Posthornschnecke

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Posthornschnecke
Planorbarius corneus

Planorbarius corneus

Systematik
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung: Wasserlungenschnecken (Basommatophora)
Familie: Tellerschnecken (Planorbidae)
Gattung: Planorbarius
Art: Posthornschnecke
Wissenschaftlicher Name
Planorbarius corneus
Linnaeus 1758

Die Posthornschnecke (Planorbarius corneus) ist ein Vertreter der Wasserlungenschnecken (Basommatophora) und wird zur Familie der Tellerschnecken (Planorbidae) gerechnet; sie ist nicht zu verwechseln mit der zur selben Familie gehörenden Gattung der Posthörnchen (Gyraulus).

Merkmale[Bearbeiten]

Sie weist ein flach trochospirales, linksgewundenes Gehäuse mit einem Durchmesser von bis zu vier Zentimetern auf. Es besteht aus 4,5 bis 5 Windungen und ist fest und dickwandig. Es weist Anwachsstreifen und gelegentlich deutliche Einschnürungen auf. Der Mantel ist dunkelbraun bis rötlichschwarz.

Als einzige der europäischen Schneckenarten besitzt sie als Blutfarbstoff Hämoglobin und deshalb rotgefärbtes Blut. Durch die hohe Sauerstoffaffinität des Hämoglobins kann die Posthornschnecke auch in sehr sauerstoffarmen Gewässern überleben. Obwohl es sich um eine Lungenschnecke handelt, erfolgt die Atmung nur zu einem sehr geringen Teil durch die Aufnahme von atmosphärischer Luft. Es überwiegt der Gasaustausch über die Haut und eine in der Mantelhöhle ("Lunge") gelegene sekundäre Kieme (auch Pseudokieme oder Hilfskieme genannt). Diese sekundäre Kieme - ein lappenförmiger Fortsatz - ragt bei aktiven Tieren oft aus der Mantelhöhle heraus.

Posthornschnecke (links) mit Spitzschlammschnecke (rechts)

Bisweilen gibt es albinotische Tiere. Diesen fehlt das dunkle Pigment Melanin, so dass die entsprechenden Schnecken aufgrund des Hämoglobins einen roten Körper haben.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Wie die meisten Wasserlungenschnecken ist auch die Posthornschnecke ein Zwitter und legt im Sommer ihre Eier ab. Die Wassertemperatur muss mindestens 12° betragen[1]. Die Schnecken können sich gegenseitig geschlechtlich in beide Richtung befruchten (jedes Individuum kann bei der Paarung sowohl als Weibchen als auch Männchen auftreten), in der Regel befruchten sich beide Individuen bei einer Paarung gegenseitig[2]. Nach dem Geschlechtsakt wird im Körper der Schnecke, die den weiblichen Part abgibt, ein Vorrat der Samen zurückgehalten, so dass sie später, getrennt von Artgenossen, noch für Nachwuchs sorgen kann. Eine "reine" Selbstbefruchtung (ohne Partner) ist möglich, allerdings bei hoher Letalrate.[3] Von diesen Nachkommen überleben im Schnitt nur 3%. Die übliche, überlebensfähige Vermehrung geschieht also durch die Kreuzung zweier Exemplare. Die Eier werden als flache, geleeartige Klumpen an Blattunterseiten von Wasserpflanzen gelegt. Die Lebensdauer beträgt bis zu 3 Jahre.

Lebensweise und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Posthornschnecke ist ein Allesfresser. Hauptsächlich ernährt sie sich von Algen, abgestorbenen Pflanzenteilen und Aas. Nur wenn Nahrungsmangel auftritt, frisst sie auch lebende Pflanzen. Die Posthornschnecke ist tagaktiv und lebt im Süßwasser, bevorzugt in stehenden und langsam fließenden Gewässern. Die Überwinterung der Posthornschnecke erfolgt im Schlamm. Ihr Vorkommen erstreckt sich über ganz Europa, im Osten sogar bis nach Sibirien. Im Nordeuropa erstreckt sich das Vorkommen bis Südnorwegen, Südschweden und Finnland.

Aquaristik und Zuchtformen[Bearbeiten]

Die Posthornschnecke ist ein fester Bestandteil der Aquaristik geworden. Im Handel sind auch etliche Farbformen, vor allem blaue und rosafarbene Posthornschnecken erhältlich.

Gefährdung[Bearbeiten]

Die Art wird in Österreich und der Schweiz als gefährdet eingestuft.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Albrecht, Kerstin Kuhn & Bruno Streit: A molecular phylogeny of Planorboidea (Gastropoda, Pulmonata): insights from enhanced taxon sampling. Zoologica Scripta, 36: 27–39, Oxford, 2007. doi:10.1111/j.1463-6409.2006.00258.x
  • Peter Glöer: Die Tierwelt Deutschlands. Mollusca I Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. 2. neubearb. Aufl., 327 S., ConchBooks, Hackenheim 2002 ISBN 3-925919-60-0

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ewald Frömming: Biologie der mitteleuropäischen Süßwasserschnecken.313 S., Duncker & Humblot, Berlin 1956.
  2. E.V. Sodatenko & A.A. Petrov (2013): Mating and morphology of the copulatory apparatus in Planorbarius corneus (Linnaeus, 1758) (Gastropoda: Pulmonata). Zoosystematica Rossica, 22(2): 153–164.
  3. K. Costil & J. Daguzan (1995): Self-fertilization versus cross-fertilization in two planorbid species, Planorbarius corneus (Linnaeus) and Planorbis planorbis (Linnaeus). Veliger 38(3): 247-253.

Weblinks[Bearbeiten]