Post-Vac

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Qualitätssicherung Dieser Artikel wurde aufgrund von formalen und/oder inhaltlichen Mängeln auf der Qualitätssicherungsseite der Redaktion Medizin eingetragen. Bitte hilf mit, die Mängel dieses Artikels zu beseitigen, und beteilige dich dort an der Diskussion. Die Mindestanforderungen für medizinische Artikel sollen dadurch erfüllt werden, wodurch eine eventuelle Löschung des Artikels oder von Artikelpassagen innerhalb von vier Wochen vermieden wird.
Redaktion Medizin

Der Begriff Post-Vac (oder Post-Vac-Syndrom, Post-Vaccine-Syndrom, Post-Vax) wird im Zusammenhang mit langandauernden und Long-COVID-ähnlichen Beschwerden nach COVID-19-Impfung verwendet. Der Begriff stellt keine definierte Erkrankung oder Bezeichnung dar. Es gibt bisher keinen belegten ursächlichen Zusammenhang zwischen der COVID-19-Impfung und den „Post-Vac“ zugeschriebenen Beschwerden wie Chronisches Müdigkeitssyndrom, Posturales Tachykardiesyndrom und Long-COVID-ähnlichen Beschwerden. Das Phänomen ist noch wenig erforscht.

Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) veröffentlicht quartalsweise Sicherheitsberichte über Verdachtsfallmeldungen von Impfnebenwirkungen und Impfkomplikationen mit den zugelassenen COVID-19-Impfstoffen und bewertet diese. In seinem Sicherheitsbericht vom September 2022, der den Zeitraum seit dem Beginn der Impfkampagne in Deutschland, vom 27. Dezember 2020 bis zum 30. Juni 2022, einbezieht, nahm das PEI erstmalig Bezug auf „Post-Vac“ und untersuchte „Verdachtsmeldungen über lange andauernde Beschwerden nach COVID-19-Impfung“.[1] Dabei stellte das PEI mithilfe einer „Observed-versus-Expected“ (OvE)-Analyse kein Risikosignal bei chronischem Müdigkeitssyndrom, Posturalem Tachykardiesyndrom und Long-COVID-ähnlichen Beschwerden im Zusammenhang mit COVID-19-Impfstoffen fest. Das heißt, dass diese gemeldeten Fälle im gleichen Zeitraum nicht häufiger auftraten als bei einer vergleichbaren, aber ungeimpften Bevölkerungsgruppe.[1]

Das PEI weist auch darauf hin, dass nach den Ergebnissen von Studien aus dem Vereinigten Königreich und Italien eine COVID-19-Impfung offenbar auch vor Long-COVID schützt.[1]

Verdachtsfallmeldungen aus Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da in der Nebenwirkungsdatenbank der Europäischen Arzneimittelagentur (EudraVigilance) im Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) 54,6 % der Meldungen von „Post-Vac“-Symptomen (berücksichtigt wurden: Chronisches Erschöpfungssyndrom, Post-Vac, Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom, Long COVID) aus Deutschland stammen, Deutschland aber nicht 55 % der Impfungen im EWR durchgeführt hat, kann ein „Berichts-Bias“ durch die unverhältnismäßig hohe „Post-Vac“-Berichterstattung in Deutschland nicht ausgeschlossen werden. Die deutschen Nebenwirkungsmeldungen stammten mehrheitlich von den Patienten selbst.[1]

Post-Vax-Sprechstunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Anfang 2022 bietet das Universitätsklinikum Gießen und Marburg am Standort Marburg eine Spezialsprechstunde „Post-Vax“ an. Sie richtet sich an Personen mit lang anhaltenden Beschwerden, die in zeitlichem Zusammenhang nach einer Impfung gegen SARS-CoV-2 aufgetreten sind sowie an Patienten mit Herzbeschwerden nach einer Infektion mit COVID-19. Die Sprechstunde grenzt sich von der dortigen Post-COVID-Ambulanz ab.[2] Im ersten Halbjahr 2022 wurden ca. 200 Patienten mit entsprechenden Beschwerden erfasst.[3] Auf der Warteliste seien knapp 3500 Patienten aus ganz Europa.[4] Mit einem Online-Fragebogen können Patienten dort anonym an einer Datenerhebung teilnehmen.[5]

Außerdem werden Post-Vac-Betroffene in der neurologischen Post-COVID-19-Sprechstunde an der Klinik für Neurologie der Charité betreut, allerdings nur bei primär neurologischer Manifestation.[3]

Umstrittene sogenannte ImpfSurv-Studie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Charité in Berlin hat sich von Aussagen eines ihrer Stiftungsprofessoren zur Häufigkeit von Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung distanziert. Harald Matthes, Stiftungsprofessor für Integrative und Anthroposophische Medizin, hatte nach Online-Befragungen[6] im Rahmen seiner sogenannten ImpfSurv-Studie behauptet, dass es eine Untererfassung an Nebenwirkungen beim zuständigen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gebe. Er will nachgewiesen haben, dass bei 0,8 Prozent der Impfungen schwere Nebenwirkungen aufgetreten seien – also bei einem von 125 Geimpften.[7] Die Charité kam unter anderem zu dem Schluss, dass „sich ein Sicherheitsprofil von Covid-19-Impfstoffen ohne ärztliche Beurteilung eines kausalen Zusammenhangs zum verabreichten Impfstoff nicht medizinisch-wissenschaftlich valide erarbeiten“ lässt. Der Begriff „schwere Nebenwirkungen“ sei weder im Ethikantrag der Untersuchung noch im Studienprotokoll definiert. Zudem hätten Personen mehrfach und ungeprüft an der Umfrage teilnehmen können.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Sicherheitsbericht. (PDF; 1.020 KB) In: pei.de. Paul-Ehrlich-Institut – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, 7. September 2022, abgerufen am 14. September 2022., Abschnitt 5.2
  2. Bernhard Schieffer: Spezialsprechstunde Post-Vax. In: ukgm.de. Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, abgerufen am 14. September 2022.
  3. a b Kathrin Gießelmann, Mirjam Martin: Post-Vac-Syndrom: Seltene Folgen nach Impfung. In: Deutsches Ärzteblatt 2022; 119(19): A-862 / B-714
  4. Corona-Impfung: Wie verbreitet ist das Post-Vac-Syndrom? SWR Wissen, 6. Juli 2022
  5. Long Covid & Post Vaccination Survey
  6. https://www.charite.de/fileadmin/user_upload/portal/forschung/praesentationsplattform_klinische_studien/11647-ImpfSurv_Flyer_41.pdf
  7. Nebenwirkungen von COVID-Impfungen: Charité distanziert sich von umstrittener Studie. In: zm-online, 18. Mai 2022
  8. Charité distanziert sich von Umfrage zu Impf-Nebenwirkungen. 27. Juni 2022