Powhatan

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Powhatan (Begriffsklärung) aufgeführt.
Verbreitung der Stämme in Virginia um 1610

Mit Powhatan, Powatan oder Powhatan-Konföderation wird ein im 17. Jahrhundert mächtiges Häuptlingstum aus mehr als 30 Indianerstämmen der Tidewater Region (Küstenregion) östlich der Fall Line und nördlich der Great Dismal Swamps im Osten des heutigen US-Bundesstaats Virginia bezeichnet. Der Name leitet sich aus der indigenen Bezeichnung Powhatan (Powatan) / Paqwachowng für das Dorf und den dort siedelnden Stamm (in der Nähe der heutigen Hauptstadt Virginias - Richmond) sowie des ab hier schiffbaren Flusslaufs des James River (vormals: Powhatan River) bis zur Chesapeake Bay ab, da deren Häuptling Wahunsonacock die Konföderation zwischen 1597 und 1607 aufgebaut hatte. Die Engländer übernahmen diesen Namen und bezeichneten das Stammesbündnis als auch dessen Oberhäuptling (Paramount chief) Wahunsonacock als Powhatan bzw. als Chief/King Powhatan.

Die Stämme des Bündnisses zählten sprachlich als auch kulturell zu den Virginia-Algonkin und werden zusammen mit den North-Carolina-Algonkin im Süden allgemein unter dem Begriff Südöstliche Algonkin zusammengefasst. Die Stämme sprachen alle verschiedene, jedoch untereinander gegenseitig verständliche Dialekte des Powhatan oder Virginia-Algonkin, das ebenso wie das Carolina-Algonkin (auch: Pamlico) zu den Östlichen Algonkin-Sprachen zählt.

Wohngebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Herrschaftsgebiet der Powhatan-Konföderation um 1607 umfasste die Tidewater Region (Küstenregion) sowie den Süden der Delmarva-Halbinsel (auch: Eastern Shore of Virginia) der Atlantischen Küstenebene im Osten des heutigen US-Bundesstaats Virginia und reichte von der Chesapeake Bay westwärts bis zum Piedmont. Die Region ist geprägt von vier großen Gezeitenflüssen bzw. deren Ästuaren (Mündungen) in die Chesapeake Bay (von Nordwest nach Südost): dem Patawomeck (Tidal Potomac) River, dem Rappahannock River, dem Pamunkey (York) River sowie dem Powhatan (James) River; deren Flussläufe meist weniger als 30 km voneinander entfernt parallel zueinander verlaufen. Die Powhatan lebten entlang der genannten Flüsse und deren Nebenflüsse östlich der Fall Line, da auf Grund von Wasserfällen oder Stromschnellen für die Stämme die Flüsse nur bis hier schiffbar waren. Im Süden wurde das Gebiet durch den Blackwater River sowie die Great Dismal Swamps begrenzt. Somit befand sich ihr Stammesgebiet östlich einer (von Nord nach Süd) gedachten Linie von Städten: Washington, D.C. (Potomac River), Fredericksburg (Rappahanock River) und Richmond (James River). Zudem wird das Gebiet durch drei große Halbinseln geprägt, die traditionell in Virginia meist Neck genannt werden:

Zudem gibt es noch eine weitere kleinere Halbinsel namens Pamunkey Neck, zwischen dem Mattaponi River und dem Youghtanund (Pamunkey) River im Süden gelegen (den beiden größten Quellflüssen des York River).

Der Powhatan (James) River nimmt zudem nahe der Chesapeake Bay weitere bedeutende Tideflüsse auf - wie den Appomattox River, Chickahominy River, Nansemond River und Elizabeth River.

Die im „Zentrum“ dieses Gebiets lebenden Chickahominy entlang des gleichnamigen Flusses, von dessen Mündung in den Powhatan (James) River nahe dem späteren Jamestown im Charles City County bis zum heutigen New Kent County waren dem Bündnis nicht beigetreten und konnten sich ihre Unabhängigkeit bewahren.[1]

Benachbarte Völker der Powhatan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Engländer an der Küste Virginias landeten, betraten sie eine durch gegenseitige Allianzen, Handel als auch durch Krieg zwischen benachbarten Völkern geprägte Welt. Die Powhatan bildeten hier keine Ausnahme, hatten sie doch an ihren Grenzen mit oftmals feindlichen, hierunter einigen der damals mächtigsten Völkern, zu kämpfen. Entlang der gesamten Atlantikküste sowie die Flussmündungen landeinwärts mussten die Powhatan immer mit Übergriffen und Raubzügen der heute fast vollständig vergessenen Susquehannock (in Powhatan: Sasquesahanough - „Volk des schlammigen Flusses“) rechnen, die fast routinemäßig durch minutiös organisierte und groß angelegten Kriegszüge benachbarte Algonkin-Stämme terrorisierten. Für den schnellen Transport der Krieger sowie deren Verpflegung nutzten sie ihre Kanus und konnten in dem wasserreichen Gebiet so in kürzester Zeit große Strecken überbrücken; zudem wird berichtet, dass sie über besonders ausgefeilte und variable Waffen verfügten. Die Susquehannock wurden als nobel, wagemutig, aber auch als aggressiv, kriegerisch, gebieterisch (herrisch) und als erbitterte Feinde der Irokesen und Algonkin-Völker beschrieben und galten als einer der gefährlichsten und furchterregendsten Stämme der Region entlang der mittleren Atlantikküste. Zudem beeindruckte die Engländer und Schweden ihre enorme Körpergröße, die sie von den benachbarten Stämmen unterschied. Vermutlich aus Angst vor den dauernden Überfällen der Susquehannock befanden sich keine Powhatan-Siedlungen direkt an der Atlantikküste oder im Mündungsgebiet der Flüsse in die Chesapeake Bay sondern meist einige Kilometer landeinwärts.

Im Piedmont westlich der Fall Line zählten die Östlichen Sioux-Völker der Monacan (entlang des Upper James River westlich von Richmond bis in die Blue Ridge Mountains) und die Man(n)ahoac (Mahock)-Konföderation (mindestens acht Stämme umfassend[2], entlang des Rapidan River und des Rappahannock River oberhalb der Wasserfälle nahe Fredericksburg) zu den mächtigsten Feinden der Powhatan-Stämme.

Und weiter im hohen Norden, im heutigen Ohio nahe den Great Lakes, lebten die sehr gefürchteten Massawomeck (eventuell identisch mit den Mingo (Ohio-Irokesen)), die regelmäßig weit südwärts auf Raubzug ins Shenandoah Valley und dem Nördlichen Tidewater Virginia gingen. Zudem gab es ebenfalls mehrere mächtige konkurrierende politische Bündnisse im Bereich der Chesapeake Bay - wie die Piscataway (Conoy) am Nordufer des Potomac River und die mit diesen sprachlich verwandten Nanticoke am anderen Ufer der Chesapeake Bay in Maryland.

Zugehörige Stämme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1572 und 1597 erbte Wahunsonacock, den die Engländer Powhatan nannten, die Häuptlingswürde über die Pamunkey, Youghtanund, Mattaponi, Kiskiack und Werowocomoco und außerdem über die Stämme am James River in seinem Geburtsland unterhalb der Wasserfälle, die Powhatan, Arrohateck, Appamatuck und Orapak. Durch kluge Politik aber auch mit Gewalt gelang es Wahunsonacock schließlich, über dreißig Stämme der Virginia-Algonkin zu vereinen. Im Jahr 1597 unterwarf er die Kecoughtan und vor 1607 gliederte er fast alle anderen Stämme an James und York River in sein Stammes-Imperium ein. Es ist wahrscheinlich, dass die Kontakte zu Europäern das Entstehen von größeren politischen Einheiten bei den Virginia-Algonkin förderten. Einige der zuletzt beigetretenen bzw. unterworfenen Stämme, wie die Chesapeake und andere Völker aus dem Süden Virginias, wurden nie voll in das Bündnis integriert. Die Chickahominy verbündeten sich abwechselnd mit ihren Powhatan-Nachbarn oder mit den Engländern, um ihre Unabhängigkeit zu bewahren.[3]

Die Stämme lebten meist entlang von Flussläufen, an deren Ufern sie ihre Siedlungen errichteten und die Engländer benannten die Stämme daher meist nach ihrem Hauptdorf oder nach dem Fluss, an dem es lag. Geographisch und daher auch politisch lässt sich die Powhatan-Konföderation sehr gut anhand der großen Flussläufe gliedern - da mit zunehmender Entfernung vom Kernland der Konföderation entlang des Powhatan (James) River sowie entlang des Pamunkey (York) River der Einfluss der Zentralgewalt abnahm und die Stämme am Rande des Powhatan-Gebietes sich eine größere Autonomie erhalten konnten - jedoch waren sie starke Verbündete der Powhatan.

Stamm von der Chesapeake Bay flussaufwärts entlang des Powhatan (James) River und auf der Virginia Peninsula
Chesapeake / Chesepian lebten im Mündungsgebiet - Hampton Roads genannt - der Flüsse James River, Nansemond River und Elizabeth River in die Chesapeake Bay, ihr Gebiet umfasste die heutigen Städte Norfolk, Portsmouth, Chesapeake und Virginia Beach. Ihr Hauptdorf Skicoke befand sich wahrscheinlich nahe dem Zusammenfluss des Southern Branch und Northern Branch des Elizabeth River im Stadtgebiet von Norfolk, weitere zwei Dörfer namens Apasus und Chesepioc befanden sich nahe der Chesapeake Bay auf dem Gebiet der heutigen Stadt Virginia Beach. Westlich von ihnen wohnten die Nansemond.
Nansemond ihr Land - das sie Chuckatuck nannten - lag beiderseits des Nansemond Rivers - und umfasste die heutigen Städte Suffolk und Chesapeake, vier Dörfer sind namentlich bekannt (das Hauptdorf Nansemond, dann Mattanock, Teracosick und Mentoughquemec), auf Dumpling Island befanden sich ihre Tempel und der Sitz des Weroancee, die Engländer brannten allerdings das Heiligtum und die Siedlung 1609 nieder, ca. 200 Krieger (lt. Smith; Strachey)
Appamatuck (Appomattoc/ Apamatic) entlang des Lower Appomattox River im Gebiet der Städte Petersburg und Colonial Heights sowie der Counties Chesterfield und Dinwiddie im SW Virginias.
Arrohateck / Arrohattoc lebten entlang des James River im Gebiet des Henrico County, Virginia, ihr Hauptdorf lag ebenfalls am James River an der Stelle des heute allgemein Henrico genannten Gebietes außerhalb Richmonds; ihr Häuptling war Ashuaquid.
Cantauncack York River
Caposepock Pamunkey River
Cattachiptico Mattaponi River
Kecoughtan / Kikotan (Kiccowtan, Kikowtan) lebten im Gebiet der Hampton Roads, ihr einziges bekanntes gleichnamiges Dorf befand entweder im Stadtgebiet des heutigen Hampton oder Newport News, 1597 hatte Wahunsonacock (Powhatan) den Weroance von Kecoughtan getötet und seinen Sohn namens Pochins als Nachfolger eingesetzt, manche Stammesmitglieder der Kecoughtan wurden gewaltsam landeinwärts am Piankatank River umgesiedelt.
Kiskiack / Chisiack / Chiskiack York River
Paspahegh lebten nahe dem Zusammenfluss des James und des Chickahominy Rivers und hatten mehrere Siedlungen flussaufwärts beiderseits des Chickahominy; ihre Dörfer lagen Jamestown (James Fort) am nächsten.
Potchayick James River
Powhatan James River
Quiyoughcohannock James River
Warraskoyack James River
Weanock James River
Stamm entlang des Pamunkey (York) River (auf der Middle Peninsula, nördlich der Virginia Peninsula) und dessen Nebenflüssen - Pamunkey River und Mattaponi River
Menapacunt Mattaponi River
Orapaks Pamunkey River
Pamareke Pamunkey River
Pamunkey Pamunkey River
Paraconosko Pamunkey River
Mattaponi Mattaponi River
Potaunk Pamunkey River
Shamapent Pamunkey River
Quackohamaock Pamunkey River
Werowocomoco York River
Youghtamund Pamunkey River
Payankatank Payankatank River
[3]
Stamm lebten auf der Delmarva-Halbinsel (auch Eastern Shore of Virginia genannt), waren meist nur nominell Mitglied der Powhatan-Konföderation vom Festland, da sie geographisch durch die Chesapeake Bay von diesen getrennt waren
Accomac (Accawmack/Accawmacke) lebten auf der Südliche Delmarva-Halbinsel, zählten ca. 2000 Stammesmitglieder, hatten ihre eigene Konföderation unter der Führung von Debedeavon († 1657) als sie erstmalig 1608 mit Engländern in Kontakt kamen; diese nannten Debedeavon auch "the Laughing King".
Accohannock / Accohanoc / Occohannock lebten entlang des Accohannock Creek in den heutigen Counties von Accomack und Northampton nördlich der Accomac in Virginia; standen unter der Führung von Kiptoteke, dem Bruder von Debedeavon, und waren daher vermutlich politisch der Accomac-Konföderation tributpflichtig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Powhatan auf einer Karte von Virginia, veröffentlicht ab 1612

Ankunft der Engländer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts umfasste der Herrschaftsbereich Wahunsonacocks rund 200 Dörfer mit etwa 10.000 Einwohnern. Powhatans Macht äußerte sich in einer fast orientalisch anmutenden Hofhaltung. Seine Residenz hieß Werowocomoco und lag am Nordufer des York River in der Nähe der heutigen Stadt Yorktown.[4]

Im Mai 1607 erreichte eine englische Expedition die untere Chesapeake Bay und fuhr einen breiten Strom, den sie James River nannten, flussaufwärts. An einer günstigen Stelle gingen die Kolonisten der Virginia Company of London an Land und erbauten ein Fort. Zum Gouverneur der jungen Kolonie wurde Captain John Smith bestimmt. Den indianischen Bewohnern waren die Neuankömmlinge keineswegs willkommen, denn sie hatten zuvor schlechte Erfahrungen mit den Europäern gemacht. Zwei Wochen später griffen Powhatan-Krieger an, um die Stärke der Engländer auf die Probe zu stellen. Der Angriff wurde mit Kanonen und Musketen zurückgeschlagen. Schon bald gingen den Kolonisten die Lebensmittel aus und im Herbst fuhr Captain Smith zu Powhatan am York River, um Mais und andere Lebensmittel zu beschaffen. Es wurden kleine Geschenke ausgetauscht und man versicherte sich gegenseitiger Freundschaft. Die Indianer lieferten den Engländern die dringend notwendigen Lebensmittel.[4]

Noch im gleichen Jahr erhielt Smith den Auftrag, das Land zu erkunden und eine Passage nach Indien zu suchen. Auf dem Chickahominy River wurden die Engländer von Powhatans jüngerem Halbbruder Opechancanough angegriffen und überwältigt. Smith wurde nach Werowocomoco gebracht, während seine Begleiter den Tod fanden. Nach Smith’s eigenen Angaben soll ihn die Häuptlingstochter Pocahontas vor dem Tode bewahrt haben.[4]

Häuptlinge der Virginia-Algonkin von Theodor de Bry, 1590

Im Jahr 1609 wurde Powhatan auf Geheiß von König James I. von den Engländern in einer Zeremonie zum König gekrönt. Natürlich hatte er keine Vorstellung vom europäischen Königtum und nahm die Sache nicht ernst. Die Engländer, in der Mehrzahl Abenteurer und keine Farmer, konnten sich noch immer nicht selbst ernähren, und benötigten weiterhin Lebensmittel von den Indianern. Die früheren friedlichen Handelsbeziehungen und Verbindungen wurden durch den zunehmend herrischer und fordernder werdenden Ton der englischen Kolonisten untergraben. Bei seinen Fahrten durch das Küstengebiet an der Chesapeake beschlagnahmte John Smith mehrmals Maislager der Indianer, wenn er den Mais nicht durch Handel erwerben konnte.[4]

Da der Siedlungsdruck der englischen Kolonisten immer größer wurde, verlegte Powhatan 1609 seinen Wohnsitz nach Orapakes, das am Oberlauf der Chickahominy Rivers inmitten eines Sumpfes lag. Einige Jahre später verlegte er seine Residenz erneut, dieses Mal weiter nördlich nach Matchut am Nordufer des Pamunkey Rivers.

Als im Jahre 1610 einige Engländer in der Nähe von Kecoughtan getötet worden waren, zerstörten die Kolonisten das Dorf. Anschließend griffen sie zwei Dörfer der Warraskoyack an, zerstörten die Stadt der Paspahegh und töteten außer der Königin auch Frauen und Kinder und brannten die Stadt der Queen of Appamatuck nieder.[5]

Kriege gegen die Kolonisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Opechancanough, Häuptling der Pamunkey

Hauptartikel: Englische Powhatankriege

Schließlich war der anfänglich freundliche Umgang miteinander ganz verschwunden. Es wurde den Powhatan offenbar, dass die englischen Forderungen an Umfang und Willkür unerträglich wurden und die Engländer die indianische Souveränität nicht mehr respektierten. Im Jahr 1618 starb das Oberhaupt der Powhatan-Konföderation und Opechancanough, Häuptling der Pamunkey, wurde sein Nachfolger. Am 22. März 1622 überfielen die Powhatan, unterstützt von Chickahominy und einigen Stämme vom Potomac River, unter seiner Führung die englischen Siedlungen und töteten in einem koordinierten Angriff 350 Kolonisten, etwa ein Viertel der englischen Bevölkerung. Es folgte ein Jahrzehnt wechselseitiger Angriffe, doch den Indianern gelang es nicht, die Engländer zu vertreiben, weil sich viele Stämme am Potomac und Rappahannock River neutral verhielten. Die Kolonisten setzten ihre Schikanen gegenüber den indianischen Nachbarn fort, vernichteten zum Beispiel Ernten und Nahrungsmittelvorräte. Ein Vertrauensverhältnis kehrte niemals zurück, selbst als die offenen Feindseligkeiten aufhörten. Ein Gesetz von 1632 drohte dem Siedler strenge Bestrafung an, der freiwillig mit einem Indianer sprach und ihn nicht unverzüglich zu den englischen Kommandanten brachte. Im Jahr 1632 kam es endlich zum Friedensschluss zwischen dem Powhatan-Bund und den Kolonisten.[5]

In den nächsten Jahren vergrößerte sich die Kolonie entscheidend und die Indianer waren nicht in der Lage, die britische Expansion zu stoppen. Ein Krieg in großem Maßstab brach erneut aus, als der betagte Opechacanough am 18. April 1644 einen weiteren gemeinsamen Angriff gegen die Kolonisten begann. Bei diesem Überfall wurden nahezu 500 Kolonisten getötet. Die englische Bevölkerung betrug zu dieser Zeit mehr als 8.000 Menschen und es bestand für die Powhatan nicht die geringste Aussicht auf Erfolg. Nach zwei Jahren wurde der Krieg durch die Gefangennahme Opechacanoughs unter Gouverneur William Berkeley beendet. Im Vertrag vom Oktober 1646 legten die Kolonisten die Bedingungen fest, unter denen das Land der Indianer entscheidend verkleinert und ihre Bewegungsfreiheit beschränkt wurde. Der gefangene 90 jährige Opechancanough beschwerte sich bei Berkeley bitter über seine öffentliche Zurschaustellung. Berkeley gab der Beschwerde statt und befahl, ihn der Würde seines Standes entsprechend zu behandeln. Kurz darauf wurde er von einem englischen Wachtposten in den Rücken geschossen und getötet.[5]

Das Ende der Konföderation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Powhatan-Gruppe brach nach dem Krieg von 1644 bis 1646 und dem Tod Opechancanoughs auseinander. Besonders die Stämme am James River konnten nicht länger von den bis dahin dominierenden Pamunkey beherrscht werden. Die stetig wachsende Virginia-Kolonie und die schwindende Zahl der indianischen Bevölkerung führte schließlich zum Ende der Powhatan-Konföderation.[6]

Powhatan heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Engländer richteten für einige Stämme kleine Reservationen ein, die zwar im Laufe der Jahrhunderte weiter geschrumpft sind aber teilweise heute noch bestehen. Hier sind die Reservationen bzw. Landzuweisungen der Mattaponi und Pamunkey zu nennen, in denen noch heute einige Nachkommen der ehemaligen Powhatan-Konföderation leben. Die Sprache der Powhatan ist ausgestorben. Es gab mehrere bislang erfolglose Versuche, diese anhand der von Smith und William Strachey gesammelten Wörterlisten wiederzubeleben.[7]

Einige Rappahannock und Nanticoke sind in der Powhatan Renape Nation aufgegangen und wurden als Indianerstamm vom US-Bundesstaat New Jersey anerkannt. Sie verwalten dort seit 1982 eine kleine Indianerreservation von 140 ha namens Rankokus Indian Reservation. Die meisten Nachkommen der Powhatan leben jedoch in Oklahoma und in Kanada.

Der berühmteste Powhatan-Renape (und Lenape)-Indianer des 20. und 21. Jahrhunderts war der politische Aktivist Jack D. Forbes, der vor allem durch seine umfassende Kritik an der westlichen Zivilisation (Wétiko-Psychose) und als Streiter für eine bessere Hochschulbildung junger Indianer bekannt wurde.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste nordamerikanischer Indianerstämme

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Powhatan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Virginia Algonquians. In: Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast. S. 253.
  2. die eigentl. Manahoac (lt. Jefferson (1801), in Stafford und Spottsylvania Counties), die Hassinunga (im Quellgebiet des Rappahannock River), die Ontponea (in Orange County), die Shackaconia (am Südufer des Rappahannock River in Spottsylvania County), die Stegaraki (entlang des Rapidan River in Orange County), die Tanxnitania (am Nordufer des Upper Rappahannock River in Fauquier County), die Teginateo (im Quellgebiet des Rappahannock River in Culpeper County) sowie die Whonkentia (nahe der Quelle des Rappahannock River in Fauquier County)
  3. a b Virginia Algonquians. In: Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast. S. 257.
  4. a b c d Siegfried Augustin: Die Geschichte der Indianer. Von Pocahontas bis Geronimo. Nymphenburger, München 1995, ISBN 3-485-00736-6, S. 25 f.
  5. a b c Seventeenth-Century Indian Wars. In: Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast. S. 95 f.
  6. Virginia Algonquians. In: Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast. S. 254.
  7. Virginia Algonquians. In: Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast. S. 265 ff.