Poujadismus

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Der Poujadismus war eine populistische politische Strömung im Frankreich der 1950er Jahre und gilt als ein Phänomen kleinbürgerlichen Protestes. Namensgeber war Pierre Poujade, der 1955 die Union de défense des commerçants et artisans (UDCA, dt. Union zur Verteidigung der Händler und Handwerker) als Protestpartei gründete.

Unter der Führung Poujades entstand zwischen 1953 und 1956 eine kleinbürgerliche Anti-Steuer-Protestbewegung von kleinen Geschäftsleuten, Händlern und einigen mittelständischen Unternehmen, die teilweise offene antisemitische Züge trug und sich auch gegen Erscheinungen der wirtschaftlichen Modernisierung sowie der damit einhergehenden Kapitalkonzentration wandte. Die UDCA vertrat auch die Belange der Algerienfranzosen zu Zeiten des Algerienkriegs, setzte sich für die Erhaltung des Wohlstands der Kleinbauern, Einzelhändler und Handwerker ein, die während des französischen Wirtschaftswunders unter den Konzentrationsbewegungen in der Wirtschaft gelitten hatten und stellte sich gegen die etablierten Parteien.

Damit erzielte die UDCA bei den Wahlen 1956 11,6 Prozent der Stimmen und zog mit 52 Abgeordneten in das französische Parlament ein. Auf ihrer Liste wurde auch der damalige jüngste Abgeordnete der Nationalversammlung gewählt, Jean-Marie Le Pen.

Von Seiten der Linken wurden Poujade und seine Anhänger scharf angegriffen und nach einer Karikatur in einer britischen Zeitung als Poujadolf bezeichnet. In den folgenden Jahren sank die Partei allerdings zurück in die Bedeutungslosigkeit. Seit 1962 ist die Partei in keinem Parlament mehr vertreten.

Le Pen führt den Poujadismus und die Tradition der UDCA mit der Front National fort. Als poujadistisch werden heutzutage in Frankreich grundsätzlich alle populistischen oder demagogischen Bewegungen bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karin Priester: Populismus: Historische und aktuelle Erscheinungsformen. Campus 2007. ISBN 359338342X