävalenz und Inzidenz von anhaltenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei der Behandlung mit Finasterid gibt es keine wissenschaftlichen Daten.[1]

Klinische Erscheinungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Post-Finasterid-Syndrom umfasst alle unerwünschten Arzneimittelwirkungen im Zusammenhang mit Finasterid.

Insgesamt sind Medikamente der Gruppe der Steroid-5α-Reduktase-Inhibitoren gut verträglich. Mehrere große Studien haben keinen Anstieg der Inzidenz von Prostatakrebs festgestellt, jedoch möglicherweise einen Anstieg an höhergradigen Tumoren, wenn entdeckt. Es gibt keine Veränderung in der Überlebensrate. Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Steroid-5α-Reduktase-Inhibitoren und Depressionen. Einige kleine Studien haben jedoch dazu geführt, dass Depressionen als unerwünschte Arzneimittelwirkung in den Packungsbeilagen erwähnt wird. Über Störungen der Sexualfunktion wie Libidoverlust, erektile Dysfunktion und verringertes Ejakulatvolumen im Zusammenhang mit Steroid-5α-Reduktase-Inhibitoren wurden bei 3,6 Prozent bis 15,8 Prozent der Männer berichtet. Diese Effekte waren in der Regel mild und große Studien legen nahe, dass solche Symptome sich mit der Zeit verbessern.[2]

Die Einnahme von Steroid-5α-Reduktase-Inhibitoren durch Frauen ist zunehmend. Es liegen kaum Studien zum Nutzen vor. Risiken umfassen Geburtsdefekte bei männlichen Föten bei der Einnahme während der Schwangerschaft sowie Libidoverlust, Kopfschmerzen, gastrointestinale Beschwerden und Einzelfälle von Veränderungen bei der Menstruation, Akne und Schwindel.[2]

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt aktuell so gut wie keine Informationen in der medizinischen Fachliteratur über Behandlungsmöglichkeiten bei Symptomen, die möglicherweise im Zusammenhang mit der Einnahme von Steroid-5α-Reduktase-Inhibitoren stehen. Es gibt kaum Daten, die dabei helfen vorherzusehen, wie sich bestehende Symptome in der Zukunft entwickeln.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 2015 wurde das Post-Finasterid-Syndrom in die Liste des Genetic and Rare Diseases Information Center (GARD) der amerikanischen National Institutes of Health aufgenommen. Gleichzeitig wird betont, dass dies keine Anerkennung der tatsächlichen Existenz einer Krankheit namens „Post-Finasterid-Syndrom“ ist.[4] Im März 2016 veröffentlichte die New Zealand Medicines and Medical Devices Safety Authority, in bezugnahme auf das Genetic and Rare Diseases Information Center (GARD), ein Datenblatt zum Post-Finasterid-Syndrom.[5]

In der 15. Ausgabe des Fachjournals „Gynäkologische Endokrinologie“ wurde 2017 dem Post-Finasterid-Syndrom ein eigener 10-seitiger Artikel gewidmet.[6]

In den Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2015 veröffentlichte der amerikanische Sender WTVR-TV die Reportage „How One Man Said Hair-Loss Drug Ruined His Life“.[7] Im November 2016 veröffentlichte der Vice Media health channel „Tonic“ in den USA einen Bericht mit dem Titel „The medical mystery behind America’s best-selling hair-loss Drug“, in dem über das Schicksal mehrerer Betroffener berichtet wird.[8]

Post-Finasteride Syndrome Foundation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2012 gründete sich die Post-Finasteride Syndrome Foundation (PFS Foundation) mit dem Sitz in den USA. Ihre Ziele sind: Aufklärung unter Wissenschaftlern, Medizinern, Gesundheitsorganisationen und in den Medien über die Existenz und die Notwendigkeit für die Erforschung des PFS, Grundlagenforschung und die Suche nach einer potenziell wirksamen Therapie.[9][10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A. F. Pereira, T. O. Coelho: Post-finasteride syndrome. In: Anais brasileiros de dermatologia. Band 95, Nummer 3, 2020 May - Jun, S. 271–277, doi:10.1016/j.abd.2020.02.001, PMID 32317131, PMC 7253896 (freier Volltext).
  2. a b J. M. Hirshburg, P. A. Kelsey, C. A. Therrien, A. C. Gavino, J. S. Reichenberg: Adverse Effects and Safety of 5-alpha Reductase Inhibitors (Finasteride, Dutasteride): A Systematic Review. In: The Journal of clinical and aesthetic dermatology. Band 9, Nummer 7, Juli 2016, S. 56–62, PMID 27672412, PMC 5023004 (freier Volltext) (Review).
  3. Adverse events of 5-alpha-reductase inhibitors. In: rarediseases.info.nih.gov. Genetic and Rare Diseases Information Center (GARD), 3. März 2015, abgerufen am 15. November 2020 (englisch).
  4. Genetic and Rare Diseases Information Center (GARD). U.S. National Institutes of Health
  5. Post-Finasteride Syndrome. In: medsafe.govt.nz. Abgerufen am 19. August 2016.
  6. Herbert Kuhl, Inka Wiegratz: Das Post-Finasterid-Syndrom. In: Gynäkologische Endokrinologie. Band 15, Nr. 2, 1. Mai 2017, ISSN 1610-2894, S. 153–163, doi:10.1007/s10304-017-0126-2.
  7. How one man said hair loss drug ruined his life. In: WTVR.com. 1. Mai 2015, abgerufen am 16. Januar 2017.
  8. The Medical Mystery Behind America’s Best-Selling Hair-loss Drug – Tonic. In: Tonic. Abgerufen am 16. Januar 2017 (amerikanisches Englisch).
  9. New Post-Finasteride Syndrome Foundation offers hope for Propecia victims. examiner.com.
  10. Foundation Launches Website to Fund Research into the Post-Finasteride Syndrome. PFS Foundation, 26. August 2012.