Poststadion

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Poststadion
Poststadion
Außenfassade der Haupttribüne nach der Renovierung
Daten
Ort DeutschlandDeutschland Berlin, Deutschland
Koordinaten 52° 31′ 48″ N, 13° 21′ 34″ OKoordinaten: 52° 31′ 48″ N, 13° 21′ 34″ O
Eigentümer Land Berlin
Eröffnung 28. Mai 1929
Oberfläche Naturrasen
Architekt Georg Demmler
Kapazität 10.000 Plätze
Spielfläche 105 m × 62 m
Verein(e)
Veranstaltungen

Das Poststadion ist ein Sportstadion mit Leichtathletikanlage in der Lehrter Straße 59 im Berliner Ortsteil Moabit, seit dem 30. April 1990 als Baudenkmal ausgezeichnet und seither unter Denkmalschutz. Es grenzt an den Fritz-Schloß-Park. Zusammen mit dem Fritz-Schloß-Park wird die Anlage auch SportPark Poststadion genannt.

Die Sportanlage gehört zu den größten Sportanlagen Berlins und wird aktuell vom Bezirksamt Mitte verwaltet. Sie besteht im Wesentlichen aus einem Stadion mit Naturrasen, fünf Großfeldern mit Kunstrasen, einem Kleinspielfeld mit Kunstrasen, zwei Leichtathletikanlagen, einer Sport- und Ruderhalle, einer Rollsportanlage, einer Street-Workout-Anlage, einem Familiensportplatz, einer Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins und Tennisplätze, die durch den Tennis-Club Tiergarten verwaltet werden. Eine Skateranlage befindet sich im Bau.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Gegengeraden wurden Schalensitze montiert

Das Stadion entstand für den Post SV Berlin im Auftrag der Reichspostverwaltung auf dem Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes der Garde-Ulanen unweit des Lehrter Bahnhofs.

Die Anlage wurde nach den Plänen des Architekten Georg Demmler zwischen 1926 und 1929 geschaffen. Bei der Anlage wurden Rasen-, Wasser- und Hallensportarten in eine große Volkssportstätte zusammengefasst. Sie war Vorbild für ähnliche Sportparks, die in der Weimarer Republik in anderen deutschen Städten angelegt wurden.[2]

Das große Wettkampfstadion mit Tribünengebäude für ursprünglich 35.000 Zuschauer war von zehn Tennisplätzen, einem Tennisstadion, vier Fußballplätzen, einer Schwimm- und Ruderhalle und einem Sommerbad umgeben. Die Einweihung der Hauptanlage fand am 28. und 29. Mai 1929 statt.

Teile des Stadions wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und bereits 1945 weitgehend wieder aufgebaut, sodass der Spielbetrieb im Sommer 1945 wieder aufgenommen und das Freibad am 19. August 1945 wiedereröffnet werden konnte. Das in moderner Bauweise wiederaufgebaute Hallenbad wurde 1984 geschlossen und 1990 zu einer Turnhalle umgebaut. In den 1950er Jahren entstand die Rollsportanlage nördlich vom Eingangsbereich an der Lehrter Straße.

Im Jahr 2002 wurde das Freibad stillgelegt und es befand sich von Mai 2006 bis 2012 der Campingplatz Tentstation. Im Juni 2014 öffnete dort ein Wellness-Resort.[3] Die Planungen für ein Außenbecken hinter dem Stadtbad Tiergarten in der Seydlitzstraße, als Ersatz für das Freibad, wurden 2013 eingestellt.[4]

Nachdem seit den 1970er Jahren die Gesamtanlage langsam verfiel,[5] begannen Ende 2003 die ersten Sanierungsarbeiten am Stadion.[6] Seit 2005 verfügt das Stadion über eine Kunststofflaufbahn. Inzwischen ist das Tribünengebäude mit der Haupttribüne denkmalgerecht saniert. An der Gegengeraden wurden 2.200 neue Sitzschalen angebracht, sodass es heute eine Kapazität von etwa 10.000 Plätzen aufweist.

Seit 2008 werden durch das Förderprogramm Stadtumbau West Flächen und Sportanlagen um das Stadion neugestaltet.[7] 2010 erhielt die Skater-Hockey-Anlage eine Überdachung und neue Sitz- und Stehflächen. Der ehemalige Werferplatz wurde 2013 zu einem Familiensportplatz mit Sport- und Spielgeräten umgestaltet. Der Vorplatz vor dem Tribünengebäude ist 2015 saniert worden und erhielt eine Street-Workout-Anlage. Im November 2017 haben die Bauarbeiten für eine Skater­anlage begonnen.

Herausragende Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Poststadion fanden besonders in den 1920er und 1930er Jahren viele Fußballspiele von überregionaler Bedeutung statt. 1934 trugen im Poststadion der FC Schalke 04 und der 1. FC Nürnberg vor 45.000 Zuschauern das deutsche Fußballendspiel aus und 1936 wurde der 1. FC Nürnberg Deutscher Meister im Finale gegen Fortuna Düsseldorf. Berliner Vereine trugen ihre Spiele der Endrunde um die deutsche Meisterschaft aus, so Union Oberschöneweide, Hertha BSC, der Berliner SV 92, Blau-Weiß 90 und der BSC Kickers 1900.

Das Poststadion löste damit das Grunewaldstadion ab, wo die Endspiele 1922, 1923, 1924 und 1927 ausgetragen worden waren. Nach dem Bau des Olympiastadions an der Stelle des Grunewaldstadions für die Olympischen Spiele 1936 verlor das Poststadion seine Rolle als wichtigste Berliner Sportstätte. Alle Endspiele von 1937 bis 1944 sowie sechs Finals in den 1950er und 1960er Jahren fanden im Olympiastadion statt. Einen Tag vor dem Finale 1943 im Olympiastadion wurde das Spiel um Platz drei im Poststadion ausgetragen.

Die deutsche Fußballnationalmannschaft trug drei Spiele im Poststadion aus. Bei den Olympischen Spielen 1936 fanden hier die Vorrundenspiele der Fußballer statt. Beim Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Norwegen am 7. August 1936 wurde mit 55.000 Besuchern ein Zuschauerrekord in dem nunmehr erweiterten Stadion aufgestellt. Die deutsche Mannschaft verlor dabei unter den Augen der gesamten Führung des Dritten Reichs mit 0:2 und beraubte sich selbst aller Medaillenchancen.[8] Dies war das letzte Länderspiel unter der Leitung des Reichstrainers Otto Nerz, dessen Nachfolger Sepp Herberger wurde. Das letzte Länderspiel in Berlin vor der Eröffnung des Olympiastadions gewann Deutschland 1936 vor 12.000 Zuschauern im Poststadion gegen Luxemburg mit 9:0.

Die Kulisse des Poststadions wurden auch für politische Aktivitäten genutzt. So fand in der Zeit des Nationalsozialismus unter anderem ein Aufmarsch der Hitlerjugend am 1. Mai 1935 statt, bei der Adolf Hitler eine Rede hielt.[9] Am 20. Juni 1946 fand die erste öffentliche Kundgebung der SPD nach dem Zweiten Weltkrieg im Poststadion statt, als Redner trat Kurt Schumacher auf.[10][11]

Als Hertha BSC in den 1980er Jahren in die drittklassige Oberliga abstieg, trug der Verein seine Spiele im Poststadion aus. Auch für einige Heimspiele der Zweitligasaison 1988/89 wich Hertha BSC aufgrund des mangelnden Zuschauerinteresses auf das Poststadion aus.

Am 7. Juli 1935 wurde das Stadion zur Boxarena, als Max Schmeling gegen Paulino Uzcudun kämpfte.

Derzeitige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner AK 07ZFC Meuselwitz in der Saison 2016/17

Die Sportanlagen dienen als Trainings- und Spielstätte für über 200 Vereine sowie für den Schulsport.

In der Saison 2007/08 trug der Oberligist SV Yeşilyurt Berlin seine Heimspiele im Hauptstadion aus. Inzwischen spielt die Mannschaft auf den Nebenplätzen. Ebenfalls meist auf den Nebenplätzen tragen unter anderem der BFC Tur Abdin, SC Union 06 Berlin, Minerva 93 Berlin und der ASV Berlin ihre Heimspiele aus. Der Regionalligist Berliner AK 07 (BAK) trägt seine Heimspiele im Hauptstadion aus. Im Jahr 2008 erwog Tennis Borussia Berlin kurzzeitig eine Rückkehr in das Poststadion zur Saison 2009/10 sowie eine umfassende Sanierung des Stadions, das danach 16.000 Zuschauer fassen sollte.[12][13] Die Pläne wurden nicht verwirklicht.

Am 15. August 2010 trug der Berliner AK 07 sein Heimspiel in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den 1. FSV Mainz 05 im Poststadion aus, nachdem es in der Sommerpause entsprechend hergerichtet worden war. Am 18. August 2012 gelang den Berlinern in der ersten Runde des DFB Pokals eine Sensation, der Regionalligist schickte die TSG 1899 Hoffenheim mit einem 4:0 nach Hause und zog damit in die zweite Runde ein, in der der BAK allerdings mit 3:0 gegen den TSV 1860 München verlor und somit ausschied.

Leichtathletik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1949 benutzt der ASV Berlin e. V. den Hauptplatz als Trainingsstätte. Die Leichtathletikabteilung stellt seitdem viele Berliner und Deutsche Meister und hatte in den 1960er Jahren ihre größten Erfolge.

Tennis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die acht Tennisplätze sind an einen Tennisverein verpachtet. Seit 1990 werden keine größeren Sportveranstaltungen mehr ausgetragen.

Inline-Skaterhockey[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sanierte Rollschuhbahn mit neuerrichtetem Dach

Die Rollsportanlage ist seit dem Jahr 2011 offizielle Spielfläche der Deutschen Inline-Skaterhockey-Liga (ISHD). Neben den MO Buffalos Berlin, die in der 1. Bundesliga spielen, die Fläche als Ersatzspielstätte für ihre Heimspiele nutzen, beherbergt das Poststadion die Spreewölfe Berlin, die seit dem Jahr 2011 in der Regionalliga Nord spielen.

American Football[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ist das Poststadion Austragungsort von Heimspielen der Berlin Adler.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Skrentny (Hrsg.): Das große Buch der deutschen Fußballstadien, Göttingen 2001, S. 50–52. ISBN 3-89533-306-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Poststadion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bezirksamt Mitte von Berlin: Sportpark Poststadion. Abgerufen am 9. Februar 2018.
  2. Liste, Karte, Datenbank / Landesdenkmalamt Berlin. Abgerufen am 9. Februar 2018.
  3. Stefan Strauß: Open-Air-Party in der Tentstation in Moabit: Letzter Tanz im Schwimmbad. In: Berliner Zeitung. (berliner-zeitung.de [abgerufen am 9. Februar 2018]).
  4. Uwe Aulich: Schwimmbad im Poststadion: Ausgetrocknet: Kein Schwimmbad in Moabit. In: Berliner Zeitung. (berliner-zeitung.de [abgerufen am 9. Februar 2018]).
  5. Berlin, deine Fußballstadien. Abgerufen am 9. Februar 2018.
  6. Kurzmeldungen. Abgerufen am 9. Februar 2018.
  7. Stadtumbau Berlin: Projekte. Abgerufen am 14. Dezember 2017.
  8. Thomas Hummel Düsseldorf: Als Hitler erbost das Stadion verließ. In: sueddeutsche.de. 2010, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 9. Februar 2018]).
  9. chronoshistory: Jungvolk und Pimpfe (Ausschnitt aus "Geschichte der Hitlerjugend", Teil 2). 25. April 2014, abgerufen am 9. Februar 2018.
  10. Schumacher Ansprache 1946 / erste öffentliche Kundgebung der SPD. In: Getty Images. (gettyimages.de [abgerufen am 9. Februar 2018]).
  11. Chronik: Berlin im Jahr 1946, Fakten Tag für Tag. Abgerufen am 9. Februar 2018.
  12. Albert Speer entwirft Fußball-Arena für Mitte. In: Der Tagesspiegel, 22. März 2008.
  13. Mitteilung auf der Homepage von Tennis Borussia mit Standort- und Nutzungsstudie zum Download