Posthof (Trier)

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Trier Kornmarkt BW 2.JPG
Innenhof Abend.jpg

Der Posthof am Kornmarkt ist ein historisches und modernisiertes Büro- und Geschäftshaus in der Trierer Innenstadt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem in den Jahren 2012 bis 2015 revitalisierten Ensemble, handelt es sich um die ursprünglich 1759 errichtete, denkmalgeschützte kaiserliche Oberpostdirektion. In den vergangenen Jahrhunderten war die Liegenschaft und dessen Vorgängerbauten unter anderem unter den Namen Kronenburg, Königsburg sowie Post- und Telegrafengebäude bekannt. Obgleich verschiedener Bauphasen in der Historie des Gebäudes, in denen der Ursprungskomplex stetig erweitert, wiederaufgebaut und umgenutzt wurde, hat der heutige Posthof seine neobarocke Sandsteinfassade bis heute erhalten.

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude steht auf einem ca. 6.095 m² großen Grundstück in der Trierer Innenstadt. Es hat eine Nutzfläche von ca. 13.500 m². Der aus sechs Gebäudeteilen (Vierflügel-Anlage, Remise und Haus Pesé) sowie insgesamt drei Innenhöfen bestehende Gesamtkomplex wurde in den 1990er-Jahren im Auftrag des damaligen Eigentümers, der Deutschen Bundespost, großflächig modernisiert.

Bis in das Jahr 2010 stand die Immobilie im Eigentum der Deutschen Telekom AG in Bonn und hatte 400 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz geboten. Im Zuge einer Struktur-Reform der Deutschen Telekom wurden diese Arbeitsplätze sukzessive an andere Standorte verlegt und lediglich die vorhandene, technische Infrastruktur, für die innerstädtische Versorgung der Telefonie und des Internets sowie der Mobilfunk-Sendeanlagen und des T-Punkts an der Fleischstraße, in dem Gebäude belassen.

Im Zuge einer Revitalisierung des überwiegend leerstehenden Gebäudes erfolgte im Jahr 2011 die Planung des Gebäudeensembles und ab dem Jahr 2012 begannen in allen Gebäudeteilen umfängliche Sanierungs- sowie Modernisierungsarbeiten, die in Abstimmung mit dem Denkmalpflegeamt vorgenommen wurden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1759 wurde am Kornmarkt, gegenüber dem Georgbrunnen, der heute gemeinhin als einer der schönsten Rokokobrunnen Deutschlands gilt, die sogenannte „Kronenburg“ erbaut. Der zweigeschossige Bau mit prächtigem Mittelrisalit und Mansardendach wurde nach einem Entwurf des bekannten Architekten und Hofbaumeisters des Trierer Kurfürsten Philipp von Walderdorffs (1756–1768), Johannes Seiz (1717 in Wiesentheid geboren und 1779 in Ehrenbreitstein gestorben) für den wohlhabenden Trierer Kaufmann Johann Jakob Vacano (1758–1849) ausgeführt. Er gehörte neben Balthasar Neumann und Ferdinand Tietz zu den Baumeistern und Bildhauern, die aus Mainfranken an die Mosel geholt wurden. Die Entwürfe Seiz´ gelten als Paradebeispiele des gehobenen Bürgerhausbaus an der Schwelle zum Klassizismus. Die einheimischen Baumeister waren sich einig, dass dieses Gebäude als vorbildliche Lösung für repräsentative Neubauvorhaben gesehen werden muss (sowohl ein Entwurf zum Neubau der Universität Trier von 1773 als auch der 1790 errichtete Neubau eines palaisartigen Wohnhauses in der Simeonstraße griff das Fassadenschema der Kronenburg nach Seiz auf). 1879–1882 wurde schließlich nach einem Grundriss August Kind (1824–1904), Bauabteilung im Reichs-Postamt und Entwurf des Regierungsbaumeisters Hausmann unter der Oberleitung von Postbaurat Karl Albert Sigismund Cuno aus Frankfurt a. M. hier das Post- und Telegraphengebäude der Kaiserlichen Oberpostdirektion errichtet (außerdem war er an den Baumaßnahmen der Postgebäude in Fulda, Kassel, Darmstadt, Worms u. a. beteiligt). Hierbei benutzte man einige „Originalteile“ der Kronenburg, da man architektonisch an den Vorgängerbau aus dem 18. Jh. erinnern wollte.

Das spätbarocke Stadtpalais wurde 1830 Oberpostamt. An dieser Stelle am Kornmarkt, also Fleischstraße 57–60 bzw. Metzelstraße 10–13, entstand der dreigeschossige, ursprünglich elf Achsen umfassende Hauptflügel. Der neubarocke Bau integrierte im Erdgeschoss die Räume des Postamtes mit der Schalterhalle, während im Obergeschoss die Oberpostdirektion selbst untergebracht war. Der Oberpostdirektor logierte im zweiten Obergeschoss. Ein rückwärtiger Westflügel fasste außerdem eine Wohnung für Unterbeamte, die Postkasse und Telegrafieräume. Die Neobarock oder auch Zweites Barock genannte, eklektizistische Kunstform gilt als eine Erscheinungsform des Historismus und hatte seine eigentliche Blütezeit in der Epoche des Wiederaufbaus von ca. 1871–1890, nach Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges 1871. Besonders nach 1880 ist sie als Stil weit verbreitet. Die gängigen Attribute des Barock, wie Dynamisierung und Üppigkeit der Formen finden sich in Teilen auch hier in der Architektur wieder.

1909 bzw. 1911 wurde eine Erweiterung des Baus beschlossen, da sich die Dienstleistungen der Postdirektion ausdehnten, wobei alle Entwürfe von Regierungsbaumeister Friebe angefertigt wurden. Beispielsweise erhielt der Gebäudekomplex neue Wirtschaftsflügel mit Remisen ebenso wie der nördliche Verbindungstrakt und rückwärtige Westflügel vergrößert wurden.

Der schlossartige, neubarocke Hauptflügel gilt aufgrund seiner Monumentalität als ein beeindruckendes Beispiel späthistoristischer Fassadenarchitektur in der Trierer Altstadt.

Die baukünstlerische Qualität des dreigeschossigen, achsensymmetrischen Putzbaus mit Sandsteingliederung nimmt die gesamte Westfront des Kornmarktes ein und dominiert ihn visuell bis heute.

Die Literatur zum Thema bezeichnet den Komplex gerne als „Neubarock Seizscher Prägung“, da viele Teile der Kronenburg wieder bzw. weiterverwendet wurden. Etliche Architekturdetails wie eine aus 1759 ausgezeichnete Fensterscheitelkartusche flossen dabei in den Bau des späten 19. Jahrhunderts ein. Die Umbaumaßnahmen von 1911 nahmen einige Änderungen und vor allem Umgewichtungen vor; während im Bauzustand von 1882 dem dreiachsigen Mittelrisalit einachsige Seitenrisalite untergeordnet waren, wurden jetzt die Seitenrisalite mehr oder weniger zu Hauptakzenten aufgewertet. Außerdem fand man eine Dachlösung, die die Fassade neu betonte. Es präsentierte sich als ein durchgehendes, über den Seitenrisaliten vorgezogenes, abgewalmtes Mansarddach. Im Parterre wurden weitere Fenster und Durchfahrten realisiert, welche bis heute existieren. Im Inneren wurden Basaltblockstufen und Treppenhausbögen auf Doppelsäulen erhalten. Der Nordflügel bzw. seine westliche Seite erhielt im Zuge der Bauarbeiten von 1911 einen dreigeschossigen Überbau mit Segmentbogendach, welcher aus baukünstlerischer Sicht als durchaus bemerkenswert gelten muss. Die hofseitige, neubarocke Sandsteinfassade ist dabei ganz im Stil der zeitgenössischen Warenhausarchitektur gestaltet und traf damit ganz bewusst den Nerv der Zeit: drei zwischen Kolossalpilastern mit prächtiger Rocaille-Ornamentik eingespannte Stichbögen, die drei Fensterachsen in allen Geschossen übergreifen und als vorgelegte Rahmenarchitektur fungieren. Die Westfront des seit 1911 schließlich 15 Achsen umfassenden sandsteinsichtigen Westflügels wurde in zurückhaltenden neubarocken Formen gestaltet. Ebenso wird der Neubarock vom verputzten Südflügel aufgegriffen. Seinen Treppenhausrisalit ziert eine Portalkartusche mit Frachtschiffdarstellung.

Insgesamt prägt den Baukörper eine malerisch-aufgelockerte Qualität. Eine gewisse, ästhetisch angenehme Unregelmäßigkeit geht von den asymmetrisch verteilten Durchfahrten und der im Wandaufbau und in der Dachform variierten Pavillons aus und unterstreicht so die neubarocke Dynamik. Der Bau wirkt lebendig und doch ehrwürdig.

Der Gebäudekomplex demonstriert den Repräsentationsanspruch der Post als einer staatlichen und kaiserlichen Institution auf eindrückliche Weise. Sie kann als einer der bedeutendsten Baumaßnahmen öffentlicher Hand im späten 19. Jahrhundert in Trier bzw. der Trierer Altstadt gelten. 1992 wurde schließlich der 1944 im Zuge der im Zweiten Weltkrieg auf Trier geflogenen Luftangriffe schwer beschädigte Haupttrakt des Gebäudes umfassend renoviert. Ebenso wurde ein neuer Außenanstrich aufgetragen. Allerdings entspricht dieser nicht der historistischen Fassade, die auf Steinsichtigkeit angelegt war.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreisfreie Stadt Trier. Koblenz 2010 (PDF; 1,2 MB [abgerufen am 7. September 2015]).

Koordinaten: 49° 45′ 19,3″ N, 6° 38′ 19,5″ O