Potzneusiedl

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Potzneusiedl
Wappen Österreichkarte
Wappen von Potzneusiedl
Potzneusiedl (Österreich)
Potzneusiedl
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Neusiedl am See
Kfz-Kennzeichen: ND
Fläche: 12,1 km²
Koordinaten: 48° 3′ N, 16° 57′ OKoordinaten: 48° 2′ 43″ N, 16° 56′ 49″ O
Höhe: 166 m ü. A.
Einwohner: 579 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 48 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2473
Gemeindekennziffer: 1 07 26
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Untere Hauptstraße 26
2473 Potzneusiedl
Website: www.potzneusiedl.at
Politik
Bürgermeister: Franz Werdenich (ÖVP)
Gemeinderat: (2017)
(13 Mitglieder)
7
6
Insgesamt 13 Sitze
Lage der Gemeinde Potzneusiedl im Bezirk Neusiedl am See
AndauApetlonBruckneudorfDeutsch JahrndorfEdelstalFrauenkirchenGattendorfGolsHalbturnIllmitzJoisKittseeMönchhofNeudorf bei ParndorfNeusiedl am SeeNeusiedl am SeeNickelsdorfPamaPamhagenParndorfPodersdorf am SeePotzneusiedlSankt Andrä am ZickseeTadtenWallern im BurgenlandWeiden am SeeWinden am SeeZurndorfBezirk Neusiedl am SeeLage der Gemeinde Potzneusiedl im Bezirk Neusiedl am See (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

BW

Potzneusiedl ist eine österreichische Gemeinde mit 579 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im Burgenland im Bezirk Neusiedl am See. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Lajtafalu, der kroatische Lajtica.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Potzneusiedl liegt nahe bei Neudorf bei Parndorf und Gattendorf, am Rande der Parndorfer Platte und am Südufer der Leitha.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1002 heiratete der magyarische König Stefan I. die bayerische Prinzessin Gisela, eine Tochter Herzogs Heinrich II. In der Folge kamen bayrische Adelige, kirchliche Orden und Siedler nach Ungarn (Deutsche Ostsiedlung). Zur Sicherung der Grenze wurden um 1021 die besiegten Petschenegen – sie wurden auch Bissener genannt und stammten ursprünglich aus dem Gebiet zwischen Talas und Donau – am Neusiedlersee angesiedelt.

Potzneusiedl (Lajtafalu) an der Grenze zu Niederösterreich um 1873 (Aufnahmeblatt der 3. Landesaufnahme)

Zu den bayrischen Einwanderern zählten auch die Grafen Poth, die im 13. Jahrhundert Potzneusiedl und Podersdorf gründeten bzw. übernahmen, was sich in den Ortsnamen niederschlug. Ende des 15. Jahrhunderts war das Gebiet Sitz von Kleinadeligen, wie den Herren von Oslip. Anna, die letzte Vertreterin dieser Familie schenkte ihre Anteile am damaligen Herrenhof ihrem Neffen, Johann Vogt von Donnerskirchen. Während des türkischen Einfalls von 1529 wurde der damalige Ansitz zerstört.

Um 1550 wurde der Ort mit Kroaten neu besiedelt; ab 1880 überwog bereits der deutschsprachige Bevölkerungsanteil (327 zu 287 Personen). In den folgenden Jahrzehnten wurde das kroatische Bevölkerungselement sukzessive assimiliert. Die Sprache konnte sich in einzelnen Familien noch bis in die späte Nachkriegszeit halten (Anteil der kroatischsprachigen Bevölkerung: 1900 36,1 %, 1923: 20,6 %, 1935 12,5 % 1981 0,9 %). Heute gilt die kroatische Sprache in Potzneusiedl als ausgestorben. Angemerkt sei, dass das Kriegerdenkmal die Aufschrift "Den gefallenen Helden" auch in kroatischer und ungarischer Sprache trägt.

In der ersten Hälfte des 18. Jh. gehörte der Besitz zur Harrachschen Herrschaft in Bruck an der Leitha. Um die Mitte desselben Jahrhunderts gelangte Potzneusiedl, das niemals von wehrpolitischer Bedeutung war, in das Eigentum des Freiherrn Karl von Bender.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Komitat Moson). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Lajtafalu verwendet werden.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2017
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
55,51
(-7,37)
44,49
(+7,37)


Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 13 Mitglieder.

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997
Partei 2017[1] 2012[2] 2007[3] 2002[4] 1997[4]
Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M.
ÖVP 247 55,51 7 293 62,88 8 123 29,15 4 118 28,71 3 117 31,54 4
SPÖ 198 44,49 6 173 37,12 5 257 60,90 8 267 64,96 8 226 60,92 7
FPÖ nicht kandidiert nicht kandidiert 42 9,95 1 26 6,33 0 28 7,55 0
Wahlberechtigte 560 544 513 486 428
Wahlbeteiligung 86,43 % 89,71 % 86,35 % 87,24 % 92,52 %
Gemeindeamt Potzneusiedl

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Franz Werdenich (ÖVP), der 2010 die Nachfolge von Franz Kaiser (SPÖ) angetreten hatte. Bei der Gemeinderatswahl 2017 konnte er sich mit 55,44 % gegen Andrea Netuschill (SPÖ), die Vizebürgermeisterin ist, durchsetzen. Gemeinsam mit Franz Windisch (ÖVP) bilden diese auch den Gemeindevorstand.[5]

Amtsleiterin ist Romana Puzsar.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Potzneusiedl.jpg Mit Beschluss der burgenländischen Landesregierung vom 13. Juni 2000 wurde der Gemeinde nach deren Antrag das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.

Blasonierung: „In einem goldenen Schild ein roter Pfahl, begleitet von je einer roten Lilie (vorne und hinten); der Pfahl ist mit einem goldenen Pranger belegt.
Die zwei Lilien symbolisieren das Wappen der Grafen Poth, während deren Regentschaft der Ort im 13. Jahrhundert gegründet wurde. Der Name der Grafen lebt bis heute im Ortsnamen weiter. Der Pranger symbolisiert die Eigenständigkeit des Gemeinde und erinnert an die Bedeutung des Ortes, der im 18. Jahrhundert das Marktrecht innehatte. Die Farben der Gemeinde sind rot und gold und finden sich im Wappen wieder.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Windkraftanlage: In der Nähe von Potzneusiedl wurden in den Jahren 2011/12 zwei E-126-Windkraftanlagen von Enercon mit 198,5 m Höhe errichtet, zwei der weltweit größten und leistungsstärksten Windräder mit einer Leistung von je 7,5 MW.[7][8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Potzneusiedl
  • Schloss Potzneusiedl: Der Bau des heutigen Schlosses wurde unter der teilweisen Verwendung von gotischen Grundmauern ab 1796 errichtet. 1808 war der Bau vollendet. Gegen 1850 erwarb die Familie Batthyány den Besitz, der seine Blütezeit noch in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts hatte, als hier glanzvolle Feste gefeiert wurden. Als Gräfin Louise Batthyány, die letzte adelige Besitzerin, 1956 starb, vermachte sie das Schloss ihrem Leibarzt. Dieser behielt die Landwirtschaft und verkaufte das Schloss 1966 dem Wiener Kaufmann Gerhard Egermann, der in den folgenden Jahren das bereits äußerst desolate Gebäude wieder instand setzen ließ und es als Kunst- und Antiquitätenzentrum[9] revitalisierte. Er richtete hier 1970 das Erste Österreichische Ikonenmuseum ein, dessen Glanzstück die „Muttergottes von Kasan“ ist, durch die Potzneusiedl zu einem Wallfahrtsort für fromme Russen wurde. Das Schloss wird heute als riesiges Antiquitätszentrum mit angeschlossenem Antiquariat geführt, dessen Schätze fast sämtliche Räume füllen. Daneben finden immer wieder Sonderausstellungen statt, z. B. Bibeln aus fünf Jahrhunderten (2003). Veranstaltungen wie der Potzneusiedler Theatersommer, Konzerte und Lesungen finden in der ehemaligen Kutschengarage, die als Theater- und Konzertsaal eingerichtet wurde, statt. Seit 1987 ist das Schloss Potzneusiedl Hauptsitz des Österreichisch-Ungarischen Kulturinstitutes und seit 2001 auch Hauptsitz des Österreichisch-Rumänischen Kulturinstitutes.[10]
Im Museum Schloss Potzneusiedl befinden sich:
  • Sammlung von Meisterwerken des 17.–20. Jahrhunderts (österreichische und ungarische Kunst dieses Zeitraumes; seit 1975).
  • Ikonenmuseum: Gründung des Ersten österreichischen Ikonenmuseums (1970).
  • Bibelmuseum: bibliophile Kostbarkeiten, wie eine frühe Bibel von Martin Luther, Künstler-Prachtausgaben des 20. Jahrhunderts (z. B. von Ernst Fuchs), und barocke Heiligenlegenden (seit 2004).
  • Zsolnay-Museum: das dem ungarischen Keramikkünstler Vilmos Zsolnay (1828–1900) gewidmete Keramikmuseum zeigt rund 500 Objekte (seit 1975).
  • Bücherflohmarkt: antiquarischer Büchermarkt
  • Antiquitätenhandel
  • Katholische Pfarrkirche Potzneusiedl hl. Markus: Die im Kern mittelalterliche ehemalige Wehrkirche wurde in erhöhter Lage errichtet und ist von einem Friedhof umgeben. Der quadratische Westturm hat einen Steinpyramidenhelm mit Eckpyramiden.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Geosits: Ergebnisse der Volkszählungen 1900–1981. In: Stefan Geosits (Hg.): Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeit. Edition Tusch, Wien 1986, ISBN 3-85063-160-5, S. 354–376.
  • Nikolaus Wilhelm-Stempin: Das Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten in Österreich, Ungarn, Mähren und der Slowakei. BoD, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-4278-8.
  • Abschnitt „Die Partnergemeinden“ in „TÜPL Bruckneudorf - 150 Jahre Brucker Lager“ von Petra Weiß, Hrsg. Stadtgemeinde Bruck an der Leitha, April 2017, S. 454/455

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Potzneusiedl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Land Burgenland: Wahlergebnis Potzneusiedl 2017 (abgerufen am 29. November 2017)
  2. Land Burgenland: Wahlergebnis Potzneusiedl 2012 (abgerufen am 29. November 2017)
  3. Land Burgenland: Wahlergebnis Potzneusiedl 2007 (abgerufen am 29. November 2017)
  4. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Potzneusiedl 2002 (abgerufen am 29. November 2017)
  5. Gemeinde Potzneusiedl: Gemeinderat (abgerufen am 29. November 2017)
  6. Gemeinde Potzneusiedl: Gemeindeverwaltung (abgerufen am 29. November 2017)
  7. http://energie-und-umwelt.at/energie-news/bewag-baut-weltgroste-windkraftanlage-enercon-e126-863
  8. Potzneusiedl: Stärkste Windräder der Welt. In: burgenland.orf.at. 14. Oktober 2011, abgerufen am 23. November 2017.
  9. Schloss Potzneusiedl
  10. Österreichisch-Rumänisches Kulturinstitut